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Istanbul Iran: Das Interview mit Marc

Beeindruckende Landschaft in Kappadokien. Foto: Marvin Beranek.

Hallo Marc, wo kommst Du her und wie alt bist Du?
Ich bin 34 Jahre alt und wohne in Köln.
War Istanbul – Teheran Deine erste lange Radreise?
Nein, aber es war erst meine zweite. Im Juni 2014 fuhr ich schon einmal von Köln nach Istanbul und zurück – sozusagen die erste Etappe. Ich wollte eigentlich von Istanbul aus nach Deutschland zurückfliegen, aber als ich in Istanbul ankam, empfand ich es irgendwie als falsch, diesen einfachen Weg zu nehmen. Also entschied ich mich umzudrehen und mit dem Rad zurück zu fahren. Am Ende hatte ich rund 6.000 km auf dem Tacho und 40.000 Höhenmeter bewältigt. Ich hatte 54 Tage im Sattel verbracht und 16 Länder durchquert, alles auf meiner ersten großen Radreise überhaupt.
Man kann also sagen, es hat Dich gepackt. Hattest Du Dich besonders auf die Reise vorbereitet?
Eigentlich habe ich mich nicht besonders auf die Reise vorbereitet, aber ich fahre sowieso jeden Tag Rad. Nach einer Weile gewöhnt sich dein Körper (und deine Beine) daran, lange Distanzen auf dem Rad zurückzulegen. An den ersten Tagen fällt es dir vielleicht noch schwerer, aber irgendwann kann man ganz locker 100 und mehr Kilometer am Tag fahren (je nach Straßenqualität, Bergen und Hitze). Das beste Training ist einfach, das Rad im Alltag für jede Strecke zu nutzen. Eduard vom „Veloküche“-Laden in Köln, ein befreundeter Mechaniker, hat mir ein wenig Reparatur-Unterricht gegeben, um zumindest kleinere, technische Probleme selbst zu lösen. Aber während meiner zwei Reisen hatte ich überhaupt kein Problem abgesehen von ein, zwei Platten. Nach meiner Erfahrung ist die größte Herausforderung einer Solo-Radreise eine psychische. Du verbringst Tag für Tag mit dir selber und deinen Gedanken. Manchmal sprichst du tagelang mit niemandem. Du musst es wirklich genießen – und aushalten – können, allein zu sein.
Zu Beginn der Reise: Kappadokien, Türkei. Foto: Marvin Beranek.

Du bist durch viele Länder gefahren, deren Sprache du nichts sprichst. Wie hast du dich verständigt?
Ich bin schon ziemlich viel in der Welt herumgekommen und es ist eigentlich in jedem Land ähnlich: Selbst wenn du nicht die Landessprache sprichst oder dort niemand Englisch spricht, kannst du immer irgendwie mit den Menschen kommunizieren. Manchmal ist die einzige Form der Kommunikation dann Zeichensprache. Das ist meistens ziemlich lustig – für beide Seiten – und führt häufig zu amüsanten Missverständnissen.In der Türkei konnten viele Englisch, manche sogar Deutsch, aber es wurde bereits in Georgien und Armenien schwieriger, weil dort kaum jemand Englisch spricht. Iran war eine besondere Erfahrung. Abseits der größeren Städte spricht kaum jemand Englisch, aber die Einheimischen sind so hilfsbereit und treten gerne mit dir in Kontakt. Sie rufen dann meist jeden an, den sie kennen, um jemanden zu finden, der Englisch spricht und übersetzen kann. Einige Male haben sie sogar fremde Menschen angerufen, zum Beispiel den Dorfarzt oder Lehrer, in der Hoffnung, dass sie ein wenig Englisch können… Aber ist es auf der ganzen Welt immer gleich, ein Lächeln und ein freundliches Gesicht sind meist genug und werden von jedem verstanden.
Welche Länder hast du durchquert und was waren deine Eindrücke dort?
Ich bin durch die Türkei, Georgien, Armenien und Iran geradelt. Den größten Eindruck in jedem dieser Länder hat die erstaunliche Gastlichkeit und Freundlichkeit gemacht sowie die Vielfalt der Landschaft und Natur. Es hat in der Türkei damit begonnen, dass ich fast bei jeder Pause einen kostenlosen Chai (Tee) bekommen habe. In Georgien hat mich die Natur total umgehauen, für so ein kleines Land ist sie erstaunlich vielfältig: das Schwarze Meer, die beeindruckenden und rauen Berge des Kaukasus und die Halbwüsten waren wunderschöne Orte zum Radfahren mit schönen Plätzen zum Übernachten. In Armenien sind die Menschen unglaublich freundlich und neugierig – manchmal bezahlen sie dir deinen Einkauf oder geben dir kleine Geschenke, Widerstand zwecklos! Das Land hat auch eine wunderschöne Natur, besonders um den Seevan-See. Dort ist es auch sehr bergig, so dass die Tagesstrecken ziemlich anstrengend waren. Im Iran hat JEDER mir zugewunken, wollte mir die Hand geben oder ein Foto machen oder mich einfach im Land willkommen heißen. Iran ist ein Land, in dem dich sogar die Polizei anhält – und auf eine Tasse Tee einlädt! Wenn man sich wie ein Prominenter fühlen möchte, sollte man in den Iran fahren.
