Route 3.0
Digitale Tourenvorschläge mit ROUTE 3.0
RADtouren setzt als erstes Printmagazin die neue bundesweite Empfehlung „ROUTE 3.0“ um.
Von der Aller-Tour bis zum Weserradweg – fast jede Radroute kann man sich inzwischen per Mausklick aufs Smartphone laden. Unterwegs gibt es dann nicht selten lange Gesichter, weil das Navi zwar metergenau führt, aber nicht selten komplett andere Abschnitte anzeigt, in die falsche Richtung führt, bei Umwegen streikt oder plötzlich mit der Streckenführung mitten in der Pampa endet. Aktuelle Qualität? Fehlanzeige – selbst bei den besten und prämierten Strecken ist auf digitale Datenqualität kein Verlass.

Mit „Route 3.0“ hat der Deutsche Tourismusverband (DTV) erstmals Empfehlungen für digitale Tourenvorschläge herausgegeben, damit Radtouristen aktuelle und verlässliche Daten im gängigen gpx-Format erhalten. Mit einfachen Internetseiten kann man zudem digitale Tourenvorschläge nun auf ihre Qualität prüfen und sicherstellen, dass sie optimal auf Ihrem Smartphone oder GPS-Gerät funktionieren.
Wir von RADtouren unterstützen die DTV-Qualitätsinitiative und sind stolz darauf, als erstes Printmagazin sämtliche Tourenvorschläge gemäß dieser Empfehlungen anzubieten – beginnend mit der Ausgabe 3/2024. Unsere Tourenvorschläge sind präziser, eindeutiger und leichter zugänglich denn je, damit Sie sich sicher sein können, dass Ihre Tour reibungslos funktioniert.
Wir helfen Ihnen auch gerne bei der kreativen Planung von Tourenvorschlägen, so dass Sie mit wenigen Mausklicks individuelle Touren am Monitor erstellen können. Dazu gibt es jetzt frei zugängliche Internet-Portale wie BRouter-Web, die man kostenfrei und sogar ohne Anmeldung verwenden kann. Weitere Anleitungen finden Sie in unserem GPS-Guide 2024.
Beitragsbild: Ma-Bo-Foto.de/Shutterstock.com
Sicher unterwegs mit dem KI-Rückspiegel für E-Bikes -Advertorial-
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Sicher unterwegs mit dem KI-Rückspiegel für E-Bikes
Das Ride Safety System RS1000 von Alps Alpine revolutioniert die Sicherheit von Fahrradfahrern im städtischen Umfeld. Der KI-basierte Rückspiegel bietet eine innovative Lösung, um Fahrradfahrer vor brenzligen Situationen im Verkehr zu schützen. Durch die Erfassung des rückwärtigen Verkehrs und die schnelle Erkennung von Gefahren ermöglicht das System eine konzentrierte Fahrt und erhöht die Sicherheit auf ein neues Niveau.
Das Herzstück des RS1000 ist eine multifunktionale Fahrradkamera, die den Verkehr hinter dem Fahrer erfasst und ein hochauflösendes Echtzeit-Livebild auf das Smartphone am Lenker überträgt. Dank der KI-basierten Gefahrenerkennung werden herannahende Fahrzeuge analysiert und auf dem Smartphone des Fahrers angezeigt, um rechtzeitig zu warnen. Das integrierte LED-Rücklicht mit mehrstufigem Bremslicht verbessert zudem die Sichtbarkeit des Fahrers, während die Dashcam-Funktion für eine zuverlässige Aufzeichnung sorgt.
Die Installation des StVZO-konformen Rücklichts ist dank des Quickmount-Systems von Alps Alpine schnell und einfach. Die intuitive Steuerung ermöglicht eine unkomplizierte Nutzung, während die vielseitige Stromversorgung entweder über den integrierten Akku oder direkt von der E-Bike-Batterie erfolgen kann.
Ausgezeichnet mit dem renommierten Eurobike Award 2023 ist das Ride Safety System RS1000 für 449 Euro im Online-Shop von Alps Alpine erhältlich. Erfahren Sie mehr über das innovative Sicherheitssystem und wie es Fahrradfahrern ein sicheres Gefühl im Stadtverkehr vermittelt.
Über den Hersteller des KI-Rückspiegels
Alps Alpine
Alps Alpine, ein japanisches Unternehmen, spezialisiert sich auf elektronische Komponenten und Systeme für Branchen wie Automobil, Industrieelektronik, Gesundheitswesen und Smart-Home-Lösungen. Seit dem Launch des Ride Safety Systems „RS1000“ im Sommer 2023 ist Alps Alpine auch im Fahrradbereich aktiv.
Weitere Beiträge zum Thema „Technik“ finden Sie hier
Bildnachweis: Alps Alpine
Neue Radreise-Ideen für 2024
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Neue Radreise-Ideen für 2024: Der Eurobike-Katalog für 2024 ist randvoll mit faszinierenden Radreiseideen, die die Herzen von Natur- und Kulturliebhabern höherschlagen lassen. Unter dem Titel „Pure Radreiselust“ präsentiert sich dieser Katalog übersichtlich und erfrischend strukturiert, und er verspricht genau das, was Radfahrer suchen.
Lassen Sie sich von den Highlights der kommenden Saison inspirieren:
- Friaul Rundfahrt: Durch Weinreben und zum Meer Diese 8-tägige Reise startet in Udine und führt durch die ursprüngliche Region Italiens. Erleben Sie sanfte Weinberge, malerische Städtchen wie San Daniele und Spilimbergo, und radeln Sie entlang des Alpe-Adria-Radwegs zur Lagunenstadt Grado. Die Tour endet mit einem Rückweg durch historische Weinberge nach Udine.
Anreise samstags von 13.04. bis 05.10.2024, ab 859 Euro.
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- Porto bis Lissabon: Atlantik, Tradition und Romantik Diese 8-tägige Tour entlang der Atlantikküste führt von der Weltkulturerbe-Stadt Porto zur königlichen Hauptstadt Lissabon. Erleben Sie malerische Lagunen, lebendige Küstenstädte wie Figueira da Foz und die königlichen Paläste von Sintra.
Anreise sonntags von 03.03. bis 24.11.2024, ab 989 Euro.
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- Lechradweg: Von der Quelle in die Fuggerstadt Der 7-tägige Lechradweg führt von den Vorarlberger Bergen bis nach Augsburg. Genießen Sie die beeindruckende Bergkulisse, historische Städte wie Füssen und Landsberg am Lech, und lassen Sie sich von der mittelalterlichen Architektur begeistern.
Anreise sonntags von 16.06. bis 22.09.2024, ab 799 Euro.
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- Südtirol: Auf den Radwegen an Eisack und Etsch Diese 7-tägige Tour startet in Brixen und führt durch duftende Obstgärten und entlang saftiger Weinberge. Erleben Sie die malerische Landschaft des Eisacktals, besuchen Sie historische Städte wie Bozen und Meran, und genießen Sie die atemberaubenden Ausblicke auf die Südtiroler Berge.
Anreise täglich von 27.04. bis 05.10.2024, ab 899 Euro.
Planen Sie Ihre unvergessliche Fahrradreise mit Eurobike und erleben Sie Natur, Kultur und Abenteuer auf zwei Rädern! Besuchen Sie eurobike.at für weitere Informationen und Buchungen.
WEITERE INFORMATIONEN UND BUCHUNG

Smarte Navigation von Bosch eBike Systems
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Entdecken Sie die neue smarte Navigation von Bosch eBike Systems! Mit der eBike Flow App können Sie jetzt personalisierte Routen planen, die auf Ihren individuellen Vorlieben basieren. Das System analysiert Ihre Fahrt und berücksichtigt Faktoren wie Distanz, Geschwindigkeit und Untergrund. So erhalten Sie maßgeschneiderte Tourenvorschläge, die perfekt zu Ihnen passen. Dank des smarten Systems können Sie auch die voraussichtliche Dauer Ihrer Tour genau berechnen und unliebsame Überraschungen vermeiden. Mit dem Höhenprofil auf dem Display behalten Sie während der Fahrt stets den Überblick über Ihre Route und können sich optimal auf bevorstehende Anstiege vorbereiten.

