
Im aktuellen Radtouren-Magazin bringen wir alle Infos zum Radreiseland Norwegen. Udo Henn war nicht nur dort unterwegs, sondern fuhr auch mit dem Rad dorthin. In weniger als zwei Monaten radelte er vom flachen Niederrhein mit dem Rad zu den Steilküsten Norwegens. Sein augenzwinkernder Reisebericht erzählt davon.

Plötzlich war die Luft weg. Ich stürzte mit meinem Trekkingrad und zog mir einen Lendenwirbelbruch zu. Die Rede ist hier nicht von der Atemnot, die mitunter bei falschem Ehrgeiz eines „Pedalritters“ auftreten kann. Vielmehr führte ein geplatzter Schlauch am Hinterreifen meines Trekkingrades und damit meine fehlende Kontrolle über mein Fahrrad zum Sturz mit Folgen. Das geschah im April 2010 am Möhnesee im Sauerland. Einmal wollte ich die schöne Region mit dem Rad erkunden, zum anderen eine ideale Trainingsroute von meiner Heimatstadt Mönchengladbach bis dort für meine geplante Foto-Fahrradtour (FFT) nach Norwegen nutzen. Nunmehr war mein Traum von meiner FFT ausgeträumt – zumindest zunächst.
Dank meines sehr hilfreichen Orthopäden konnte ich nach einigen Monaten schmerzhafter „Fahrradfahrenabstinenz“ am 20. 6. 2011 mit ungeduldiger Freude zu meiner geplanten Tour aufbrechen. Nicht nur ich fühlte mich dabei wie „runderneuert.“ Für die Norwegen-Tour wollte ich auch technisch, d. h. mit einem neuen Trekkingrad bestens gerüstet sein.Ich setzte mich mit Fallbrook Technologies International Co., dem Europamanager Jack Brandsen in Verbindung und informierte ihn über mein Radreisevorhaben und bekundete dabei mein Interesse an der NuVinci N360 Fahrradschaltung. Sie arbeitet stufenlos, lässt sich im Stand sowie am Berg unter Belastung schalten – also für mein Vorhaben die ideale Schalttechnik. Jack Brandsen sponserte mir die NuVinci N360 und der ungarische Fahrradhersteller Olimpia Bicycle Ltd. ein neues Gepida Alboin 700, in die das Unternehmen die Schaltung einbaute. Zusätzlich stattete die Firma das wunderschöne Fahrrad mit drei vorderen Kettenblättern aus. Mit dieser außergewöhnlich großen Schaltbreite, den ausgezeichneten Fahreigenschaften und der Zuverlässigkeit meines neuen Fahrrades (sie konnte ich nach meiner Rückkehr bestätigen) waren die Voraussetzungen für ein entspanntes Reisevergnügen erfüllt.
Norwegen stellt besondere Herausforderungen an Mensch und Material. Bereits auf der Hinfahrt mit dem Katamaran der Fjord Line bestimmte das raue Meer bei meiner Überfahrt zwischen Hirtshals (Dänemark) und Kristiansand (Norwegen) den Komfort der Schiffsreise. Gut dass mein Fahrrad an eine der Innenwände des flotten Katamaran mit einem Gurt festgezurrt war. Das Zweirad hätte sich ohne Sicherung selbständig gemacht und ohne mich die Reise nicht fortsetzen können. Ein paar Mitreisende an Deck des Schiffes kotzten. Das Personal kippte mit vollen Wassereimern das Gegessene über Bord. Der Katamaran fiel in das Tal der Wellen, schlug hart auf, und der Wellenreiter erbebte, und die Bestuhlung zitterte.

Das war der Beginn meines Abenteuers, das ich in Kristiansand glücklich „gelandet,“ durch Norwegen fortsetzte. Bereits die ersten zu fahrenden Kilometer begannen mit einer beachtlichen Steigung, an die ich mich erst gewöhnen musste. Die norwegische Stadt Evje noch an diesem Tag erreichen zu wollen, schien mir von daher nicht sinnvoll. Es war bereits später Abend und mein gestresster Körper verlangte nach einer Eingewöhnung und allmählichen Anpassung an das Auf und Ab dieser bergigen, wunderschönen Welt Norwegens. So fand ich auf etwa halber Strecke eine Unterkunft in einer Privatpension, die ich wegen des Ambiente mit „etwas schräg“ bezeichnen möchte. Die Hausherrin, mit Weinfalsche in der Hand, war etwas angetrunken. In ihrem Zustand ließ sich über den Preis für meine Übernachtung gut in meinem Sinne verhandeln. Glücklich, hier meine erste Unterkunft gefunden zu haben, fuhr ich im Geiste meine bisherige Fahrroute noch einmal und machte in meinem gut geführten Tagebuch meine Notizen. Mit den letzten Buchstaben meiner Eintragung fielen auch meine Augen allmählich zu, und ich entledigte mich bereits schlaftrunken meiner Klamotten. Meine verwirrten Träume, die mich in der Nacht verfolgten, kann ich nicht mehr wiedergeben.
Der nächste Tag brachte mir das wunderschöne Setesdal mit seinen zahlreichen Fjorden links und rechts meiner Wege näher. Der besondere Reiz dieser landschaftlichen Schönheit liegt im Wechsel von engen Talpartien mit senkrechten Felswänden und weiträumigen, fast lieblichen Abschnitten. Meine nächste Etappe nach Hovden war für landschaftliche Überraschungen gut, und auch die Wetterverhältnisse sorgten für Abwechslung- wenn auch mal vom Regen völlig durchnässt, nicht unbedingt für eine wünschenswerte. Die nur kalte Dusche im angemieteten Blockhaus für die Nacht mochte ich nun wirklich nicht. Kaltes Wasser hatte ich bei meiner Fahrt genug abbekommen. Es half nicht. Zappelnd und hin und her springend tänzelte ich darunter her.
Wasser begegnet einem in Norwegen in Hülle und Fülle, ob als Regen, Fluß, Bergbach oder atemberaubender Fjord. In Rjukan war es ein rauschender Fluss gegenüber der Jugendherberge, der mich in dieser sanft einschlafen und fest durchschlafen ließ. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges begann in Rjukan der Kampf um das sogenannte Schwere Wasser. Auf diese besondere Geschichte will ich nicht eingehen. Sie würde den Rahmen meines Berichts sprengen. In der Jugendherberge mit einem vielseitigen Frühstück gut gestärkt, erreichte ich mit leichtem Tritt über einen Teil der größten Hochebene Skandinaviens – die Hardangervidda – den kleinen Ort Uvdal. Die freundliche Wirtin der Jugendherberge überzeugte mich mit ihrer Schilderung über die wechselvolle Nutzung des über 100 Jahre alten Hauses mit teilweise ebenso altem Farbanstrich einiger Räume sowie der bunten Vielfalt der Landschaft mit seiner idyllisch gelegenen Stabkirche so sehr, dass ich zunächst von hier gar nicht mehr weiter reisen wollte. Ich blieb eine Woche in Uvdal und begab mich mit einem unterhaltsamen Lehrer dänischer Herkunft an einem späten Abend mit meiner Kamera auf „Elchjagd“ – leider erfolglos. Elche habe ich bisher nur auf den in diesem Land zahlreichen Warnschildern gesehen.

In Uvdal und Umgebung hätte ich noch weiter mit meiner Kamera die reizvolle Landschaft erkunden und vielleicht doch noch mit einer erfolgreichen „Elchjagd“ beenden können. Aber ich musste weiter, um meinen Reiseplan erfüllen zu können. Am Morgen des 13. 7. verabschiedete ich mich von der netten Hauswirtin sowie dem unterhaltsamen dänischen Gast.Nicht weit von Uvdal entfernt, erreichte ich über den Wintersportort Geilo bei Haugastöl den insbesondere bei Wanderern und Radsportlern bekannten Rallarvagen. Auf zunächst ebenem Weg wurde dieser im Verlauf mit seinen Schottersteinen immer schwieriger zu befahren. Beliebt waren diese Passagen bei Mountainbikern, sie begegneten mir häufig im wilden Galopp über Stock und über Stein rasend. Ich wollte an meinem Rad mit schwerem Gepäck keinen Speichenbruch provozieren. Das Schieben eines Fahrrades kann auch zu einem Erlebnis führen. So konnte ich in Ruhe, mein Rad schiebend, die grandiose Berglandschaft genießen, anstatt mich beim Fahren auf die Geröllstrecke konzentrieren zu müssen. Die Bahnstation Finse ist mit 1022 Meter über Normalnull die höchstgelegene Bahnstation Skandinaviens. Bis hier hatte ich es nun wirklich nicht eilig. Es gab so viel Schönes zu entdecken. Dabei merkte ich noch nicht einmal, dass sich der Tag dem Ende näherte. Kurz entschlossen, entschied ich mich zu einer Bahnfahrt von Finse bis Myrdal, der nächsten Bahnstation. Mein kurzer Entschluss war mit einer Wartezeit von circa vier Stunden auf den Zug der Bergenbahnen verbunden. Die Berge zwingen zur Ruhe und Gelassenheit. Der Zug rollte an. Ich begab mich in eine Stresslage. Mein Gepäck musste ich vom Fahrrad abnehmen und es in einen der vorderen Waggons schieben. Das Gepäck befand sich in etwa der Mitte des Zuges. Die Schaffnerin hatte bereits die Hand zum in Abfahrt-Signals gehoben, schob dann aber, Gott sei Dank, mein Gepäck auf die Plattform in einen der Waggons und ließ mich mit einer Geste der Ruhe irgendwo zwischen Rad und Gepäck einsteigen. Ich hoffte, in Myrdal Gepäck und Rad wieder beisammen bringen zu können, und das gelang mir auch mit der Hilfe eines freundlichen Mitreisenden. Nachdem mir der Bahnhofswirt in Myrdal den Tipp einer Übernachtungsmöglichkeit gegeben hatte, und ich die dann auch in einem unterhalb des Bahnhofs gelegenen B & B – Hauses fand, kehrte ich wieder zu meiner gewohnten Ruhe zurück. Die Wirtin des Hauses stammte aus Deutschland und ist Fotografin von Beruf. Ihre Bergfotos begeisterten mich, und so wollte auch ich mit meiner Kamera die Bergwelt „ins`s rechte Licht rücken.“ Mit dem reichhaltigen und exzellenten Frühstück war ich gut auf meine nächste Etappe von Myrdal bis Fläms eingestellt. Der Rallarvagen führte nun steil bergab, und die letzten Kilometer so steil, dass ich mit beiden angezogenen Bremsen in`s Rutschen kam. Ich stieg auch mal ab, wenn mir der Vorwärtsdrang meines Rades zu heikel wurde und begleitete es auch dann mit im Wechsel Anziehen und Loslassen der Bremsen. Über die letzten asphaltierten Kilometer der Strecke erreichte ich fast mühelos den Ort Fläms, wenn mich auch vorher eine Ziegenherde mitten auf dem Weg zu einem kleinen Umweg zwang.