Irgendwo im Iran: typische Architektur. Foto: Joachim Rosenlund.

Wo hast du gewöhnlich übernachtet?
Meistens habe ich irgendwo im Zelt geschlafen – wild, häufig in wunderschöner Umgebung aber auch mal direkt neben einer Hauptstraße oder hinter einer Tankstelle… Manchmal habe ich Anwohner gefragt, ob ich auf ihrem Grundstück zelten durfte und habe dann oft sogar ein kostenloses Frühstück bekommen. Wenn es über mehrere Tage geregnet hat und sowohl ich als auch meine Kleidung trocknen mussten – oder mal wieder gewaschen werden mussten (die längste Zeit ohne Dusche waren 7 Tage) –, dann habe ich mir eine Nacht im Hostel, einer Gastfamilie oder sehr selten einem Hotel gegönnt. Im Iran habe ich jeden Tag Einladungen von vielen Menschen bekommen, die mich zu sich nach Hause gebeten haben.
Was war dein schönstes Erlebnis während deiner Reise?
Ich hatte so viele schöne Erlebnisse während meiner Reise. Es ist eigentlich unmöglich, nur eines auszuwählen.In Armenien habe ich einmal angehalten, um meine Wasserflaschen aufzufüllen. Dort standen auch etwas finster aussehende Soldaten, die ihre Wassertanks in den LKWs aufgefüllt haben. Nach ein wenig Smalltalk wurden sie freundlicher und wir haben ein Bier zusammen getrunken (sie haben mich sogar dazu herausgefordert, ein Bier auf Ex zu trinken), und wir hatten viel Spaß zusammen, haben rumgealbert – alles am Vormittag um 11 Uhr, vor einem langen Anstieg… In Georgien bin ich durch ein kleines Dorf gefahren und habe ein paar Kinder gesehen, die Fußball gespielt haben. Es war ein harter Tag mit einer 120-Kilometer-Etappe, deshalb wollte ich die Kinder fragen, ob sie einen Platz wüssten, wo ich schlafen könne. Sie haben mich natürlich nicht verstanden, also habe ich stattdessen mit ihnen Fußball gespielt. Plötzlich hat es angefangen sehr stark zu regnen, und ich habe mein Zelt einfach auf dem Fußballplatz aufgeschlagen und mich hineingelegt. Etwas später kam ein kleiner Junge und lud mich ins Haus seiner Familie ein, aber weil das Zelt schon nass war, habe ich abgelehnt. Nach einer Weile kam eine alte Frau, hat mich geweckt und mir Käse, Brot und selbstgemachten Wein gebracht. Am Morgen kam der kleiner Junge wieder, dieses Mal mit Brot, Butter, heißem Tee und einer Flasche Chacha – sehr starker, selbstgebrannter Schnaps mit bis zu 70 % – zum Frühstück! Im Iran habe ich gerade mein Lager unter ein paar Bäumen aufgeschlagen, als zwei junge Männer vorbeikamen, um „Hallo“ zu sagen. Ich habe sie gefragt, ob es in Ordnung sei, dort zu campen und sie sagten „Ja“. Wir haben uns die Hand drauf gegeben, und sie sind weggegangen. Etwa 20 Minuten später kamen sie wieder mit einer Thermoskanne Tee, einer Tasse, Zucker und Wassermelone, dann sind sie wieder gegangen. Ich habe also ein wenig Tee getrunken, etwas von der Wassermelone gegessen und mich dann ins Bett gelegt. Nach einer Stunde wurde ich von vielen Stimmen aufgeweckt, und als ich aus meinem Zelt geguckt habe, waren da etwa 12 Menschen mit Taschenlampen. Die beiden jungen Männer haben mehr oder weniger das halbe Dorf mitgebracht, um mich zu begrüßen.
Wie viele Kilometer bist du durchschnittlich jeden Tag gefahren, was war der höchste Anstieg?