Die eBike Flow App bietet zudem zahlreiche weitere Features für eine noch bessere Navigationserfahrung. Entdecken Sie jetzt die Zukunft des eBike-Fahrens mit Bosch und genießen Sie mehr Sicherheit, Individualität und Fahrspaß auf jeder Tour!
Die neuesten Navigationsupdates im smarten System von Bosch bieten Ihnen innovative Funktionen und verbesserte Navigationserlebnisse:
- Re-Routing: Bei Abweichungen von der Route berechnet die eBike Flow App sofort eine Alternative.
- Flexible Änderungen des Navigationsziels während der Fahrt, ohne anzuhalten und mit den Händen am Lenker.
- Abbiegehinweise per Sprachausgabe über das Smartphone oder als kurze Töne mit dem Kiox 500 Display.
- Automatische Synchronisation von Routen aus komoot für noch schnellere Planung.
- Individuellere Routenplanung mit zusätzlichen Kartendetails wie „eBike Heatmap“, „Satellit“ oder „MTBTrails“.
- Export abgeschlossener Aktivitäten als GPX-Datei, jetzt auch im FIT-Format mit Informationen zur Leistung und Trittfrequenz.

Erleben Sie eine noch bessere Navigationserfahrung mit den neuen Funktionen von Bosch und genießen Sie mehr Flexibilität, Sicherheit und Individualität auf Ihren eBike-Touren!
Den aktuellen Beitrag finden Sie in der RADtouren-Ausgabe 2/24.
Bildnachweis: Bosch eBike Systems
Messekalender 2024
Faszination Fahrrad
Rennräder, Gravel- und Mountainbikes, Lastenräder, Tourenräder, E-Bikes, Anhänger, Bekleidung, Navigationssysteme, Reise- und Freizeittipps … Auch in diesem Jahr stellt die Radfahr-Branche die neuesten Entwicklungen vor. Hier die wichtigsten Messetermine 2024
Text: Michael Soltys
Mehr als 82 Millionen Fahrräder soll es in Deutschland geben. Rund 4,4 Millionen Menschen haben sich im Laufe des Jahres 2023 ein neues Fahrrad gekauft, ob beim Fachhändler in der Stadt oder über ein Online-Portal. Der Durchschnittspreis steigt stetig, zuletzt haben die Kunden etwa 1800 Euro für ein Fahrrad ausgegeben. Allein diese Zahlen des Online-Datenportals „Statista“ zeigen, wie attraktiv das Fahrrad als Verkehrsmittel geworden ist.

Und innovativ zugleich. Dafür ist vor allem die Entwicklung auf dem E-Bike-Markt ein herausragendes Beispiel. Die Motoren werden leistungsfähiger, die Akkus halten länger, die Fahrräder werden generell leichter. Rahmen, Motor und Akku werden mit den Bedienungselementen zu Systemen verbunden. Auf den spezialisierten Märkten für Rennräder, Mountainbikes und Gravelbikes schreitet die Systemintegration voran. Verbesserte Funktionskleidung und ein spezialisiertes Zubehör runden das Angebot für die Kunden ab. Reiseveranstalter weiten das Angebot an Radurlauben jeden Schwierigkeitsgrades aus.

Wie findet sich der Kunde da noch zurecht? Messen sind eine gute Gelegenheit, Neuentwicklungen zu entdecken und zu testen. Das wissen auch die Hersteller und Händler, die sich mit ihren Produkten auf der Messe direkt beim Kunden präsentieren können. Ein Blick auf den Messekalender 2024 zeigt die ganze Vielfalt des Messegeschehens in Deutschland. Neben den Branchengrößen wie der Eurobike in Frankfurt und der CMT in Stuttgart haben sich einige regionale Messen mit unterschiedlichen Schwerpunkten etablieren können. RADtouren stellt die wichtigsten Messen des Jahres vor.
CMT Stuttgart
Das Messe-Jahr für Fahrrad-Enthusiasten beginnt mit der CMT in Stuttgart, die in diesem Jahr vom 13. bis 21. Januar auf dem Messegelände nahe dem Flughafen stattfindet. Auf der „weltweit größten Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit“, wie sich die Messe „Caravan Motor Touristik“ selbst charakterisiert, hat das Fahrrad schon seit Jahren einen eigenen Platz errungen. Als Sondermesse der CMT findet dort die Messe „Fahrrad & WanderReisen 2024“ statt. Abenteuerlustige Radfahrer und Outdoor-Liebhaber, die für das kommende Jahr eine Reise planen, finden am ersten Messe-Wochenende, von Freitag, 13. Januar, bis Sonntag, 15. Januar, in Halle 9 des Messegeländes alle notwendigen Informationen und viele Anregungen.
Nach Informationen der Messe-Organisatoren sind mehr als 200 Aussteller aus zahlreichen Ländern auf der Sondermesse vertreten. Sie stellen ihre aktuellen Angebote rund um Fahrradreisen, Mountainbiketouren, Fahrräder, Zubehör, Bekleidung, Fahrradhotels, Ausrüstung und Outdoorbekleidung vor. Spannende Dia-Vorträge mit den schönsten Touren rund um die Welt sowie ein Rahmen- und Bühnenprogramm runden das Ausstellerangebot ab. Große Hersteller von Rädern sind ebenso vertreten wie kleine Manufakturen. Auf einem eigenen Parcours können die aktuellen Modelle ausprobiert werden.
Das Tagesticket zum Preis von 15 Euro an Wochentagen und 17 Euro am Wochenende berechtigt zum Besuch der gesamten Messe. Wer die Fahrrad-Sondermesse besuchen möchte, muss sich auf einen regen Betrieb einstellen. Im vergangenen Jahr war die Halle 9 an allen Tagen ausgelastet, es war proppenvoll, zogen die Veranstalter im Nachgang Bilanz.
messe-stuttgart.de/cmt/

Fahrrad Essen
Ähnlich rege dürfte es in diesem Jahr auch wieder auf der „Fahrrad Essen“ zugehen, einer der beliebtesten Fahrradmessen Nordrhein-Westfalens. Renommierte Hersteller und Händler präsentieren vom 29. Februar bis 3. März in der Messe Essen Fahrräder, Zubehör und radtouristische Angebote. Viele Branchengrößen haben laut dem Veranstalter ihre Teilnahme wieder zugesagt.
Mehrere zehntausend Besucher werden an den vier Messetagen erwartet. Sie erhalten in den Messehallen 4 und 5 einen umfassenden Einblick in die Welt des Fahrradfahrens, vom klassischen Mountainbike über Gravel- und E-Bikes bis hin zum faltbaren Lastenrad. Der Schwerpunkt der Messe liegt auf E-Bikes und Urban Biking. Insbesondere City- und Lastenräder entwickeln sich für viele Besucher zur nachhaltigen Alternative zu Auto, Bus und Bahn, sind die Messe-Macher überzeugt. Auf mehreren Teststrecken können Fahrrad-Fans ausprobieren, welches Rad am besten zu ihnen passt. In Kombination mit zahlreichen Anbietern von Zubehörteilen ergibt sich für Gunter Arndt, den Projektleiter der Messe, ein überzeugendes Gesamtkonzept.
Ein Höhepunkt der Fahrrad Essen wird die Trend-Arena in Halle 4 sein, in der sich die Besucher in einem besonders hochwertigen Umfeld informieren können. Hier besteht die Möglichkeit, Beratung und Informationen von Fachverkäufern einzuholen, sich ein Bild von der Produktvielfalt zu machen, um am Ende das passende Premium-Bike für seine individuellen Bedürfnisse zu finden.
Parallel zur Fahrrad Essen findet in den angrenzenden Hallen mit der Reise + Camping die größte Urlaubs-Messe Nordrhein-Westfalens statt. Besucher haben somit nicht nur die Möglichkeit, sich über aktuelle Trends auf dem Fahrrad-Markt zu informieren, sondern können auch Einblick in die Produktwelten des mobilen Reisens und Tourismus nehmen. Die Tagestickets, die für beide Messen gelten, kosten 13 Euro. fahrrad-essen.de