Fläms mit seinen zahlreichen Touristen ließ mich kurzzeitig vergessen, dass ich mich in einem Land befinde, das nur dünn besiedelt ist. Unterwegs traf ich häufig nur gegen Abend auf Menschen, die wie ich, nach einer Unterkunft Ausschau hielten. Es war Nachmittag und für mich noch zu früh, um mich um eine Übernachtung zu kümmern. Die fand ich später in einer spartanisch ausgestatteten Hütte in Aurland an einem Seitenarm des Sognefjords. Da hatte der liebe Gott aber alle Trümpfe seiner Landschaftsgestaltung auf den Tisch gelegt. Das machte mich andächtig, und ich war gleichzeitig wie berauscht vom Anblick der Berge, die den in der Abendsonne leuchtenden Fjord umsäumen. So blieb ich dann einen Tag länger als geplant, um von hier aus meine Rückreise anzutreten. Schöner kann es ja nicht mehr werden, dachte ich mir.
Ich begab mich viel zu früh am Morgen auf den Weg zurück nach Myrdal. Ich wollte den Zug nach Voss nicht verpassen. Denn ich hatte den beschwerlichen Abstieg noch in Erinnerung und dachte mir, dass es hinauf für mich noch anstrengender werden könnte. Das bestätigte sich nicht. Hinauf kam ich recht gut, wenn auch das Vorderrad beim Schieben über Geröll häufig nach Rechts abrutschte. In Myrdal früh angekommen, musste ich auch diesmal wieder lange auf den Zug warten. Das kannte ich ja bereits schon von meiner Hinfahrt und verbrachte die Wartezeit mit Lesen im Bahnhof. Von hier ging es dann mit der Bahn Richtung Voss. Oft gab die rasante Zugfahrt den Blick auf die grandiose Bergwelt frei. Das war auf der Reise von Fläms nach Myrdal genauso. Nach Voss kehrte am lieblichen Hardangerfjord wieder die große Ruhe in der Natur zurück. Zahlreiche Obstplantagen säumten die Ufer des Hardangerfjords. Frisch gepflückte Morellen wurden am Straßenrand angeboten. Ich gönnte mir den Genuss der belebenden Frucht und genoss auch hier den von der Sonne in ein gleißendes Licht getauchten Hardangerfjord. Gut gelaunt, pedalierte ich locker bis zum Ort Lofthus und fand dort in der Jugendherberge eine gute Unterkunft.
Mit bester Laune und vom reichhaltigen Frühstück gut gestärkt hielt ich weiter meinen Kurs gen Heimat, wenn ich auch das Gefühl hatte, ihr seit meiner Abreise nicht näher gekommen zu sein. Ein gewaltiges Hindernis aus kleinem und größerem Felsgestein, das sich von einer Felswand gelöst hatte, versperrte mir den schmalen Weg, der nach rechts steil zum Hardangerfjord abfiel. Mit Mühe und Not, nicht den Hang hinunter abzustürzen, zerrte ich mein schwer beladenes Fahrrad Block für Block über das Geröllfeld. Zwischendurch musste ich immer wieder eine kurze Erholungspause einlegen. Gott sei Dank hatte ich diese Tortour nach etwa 20 Minuten schadlos überstanden und fühlte mich erleichtert. Wie auf Flügeln getragen setzte ich meine Fahrt fort.
Das nächste Abenteuer ließ jedoch nicht lange auf sich warten, und diesmal kam es für mich knüppeldick. Ich hatte Todesangst. Ich weiß heute, dass es ein Fehler war, mich als Fahrradfahrer durch den etwa sechs Kilometer langen Haukelitunnel, der nach Roerdal führt, zu wagen. Es regnete heftig. Wasserdunst umhüllte die Einfahrt des Bergtunnels, und ich hatte keinen Weg gefunden, der rechts oder links an ihm vorbeiführte. Die Autos, die links an mir vorbeirasten, verursachten in der riesigen Röhre einen Höllenlärm. Hinzu kam das häufige, ohrenbetäubende Hupen der Autofahrer, und mir wurde klar, dass ich hier als Fahrradfahrer nichts zu suchen hatte. So schob ich mein Fahrrad so nah wie möglich an der Felswand entlang, so weit weg von der lebensbedrohlichen Fahrbahn. Endlich, nach mehr als einer Stunde, sah ich Licht am Ende des Tunnels. Ich war erleichtert. An der frischen Luft nahm ich einen tiefen Atemzug und sagte mir, dass ich seit sieben Jahren nicht mehr rauche und gerade in dem Tunnel meine Lungen wieder geschädigt habe. Der Tag war gelaufen, und ich mietete mich kurzerhand in einer mit allem Komfort – Sauna, Boot u. a. nahm ich nicht in Anspruch – ausgestatteten Hütte ein. An diesem Abend machte ich noch nicht mal meine Notizen ins Tagebuch, das ich bis dahin täglich geführt hatte. Die Erlebnisse dieses Tages werde ich ohnehin nie vergessen.
Bei meiner Rückreise legte ich „einen Zahn zu“. Einmal musste ich mich ja von dem wunderbaren Land verabschieden. So fuhr ich dann in gutem Tempo von hier in vier Tagen nach Stabanker, eine quirlige Stadt mit sehenswerten Kontrasten in der Architektur zwischen Alt und Neu. Über mehrere Städte erreichte ich am 24. Juli den Hafen von Kristiansand. Ich möchte nicht unhöflich sein, wenn ich festhalte, dass mich Kristiansand und die vorangegangenen Städte nicht mehr sonderlich interessierten. Das Stadtleben ist mir durch Mönchengladbach und die umliegenden noch größeren Städte vertraut. Ich hatte genug und wollte nach Hause.
Udo Henn: von Mönchengladbach nach Norwegen
Wer keinen Helm trägt macht sich schuldig?
Der Vsf g.e.V wendet sich scharf gegen das jüngste Gerichtsurteil, das helmlose Radfahrer als „mitschuldig“ ansieht. Hintergrund: Das Oberlandesgericht (OLG) von Schleswig Holstein hat in einem Urteil vom 5. Juni 2013 (Aktenzeichen 7 U 11/12) einer sich regelkonform verhaltenden Radfahrerin eine Teilschuld an ihren bei einem Unfall zugezogenen Verletzungen zugesprochen, weil sie keinen Helm getragen hatte. Dies teilte das OLG in einer Pressemitteilung vom 17. Juni mit. Darin heißt es unter anderem zur Urteilsbegründung:

„Die Fahrradfahrerin trifft ein Mitverschulden an den erlittenen Schädelverletzungen, weil sie keinen Helm getragen und damit Schutzmaßnahmen zu ihrer eigenen Sicherheit unterlassen hat. […] Der gegenwärtige Straßenverkehr ist besonders dicht, wobei motorisierte Fahrzeuge dominieren und Radfahrer von Kraftfahrern oftmals nur als störende Hindernisse im frei fließenden Verkehr empfunden werden. […] Daher kann nach dem heutigen Erkenntnisstand grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass ein verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens beim Radfahren einen Helm tragen wird, soweit er sich in den öffentlichen Straßenverkehr […] begibt.“ (Der vollständige Text kann hier nachgelesen werden)
Das Urteil ist eine Gefahr für das Verkehrsklima in Deutschland
In einer Pressemitteilung nimmt der VSF g.e.V. dazu wie folgt Stellung: „Wir halten das Urteil des OLG Schleswig Holstein für rechtswidrig. Es verstößt u.a. gegen Art. 2 GG, der u.a. das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Unverletztlichkeit der Freiheit der Person garantiert. Außerdem ist es für das ohnehin angespannte Verkehrsklima in Deutschland äußerst gefährlich“, sagt Albert Herresthal, Vorsitzender des Verbunds Service und Fahrrad (VSF g.e.V.). „Besonders die zur Begründung herangezogene Einschätzung, Radfahrer würden von Kraftfahrern oftmals nur als störende Hindernisse im frei fließenden Verkehr empfunden, birgt die Gefahr in sich, als Rechtfertigung für verkehrsgefährdendes Verhalten von Kraftfahrern missverstanden zu werden. Dem Opfer eine Mitschuld an Verletzungen zu geben, die durch eine grobe Fahrlässigkeit der Halterin des PKW verursacht wurden, widerspricht nicht nur dem Gerechtigkeitsempfinden, sondern auch dem Verursacherprinzip.“
„Es gibt in Deutschland nach wie vor keine Helmpflicht für Radfahrer“, erläutert Ulf Christian Blume, Justiziar beim VSF. „Deshalb kann der sich regelkonform verhaltenden Radfahrerin auch keine Teilschuld an ihren Verletzungen zugesprochen werden. Würde man einem Autofahrer eine Teilschuld an seinen Verletzungen zusprechen, wenn er unverschuldet in einen Unfall verwickelt wurde und sein Auto über keinen Airbag verfügt? Auch in diesem Fall müsste man nach der Logik des aktuellen OLG-Urteils sagen, der Autofahrer habe ‚Schutzmaßnahmen zu seiner eigenen Sicherheit unterlassen’. Dieses Urteil weist einen völlig falschen Weg für das gesellschaftliche Zusammenleben.“
Keine Helmpflicht durch die Hintertür!
Die Studie „Schädel-Hirn-Verletzung – Epidemiologie und Versorgung“ des Zentrums für Qualität und Management im Gesundheitswesen zeigt unter anderem auf, dass bei den durch Verkehrsunfall am Kopf Verletzten mehr PKW-Insassen waren (758) als Radfahrer (602). „Es ist also eine ziemlich willkürliche Interpretation des Gerichts, bei Radfahrern ein besonderes Risiko zu unterstellen und das Nicht-Tragen eines Helms als fahrlässigen Leichtsinn zu denunzieren“, lautet das Fazit Herresthals. „Wir gehen davon aus, dass das Urteil vor einem Bundesgericht keinen Bestand hätte und können der Radfahrerin nur empfehlen, in Berufung zu gehen. Es kann nicht die Aufgabe eines Gerichts sein, eine Helmpflicht durch die Hintertür einzuführen.“
Das richtige Rad für den richtigen Bedarf
Radfahren ist nicht gleich Radfahren. Der ambitionierte Hobbyrennradler benötigt ein anderes Gefährt, als der urbane Pendler, der damit regelmäßig auf die Arbeit fährt. Und der aktive Bergfreund ein anderes, als ein Senior, der auf diese Weise mobil sein möchte. Auf was ist bei der Auswahl für das passende Rad zu achten und für wen eignet sich welcher Drahtesel?

Gründe für den Fahrradkauf
Für den Kauf eines schönen Rades gibt es zahlreiche Gründe. Heutzutage wird immer mehr Menschen bewusst, wie stark der Klimawandel schon im Gange ist und wie groß der Einfluss des Menschen auf die Umweltzerstörung ist. Entsprechend steigen viele gerne auf Fahrräder um, um ihren Beitrag zu leisten.
Grundsätzliche Fragen
Die allererste Frage, die man sich vor dem Kauf eines Fahrrads stellen muss, ist die nach den eigenen Finanzen. Denn wie in fast allen Bereichen gilt, dass die eigenen Vorstellungen sich nach dem Machbaren richten müssen. Es geht ja vor allem darum, für den eigenen Bedarf das adäquate Gefährt zu finden. Wer also die höchsten Ansprüche hat, wird wohl kaum mit einem Fahrradangebot vom Discounter glücklich werden. Wer hingegen bereit ist, das nötige Kleingeld zu investieren, hat kaum Beschränkungen in Sachen Ausstattung und Qualität.
Grundsätzlich gilt, dass ein wirklich gutes Fahrrad teuer ist. Gerade in Deutschland haben aber viele Menschen die Vorstellung, dass die Produkte, die sie erwerben, nichts kosten dürfen, aber qualitativ sehr hochwertig sein müssen. Unter etwa 500 Euro sollte man, wenn man länger Spaß am Rad haben möchte, allerdings nicht investieren. Aber auch hier gibt es keine pauschale Aussage: Denn wer sein Rad jeden Tag benutzen möchte, benötigt eine hohe Qualität, was das verbaute Material angeht. Zugleich ist die Frage nach dem Gelände auch ganz wesentlich für die Kosten, mit denen man zu rechnen hat. Denn selbstverständlich gibt es auf geteerten Straßen wesentlich weniger Verschleiß als im Gelände.
Auf den ersten Blick unterscheiden sich E-Bikes nur durch den unterstützenden Elektromotor von klassischen Fahrrädern. Es gibt allerdings deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen E-Bike-Typen, die sich auf verschiedene Eigenschaften der Fahrräder auswirken und somit erheblichen Einfluss haben.

Zudem gibt es rechtliche Besonderheiten, so gelten E-Bikes etwa nur bis zu einer Motorstärke von 0,25 kW und einer maximalen Geschwindigkeit von 25 km/h als Fahrräder und dürfen ohne Führerschein genutzt werden. Alles in allem sind beim Thema E-Bikes daher eine ganze Reihe an Punkten zu beachten.
Der Stadflitzer: Das Citybike
Anders als oben angedeutet, braucht man für ein ordentliches Citybike nicht unbedingt um die 500 Euro zu investieren. Die Citybikes sind bereits für 350 Euro zu haben. Natürlich wird man aber auf Dauer mehr Spaß haben, wenn man mehr als diese Mindestsumme investiert. Grundsätzlich besitzen sie eine Grundausstattung, die man so für die Stadt brauchen kann: Fahrradklingel, Rückstrahler, Licht sowie Schutzbleche und notwendige Gepäckträger. Mehr als drei bis sieben Gänge braucht ihre Schaltung übrigens nicht. Sie sind vor allem für Stadtfahrten und Einkäufe geeignet, was nicht bedeutet, dass es nicht sinnvoll ist, sich die Infos über die Stadtflitzer zu besorgen, um das bestmögliche Resultat zu erzielen. Die Sitzhaltung der Citybikes ist recht komfortabel, da sie nicht für sportliche Zwecke gebaut ist. Das erlaubt ein relativ bequemes Fahren, aerodynamisch ist es allerdings natürlich nicht. Das Auf- und Absteigen ist übrigens relativ leicht, weshalb diese Art der Fahrräder auch gut für ältere Menschen oder welche mit körperlichen Einschränkungen geeignet ist.
Übrigens ist es für die Fahrt in der Stadt ganz besonders wichtig, Reflektoren für die Fahrt zu benutzen, falls man auch im Herbst oder zu Frühlingsbeginn auf dem Fahrrad mobil sein möchte. Ansonsten empfiehlt es sich, auch beim Fahrradschloss nicht zu geizen. Denn besonders in Großstädten werden Fahrräder gerne geklaut, dann wäre die Investition schon wieder weg. Ansonsten lohnt es sich, noch einige weitere Tipps einzuholen, um den optimalen Kauf zu gewährleisten.
Es gibt noch eine Variante zu den typischen Citybikes, die Hollandräder. Der Name stammt daher, dass diese Gefährte in den Niederlanden einfach die am häufigsten benutzten Fahrräder sind. Wie so häufig gibt es auch hier eine Damen- und Herrenausführung. Durch seine seit Ewigkeiten unveränderte Bauform bekam es schon gelegentlich den etwas abwertend klingenden Namen „Omarad“. Allerdings sollte man diesen Beinamen nicht überinterpretieren. Es handelt sich um sehr bewährte Formen, was der Grund dafür sein dürfte, dass sich ewig nichts verändert hat. Wo manche es sehr altbacken finden, freuen sich andere im Zuge des Retrokults über die klassischen Formen. Am Ende bleibt es hier Geschmackssache, ob man zu den optisch moderneren Citybikes oder dem Hollandrad greift.
Das Trekkingrad – der Allrounder
Obwohl man es auch für den Stadtgebrauch nutzen kann, ist das Trekkingrad durchaus auch für längere Touren geeignet, wenn man es nicht übertreibt und es in allzu unwegsames Gelände mitnimmt. Der größte Vorteil an den Trekkingrädern dürfte in ihrer großen Vielseitigkeit liegen. Denn sie eignen sich für viele Arten von Untergründen wie zum Beispiel festere Waldwege, Schotter und natürlich feste Straßen. Auch über die Bordsteinkante kann man mit ihnen schon einmal fahren, ohne gleich fürchten zu müssen, dass das Fahrrad dadurch zerlegt wird. Dabei ist der Facettenreichtum der Gefährte leicht dadurch zu erklären, dass sie ursprünglich speziell für längere Touren auf unterschiedlichen Terrains konzipiert worden sind.
Stadttauglich sind sie vor allem deshalb, weil sie regelmäßig über Gepäckträger, Rückstrahler, Licht und Schutzbleche verfügen. Zudem sind sie meistens mit bequemen Satteln, Lenkern und entsprechenden Federungen ausgestattet. Gerade dann, wenn man beispielsweise über Land fährt und ein Picknick veranstalten will, sind die Räder ideal. Sie haben aber noch den weiteren Vorteil, dass sie ein gutes Stück sportlicher sind als die sogenannten Cityräder. Wer letztendlich meistens nur in der Stadt unterwegs ist und nur Kurzstrecke fährt, kann aber guten Gewissens zu den Cityrädern greifen.
Wer aber gerne etwas sportlicher unterwegs ist und sich vorstellen kann, sein Rad für alle möglichen Zwecke verwenden zu wollen, ist mit einem Trekkingrad auf jeden Fall gut beraten.

Das Rennrad – erfüllt einen Zweck, aber den richtig
Rennräder sind echte Sportgeräte und sollten auch genauso behandelt werden. Sie sind im Gegensatz zu den Citybikes und Trekkingrädern nicht für den üblichen Stadtverkehr gedacht. Dafür aber erreichen sie Höchstgeschwindigkeiten und sind auch genau darauf ausgelegt. Entsprechend sind sie auch ausschließlich auf asphaltierten Straßen zu benutzen, um ihre Vorteile optimal ausspielen zu können. Sie sind so aerodynamisch wie möglich gebaut, der relativ schmal geformte Sattel sitzt höher als der Lenker, sodass man als Fahrer nach vorne gebeugt sitzt. Komfortabel sind die Geräte also keineswegs.
Da es bei den Rennrädern vor allem aufs Gewicht ankommt, werden hier Materialien wie Karbon oder Aluminium eingesetzt, die gleichzeitig sehr leicht und extrem stabil sind. Dadurch, dass sie so gut wie keine Extras haben, eignen sie sich beispielsweise nicht für den regelmäßigen Wocheneinkauf. Als explizites Sportgerät fehlt meist die umfängliche Ausstattung für den allgemeinen Straßenverkehr wie etwa Beleuchtung oder Reflektoren. Durch die Sitzhaltung sind sie für Menschen mit Rückenproblemen auf gar keinen Fall geeignet. Entsprechend sind sie nur für den Sport geeignet.
Mountainbikes – Ab ins Gelände!
Obwohl sie vermehrt auch in der Stadt benutzt werden, sind sie die klassischen Vehikel für die Radfahrt im Gelände: Mountainbikes. Sie besitzen eine überaus charakteristische Form, die ihnen durch die markigen Rahmen und die dicken Reifen verliehen wird. Um ihren Zweck zu erfüllen, benötigen sie eine stabile Federung und starke Bremen. Bei der starken Beanspruchung im Gelände spielt eine hochwertige Verarbeitung eine besonders wichtige Rolle.
Durch diese spezifische Bauweise sind sie allerdings nicht wirklich für den Alltagsgebrauch geeignet. Aus diesem Grund sollte man sie ähnlich wie die Rennräder als Sportgeräte betrachten und sie für diesen Zweck kaufen.
Fazit
Abschließend kann man also sagen, dass es für die verschiedensten Typen diverse Optionen gibt, ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Abhängig vom Geldbeutel und der eigenen Expertise sind den Erwartungen praktisch keine Grenzen gesetzt. Allerdings sollte man sich noch sehr genau überlegen, wo man sein Fahrrad kauft, um nachhaltig zufrieden mit der Kaufentscheidung zu sein. Im Fachhandel kann dazu auch eine professionelle Beratung zusätzliche Hilfestellung geben.
E-Bike-Rundumangebot Österreichs in Kärnten

Die Region Mittelkärnten in Österreich (Längsee, Burg Hochosterwitz, St. Veit an der Glan) hat das nach eigenen Angaben erste E-Bike Komplettangebot in Österreich gestaltet. Es werden nicht nur Touren mit E-Bikes in die touristischen Zentren angeboten, sondern auch die Bestrebungen der Region zur Energieeffizienz gezeigt.
Ausgehend von der multimedialen Ausstellung „Erlebnis Energie“ im St. Veiter Fuchspalast führt die „Energie Tour“ zu sechs interessanten Energieschauplätzen rund um St. Veit an der Glan. Dazu zählen große Photovoltaikanlangen und ein Industriepark, in dem weltweit führende Hersteller im alternativen Energiesektor ihren Sitz haben.

Acht weitere lückenlos ausgeschilderte Touren zu den Themen „Wörthersee“, „Wasser“, „Kultur“, „Metnitztal“, „Görtschitztal“, „Genuss“, und „Tibet“ erschließen alle wichtigen Räume der Region und binden auch die angrenzenden Tourismusdestinationen an. Großer Wert wurde hierbei auf umweltfreundliche Transfers gelegt: etwa durch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die Fahrradmitnahme im S-Bahn System. Ein Transfersystem mit regionalen Taxi- und Busunternehmen sorgt für Mobilität auf kurzen Wegen.