Cyclingworld Europe Düsseldorf
Einen außergewöhnlichen Ort haben sich die Macher der „Cycling World Europe“ für ihre Messe ausgesucht: In den restaurierten Industriehallen der Firma Böhler in Düsseldorf präsentieren sie vom 15. bis 17. März „feinste Radkultur“, wie sie ihr Konzept nennen. Organisator Torsten Abels sieht die Messe als Impulsgeber für Fahrradfreunde, Fahrradhändler und Vertreter der Fahrradindustrie. Schwerpunkt sind hochwertige Fahrräder, präsentiert ausschließlich von Herstellern, von renommierten Namen der Branche ebenso wie von Start-ups.
Jahr für Jahr hat sich die Fahrradmesse vergrößert, auch 2024 wird eine weitere Halle hinzukommen. Der Veranstalter, die Düsseldorfer Agentur Events 4 Ideas, erwartet in diesem Jahr etwa 25.000 Besucher, 300 Aussteller und 500 Marken. Auf dem Außengelände werden sich zwischen 80 und 100 Aussteller mit Testrädern präsentieren. Wie in den Vorjahren wird es wieder ein attraktives Rahmenprogramm geben, mit Ausfahrten, Rennen, Sternfahrten, Kunstprojekten, Chillout-Areas und vieles mehr. Tagestickets kosten zehn Euro. Fachbesucher werden auch 2024 wieder kostenlosen Zutritt erhalten.
cyclingworld.de
Rad+Freizeit, Siegburg
Die 23. Auflage der Radtouristikmesse Rad+Freizeit des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC findet am Sonntag, 7. April, im neuen, großzügigen und modernen Rhein Sieg Forum in Siegburg statt. Der ADFC erwartet zu der eintägigen Publikumsmesse rund 100 Aussteller und zwischen 3000 und 4000 Besucher. Präsentieren werden sich Radregionen aus dem In- und Ausland, Reiseveranstalter, Fahrradhersteller, Fahrradhändler, Anbieter von Fahrradzubehör sowie Verlage mit dem Schwerpunkt Radreisen.
Messepartner der ADFC-Messe 2024 ist zum zweiten Mal das Großherzogtum. „Luxemburg hat es geschafft, ein flächendeckendes Radnetz aufzubauen, das jedes Jahr wächst und inzwischen viele Fans in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gewonnen hat. Deshalb freuen wir uns, diese Fahrrad-Hochburg im Rheinland präsentieren zu können“, sagt ADFC-Messechef Jörn Frank. Das touristische Radnetz in Luxemburg hat inzwischen eine Länge von 600 Kilometern erreicht. Gleichzeitig finden auch sportliche Mountainbiker im Großherzogtum viel Platz und sind auf 700 Kilometern in mehreren Mountainbike-Parcours willkommen. „Die Rad+Freizeit ist für uns sowohl vom Einzugsgebiet her als auch mit Blick auf den Themenfokus äußerst attraktiv“, begründet Dr. Sebastian Reddeke, CEO des Luxemburgischen Tourismusverbandes die Partnerschaft.
radreisemesse.de

Eurobike Frankfurt
Die Eurobike ist nach wie vor die wichtigste Messe der Fahrradbranche, die 32. Ausgabe der weltgrößten Fahrradmesse findet vom 3. bis 7. Juli zum dritten Mal in den Hallen der Messe Frankfurt statt. Die Messe versteht sich als die zentrale Plattform der Fahrradwelt und darüber hinaus der Zukunft der Mobilität. Im vergangenen Jahr zählten die Macher 34.000 Fachbesucher aus mehr als 122 Nationen, die sich an den Ständen der 1900 Aussteller drängten. Die boomende und sich rasant verändernde Fahrrad- und Future Mobility-Branche haben in der Eurobike ihre gemeinsame Plattform, hebt Veranstalter fairnamatic hervor. An den ersten drei Tagen von Mittwoch bis Freitag ist die Messe lediglich für Fachbesucher geöffnet. Am Samstag und Sonntag, 6. und 7. Juli, öffnen sich die Hallen für das allgemeine Publikum.
eurobike.com
Weitere Fahrradmessen 2024
20. und 21. Januar, Bad Salzuflen, Messezentrum: Faszination Fahrrad, messezentrum.de/fahr-rad/
26. bis 28. Januar, Dresden, Messegelände: e-bike-days Dresden, ebike-days-dresden.de
31. Januar bis 4. Februar, Hannover, Messegelände: abf Fahrrad & Outdoor, abf-hannover.de
3. bis 4. Februar, Wels, Österreich, Messegelände: Bike Festival Austria, bike-festival.at
7. bis 11. Februar, Hamburg, Messezentrum: RAD Hamburg 24. hamburg-messe.de
14. bis 18. Februar, München, Messegelände, f.r.e.e., free-muenchen.de
17. bis 18. Februar, Münster, MCC Halle Münsterland, Leezenfrühling, mevelo.de
17. bis 18. Februar, Lingen, Emslandhallen, Radmesse Emsland, rad-reisemesse.de
17. bis 18. Februar, Saarbrücken, Congresshalle, Reisen und Freizeit Messe, reisen-freizeit-saar.de
24. bis 25. Februar, Braunschweig, Millenium-Halle, Faszination E-Bike, faszination-e-bike.de
10.März, Kiel, Ostseekai, Fahrradmesse Kiel, nhvs-events.de
13. bis 14. April, Berlin, Flughafen Tempelhof, Velo Berlin, veloberlin.com
25. bis 26. Mai, Frankfurt, Eissporthalle, Velo Frankfurt, velo-frankfurt.de

Leselust auf Rädern
Kann man Träume verschenken? Man kann!
Unsere BUCHTIPPS FÜR FAHRRAD-BEGEISTERTE laden allesamt zum Schmökern, Schmunzeln und Staunen ein – und bieten jede Menge Anregungen für eigene Radel-Unternehmungen.
TEXT: BETTINA BERNHARD

GEWICHTIGES PRACHTSTÜCK
Gleich drei Reifenpannen auf der allerersten Alpentour – und trotzdem war Nicolas Richoz so begeistert, dass er nichts anderes mehr machen wollte, als die Alpen mit dem Fahrrad zu erkunden und andere an seinen Eindrücken teilhaben zu lassen. Strukturiert, wie es sich für einen Ingenieur gehört, ließ sich der damalige Student nebenher zum Fotograf und Drohnenpilot ausbilden und zog dann los: Nach fünf Monaten standen 9600 Kilometer und 210.000 Höhenmeter aus sieben Alpenländern auf dem Tacho. Daraus entstand ein prächtiger, fast 500 Seiten starker, großformatiger Band, in dem 125 Fahrradtouren in den Alpen vorgestellt werden. Durch die vielen aussagekräftigen Fotos und die Ich-Erzählung ist man als Leser mittendrin im Geschehen und kann sich stundenlang wegträumen nach Slowenien oder Frankreich, Italien oder Liechtenstein und natürlich in die Schweiz, nach Österreich und Deutschland. Es geht hoch hinauf und tief hinunter, jede Tour ist mit Karten geografisch eingeordnet, dazu gibt’s Alpenwissen und Statistik, Ausrüstungstipps und praktische Tricks wie die Gartenhandschuhe aus Silikon, die dem Fotografen auch bei Regen garantiert trockene Hände bescherten.
Nicolas Richoz; Die Alpen mit dem Fahrrad
AT Verlag, 480 Seiten, 55 Euro