Zwei Verleihstellen bieten eine große Auswahl an e-Bikes und geprüfte E-Bike-Guides führen den Gast zu den spannenden und schönen Natur- und Kultur-Highlights der Region. Die Länge der Touren wurde speziell an die Reichweite von E-Bikes angepasst. Buchbare Packages erleichtern dem Gast die Organisation und beinhalten von E-Bikes, Übernachtung, Eintrittskarten bis hin zu Gutscheinen alles, was der Gast braucht. Gefahren wird von Mai bis Oktober, je nach Wetterlage kann die Saison auch verlängert werden.

Infos zu den Tourdaten, Wegbbeschreibungen, ein Verzeichnis radfreundlicher Betriebe und GPS-Daten gibt es unter: www.mittelkaernten-ebiken.at Auch als Smartphone App „Mittelkärnten“ für Android und iOS sind die Infos gebündelt und kostenlos in den jeweiligen App-Stores erhältlich sowie klassisch als Broschüre (Road Book) vor Ort.
Quelle: Tourismusverein Mittelkärnten | Tom Lamm/ikarus.cc
Die Reichweite und das E-Bike
„Und wie weit komme ich damit?“, ist eine der wohl häufigsten Fragen von E-Bike-Novizen. Die modernen leistungsfähigen Akkus mit Lithium-Ionen-Technologie können unter optimalen Bedingungen Reichweiten jenseits der 100-Kilometer-Marke erzielen. Solche Angaben sind allerdings nur relativ, denn die Bedingungen sind selten optimal und die Reichweite eine Frage des Fahrstils.

Wie man dem Akku möglichst viele Kilometer entlockt und was E-Biker sonst noch über die Reichweite wissen sollten, erklärt der pressedienst-fahrrad in den folgenden zehn Tipps und Tricks.
1. Wie groß ist eigentlich der „Tank“?
Je mehr Energie im Akku gespeichert werden kann, umso weiter kommt man theoretisch mit dem E-Bike. Wer ein E-Bike mit möglichst großem Energiespeicher erwerben möchte, der sollte auf die angegebenen Wattstunden (Wh) achten, sie bieten einen realistischen Anhaltspunkt und ein gutes Vergleichsmaß für die Reichweite. „Sind die nicht angegeben, lassen sie sich leicht errechnen, indem man die Voltstärke (V) mit den Amperestunden (Ah) multipliziert“, weiß Gunnar Fehlau vom pressedienst-fahrrad.
2. Was in den Beinen schmerzt, schadet dem Akku
Während Autos mit niedriger Drehzahl am sparsamsten laufen, kommt man auf dem E-Bike mit hohen Drehzahlen am weitesten. Eine gute Trittfrequenz sind dabei 60 bis 70 Kurbelumdrehungen pro Minute. In schweren Gängen bei langsamer Trittfrequenz muss der Motor mehr arbeiten als der Mensch – das kostet Strom. „Hier hilft es, mal sprichwörtlich einen Gang runter zu schalten“, empfiehlt Anja Knaus von Flyer (www.flyer-bikes.com). Bei zu hohem Tritt hingegen kommt der Motor nur sehr schwach zum Einsatz und man selbst ins Schwitzen.
Übrigens: „Flottes, lockeres Treten ist auch für Muskulatur, Kreislauf und insbesondere die Kniegelenke deutlich gesünder, als mit langsamem Tritt schwere Gänge zu drücken“, fasst Gunnar Fehlau die Forschungsergebnisse der Sportmedizin zusammen, die sich komplett auf das Fahren mit dem E-Bike übertragen lassen.
3. Modi machen Meilen
Moderne E-Bikes haben verschiedene Unterstützungsstufen zur Auswahl. E-Bike-Neulinge sind natürlich gewillt, sich permanent von der höchsten Unterstützungsstufe helfen zu lassen. „Klar, das macht Spaß und man fühlt sich kräftig wie ein Radsportler. Nur kostet das auch die sprichwörtlichen Körner, die hier nicht dem Fahrer, sondern dem Akku geraubt werden“, sagt Peter Horsch vom Darmstädter E-Bike-Hersteller Riese & Müller (www.r-m.de) und empfiehlt, es auf ebenen Etappen mal mit weniger Motorunterstützung zu versuchen oder bei längeren Passagen mit Gefälle gänzlich auf den eingebauten Rückenwind zu verzichten.
4. Wer bremst, ver…schwendet
Ständiges Verzögern und Beschleunigen kostet ebenfalls Energie. Effizienter ist dagegen mit relativ gleichbleibender Geschwindigkeit unterwegs zu sein. Das setzt natürlich eine vorausschauende Fahrweise sowie folgenden Punkt voraus:

5. Clevere Routenplanung
Da mit dem E-Bike höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten möglich sein, kann durchaus auch die längere, aber mit weniger Ampeln gespickte Route die schnellere und Akku-schonendere sein. „Letztendlich empfehle ich jedem, seine Hauptstrecke (z. B. den Arbeitsweg) vorher einmal mit dem Wunschrad Probe zu fahren. Da wird man schnell sehen, ob eine Akkuladung für den Hin- und Rückweg langt“, empfiehlt Peter Horsch, der selbst jeden Tag knapp 20 km mit dem E-Bike pendelt.
6. Zweiter Akku gleich doppelte Reichweite
Wer die Reichweite verdoppeln will, dem rät der Reise- und Abenteuerradler Maximilian Semsch zum Kauf eines zweiten Akkus. Als Vorreiter in Sachen E-Bike-Reisen befuhr der Münchner im Jahr 2013 Australien und legte 16.000 Kilometer zurück. Dank cleverer Akkustrategien musste er lediglich 400 km ohne E-Unterstützung radeln.
„Im Alltag muss man einen Zweitakku nicht zwingend mitführen. Für Entspannung sorgt ein am Arbeitsort positionierter voller Akku oder ein zweites Ladegerät“, so E-Bike-Pendler Horsch.

7. Dem Wind ein Schnippchen schlagen
Aerodynamik hat einen positiven Einfluss auf die Reichweite von E-Bikes. „Die Reichweite eines E-Liegerads ist deutlich höher als die eines konventionellen E-Bikes bei gleichem E-Antrieb und Akku“, erläutert Paul Hollants von HP Velotechnik (www.hpvelotechnik.com), der diesen Verhalt schon mehrfach selbst überprüft hat.
Wer dem Luftwiderstand auch auf dem konventionellen Fahrrad ein Schnippchen schlagen möchte, kann etwa die Sitzposition des E-Gefährts etwas sportlicher einstellen: „Höhenverstellbare Vorbauten können z. B. schnell versenkt werden. Der Oberkörper geht dadurch tiefer und bietet dem Wind weniger Angriffsfläche“, erläutert Heiko Böhle, Deutschlandsprecher der US-amerikanischen Fahrradmarke Felt (www.felt-bicycles.com).
8. Radpflege gleich Reichweite
Die Physik sagt es ganz deutlich: wo Reibung entsteht, geht Energie verloren. Dem Gesetz zufolge kann man mit einem leicht laufenden E-Bike auch mehr Kilometer erzielen. „Im Konkreten heißt das: regelmäßig Kette ölen und Luft aufpumpen. Ein niedriger Rollwiderstand und damit ein Plus an Kilometerleistung lässt sich nur mit dem richtigen Luftdruck erzielen“, fasst René Marks vom Reifenhersteller Schwalbe (www.schwalbe.com) zusammen.
9. Wie viel Reichweite braucht man denn nun wirklich?
In Zukunft werde nicht so mehr so sehr die Frage nach der absoluten Reichweite, sondern vielmehr nach der Energieversorgungsinfrastruktur wichtig werden, ist sich Andreas Hombach vom Stadtmöblierer wsm (www.wsm.eu) sicher. Bereits heute bietet das Unternehmen clevere Ladestationen für den öffentlichen Raum an. „Ein interessanter Aspekt der Reichweitenüberlegung ist übrigens, dass die Hälfte aller im Alltag zurückgelegten Wege kürzer als fünf Kilometer ausfällt“, ergänzt Hombach.
10. E-Bikes: Alles halb so wild
Doch egal ob man die Tipps und Tricks für mehr Reichweite beherzigt, letztendlich ist und bleibt das E-Bike ein Fahrrad, mit dem man auch ohne Motorunterstützung fahren kann und so selbst mit leerem Akku das Ziel erreicht. „Das ist neben der Energieeffizienz einer der Punkte, die das E-Bike zum Klassenprimus der Elektromobilität macht“, sagt Anja Knaus vom E-Bike-Pionier Flyer.
Quoc Pham Night Rennradschuh

Die Carbon Composite Sohle ermöglicht effizientes Pedalieren und gibt dabei vertikal keinen Millimeter nach – direkte Kraftübertragung, obwohl die Schuhe keine Ratsche haben. Die Schuhe passen sich dank dem Schnürsystem sehr gut an die Fußform an. Dickes Lob: Die Schnürsenkel lösen sich nicht, selbst nicht nach 100 Kilometern auf Tour.
Optisch ist der der Schuh von schlichter, dezenter Schönheit: klassischer Style mit hervorragend verarbeiteten Nähten, allein die Haptik sowie der Duft des Leders verströmen schon beim Öffnen des Kartons einen Eindruck von hoher Qualität – der sich dann auch unterwegs und in einem Testzeitraum von zwei Monaten eindrucksvoll untermauern ließ. Schön der für Quoc Pham typische mittige Reflexstreifen an der Ferse, der in der Dämmerung und Nachts ein kleines Plus an Sicherheit bringt.

Das Schnürsystem verdient einer ausführlichen Würdigung – es ist schlicht genial: Mit je zwei doppelten Ösen, die anatomisch sinnvoll einmal auf Höhe des Mittelfußes sowie über dem Sprungbein platziert sind, kann der Schuh zum einen passgenau geschnürt werden. Zum anderen verhindern die Doppelösen, dass sich die Schnürsenkel lösen. Gegen Ende einer 100-Kilometer-Runde musste der Testfahrer sogar anhalten – aber nicht um die Schuhe fester zu binden, sondern um die Schnürsenkel etwas zu lösen.

Die Carbon-Composite Sohle sorgt für effizientes Pedalieren, jedenfalls bekommt man vertikal und im runden Tritt gut Druck auf’s Pedal. Dank des Schnürsystems und des anschmiegsamen, hochwertigen Leders passt sich der Schuh perfekt an die Fußformen an, das hat aber auch eine Kehrseite, denn der Komfort sowie das Fehlen einer Ratsche gehen logischerweise auf Kosten des Seitenhaltes. In bestimmten Fahrsituationen, bei denen stärkere Scherkräfte wirken, im Wiegetritt etwa, aber auch beim Ausklicken, ist der Night Rider deutlich nachgiebiger, als Rennradschuhe mit Ratschen. Wer sonst Schuhe mit Carbonschalen fährt, merkt die Differenz nochmal deutlicher – aber dafür ist der Quoc Pham ja auch nicht gedacht. Aber unterm Strich hält der Night eine gute Balance zwischen Steifigkeit, Komfort, Leichtigkeit und eben der tollen Optik.