TOSKANA-LIEBE
Das geht schon gut los. Doppelseitige Fotos und ein grafisch so fantasievoll aufbereitetes Inhaltsverzeichnis, dass man erst mal daran hängenbleibt und versucht, die Fotos in den Zahlen zu deuten oder die Piktogramme zum Thema der neun Touren, die ans Meer, in die Wälder und Berge der Toskana führen. Allesamt sind sie lebendig beschrieben und bebildert, informativ ergänzt durch Reisezeit, Radinfrastruktur, Klima und Übernachtungstipps.
Dazu gibt es spannende Geschichten über die Erfinder und Erbauer der Trails, sowie den einen oder anderen Kochkurs. Auch das ist eine Besonderheit: Obwohl in jedem der vorgestellten Mountainbike-Trails durchaus sportliche Herausforderungen stecken, kommen immer auch Kultur, Natur, Geschichte so- wie das Dolce Vita und die italienische Küche vor – und zwar als unverzichtbare Bestandteile der überzeugend präsentierten „schönsten Toskana-Trails“.
Ines Thoma, Max Schumann; Toskana Trails
Delius Klasing Verlag,192 Seiten, 34,90 Euro

MIT DEM BIKE ZUM K2
In einer Statistik über Bike-Traumziele käme das Karakorum, jene spektakuläre Bergwelt zwischen Pakistan, Indien und China, kaum auf einen vorderen Rang. Und in einer Liste über verwirklichte Bike-Träume kämen Baltoro-Gletscher, Concordiaplatz, Broad Peak und K2 überhaupt nicht vor, wäre da nicht Gerhard Czerner. Der gelernte Zweiradmechaniker ist seit Jahrzehnten auf dem Rad unterwegs, verdient seinen Lebensunterhalt mit Trialshows, als Bikeguide, Outdoortrainer und Skilehrer, ist glücklich damit und hat den Gedanken, „später, wenn ich zu alt bin zum Reisen und Biken, mache ich mal was Vernünftiges“ inzwischen aufgegeben. Stattdessen startete er mit Mitte 40 zu seinem Lebenstraum vom K2.
Es ist eine irre Tour, Himmel und Hölle wechseln sich ab. Über weite Strecken tragen die Männer das Fahrrad (statt umgekehrt) über Gletscherspalten und Geröllfelder, entlang von Fixseilen und senkrechten Felswänden. Beim Lesen schwankt man zwischen Kopfschütteln und Bewunderung, leidet mit und schmunzelt, denn an Selbstironie fehlt es dem Autor nicht. Auch nicht an Beobachtungsgabe und Gefühl für die Menschen vor Ort. Die Standardantwort des einheimischen Guides lautet „No Problem. Insha‘allah.“ – „Kein Problem. So Gott will“ – egal, ob es um gang- oder fahrbare Wege durch Lawinen, tosende Fluten oder über eisige Höhen geht. Nichts zum Nachmachen, aber spannender Stoff für Bergliebhaber mit oder ohne Biker-Gen.
Gerhard Czerner; Unter die Räder gekommen
Knesebeck Verlag,240 Seiten,20 Euro

DAS WASSER STETS IM BLICK
1000 Fahrradkilometer auf 288 Seiten? Ja, das geht. Genaue Karten, schöne Fotos, Hintergrundwissen und Tipps inklusive. Es geht vor allem deshalb gut, weil sich die Autoren vorgenommen haben, die schönsten Kilometer am Wasser vorzustellen – und damit ist der Weg meist selbsterklärend: immer am Ufer lang, den Fluss, See oder das Meer als Referenz in Sichtweite. Die meisten der 22 bis 85 Kilometer langen Touren sind ein Teilstück eines Radfernweges, also Ostseeküsten-, Elbe-, Rhein-, Donau- oder Bodenseeradweg. Und vielleicht, so die Idee, machen die Vorschläge ja auch Lust, einmal den gesamten Weg anzugehen. Auf jeden Fall hat die Kon- zentration aufs Wasser mehrere Vorteile: einfache Orientierung, wenig Steigungen und erfrischende Aussichten. Eine nette Idee, hübsch eingepackt, geeignet sowohl als Ideengeber als auch als Tourbegleiter.
Diverse Autoren; Die 1000 schönsten Fahrradkilometer am Wasser – Deutschland
Kompass Verlag, 288 Seiten,15 Euro

UND DER PAZIFIK IMMER RECHTS
Wenn der Fotograf und Extremradler Dirk Rohrbach aufs Fahrrad steigt, kommen immer viele Kilometer, viele Fotos und viele Geschichten dabei heraus. So auch in seinem neuesten Werk „West Coastin‘“ entlang des Pazifik-Highways No. 1 von der kanadischen bis zur mexikanischen Grenze. Rohrbach nimmt sich Zeit, Menschen zu treffen und Abseitiges auszuprobieren, surft auf Sanddünen, grillt mit einem Häuptling und besucht einen Künstler, der aus Plastikmüll aus dem Meer Skulpturen schafft. Und er nimmt sich Zeit, über Knieschmerzen, schlechtes Wetter und Besserwisser zu philosophieren. Das alles macht das Buch zu einer gehaltvollen wie unterhaltsamen Lektüre. Nicht nur für Reisende auf Rädern.
Dirk Rohrbach, West Coastin‘
Verlag National Geographic, 192 Seiten, 26,99 Euro
Plötzlich ist es ganz still in diesem Land
Mit seinen hübschen Kolonialstädten, den vergletscherten Gebirgszügen in den Anden, dem üppigen Regenwald und den paradiesischen Stränden gilt Kolumbien als DAS SCHÖNSTE LAND LATEINAMERIKAS. Und: Die Tropenrepublik bringt immer wieder herausragende Rennradfahrer hervor. Eine Spurensuche.
TEXT: JANNIK JÜRGENS FOTOS: REMY VROONEN
Plötzlich ist es ganz still in diesem Land, in dem immer und überall Musik aus Lautsprechern dröhnt, Straßenhändler Avocados anpreisen und Motorradfahrer hupen. Auf dem Aufstieg zum Alto de Letras, einem 3340 Meter hohen Pass, nichts als Nebel und Stille. Ich schließe kurz die Augen, atme tief durch und denke, so könnte es ewig weitergehen.
Drei Tage zuvor bin ich mit meinem Freund Remy in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá zu einer Radtour gestartet, die uns bis nach Cartagena führen soll, also etwa durch die Hälfte dieses faszinierenden lateinamerikanischen Landes. Am Ende werden wir 1.200 Kilometer und 15.000 Höhenmeter unter den Reifen haben. Aber es ist mehr als nur“ eine Radtour durch Kolumbien. Unterwegs wollen wir herausfinden, warum dieses Land so viele herausragende Radprofis hervorgebracht hat. Idole wie Rigoberto Urán, der bei der Tour de France 2017 mit nur 54 Sekunden Rückstand auf Chris Froome Gesamtzweiter wurde, oder Egan Bernal. Der 26-Jährige wurde 2019 der erste Tour de France-Sieger aus Südamerika und gewann 2021 auch den Giro D ́Italia. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Der Alto de Letras ist der längste asphaltierte Pass der Welt. Von der Kleinstadt Mariquita aus schraubt er sich 80 Kilometer die Zentralkordillere der Anden hinauf. Zwischendurch fällt die Straße immer wieder ab, um dann wieder anzusteigen, wie eine endlose Treppe bis in die Wolken.
Als wir am Fuße der Berge starten, zeigt der Fahrradcomputer 37 Grad Celsius an. Wir radeln vorbei an haushohen Palmen und Feldern, auf denen Mais und Yucca angebaut werden. Später prägen Kaffee-, Avocado- und Bananenfelder das Bild. Ganz oben auf dem Pass dominieren Farne, Gräser, Moose und Frailejones. Die mannshohe Pflanze gehört zur Gattung der Korbblütler, wird als Heilpflanze verwendet und von den Einheimischen „Großer Mönch“ genannt.