Auf langer Strecke sitzen die Schuhe stets angenehm, es drückt nichts. Die Innensohle ist sehr steif und hochwertig, sie kommt mit einer leichten Fußbettunterstützung daher und trägt sich angenehm. Die vielen Löcher im Oberschuh sorgen nicht nur für eine klassische Optik, sondern vor allem für eine perfekte Ventilation, ebenso wie die Belüftungsöffnung an der Sohle unter den Zehen. Das Handling ist hervorragend: Die Montage der Cleats geht einfach vonstatten, wobei die Skala an der Unterseite der Sohle die korrekte und schnelle Positionierung der Pedalplatten bei der Erstmontage erleichtert, vor allem aber einem Wechsel richtig sinnvoll ist – ein gut gelöstes Detail! Mit ca. 670 Gramm (Paar) sind die Schuhe sehr leicht. Der Absatz ist austauschbar, was die Nutzungsdauer durchaus erhöhen kann.

Fazit: Optisch herausragender, bestens verarbeiteter Traumschuh für die Liebhaber des klassischen Styles die in punkto Steifigkeit, Komfort, Leichtigkeit dennoch einen durchdachten Schuh auf Höhe der Zeit bekommen – mit einer minimalen Einschränkung beim Seitenhalt.
Quoc Pham Night – Rennradschuh
Verfügbare Modelle: Black, Pink, White, Black Leather (Testmodell), Größen: UK 5.5 – UK 12.5, Preis: 219 GBP (ca. 255 Euro) bzw. 239 GBP (ca. 278 Euro; Modell Black Leather), Gewicht: 670 Gramm (Paar); Besonderheiten: Carbonsohle, Obermaterial: Leder bzw. Atmungsaktive Mikrofiber, 3M-Reflektorstreifen an der Ferse. austauschbarer Absatz
Entlang der Pegnitz nach Nürnberg

Die fast steigungsfreie Tour berührt viele historische Sehenswürdigkeiten und hat damit auch für Eltern viel zu bieten. Zunächst geht es zur alten Industriestadt Röthenbach, dann weiter nach Schwaig, das bereits 1369 erstmals urkundlich erwähnt wurde und ein sehenswertes Schloss mit Park zu bieten hat. In Malmsbach lohnt ein Stopp am Wasserschloss. Hinter Mögeldorf lockt der Wöhrder See, bevor das Nürnberger Stadtgebiet erreicht wird. Ein Abstecher in die historische Altstadt der ehemaligen Reichsstadt Nürnberg ist geradezu ein Muss. Zurück nach Lauf geht es auf dem Fünf-Flüsse-Radweg durch eine malerische Wiesenlandschaft vorbei an Behringersdorf und Rückersdorf.
Länge der Tour
ca. 35 km
Tourcharakter
entspannte Rundtour (Tour 20) auf Talwegen ohne nennenswerte Steigungen
Geeignet für
KinderRadwandern
Etappen
1.
Start: Lauf, Pegnitzwiese (Briver Allee):
www.urlaub.nuernberger-land.det
Froschradweg

Der Froschradweg ist ein relativ junger Radrundweg im Land der Sorben in Nordsachse. Er führt unter anderem durch das entstehende Lausitzer Seenland, Europas größte von Menschenhand geschaffene Seenlandschaft. Schon die Nähe zum Wasser macht den Frosch-Radweg für Radreisen mit Kindern interessant. Es gibt nur kleine Steigungen und wenig schlechte Wegabschnitte.Der Rundkurs lässt sich durch diverse Abkürzungen und Abstecher prima an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen, von 150 bis 350 Kilometern ist alles möglich. Aufgrund der vielen Wälder und Seen lassen sich hier drei Wochen Sommerurlaub locker herumkriegen. An- und Abreisebahnhof ist Hoyerswerda, von Leipzig bequem ohne Umsteigen per S-Bahn zu erreichen.
Geeignet für
KinderRadwandernwww.radwandern-oberlausitz.de/radwege/fern_froschradweg.asp
Bornholm

„Herrlich ist das, vor allem mit Kindern“, sagt praktisch jeder, der schon mal auf Bornholm war. In winzigen Vorgärten ragen Blumen bis an die Dachrinnen. Kleine Cafés und Kunsthandwerksläden sind zwischen den Wohnhäuschen, alles Notwendige gibts am Store Torv, dem Großen Platz. Das alles ist nach Großstädter-Maßstäben ganz niedlich. Aber es ist typisch für die Hauptstadt von Bornholm, Rønne. Obwohl die ganze Insel mit 20 mal 30 Kilometern eher klein ist, lässt sich hier jede Menge Abwechslung unterbringen. Zum Beispiel im Wald der Westküste: Er ist kaum einen Kilometer breit, aber mittendrin fühlt er sich an wie der Fuß eines Gebirges: Bäche plätschern durch sattgrüne Rinnen, Kiefern wechseln mit dichtem Laubgehölz, in dem ein Bärlauchteppich intensiv nach Kräuterbutter duftet.Puppenstube, Wälder aller Art, Klippenküste, Sandstrand, Kleinstadt, Bauernland, Botanik, Berge, Weite wofür man anderswo tagelang fährt, reichen hier 30 Kilometer am Tag. Auch einen Fahrrad-Kultort besitzt Bornholm: Klemensker ist die Heimat der berühmten Christiania-Lastenfahrräder, mit denen nicht nur dänische Kinder zum Hort chauffiert werden. Kinder freuen sich übrigens auch über Holzstände mit Erdbeeren, Kräutern oder Nye Kartofler am Straßenrand. Das Geld wird in ein Kästchen gesteckt, Betrug ist nicht vorgesehen.Und selbst Mittelgebirgsgefühl kann man erleben: Am Ritterknaegt, dem mit 162 Metern höchsten Punkt der Insel samt Aussichtsturm. Und das Meer ist niemals weit in Bornholm. Angeblich soll es dort in der Hochsaison sogar manchmal Gedränge geben am Strand. Aber wenn es wirklich zu voll wird, steigt man einfach aufs Rad, fährt drei oder fünf Kilometer und schon ist man in einer anderen Welt.
Länge der Tour
240 km
Tourcharakter
Die beschilderten Rad-routen sind fast komplett asphaltiert. Naturwege gibt es an der Westküste und im Wald in der Inselmitte. Jenseits des beschilderten Radroutennetzes lässt sich das Radelvergnügen dank der kaum befahrenen Landstraßen zwischen den Bauer
Geeignet für
Kinder, Radwandern
Etappen
- Küstenrundweg insgesamt (als Route 10 beschildert): 105 km
- Von Rønne an die Klippen im Norden (Route 23): 20 km
- Von Rønne an die Ostküste nach Nexø (Route 21): 31 km
- Längs durch den Almindingen-Wald (Route 22): 33 km
- Von Rønne zu den schönsten Stränden nach Dueodde (Teilroute 10): 30 km
www. bornholm.info/de
Istanbul Iran: Das Interview mit Marc

Hallo Marc, wo kommst Du her und wie alt bist Du?
Ich bin 34 Jahre alt und wohne in Köln.
War Istanbul – Teheran Deine erste lange Radreise?
Nein, aber es war erst meine zweite. Im Juni 2014 fuhr ich schon einmal von Köln nach Istanbul und zurück sozusagen die erste Etappe. Ich wollte eigentlich von Istanbul aus nach Deutschland zurückfliegen, aber als ich in Istanbul ankam, empfand ich es irgendwie als falsch, diesen einfachen Weg zu nehmen. Also entschied ich mich umzudrehen und mit dem Rad zurück zu fahren. Am Ende hatte ich rund 6.000 km auf dem Tacho und 40.000 Höhenmeter bewältigt. Ich hatte 54 Tage im Sattel verbracht und 16 Länder durchquert, alles auf meiner ersten großen Radreise überhaupt.
Man kann also sagen, es hat Dich gepackt. Hattest Du Dich besonders auf die Reise vorbereitet?
Eigentlich habe ich mich nicht besonders auf die Reise vorbereitet, aber ich fahre sowieso jeden Tag Rad. Nach einer Weile gewöhnt sich dein Körper (und deine Beine) daran, lange Distanzen auf dem Rad zurückzulegen. An den ersten Tagen fällt es dir vielleicht noch schwerer, aber irgendwann kann man ganz locker 100 und mehr Kilometer am Tag fahren (je nach Straßenqualität, Bergen und Hitze). Das beste Training ist einfach, das Rad im Alltag für jede Strecke zu nutzen. Eduard vom Veloküche-Laden in Köln, ein befreundeter Mechaniker, hat mir ein wenig Reparatur-Unterricht gegeben, um zumindest kleinere, technische Probleme selbst zu lösen. Aber während meiner zwei Reisen hatte ich überhaupt kein Problem abgesehen von ein, zwei Platten. Nach meiner Erfahrung ist die größte Herausforderung einer Solo-Radreise eine psychische. Du verbringst Tag für Tag mit dir selber und deinen Gedanken. Manchmal sprichst du tagelang mit niemandem. Du musst es wirklich genießen und aushalten können, allein zu sein.

Du bist durch viele Länder gefahren, deren Sprache du nichts sprichst. Wie hast du dich verständigt?
Ich bin schon ziemlich viel in der Welt herumgekommen und es ist eigentlich in jedem Land ähnlich: Selbst wenn du nicht die Landessprache sprichst oder dort niemand Englisch spricht, kannst du immer irgendwie mit den Menschen kommunizieren. Manchmal ist die einzige Form der Kommunikation dann Zeichensprache. Das ist meistens ziemlich lustig für beide Seiten und führt häufig zu amüsanten Missverständnissen.In der Türkei konnten viele Englisch, manche sogar Deutsch, aber es wurde bereits in Georgien und Armenien schwieriger, weil dort kaum jemand Englisch spricht. Iran war eine besondere Erfahrung. Abseits der größeren Städte spricht kaum jemand Englisch, aber die Einheimischen sind so hilfsbereit und treten gerne mit dir in Kontakt. Sie rufen dann meist jeden an, den sie kennen, um jemanden zu finden, der Englisch spricht und übersetzen kann. Einige Male haben sie sogar fremde Menschen angerufen, zum Beispiel den Dorfarzt oder Lehrer, in der Hoffnung, dass sie ein wenig Englisch können
Aber ist es auf der ganzen Welt immer gleich, ein Lächeln und ein freundliches Gesicht sind meist genug und werden von jedem verstanden.
Welche Länder hast du durchquert und was waren deine Eindrücke dort?
Ich bin durch die Türkei, Georgien, Armenien und Iran geradelt. Den größten Eindruck in jedem dieser Länder hat die erstaunliche Gastlichkeit und Freundlichkeit gemacht sowie die Vielfalt der Landschaft und Natur. Es hat in der Türkei damit begonnen, dass ich fast bei jeder Pause einen kostenlosen Chai (Tee) bekommen habe. In Georgien hat mich die Natur total umgehauen, für so ein kleines Land ist sie erstaunlich vielfältig: das Schwarze Meer, die beeindruckenden und rauen Berge des Kaukasus und die Halbwüsten waren wunderschöne Orte zum Radfahren mit schönen Plätzen zum Übernachten. In Armenien sind die Menschen unglaublich freundlich und neugierig manchmal bezahlen sie dir deinen Einkauf oder geben dir kleine Geschenke, Widerstand zwecklos! Das Land hat auch eine wunderschöne Natur, besonders um den Seevan-See. Dort ist es auch sehr bergig, so dass die Tagesstrecken ziemlich anstrengend waren. Im Iran hat JEDER mir zugewunken, wollte mir die Hand geben oder ein Foto machen oder mich einfach im Land willkommen heißen. Iran ist ein Land, in dem dich sogar die Polizei anhält und auf eine Tasse Tee einlädt! Wenn man sich wie ein Prominenter fühlen möchte, sollte man in den Iran fahren.

Wo hast du gewöhnlich übernachtet?
Meistens habe ich irgendwo im Zelt geschlafen wild, häufig in wunderschöner Umgebung aber auch mal direkt neben einer Hauptstraße oder hinter einer Tankstelle
Manchmal habe ich Anwohner gefragt, ob ich auf ihrem Grundstück zelten durfte und habe dann oft sogar ein kostenloses Frühstück bekommen. Wenn es über mehrere Tage geregnet hat und sowohl ich als auch meine Kleidung trocknen mussten oder mal wieder gewaschen werden mussten (die längste Zeit ohne Dusche waren 7 Tage) , dann habe ich mir eine Nacht im Hostel, einer Gastfamilie oder sehr selten einem Hotel gegönnt. Im Iran habe ich jeden Tag Einladungen von vielen Menschen bekommen, die mich zu sich nach Hause gebeten haben.
Was war dein schönstes Erlebnis während deiner Reise?
Ich hatte so viele schöne Erlebnisse während meiner Reise. Es ist eigentlich unmöglich, nur eines auszuwählen.In Armenien habe ich einmal angehalten, um meine Wasserflaschen aufzufüllen. Dort standen auch etwas finster aussehende Soldaten, die ihre Wassertanks in den LKWs aufgefüllt haben. Nach ein wenig Smalltalk wurden sie freundlicher und wir haben ein Bier zusammen getrunken (sie haben mich sogar dazu herausgefordert, ein Bier auf Ex zu trinken), und wir hatten viel Spaß zusammen, haben rumgealbert alles am Vormittag um 11 Uhr, vor einem langen Anstieg
In Georgien bin ich durch ein kleines Dorf gefahren und habe ein paar Kinder gesehen, die Fußball gespielt haben. Es war ein harter Tag mit einer 120-Kilometer-Etappe, deshalb wollte ich die Kinder fragen, ob sie einen Platz wüssten, wo ich schlafen könne. Sie haben mich natürlich nicht verstanden, also habe ich stattdessen mit ihnen Fußball gespielt. Plötzlich hat es angefangen sehr stark zu regnen, und ich habe mein Zelt einfach auf dem Fußballplatz aufgeschlagen und mich hineingelegt. Etwas später kam ein kleiner Junge und lud mich ins Haus seiner Familie ein, aber weil das Zelt schon nass war, habe ich abgelehnt. Nach einer Weile kam eine alte Frau, hat mich geweckt und mir Käse, Brot und selbstgemachten Wein gebracht. Am Morgen kam der kleiner Junge wieder, dieses Mal mit Brot, Butter, heißem Tee und einer Flasche Chacha sehr starker, selbstgebrannter Schnaps mit bis zu 70 % zum Frühstück! Im Iran habe ich gerade mein Lager unter ein paar Bäumen aufgeschlagen, als zwei junge Männer vorbeikamen, um Hallo zu sagen. Ich habe sie gefragt, ob es in Ordnung sei, dort zu campen und sie sagten Ja. Wir haben uns die Hand drauf gegeben, und sie sind weggegangen. Etwa 20 Minuten später kamen sie wieder mit einer Thermoskanne Tee, einer Tasse, Zucker und Wassermelone, dann sind sie wieder gegangen. Ich habe also ein wenig Tee getrunken, etwas von der Wassermelone gegessen und mich dann ins Bett gelegt. Nach einer Stunde wurde ich von vielen Stimmen aufgeweckt, und als ich aus meinem Zelt geguckt habe, waren da etwa 12 Menschen mit Taschenlampen. Die beiden jungen Männer haben mehr oder weniger das halbe Dorf mitgebracht, um mich zu begrüßen.
Wie viele Kilometer bist du durchschnittlich jeden Tag gefahren, was war der höchste Anstieg?
Durchschnittlich bin ich etwa 100 Kilometer am Tag gefahren, mit einem Anstieg von 1.000 Höhenmetern. Der härteste Tag war die Fahrt in Georgien zur russischen Grenze: 160 km mit einem Anstieg von 3.225 Metern!
Wie ist es dir gelungen, so lange aus dem Alltag auszusteigen was machst du, wenn du gerade nicht Rad fährst?
Ich bin selbstständig und arbeite momentan als Messebauer. Aber eigentlich mache ich alles für Geld. Reisen ist ein wichtiger Teil meines Lebens und ich tue alles, um die Welt zu sehen und sie für mich ein wenig kleiner zu machen. Reisen erweitert deinen Horizont und verbindet Menschen aus unterschiedlichen Nationen. Zum Beispiel im Iran: Mit dem Fahrrad durch das Land zu fahren, war so eine positive Erfahrung und hat mir gezeigt, dass das Bild, was uns die Medien zeigen, manchmal auch falsch sein kann.
Man konnte deiner Reise in den sozialen Netzwerken folgen. Dabei hat man gemerkt, wie vielfältig die Regionen waren, durch die du gefahren bist. Wie hast du das richtige Equipment ausgewählt?
Wenn ich eine Reise plane, dann habe ich keine festgelegte Strecke. Ich fahre einfach los, gucke wie weit ich komme, spreche mit Ortskundigen und anderen Reisenden über die Straßen, Strecken, Orte usw. Wenn es natürlich um das Equipment geht, ist das was anderes. Du musst wissen, wie das Wetter sein wird, wie die Straßen sind oder ob es möglich ist, Ersatzteile nachzukaufen. Für Radtouren oder Bikepacking ist es wichtig, dass man zuverlässiges, leichtes Equipment mit kleinem Packmaß hat. Ich habe mich für ein 1-Personen-Zelt für 3 Jahreszeiten entschieden, das nur 1,2 Kilo wiegt und starken Regen und Wind überstehen kann. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass das Zelt freistehend ist, so dass man auch auf hartem Untergrund campen kann, wo man keine Heringe benutzen kann. Es ist dagegen nicht so einfach, den richtigen Schlafsack zu finden (entweder er ist zu warm oder zu kalt), aber ich habe mich für einen 850+ cuin Daunenschlafsack entschieden, der nur 500 Gramm wiegt, ein sehr kleines Packmaß hat und dabei einen Temperaturspanne von 2 bis 10°C hat. Das wichtigste ist aber die Isomatte. Ich habe einige probiert, bevor ich die ?perfekte gefunden habe. Es ist wirklich wichtig, dass man nach einem anstrengenden Tag auf dem Sattel gut schläft. Außerdem habe ich noch einen kleinen Kocher, der eigentlich mit allem befeuert werden kann, was brennt. In den Ländern, durch die ich gefahren bin, ist es manchmal schwer, Gas oder Alkohol zu bekommen. Benzin ist dagegen kein Problem, und es ist billig, wirklich sehr billig. Natürlich brauchst du nicht dieses ganze Hightech-Zeug um eine Radreise zu machen, aber mir macht es einfach mehr Spaß, wenn man leichtes Gepäck dabei hat und das Equipment zuverlässig ist.
Dein Beyond-Fahrrad scheint auf deine persönlichen Ansprüche angepasst zu sein. Worin unterscheidet es sich vom Serien-Rad?
Ich habe nur einige wenige Komponenten geändert oder ersetzt. Ich habe einen Lenkeraufsatz von Profile Design ergänzt, so hat man auch bei starkem Gegenwind oder auf langen, flachen Strecken eine entspanntere Position. Ich habe meinen zuverlässigen Flite-Sattel von Selle Royal auf das Rad montiert und einen Son-Dynamo mit USB-Schnittstelle, um mein Handy, meine Kamera, meinen MP3-Player, mein Licht etc. zu laden. Abgesehen davon ist das Rad so, wie es aus dem Karton kam.
Was hast du von der Serien-Version des Rades an deinem Rad gelassen. Was gefällt dir am besten, was hast du geändert und warum?
Ich habe fast alles von der Serienausstattung am Rad gelassen, außer die Reifen und den Sattel. Ich brauchte einen Reifen, der sich besser zum Fahren auf unterschiedlichen Oberflächen eignet. Die meiste Zeit bin ich auf Asphaltstraßen gefahren, also brauchte ich Reifen, die gut auf Asphalt rollen. Die anderen Wege waren nicht gepflastert, also musste der Reifen für alle Oberflächen geeignet sein. Ich mag den Lenker sehr gerne, weil er die Möglichkeit für viele unterschiedliche Handstellungen bietet und man auf schwierigen Downhill-Passagen durch unebenes Gelände gut die Kontrolle behält. Ich mag auch den Antrieb sehr gerne. Die Übersetzung war einfach perfekt, sowohl für Anstiege in den Bergen, auch vollbeladen, als auch für hohe Geschwindigkeiten auf geraden, flachen Straßen. Ein anderes tolles Ausstattungsplus ist, dass man bis zu 5 Flaschenhalter montieren kann!
Neue StvZO-Änderung macht besseres Fahrradlicht möglich
Seit dem 1. Juni hat sich die StVZO für Fahrräder geändert. Die neue Regelung bringt vor allem in Sachen Beleuchtung einen Fortschritt. Sie macht einerseits das Benutzen von Licht einfacher. So muss etwa tagsüber kein Batterielicht mehr mitgeführt werden. Andererseits ermöglicht sie bessere Lichttechnik. Wir fragten Marcus Wallmeyer, Inhaber und Entwickler von Supernova, nach den wichtigsten Neuerungen.