Hunger und kein Proviant
Zwei Tage brauchen wir, um den Altro de Letras zu bezwingen. Nicht, dass es nicht auch an einem Tag zu schaffen gewesen wäre. Wir hatten nur am ersten Tag einen Fehler gemacht: Wir waren so motiviert in dieses Abenteuer gestartet, dass wir vergessen hatten, für Proviant zu sorgen. Als wir das bemerkten, hatten wir Honda, die Stadt am Rio Magdalena, bereits hinter uns gelassen.
Im Aufstieg geht nichts mehr, der Hunger schlägt zu. Die Beine leer, der Kopf müde, jeder Tritt verzweifelter. Die Versuchung ist groß, sich an einen der Lastwagen zu hängen, die sich mit Kartoffeln, Ananas oder Avocados beladen den Berg hinaufquälen. Doch nein, das wäre Betrug gewesen. Selbstzweifel machen sich breit: Schaffen wir es nicht, Kolumbien mit dem Rad zu durchqueren?
Ich muss an Efraín Forero denken. Der Radfahrer aus Zipaquira hatte sich schon 1950 in den Kopf gesetzt, den Alto de Letras mit dem Fahrrad zu bezwingen. Damals bestanden die Straßen aus Steinen, Schlamm und Schlaglöchern, und niemand traute Forero den Aufstieg zu. Forero hatte erst ein Jahr zuvor mit dem Radfahren begonnen. Auf halber Strecke drehte sein Begleitwagen um, dem Fahrer war der Weg zu gefährlich. Forero fuhr weiter, führte Selbstgespräche, als er die nebligen Höhen erreichte. Er schaffte es bis zum Gipfel und dann weiter nach Manizales.
Wir dagegen sind noch lange nicht oben. Hinter einer Kurve sehen wir ein Haus. Auf der Veranda ein Tisch mit Orangen und Bananen und eine Saftpresse. Wir kaufen zehn Bananen.

Als ich nachts in meinem Schlafsack liege, muss ich wieder an Efraín Forero denken. Er hatte damals die Tageszeitung El Tiempo überredet, die erste Tour de Colombia zu organisieren. Drei Dutzend Fahrer gingen 1951 an den Start, Forero gewann. Fortan nannte man ihn „El Zipa indomable“, den „Unbezwingbaren von Zipaquira“. Niemand hatte mit der Begeisterung gerechnet, die das Radrennen auslöste. Überall standen jubelnde Zuschauer am Straßenrand.
Aber das Rennen zeigte noch etwas anderes. In den 1950er Jahren hatte die Gewalt das Land zerrissen. Innerhalb von zehn Jahren starben je nach Schätzung zwischen 180.000 und 300.000 Kolumbianer im Bürgerkrieg. Die erste Kolumbien-Rundfahrt zeigte den Menschen, dass Straßen dieses Land verbinden, dass Berge, Dschungel und Küsten zu einer Einheit, zu einem Land gehören. Sie zeigten, dass es diese Nation gab.
Neue Kraft aus Bananen und Kaffee
Als wir am nächsten Morgen weiterfahren, hängt Nebel in den Bergen. Je höher wir kommen, desto kälter wird es. Die Straße schlängelt sich um Felsblöcke, erklimmt Bergrücken und überquert Schluchten auf Brücken. Die Lastwagen, die uns entgegenkommen, riechen nach verbrannten Bremsbelägen. Unser Atem steigt in Wolken vor unseren Gesichtern auf, als ein Schild anzeigt, dass wir „nur“ noch acht Kilometer radeln müssen, bis wir den Pass erreicht haben.
Nächster Halt ist das Dorf Letras – eine Polizeistation, eine Kirche, ein Restaurant, zwei Krim-Kram-Läden. Es ist kalt, die Berge verschwinden in einer Suppe und kippen fünf Gläser Saft hinunter. Gestärkt fahren wir weiter nach Fresno, wo wir zwei gegrillte Hähnchen und einen Berg Kartoffeln essen.
Der Alto de Letras ist mit seinen 3.680 Metern einer der anstrengendsten Pässe der Welt. Von Mariquita aus sind es gut 80 Kilometer bergauf.
Nebel und Wolken. Plötzlich höre ich eine Stimme hinter mir: „Warte, es gibt Kaffee und Kuchen! Es ist Brayan Chaves. Er ist der sieben Jahre jüngere Bruder von Radprofi Esteban Chaves, der 2016 als erster Nicht-Europäer die Lombardei-Rundfahrt gewonnen hat. Brayan serviert und erzählt von der Stiftung seines Bruders, die Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Radprofi unterstützt. „Viele junge Kolumbianer träumen von einer Karriere in Europa“, sagt er.
Später, nach knapp einer Stunde rasanter Abfahrt, erreichen wir Manizales, die Hauptstadt des Departements Caldas. Die Stadt liegt im Hauptanbaugebiet für Kaffee in Kolumbien, in Sichtweite des Vulkans Nevado del Ruiz. Der härteste Teil unserer Reise liegt nun hinter uns.
In der Werkstatt der Katze
Am nächsten Tag radeln wir weiter nach Medellín. Die Stadt liegt in einem Talkessel, und als wir sie wieder Richtung Norden verlassen, müssen wir über einen weiteren Pass, den Alto de la China. Zwölf Kilometer geht es bergauf, an der steilsten Stelle 18 Prozent. Im kleinsten Gang quälen wir uns hinauf. Hinter uns verschwindet Medellín im Dunst. Am Hang patrouillieren Soldaten.
Nach dem Pass geht es weiter durch die ländliche Gegend des Departamento de Antioquia, einer Region im Nordwesten Kolumbiens. Die Straße schlängelt sich über Hügel und Wiesen, auf denen Rinder grasen. Am Abend erreichen wir Santa Rosa de los Osos, wo zunächst eine Reparatur ansteht.
Im Haus der Katze

Remys Vorderrad dreht sich nicht mehr richtig, der Nabendynamo hat wohl einen Schlag abbekommen. Wir suchen den einzigen Fahrradladen des Ortes auf. El Gato heißt er, die Katze. Das ist der Spitzname des Besitzer. Während er den Dynamo repariert, unterhalten wir uns über Radsport. Wer denn sein Lieblingsfahrer sei, will ich wissen. „Rigo natürlich“, sagt er und meint Rigoberto Urán, einen der erfolgreichsten Radsportler des Landes. Aber El Gato mag Rigo noch aus einem anderen Grund. Wie er ist Rigo als armer Junge auf dem Land aufgewachsen. Die Region, in der Rigo mit seiner Familie lebte, war ein Zentrum der Farc-Guerilla. Sein Vater geriet zwischen die Fronten, und als Rigo 14 Jahre alt war, wurde er ermordet, mutmaßlich von Paramilitärs. Rigo begann, Lose zu verkaufen, und verdiente so viel Geld, dass er sich ein gebrauchtes Fahrrad kaufen konnte – und sein erstes Rennen gewann. El Gato bewundert Rigoberto Urán, weil er trotz seiner schwierigen Lebensumstände ein herausragender Radprofi geworden ist.
Mit erneuertem Dynamo geht es am nächsten Tag weiter. Kurz vor Tarazá und Cáceres entdecken wir an den Häusern Schriftzüge der Paramilitärs und der Guerilla: AUC und ELN. Und wir schaudern bei dem Gedanken, dass hier in der Vergangenheit Tausende Menschen entführt wurden. Pakete fischen“ nannten die Guerilleros das. Sie hielten ihre Geiseln im Regenwald gefangen, um Lösegeld zu erpressen. Eine grüne Hölle war der Regenwald für die Opfer. Für mich hingegen symbolisiert das Grün Hoffnung. Der Frieden, der seit sechs Jahren herrscht, ist zwar nicht perfekt,Aber er hat dafür gesorgt, dass wir ohne Angst vor Entführung durch dieses wunderbare Land reisen können.
Die letzten 205 km
Der letzte Tag unserer Radreise hat es noch einmal in sich. Wir fahren 205 Kilometer durch das Departamento Bolivar und sitzen gut neun Stunden im Sattel. Am Morgen sticht die Sonne wie eine glühende Kugel durch den Nebel und taucht die Wiesen, Bäume und Palmen in ein zartes Rosa. Am Abend erreichen wir die Innenstadt von Cartagena, die als eine der schönsten Städte Südamerikas gilt. Cartagena liegt an der Karibikküste und so lassen wir die Eindrücke dieser Reise am Strand Revue passieren. Wir überlegen, wie wir die Frage beantworten würden, warum Kolumbien so herausragende Radprofis hervorbringt. Ich glaube, dass die Kolumbianer so gute Radfahrer sind, weil sie von klein auf auf den steilsten Straßen und in den höchsten Bergen trainieren. Viele von ihnen leben auch in Gegenden, die 3000 Meter über dem Meeresspiegel liegen, und sind somit quasi ständig im Höhentrainingslager
Fazit des Autors Jannik Jürgens:
„Wer Kolumbien entdecken will, sollte das mit dem Fahrrad tun. Das Land ist radsportverrückt und die Berge sind gigantisch.“