Die StVZO wurde in Bezug auf Fahrräder und E-Bikes am 10. März geändert – was sind die wichtigsten Neuerungen?
Zunächst einmal ist wichtig: Das Gesetz wurde gerade erst wirksam. Es wird eine ganze Weile dauern bis neue Fahrradscheinwerfer auf den Markt kommen, welche die neuen Regeln voll ausnutzen. Eine der wichtigsten Neuerungen aus meiner Sicht ist, dass auch Fernlicht für Fahrräder und E-bikes zugelassen sein wird.
Bedeutet das, man kann dann ab sofort seine off-Road Lampe als Fernlicht nutzen?
Nein, auch das Fernlicht muss natürlich zugelassen sein. Da wir mit unserem M99 Fernlicht für schnelle E-Bikes, also die kennzeichenpflichtigen Modelle, schon Vorarbeit gemacht haben hoffen wir, relativ bald eine passende Lösung auch für die 25 km/h Klasse bieten zu können. Es aber zum Beispiel noch nicht klar, welche Messwerte von so einem Fernlicht genau erfüllt werden müssen.
Tagfahrlicht wird nun erstmals ausdrücklich erwähnt – das gab es doch schon länger?
Das bisherige Tagfahrlicht war nicht im Gesetz definiert. Lichthersteller mussten sich an die maximalen Lichtwerte des normalen Abblendlichtes halten. Nach der Neuen Gesetzgebung darf Tagfahrlicht genauso hell sein wie das von Autos. Wir können nun zum Beispiel unser ECE R87 konformes Tagfahrlicht des M99 PRO für S-Pedelecs auch in Scheinwerfer für die 25 km/h Klasse einsetzen. Ein weiterer Schritt zur Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer.
Blinker sind nun ebenfalls erlaubt – wird das Fahrrad zum Moped?
Blinker sind nur eine Option und bei Spezialfahrzeugen wie Lastenrädern und da sind Blinker durchaus sinnvoll. Derartige Räder wird es immer mehr geben.
Ändert sich für die Rücklichter etwas?
Echtes Bremslicht! Auch das war bisher nur durch eine großzügige Gesetzesauslegung und mit starken Einschränkungen möglich. Nun dürfen Fahrräder echtes Bremslicht nach ECE R50 haben, wie es auch S-Pedelecs haben. Das ist gerade im Stadtverkehr ein großer Sicherheitsgewinn.
Gibt es weitere Neuerungen über die sich die Radfahrer freuen können?
Die Einstellvorschrift ist nur endlich klar formuliert und besagt einfach, dass man das Licht so einstellen soll, dass es andere Verkehrsteilnehmer nicht blendet. Wenn man also darauf achtet, dass die hell-dunkel Grenze unterhalb der Montagehöhe des Scheinwerfers liegt passt das.
Ausprobiert: Brooks Island Helm
Der Form-Schutzfaktor. Die Auswahl an Fahrradhelmen für die Stadt steigt stetig. Die Formenvielfalt wächst aber nicht in gleichem Maße. Skater-Look oder einfarbig gemäßigter Sportauftritt ist die Wahl, vor der Stadtradler stehen. Brooks setzt sich mit dem Island Helm designmäßig ab. Eine schöne matte Oberfläche, die auch angenehm anzufassen ist, und klare Linien der weitgehend geschlossenen Form helfen dabei. Da die Außenschale aus ABS ist, dürfte sie sehr haltbar sein. Auch die Unterkante, die sonst häufig aus kerbempfindlichen EPS-Schaum besteht, ist formschön geschützt. Reflektoren sucht man vergebens, was wir vergeben können.

Auch die Zahl der Löcher außen ist zugunsten der Form gering. Aber durch die verbleibenden Einlasskanäle strömt genug Luft ein, die dank Vertiefungen im Inneren zwischen komfortablen Polstern gut verteilt wird. Das Prinzip sorgt dafür, dass an mittelwarmen Tagen genügend Klimatisierung herrscht, um den Kopf kühl zu halten. An heißen Tagen wird es unter dem Helm eher zu warm. Perfekt ist die oben geschlossene Form und Funktion aber für das häufige Schmuddelwetter in Frühjahr, Winter und Herbst. Sehr gut gefiel uns – trotz vergleichsweise unflexibler Riemen – der Einstellmechanismus, der leicht zu bedienen ist. Insgesamt ein überzeugender Tragekomfort für alltäglichen Einsatz, in einem nicht alltäglichen Design.

Brooks Island, 120 Euro: Urban Helm. Schutznormen: CE EN1078; Größen: 52-58, 59-62 cm; 5 Farben. brooksengland.com
Fahrbericht: Hardo Wagner Randonneur mit Pinion und Riemen

Ein traditioneller Stahlrahmen, das Pinion-Getriebe mit Riemenantrieb und ein Rennlenker – geht das zusammen? Hardo Wagner tritt den Beweis mit einem Randonneur an.
Gar nicht so lange her – gemessen an 200 Jahren Fahrradgeschichte – da feierte man am Rennrad 10 Gänge als High-Tech. Aus dieser Zeit der Radhelden stammen auch Ritzelpakete, die bei 11 Zähnen anfangen und immer einen Zahn mehr zählen, bis die Kapazität der Schaltung erreicht ist, also zum Beispiel 11 bis 15 Zähne bieten. So eines habe ich letztens an einem Rennrad-Oldtimer entdeckt. Der Gedanke der Konstrukteure: Hauptsache kleine Gangsprünge für einen gleichmäßig (langsamen) Tretrythmus. Heute gilt für viele Hobbyradler ein großes Ritzel mit 32 Zähnen als Maß der Dinge, fast wie beim Trekkingrad. So kann man am Berg schnell Pedalieren. Der Nachteil jedoch ist, dass man zwangsläufig langsamer oder schneller nach dem Schalten tritt. Und manchmal will gar kein Gang so recht zum eigenen Tretstil passen. Das ärgert umso mehr, je länger man fährt.

Deshalb ist es erst einmal per se ein Gewinn, wenn Hardo Wagner ein Reiserennrad mit Pinion 18-Gang-Getriebe aufbaut. Denn das Getriebe im Rahmen kann als eine der wenigen Lösungen ältere und neuere Rennradkultur vereinen: kleinste Gangsprünge und ein riesiges Übersetzungsspektrum für langes Bergauffahren mit Gepäck. Hinzu kommt der Rennlenker, der mit vier möglichen Griffpositionen geradezu ideal für lange Tage im Sattel ist. Allerdings wird sich mancher Langstreckenradler eine noch aufrechtere Sitzposition wünschen, als sie am Wagner Randonneur schon mit vielen Distanzstücken unter dem Vorbau erreicht wird. Der Lenker auf Sattelhöhe wäre ein guter Anfangspunkt. Sehr gut gelöst ist die dank eines teilbaren Lenkers die Schaltgriff-Montage. Der typische Pinion-Drehgriff findet dank eines teilbaren Alu-Lenkers der niederländischen Titanschmiede Van Nicholas am Oberlenker Platz. Der Lenker darf darum leider nur den wenig handschmeichelnden kleinen Durchmesser haben. Unterm Strich bietet diese Lösung dennoch den besten Kompromiss bei der ungewöhnlichen Integration des Pinion-Getriebes in einen Randonneur.
Gut gelöst hat Hardo Wagner, wo Stahlrahmen auf Basis eines Grundmodells nach Kundenwunsch aufgebaut werden, auch den Einbau des Riemenantriebs. Die Spannung des sauberen Antriebstranges erfolgt über schwenkbare Ausfall-Enden, die mit dicken Schrauben gut den hohen Antriebskräften aus dem Getriebe gewachsen sind. Hintergund: Nahezu die Kraft einer Tonne kann bei starkem Treten in leichten Gängen – etwa an sehr steilen Anstiegen – hier durch den Rahmen fließen. An unserem Testrad war ein Riemenantriebssystem der Firma Mitsuboshi montiert. Der schmalere Riemen hat tiefere Zähne und kann deshalb laut Hersteller mit wenig Spannung gefahren werden – während etwa das Gates-System sehr genau auf die richtige Betriebsspannung eingestellt werden muss, was weniger anwenderfreundlich ist. Allerdings konnte das System am Testrad das Versprechen nicht ganz einlösen. Es sprang bei geringer Spannung unter besagten Hochlastsituationen am Berg über. Wir erhöhten darauf die Spannung nach Gefühl, was bei dem System zulässig ist, und das Problem war beseitigt.

Ansonsten gefiel der Riemenantrieb mit einem flüsterleisen Lauf über die gesamte Testdistanz von 200 km unter allen Bedingungen, was ebenso gut zum Charakter des Rades passt wie der geringe Pflegebedarf zum Sorglos-Pinion-Getriebe. Das Hardo Wagner zeigte einen sehr ruhigen Geradeauslauf. Alles ist drauf eingestellt, geräuschlos durch schöne Landschaften zu gleiten.
Das Rad selbst hat ebenfalls das Zeug zur Augenweide. An unserem Rahmen- und Gabelset schauten wir auf klarlackierten Stahl. An den Verbindungen der dreifach konifizierten Hauptrohre, schienen fein gezogene Lötstellen hervor. Auch das Lichtkabel verläuft weitghend geschützt im Rahmen und durch den Träger. Man kann es als Zeichen von Stolz auf die Rahmenbaufertigkeiten werten, dass vorne ein „W“ aus Silber am Steurrohr prangt. Dass 10 Jahre Garantie auf den Rahmen gewährt werden, ist ein handfester Beleg dafür.
Doch zurück zum Fahren: Obwohl dieser Randonneur mit stattlichen 15,2 kg eher zu schwereren Sorte gehört, macht schnellere Bewegung noch Spaß. Der Wagner lässt sich – für ein reisetaugliches Rennrad – willig in die Kurven legen und bereitet auf winkligen Wegen Freude. Den Wegen darf ruhig auch mal der Asphaltbelag fehlen. Die montierten Schalbe G-One-Reifen bieten auf Kieswegen und anderen festen Wegdecken ordentliche Traktion. Gleichzeitig macht ihr geringes Gewicht gefühlt das Beschleunigen leicht. Für häufien Alltagseinsatz oder Reisen über die ganz lange Distanz würden wir andere Reifen mit mehr Gummi auf der Lauffläche wählen, beziehunsgweise gleich einen insgesamt robusteren Laufradsatz als die eher Sporttouren orientierte Variante mit Mavic-Felgen am Rad konfigurieren lassen. Auch breitere Reifen passen in Hinterbau und Gabel – in der Größe 650B locker bis 47 mm Breite, dann allerdings ohne Schutzbleche. Die montierten Curana-Radschützer hätten längere Befestigungsstreben verdient. So fiel der Raum zum Hinterrad nach der Riemenspannung zu knapp aus.
Stichwort Reisen: Der Rahmen und die Gabel bietet alle nötigen Ösen, um Gepäckträger für Fernreisen vorne und hinten einfach zu montieren – für die Gabel greift Hardo Wagner auf ein „customisiertes“ Surly Modell zurück. Vorteil: Sie besitzt außerdem Anlötteile für eim Porteur-Gepäckträger oberhalb der Gabelkrone. Auf dem Tubus Logo Titan Gepäckträger am Testrad ließen sich Packtaschen leicht mit ausreichend Freiheit zu den Fersen anbringen. Die Fahreigenschaften mit Gepäck sind typisch Stahlrahmen der eher filigraneren Diamant-Bauart: sicher, aber bei schnellen Spurwechseln macht sich das Gewicht schon bemerkbar. Lob gab es für die gut zu dosierenden, recht kräftigen mechanischen Tektro Spyre Bremsen. Auch die Lichtanlage mit designmäßg passendem b+m IQ-X Scheinwerfer, gespeist von einem SON-Dynamo, lässt nichts zu wünschen übrig und bietet die nötige Lichtausbeute für schnelles Touren auf unbeleuchteten Straßen.