KOGA E-Worldtraveller
UNTER STROM
TEXT & FOTOS: INGO EFFING
Seit 25 Jahren geht das KOGA WORLDTRAVELLER auf Reisen, mit „E“ gibt es das bewährte Bike seit letztem Jahr erst in der zweiten Generation. Schon beim Blick auf das Datenblatt ziehen sich die Augenbrauen angesichts einiger Superlative in die Höhe. Auf der Straße ist es dann eher die ausgefallene Geometrie, mit der das Koga beeindruckt.
Zeitgleich mit der Einführung des neuen E-Worldtraveller im vergangenen Jahr wurde auch die nicht-elektrische Variante mit einem neuen Rahmen überarbeitet.
Die Aluminiumbasis ist ähnlich aufgebaut wie beim E-Bike und kann mit den gleichen Vorzügen aufwarten. An der Entwicklung war Markenbotschafter und Extremradler Alee Denham beteiligt, der mit seinen 34 Jahren bereits über 100 Länder bereist und 130.000 Kilometer im Sattel zurückgelegt hat. Das Ergebnis ist ein extrem robustes Reise-E-Bike, das ein Gesamtgewicht von 180 Kilogramm tragen kann. Ein rekordverdächtiger Wert, den sonst nur wenige Reiseräder aus Stahl erreichen.

Schwer belastbar
Gegen einen Aufpreis von 200 Euro gibt es das Koga auch mit einer 100-Millimeter-Federgabel, aber vor der starren Variante mit starrer Gabel muss man sich nicht fürchten. Der Komfortsattel und die 55er Breitreifen dämpfen ausreichend und das Gefühl für die Straße bleibt erhalten. Die starre Alugabel mit Lowrider ist für den Transport von Gepäck vorbereitet und mit zusätzlichen Gewindeösen versehen. Ösen gibt es auch am Oberrohr und am Sattelrohr, was man nicht gleich sieht, weil es kaum verbreitet ist: Das Unterrohr ist oben und unten mit je einer MRS-Schiene (Modular Rail System) ausgestattet, an der Trinkflaschen oder andere Ausrüstung an beliebiger Stelle passend angeschraubt werden können.
Die Möglichkeiten, schwere Ausrüstung für lange Strecken mitzunehmen, könnten vielseitiger kaum sein, denn auch der integrierte Gepäckträger mit System und zweiter Reling kann mit bis zu 45 Kilogramm beladen werden. Damit ist der E-Worldtraveller ein echter Schwerlasttransporter. Da verzeiht man auch, dass er im Vergleich zu seinem Vorgänger um 6 Kilo zugenommen hat, was angesichts der Möglichkeiten, die die robuste Konstruktion bietet, durchaus akzeptabel ist.

Leicht zu beherrschen
Wie man es von Koga gewohnt ist, wird auf ein elegantes Design nicht verzichtet: Klare Formen verbinden die metallisch schimmernden schimmernden Rohre zu einem harmonischen Gesamtbild. Der Radstand ist lang, die Räder groß, mit 55er Reifen in MTB-Breite sogar sehr groß. Entsprechend hoch sitzt man auf dem E-Worldtraveller, die Fahreigenschaften sind hervorragend: Ruhig und komfortabel rollen die großen Räder leichtfüßig über die Piste. So leicht, dass man der kräftigen Motorunterstützung immer wieder davon rollt, oder besser: davon gleitet, denn der Koga fährt so sanft und spurtreu wie auf Schienen. Das Heck ist lang und bietet genug Platz für Packtaschen und große Füße. Die 25 Kilo Testgepäck auf der steifen Trägerkonstruktion sind kaum zu spüren. Insgesamt gibt das E-Bike kaum Anlass zur Kritik, die Ausstattung ist gut und angemessen, nur der Scheinwerfer ist mit 50 Lux bestenfalls mittelmäßig, ein „Worldtraveller“ sollte auf dunklen Wegen für bessere Sicht sorgen.
So gelassen der E-Worldtraveller auch über die Straßen gleitet, das Handling hat etwas Erfrischendes. Diesen Spirit hauchen die Niederländer ihrem E-Bike mit einem extrem kurzen Vorbau ein. Eine Länge von 35 Millimetern findet man sonst nur bei Downhill-Mountainbikes, aber in Verbindung mit der laufruhigen Rahmengeometrie funktioniert das auch hier und verleiht dem Koga eine spritzige Note, die zum Kurvenräubern einlädt und Laune macht.
Fazit: Der E-Worldtraveller Rigid zeichnet sich durch extreme Belastbarkeit und vielfältige Gepäckoptionen aus. Er rollt hervorragend, ist spurstabil und leicht zu lenken. Ein Reiseprofi!



Von Münster nach Amsterdam
Der Veranstalter Rückenwind Reisen baut sein Programm weiter aus.
Neu ist unter anderem eine achttägige grenzüber- schreitende Einzeltour, die von Münster in Nordrhein-Westfalen bis ins niederländische Amsterdam führt.
Die Teilnehmer durchqueren auf der rund 330 Kilometer langen Reise zahlreiche Natur- und Landschaftsparks und besuchen romantische Weiler und Städte, darunter Zutphen mit seinem mittelalterlich wirkenden Stadtzentrum und Apeldoorn mit dem ehemaligen Königsschloss Het Loo, das zu den bedeutenden Barockschlössern in Europa zählt. In Winterswijk tauchen die Radreisenden in die Kunst von Piet Mondrian (der mit den bunten Karos) ein. Der Maler verbrachte dort seine Kindheit, die Villa Mondrian zeigt Jugendbilder und Meisterwerke. Eine Symbiose gehen Kunst und Natur im Nationalpark De Hoge Veluwe ein, der ebenfalls auf der Strecke liegt. Hier kann man mitten in der Natur, zwischen Heideflächen, Sanddünen und Wald und weitab von jeder Siedlung, das Museum Kröller-Müller besuchen. Es beherbergt nicht nur die größte private Sammlung des Künstlers Vincent van Gogh, sondern auch Werke von Claude Monet, Georges Seurat und Pablo Picasso.
Weitere Infos und Buchung unter rueckenwind.de
Fahrbericht CONTOURA FE – 17
Tourentauglich, mit Stahlrahmen und Pinion-Getriebe, in schönem Türkis, eine echte Augenweide … Das neue CONTOURA FE-17 aus der Manufaktur des Fahrradgroßhändlers Herman Hartje bietet aus vielen Gründen Anlass zum Schwärmen. Wir haben den Newcomer aus Niedersachsen zur Testpremiere ausgiebig ausgeführt.
Den kompletten Fahrbericht gibt’s im Heft 01/24 ab 12.12. am Kiosk !
Wohin mit alten Fahrradteilen?
Fahrradteile, ob Komponenten oder Zubehör, nutzen sich im Laufe der Jahre ab. Als Folge müssen sie ersetzt werden. Doch dann stellt sich die Frage: Wohin damit? Denn viele Fahrradprodukte dürfen nicht im Hausmüll entsorgt werden. Unser Autor gibt einen Überblick über DIE RICHTIGE ENTSORGUNG von Schlauch, Kette & Co.
TEXT: THOMAS GEISLER
Schläuche und Reifen
Fast jedem Rad geht irgendwann die Luft aus. Und wenn alles Flicken nicht mehr hilft, muss ein neuer Schlauch her. Den alten im Hausmüll zu entsorgen, ist legal. Nachhaltig
Aber nicht nachhaltig, denn das Schlauchmaterial Butyl ist aufwändig herzustellen. Geben Sie kaputte Schläuche deshalb am besten beim nächsten Fahrradhändler ab. Von dort gehen die alten Schläuche an den Reifenspezialisten Schwalbe.
Reifenspezialist Schwalbe, der sie recycelt. Das Recyclingkonzept von Schwalbe wurde Ende 2020 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.
Das gilt übrigens auch für abgetragene und kaputte Jacken. Egal von welchem Hersteller – sie sollten im Fachhandel abgegeben werden, denn auch sie können recycelt werden. Das Verfahren dazu hat Schwalbe im vergangenen Jahr auf der Eurobike vorgestellt. Bei der so genannten Pyrolyse werden die Reifen in ihre Bestandteile zerlegt. Ein Teil davon wird für die Produktion neuer Reifen verwendet. Übrigens: Auf der diesjährigen Eurobike stellte Schwalbe den ersten Reifen aus Recyclingmaterial der Öffentlichkeit vor.

Ketten und Riemen
Ein weiteres Verschleißteil ist die Fahrradkette. Verschlissene Ketten können nicht recycelt werden. Als Altmetall entsorgt, finden sie jedoch ihren Weg zurück in den Wertstoffkreislauf. Als langlebige Alternative zur Kette hat sich inzwischen der Riemenantrieb etabliert. Ein Riemen hält zweieinhalb bis dreimal länger als eine handelsübliche Fahrradkette. Dadurch entsteht auch weniger Abfall. Muss der Riemen jedoch ausgetauscht werden, ist er wegen seines Karbonanteils als Sondermüll zu behandeln. Er darf nur am Wertstoffhof entsorgt werden. Das gilt übrigens für alle Teile, bei denen Carbon als Werkstoff verwendet wird, also auch für leichte Lenker, Laufräder oder Sättel aus Carbon.
Taschen
Fahrradtaschen sind häufig mit PVC beschichtet, da dieses Material als sehr langlebig gilt. Problematisch ist jedoch die Entsorgung. PVC darf in Deutschland nicht deponiert werden, da krebserregende Weichmacher aus dem PVC ins Grundwasser gelangen können. Ausrangierte Fahrradtaschen gehören deshalb nicht in den Hausmüll.
Sattel- und Lenkertaschen sind meist mit PVC beschichtet und gehören nicht in den Hausmüll.
Sie sollten direkt beim Hersteller abgegeben werden, der sich um die fachgerechte Entsorgung kümmert.
Kunststoff und Blech
In Fahrradzubehör wie Luftpumpen werden häufig thermoplastische Kunststoffe verwendet. Diese können bei entsprechender Wärmezufuhr geschmolzen und neu geformt werden. Premiumhersteller wie z.B. SKS Germany versehen die Kunststoffteile mit einer Materialkennzeichnung. Damit sie nach der Abgabe auf dem Recyclinghof wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden können, sollten sie vorher in Einzelteile zerlegt werden. Auch alte Kotflügel werden wieder eingeschmolzen. Sie sollten daher am Recyclinghof abgegeben und nicht über den Hausmüll entsorgt werden.
E-Bike-Akkus
Viele Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit sind derzeit noch freiwillig und beruhen auf der Initiative einzelner Unternehmen. Eine gesetzliche Regelung gibt es hingegen für die Rücknahme von ausgedienten E-Bike-Akkus. Sie fallen unter das Batteriegesetz, kurz BattG. Darin ist geregelt, dass gebrauchte Akkus im Fachhandel oder beim Hersteller abgegeben werden müssen.
Der Fachhandel nimmt schwächelnde Akkus zurück. Sie enthalten wertvolle Rohstoffe, die recycelt werden können.
Online-Plattformen zurückgegeben werden müssen. Aber auch kommunale Wertstoffhöfe nehmen alte Akkus an. Eine Entsorgung im Hausmüll ist wie bei allen Batterien verboten. Damit soll sichergestellt werden, dass die wertvollen Rohstoffe der Akkus wie Lithium, Nickel oder Kobalt recycelt werden können.

Scheinwerfer
Alte Fahrradscheinwerfer gelten als Elektronikschrott und müssen über entsprechende Sammelstellen entsorgt werden.Wie bei allen Produkten, die verschiedene Wertstoffe in sich vereinen, ist es auch bei Scheinwerfern besonders nachhaltig, sie zu zerlegen und getrennt zu entsorgen.
Fahrradhelme
Auch wenn Fahrradhelme einen hohen Styroporanteil haben, gehören sie nicht in den Gelben Sack. Sie können über den Hausmüll oder den Wertstoffhof entsorgt werden. Haben sie allerdings ein integriertes Rücklicht, gelten sie als Sondermüll. Rücklicht und Batterie gehören auf den Wertstoffhof. Gleiches gilt für ausgediente Airbags.
Auch alte Schutzbleche – egal ob aus Metall oder Kunststoff – können recycelt werden – bitte nicht in den Hausmüll werfen!
Fahrräder für Uganda
World Bicycle Relief ist eine internationale Hilfsorganisation, die Menschen in Entwicklungsländern mit Fahrrädern zu mehr Mobilität verhelfen will. Robuste Buffalo-Räder sollen nun auch in Uganda dafür sorgen, dass viele
Einwohner an der gesellschaftlichen Entwicklung teilhaben können. „Der Entscheidung für die Expansion gingen umfangreiche datenbasierte Analysen und unzählige Gespräche mit den Menschen vor Ort voraus“, so die Hilfsorganisation. Die langfristige
Fahrräder helfen, wo andere Verkehrsmittel fehlen
Ziel ist es, den Transportbedarf im ganzen Land zu decken. Zunächst sollen bis 2025 insgesamt 55.000 Fahrräder geliefert werden. 1250 freiwillige Helferinnen und Helfer des Roten Kreuzes konnten bereits mit Fahrrädern ausgestattet werden. Zuvor legten sie täglich bis zu zehn Kilometer zu Fuß zurück, um anderen zu helfen. Die nächsten Schritte sind bereits geplant. So soll eine Montagestätte für Buffalo-Fahrräder eingerichtet und gleichzeitig lokale Mechanikerinnen und Mechaniker eingestellt bzw. ausgebildet werden. Wer die Arbeit der World Bicycle Relay unterstützen möchte, findet weitere Informationen unter
FAHRRADFREUNDLICH!
Mit diesem Prädikat schmücken sich inzwischen immer mehr Kommunen in Deutschland. Geht es ihnen dabei ums Klima, um die Verkehrswende – oder womöglich doch nur ums grüne Image?
Als radverrückt würde sich Christian Wilhelm nicht gerade bezeichnen. Trotzdem besteht für den Bürgermeis- ter des Allgäuer Fremdenverkehrsortes Sonthofen in einem Punkt kein Zweifel: „Es gibt keinen Grund, im Ort nicht Fahrrad zu fahren – vor allem, weil es viel bequemer ist als mit dem Auto.“ Der Rathauschef hat daraus die Konsequenz gezogen und bald nach seiner Amtsübernahme im Jahr 2014 den fahrradgerechten Umbau seiner Stadt angepackt.
TEXT: KLAUS TSCHARNKE
Wilhelm ließ ein Radverkehrskonzept erstellen, das Radnetz ausbauen, Lücken schließen und die erste Fahrradstraße im Oberallgäu anlegen. Heute führt eine Nord- Süd-Achse die Radfahrenden sicher durch die Stadt. Eine Ost-West-Achse soll folgen. Am Bahnhof gibt es eine Fahrradabstellanlage mit 250 Plätzen, ein Fahrradparkhaus ist geplant. Damit gilt Sonthofen unter süddeutschen Radverkehrsplanern als Modellstadt. Und als „fahrradfreundliche Kommune“ – mit Brief und Siegel des bayerischen Verkehrsministeriums. In diesem Punkt ist Sonthofen inzwischen freilich keine Ausnahme mehr. Dem Kreis der offiziell als „fahrradfreundlich“ geltenden Kommunen gehören allein im Freistaat inzwischen 113 der gut 2100 bay- erischen Städte, Gemeinden und Kreise an. Knapp 1000 sind es nach Recherchen von RADtouren derzeit bundesweit.
Unterschiede gravierend
Nicht in allen Bundesländern sind die Anforderungen zur Erlangung des begehrten Titels „Fahrradfreundliche Kommune“ so hoch wie in Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Dort müssen interessierte Gemeinden teils ein mehrstufiges Zertifizierungsverfahren durchlaufen, bevor sie den offiziellen Titel „Fahrradfreundliche Kommune“ tragen dürfen. Stoßen die Prüfer auf Mängel, fordern sie von den örtlichen Radverkehrsplanern Nachbesserungen. Keineswegs jede Kommune besteht den zweigeteilten Prüfzyklus auf Anhieb.
In etlichen anderen Bundesländern reicht hingegen bereits ein Bekenntnis des Stadt- oder Gemeindeparlaments zur Förderung des Radverkehrs und die Mitgliedschaft in der jeweiligen Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK), um sich fahrradfreundlich nennen zu dürfen. Manche Landes-AGFKs fordern auch noch ein Fahrradkonzept für die jeweilige Kommune. In Hessen wiederum versteht sich das dortige Pendant zu den AGFKs, der Verbund AG Nahmobil (AGNH), eher als Beratungsdienstleister für das Kommunen-Netzwerk.
Auch für den Berliner Mobilitätsforscher Tobias Klein ist die Aussagekraft und Verbindlichkeit des Labels „Fahrradfreundliche Kommune“ bzw. die AGFK-Mitgliedschaft im Ländervergleich recht unterschiedlich. Gerade in Ländern wie Sachsen und Thüringen mit einer nicht so stark ausgeprägten Radtradition ist nach seiner Ansicht das Siegel „Fahrradfreundliche Kommune“ wenig aussagekräftig. „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Kommunen dort schwierige Bedingungen erfüllen müssen“, macht der wissenschaftliche Mitarbeiter im Team Nahmobilität am Deutschen Institut für Urbanistik (DiFU) in Berlin deutlich.
Vor einem Missverständnis beim Begriff „Fahrradfreundliche Kommune“ warnt derweil die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) in Bayern, Sarah Guttenberger. „Die fahrradfreundliche Gestaltung einer Kommune ist eine Daueraufgabe. Den Titel bekommt eine Gemeinde nicht, weil sie bereits das Endstadium erreicht hat. Die Vergabe des Titels ist vielmehr eine Anerkennung der bisher erbrachten Leistung und der Bereitschaft, am Thema Fahrradfreundlichkeit dran zu bleiben. Das sind Maßnahmen, die zunächst stadtintern wirken und erst dann Stück für Stück ins Stadtbild getragen werden“, erläutert Guttenberger. Mit einer vollmundigen Absichtserklärung ist es nicht getan. Wer den Titel tragen will, muss zumindest in Bayern ähnlich wie in NRW und Baden-Württemberg etliche Anforderungen erfüllen.
Hier einige Beispiele:
- Ein Grundsatzbeschluss des Kommunalparlaments zur Förderung des Radverkehrs
- Die Ernennung eines/r Fahrradbeauftragten
- Die Erarbeitung eines Radkonzepts und eines Radwegnetz-Plans sowie klare Zielvorgaben für den künftigen Radverkehrsanteil
- Den Nachweis eines Winterdienstplans für die Schneeräumung auf Radwegen
- Die Ausweisung von Rad-Umleitungsstrecken bei Baustellen
- Konkrete Planungen etwa zur Schließung von Radweglücken, der Anlage von Radfahrstraßen, Abstellanlagen und der Radwegweisung
- Ein Internet-Angebot zum Thema „Radverkehr“ sowie einen Online-Schadensmelder oder ein „Scherbentelefon“
- Zusammenarbeit mit örtlichen Verbänden, etwa dem ADFC