Fazit:
Der Hardo Wagner Randonneur mit Pinion P 1.18 ist zunächst ein Ästhethik-und Technik-Leckerbissen für die Freunde klassicher Rahmenbautradition. Das und die individuelle Fertigung rechtfertigt einen Teil des doch recht hohen Preises. Dass Geometrie und Fahrverhalten für viele Einsatzbedingungen passen und es nicht soviele Stahlrandonneure mit gelungener P 1.18-Integration gibt, macht die Entscheidung etwas leichter. Wer vom sportlichen Radfahren kommt, wird die optimalen Gangsprünge des Pinion-Getriebes auf Reisen lieben lernen.
Verarbeitung und Ausstattung qualifizieren das Hardo Wagner als ein Rad für ein langes Leben.Um sich über das genaue Set-up für die gewünschten Haupteinsatzbedingungen klar zu werden, lohnt es sich, deshalb die dem Vernehmen nach ausführliche Beratung bei Hardo Wagner in Anspruch zu nehmen.
TECHNISCHE DATEN
Hardo Wagner Trekking 28, 4.480 Euro: Randonneur mit 18-Gang Pinion-Schaltung und Riemenantrieb; Rahmen: Columbus Stahl; Größen: 53, 56, 59, 62 cm; Radstand: 1.065 mm ; Gabel: CrMo-Stahl, doppelte Lowriderösen; Gewicht: 15,24 kg (gewogen inkl. Pedale); Schaltung: Pinion P1.18 18-Gang-Getriebeschaltung, Antrieb: Mitsuboshi Riemen auf Haberstock Riemenscheiben, 21 Z. hinten, Bremsen: Tektro Spyre mechanische Scheibenbremsen 180/160 mm; Kurbel: Pinion, 175 mm, 28 Z.; Entfaltung: 1,59 – 9,99 m / Pedalumdrehung; Naben: SON 28 Nabendynamo / P.O.G.; Felgen: Mavic A319, 622x19c, Alu; Reifen: Schwalbe G-One 35-622; Licht: b&m IQ-X / SON; Lenker: Van Nicholas, teilbar, 420 mm; Vorbau: Thomson, Alu, Griffe: Brooks Lederlenkerband; Ständer: Hebie Hinterbauständer; Gepäckträger: Tubus Carry, Titan (2 Ebenen, max. 30 kg); Sattel: Brooks Swift; Garantie Rahmen: 10 Jahre; Besonderheiten: gemuffter Stahlrahmen, 1 Flaschenhalter + 1 Paar Ösen, Curana-Schutzbleche. hardo-wagner.de
BEWERTUNG
Einsatzbereich
Radreise: 9 von 10
City/Alltag: 8 von 10
Fitness: 10 von 10
Gelände: 6 von 10
Bewertung
Fahrleistung: 8 von 10
Komfort: 7 von 10
Ausstattung/Verarbeitung: 10 von 10
Preis/Leistung: 6 von 10
Testurteil: sehr gut
Der Kofferraum fürs Fahrrad
Der Tura Shopper® ist ‚Made in Germany‘ und zwar im Familienunternehmen Andersen in Satrup, das bereits 1958 gegründet wurde und in zweiter Generation geführt wird. Mehr als 50 Mitarbeiter kümmern sich um Rohre biegen, stanzen und Gestelle nieten um am Ende den fertigen Shopper® in den Händen zu halten.

Der Tura Shopper®, der einen 3-Wege-System Griff hat, fährt auf besonders großen kugelgelagerten Rädern (man hat die Wahl zwischen kugelgelagerten Rädern oder Lufträdern) und kann mit äußerst großen Taschen versehen werden, so dass er als Shopper® für Familie und Freizeit bestens geeignet ist.

Wird er ans Fahrrad angekuppelt, entsteht eine Art Kofferraum, der großzügig beladen werden kann. Seitliche Kotflügel fangen hochfliegenden Schmutz während der Fahrt ab. Der 3-Wege-System Griff ist per Knopfdruck komfortabel zu bedienen. So kann er leicht in die individuell bequemste Position gebracht werden. Knopf los- und Griff einrasten lassen. Fertig! Serienmäßig ist am Gestell ein Reflektor befestigt. Sollte der Shopper® einmal nicht gebraucht werden, lässt er sich klein zusammenfalten.
Die Tasche Hydro ist eine sehr vielseitige Tasche. In einem hinten in der Tasche platzierten Thermofach können Tiefkühlprodukte transportiert werden. Ggf. sogar auf dem Rücken, denn die Tasche ist auch als Rucksack ausgelegt. Zwei große Vortaschen sowie seitliche Netztaschen bieten zusätzlichen, komfortablen Stauraum. Zur Grundausstattung der Hydro gehören Reflektoren an beiden Seiten und eine Innentasche, die mit einem Klettverschluss verschlossen wird. Das Material der Tasche ist wasserabweisend und sie kann an den langen Griffen leicht vom Shopper® abgenommen werden.
Es gibt vier verschiedene Kupplungsvarianten. Die Kupplung G1-PullEasy ist für viele verschiedene Gepäckträger geeignet. Sie muss an einem stabilen Gepäckträger mit mindestens 25 kg Tragkraft befestigt werden. Die Breite des Gepäckträgers sollte zwischen 103-170 mm liegen und die Streben einen Durchmesser von 8-16 mm haben. Die Kupplung PullEasy wird mit Schloss und Diodenrücklicht geliefert. Sie kann auch an vielen Pedelecs (bis 25 km/h) verwendet werden.

Die Kupplung R1-BigEasy wird an der Sitzstrebe des Fahrradrahmens befestigt. Deshalb wird zur Befestigung kein Gepäckträger benötigt. Die Strebe sollte einen Durchmesser von 10-22 mm haben. Die R1-BigEasy kann an fast allen gängigen Fahrrädern befestigt werden.
Des Weiteren gibt es eine Kupplung für folgende Gepäckträgersysteme von Pletscher: Vario, Genius, Genius Plus, Athlete system und Athlete Pumpe. Die Kupplung hat ein Gewicht von 0,6 kg. Sie wird mit Schloss ausgeliefert.
Außerdem gibt es eine Kupplung für den Racktime Gepäckträger mit abschließbarem Snap-it System (auch an Racktime E-Bike Gepäckträgern bis 25 km/h verwendbar). Die Kupplung wird mit Schloss für den Shopper® ausgeliefert. Das Maß der Plattform beträgt innen 120 mm. Die Kupplung wiegt 1,3 kg.

Tura Shopper®
– abklappbarer Griff
– faltbarer Fuß
– 3-Wege-System Griff
– Shopper® aus Alu
– Kugellagerrad
– als Fahrradanhänger einsetzbar
– Räder leicht abnehmbar
– Leichtlaufräder
– Spurbreite 55 cm
– Durchmesser Rad 29 cm
– Gesamthöhe Gestell 127 cm
– Gewicht Gestell 3,5 kg
– Gewicht Gestell und Tasche 5,4 kg
– 50 kg Tragkraft
Tasche Hydro
– Thermofach
– seitliche Reflektoren
– Innentasche
– 2 geräumige Vortaschen
– Tasche leicht abnehmbar
– Maße: 34 cm breit, 67 cm hoch, 24 cm tief
– Volumen: 56 Liter
Quelle: Andersen
Shimano bringt neue Deore Trekking-Gruppe – 10-fach bleibt!
Shimano stellt jetzt den Nachfolger der Deore Trekking-Gruppe vor. Sie erbt einige Merkmale der Top-Gruppe Shimano XT, bleibt aber beim bewährten 3×10-Standard. Wesentliche Neuerungen der 2018er Deore-Gruppe mit dem Kürzel T-6000 sollen ein Schaltwerk im Shadow-Design wie bei den MTB-Gruppen sein sowie für den Trekkingeinsatz optimierte Scheibenbremsen mit 3-Finger-Bremshebeln. Die Gruppe soll ab Juli erhältlich sein.

Geschaltet wird bei der neuen Deore mit Rapidfire-Plus-Hebeln für vorne und hinten. Sie kommen standradmäßig mit Optislick-Zügen die nach RADtouren-Erfahrung für lange reibungsarme und fehlerfreie Schaltfunktion sorgen. Wir gewohnt gibt es eine optische Ganganzeige, und das Runterschalten ist mit dem Daumen oder Zeigefinger möglich.

Die neuen hydraulischen Scheibenbremsen wurden laut Shimano speziell für die spezifischen Anforderungen im Trekking-Einsatz optimiert. Dazu erhielten sie einen langen und komfortabel zu bedienenden 3-Finger-Bremshebel (BL-T6000). Für die entsprechende Verzögerungsleistung, die ebenfalls gezielt für das Trekking-Segment angepasst wurde, sorgen die BR-T615 Bremssättel, die für eine denkbar einfache Wartung mit der One-Way-Bleeding Technologie ausgestattet sind. Ein Vorteil für Vielfahrer: Die neuen Bremsen sollen ideal mit den SM-RT54-Bremsscheiben (180 / 160 mm) harmonieren. Diese sind bereits zu Online-Preisen unter 10 Euro als Ersatzteil zu haben. Auch die ebenfalls empfohlenen Resin-Beläge zählen zu den günstigen Ersatzkomponenten. Ein mechanisches V-Brake-System bleibt ebenfalls im Angebot.

Für einen breiten Überetzungsbereich setzt Shimano auf die Hollowtech II-Kurbel mit 48-36-26 Zähnen im 4-Arm-Design. Ersatzteilfreundlichkeit auch hier: Die drei Kettenblätter sind mit vier Schrauben einzeln am Kurbelarm befestigt und lassen sich so einfach und individuell tauschen.

Besonders viel hat sich am Schaltwerk getan: Das 10-fach Schaltwerk (RD-T610) besitzt eine für den Trekking-Einsatz optimierte Federspannung, die gewohnt geringe Bedienkräfte ermöglicht. Neu ist das SHADOW RD Design, das bis zum vorletzten Jahr ausschließlich den Mountainbike-Grup-pen vorbehalten war. Es rat zur Seite viel weniger weit neben der Rad hervor, so dass es besser vor Beschädigungen durch Hindernisse oder in Fahrradständern geschützt ist. Zugleich verringert die Spannung des Schaltwerkskäfigs das Schlagen der Kette, insbesondere auf unebenen Untergründen ein Vorteil. Es kann mit Kassetten der Abstufung 11-34, 11-32 oder 11-28 Zähnen kombiniert werden

Quelle: Shimano