Auch wenn das in Bayern übliche mehrstufige Zertifizierungsverfahren Städte nicht von einem Tag auf den anderen in Radparadiese verwandelt – die inzwischen mehr als zehnjährige Arbeit der bayerischen AGFK hat nach Guttenbergers Überzeugung den Blick auf das Thema Fahrradverkehr in vielen Kommunen deutlich geschärft.
Der von der AGFK verlangte Grundsatzbeschluss eines Stadt- oder Gemeinderates, fahrradfreundlich werden zu wollen, verändere oft Vieles: „Für uns ist es wichtig, Verbindlichkeit zu schaffen. Nach und nach wird das dann auch auf der Straße sichtbar“, berichtet Guttenberger. Für weiteren Schub sorge zudem das umfangreiche Beratungs- und Fortbildungsangebot der AFGK Bayern. Die Motive der Kommunen, sich dem nicht einfachen Zertifizierungsverfahren in Bayern zu unterwerfen, ähneln sich nach Guttenbergers Erfahrung: „Das Rad wird inzwischen als tägliches Verkehrsmittel ernster genommen“. Und natürlich spiele inzwischen auch das Thema Klimaschutz in immer mehr Städten und Gemeinden eine Rolle. Auch hätten viele Kommunalpolitiker verstanden, dass der Umstieg der Bürger vom Auto aufs Fahrrad Ortskerne und Stadtzentren lebenswerter mache.
Bis die begehrte Plakette aber neben der Rathauspforte prangt, können zumindest in Bayern schon mal drei bis fünf Jahre vergehen. In der Zeit zwischen der sogenannten Vorbereisung und der späteren Hauptbereisung haben die Kommunen in der Regel eine lange Mängelliste abzuarbeiten. Da mahnen die Prüfer, wie im fränkischen Fürth, schon mal die rasche Schließung von Radweglücken an oder verlangen, wie in München, drastischere Maßnahmen gegen die vielen Falschparker auf Radwegen.
Und dennoch bleiben bisweilen in der örtlichen Radlerszene Zweifel: Nicht jeder autogeplagte Alltags- oder Ausflugsradler hält seinen positiv bewerteten Ort für wirklich fahrradfreundlich. Wer es genauer wissen will, wirft am besten einen Blick in den ADFC-Fahrradklimatest, eine alle zwei Jahre stattfindende Umfrage unter Fahrrad- nutzern. Das Ergebnis ist ein bundesweites Städteranking auf Schulnotenbasis (eine Zu- sammenfassung finden Sie im RADtouren Spezial Deutschland 2023). Vergleicht man die Urteile etwa der bayerischen AGFK-Prüfer mit denen der Nutzer vor Ort, ergibt sich ein gemischtes Bild.

Einerseits finden sich unter den 25 von Radfahrern am besten benoteten Kommunen viele als „fahrradfreundlich“ zertifizierte Gemeinden. Die Einschätzungen der AGFK- Prüfer und der örtlichen Radelszene sind in diesen Fällen also weitgehend deckungsgleich. Andererseits rangieren einige der vermeintlich fahrradfreundlichen Kommunen auch auf Schlusslichtplätzen. Von denen, so stellt AGFK-Geschäftsführerin Guttenberger allerdings klar, steckten einige noch mitten im Zertifizierungsverfahren.
Der Mobilitätsforscher Tobias Klein hält dennoch den kommunalen Zusammenschluss in Sachen fahrradgerechter Ortsgestaltung für richtig und wichtig. Denn in vielen Kommunen bekenne man sich in Sonntagsreden zwar zur Fahrradfreundlichkeit, „zwischen den Lippenbekenntnissen und der Realität klaffen aber oft tiefe Gräben“, berichtet er.
Mangelhafte Umsetzung
Eher ernüchternd fällt auch die Bilanz der ADFC-Ortsvereins in Troisdorf bei Bonn aus. Troisdorf gehört zu den Kommunen, die vor 30 Jahren die AGFS in Nordrhein-Westfalen gegründet hatten. „Am Anfang lief das alles sehr gut“, erinnert sich Wolfgang Zeidler, der Troisdorfer ADFC-Ortsvorsitzende. „Nach und nach schlief das Ganze aber wieder ein“. Von den zentralen Verbesserungen für den Radverkehr sehe man heute jedoch kaum noch etwas: „Ein Fahrradstreifen auf der Bundesstraße wurde rasch wieder entfernt. Und eine rund zwei Kilometer lange Velo-Straße wurde Ende letzten Jahres auf Drängen der Polizei wieder geschlossen.“