Durchschnittlich bin ich etwa 100 Kilometer am Tag gefahren, mit einem Anstieg von 1.000 Höhenmetern. Der härteste Tag war die Fahrt in Georgien zur russischen Grenze: 160 km mit einem Anstieg von 3.225 Metern!
Wie ist es dir gelungen, so lange aus dem Alltag auszusteigen – was machst du, wenn du gerade nicht Rad fährst?
Ich bin selbstständig und arbeite momentan als Messebauer. Aber eigentlich mache ich alles für Geld. Reisen ist ein wichtiger Teil meines Lebens und ich tue alles, um die Welt zu sehen und sie für mich ein wenig kleiner zu machen. Reisen erweitert deinen Horizont und verbindet Menschen aus unterschiedlichen Nationen. Zum Beispiel im Iran: Mit dem Fahrrad durch das Land zu fahren, war so eine positive Erfahrung und hat mir gezeigt, dass das Bild, was uns die Medien zeigen, manchmal auch falsch sein kann.
Man konnte deiner Reise in den sozialen Netzwerken folgen. Dabei hat man gemerkt, wie vielfältig die Regionen waren, durch die du gefahren bist. Wie hast du das richtige Equipment ausgewählt?
Wenn ich eine Reise plane, dann habe ich keine festgelegte Strecke. Ich fahre einfach los, gucke wie weit ich komme, spreche mit Ortskundigen und anderen Reisenden über die Straßen, Strecken, Orte usw. Wenn es natürlich um das Equipment geht, ist das was anderes. Du musst wissen, wie das Wetter sein wird, wie die Straßen sind oder ob es möglich ist, Ersatzteile nachzukaufen. Für Radtouren oder Bikepacking ist es wichtig, dass man zuverlässiges, leichtes Equipment mit kleinem Packmaß hat. Ich habe mich für ein 1-Personen-Zelt für 3 Jahreszeiten entschieden, das nur 1,2 Kilo wiegt und starken Regen und Wind überstehen kann. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass das Zelt freistehend ist, so dass man auch auf hartem Untergrund campen kann, wo man keine Heringe benutzen kann. Es ist dagegen nicht so einfach, den richtigen Schlafsack zu finden (entweder er ist zu warm oder zu kalt), aber ich habe mich für einen 850+ cuin Daunenschlafsack entschieden, der nur 500 Gramm wiegt, ein sehr kleines Packmaß hat und dabei einen Temperaturspanne von 2 bis 10°C hat. Das wichtigste ist aber die Isomatte. Ich habe einige probiert, bevor ich die ?perfekte gefunden habe. Es ist wirklich wichtig, dass man nach einem anstrengenden Tag auf dem Sattel gut schläft. Außerdem habe ich noch einen kleinen Kocher, der eigentlich mit allem befeuert werden kann, was brennt. In den Ländern, durch die ich gefahren bin, ist es manchmal schwer, Gas oder Alkohol zu bekommen. Benzin ist dagegen kein Problem, und es ist billig, wirklich sehr billig. Natürlich brauchst du nicht dieses ganze Hightech-Zeug um eine Radreise zu machen, aber mir macht es einfach mehr Spaß, wenn man leichtes Gepäck dabei hat und das Equipment zuverlässig ist.
Dein Beyond-Fahrrad scheint auf deine persönlichen Ansprüche angepasst zu sein. Worin unterscheidet es sich vom Serien-Rad?
Ich habe nur einige wenige Komponenten geändert oder ersetzt. Ich habe einen Lenkeraufsatz von Profile Design ergänzt, so hat man auch bei starkem Gegenwind oder auf langen, flachen Strecken eine entspanntere Position. Ich habe meinen zuverlässigen Flite-Sattel von Selle Royal auf das Rad montiert und einen Son-Dynamo mit USB-Schnittstelle, um mein Handy, meine Kamera, meinen MP3-Player, mein Licht etc. zu laden. Abgesehen davon ist das Rad so, wie es aus dem Karton kam.
Was hast du von der Serien-Version des Rades an deinem Rad gelassen. Was gefällt dir am besten, was hast du geändert und warum?
Ich habe fast alles von der Serienausstattung am Rad gelassen, außer die Reifen und den Sattel. Ich brauchte einen Reifen, der sich besser zum Fahren auf unterschiedlichen Oberflächen eignet. Die meiste Zeit bin ich auf Asphaltstraßen gefahren, also brauchte ich Reifen, die gut auf Asphalt rollen. Die anderen Wege waren nicht gepflastert, also musste der Reifen für alle Oberflächen geeignet sein. Ich mag den Lenker sehr gerne, weil er die Möglichkeit für viele unterschiedliche Handstellungen bietet und man auf schwierigen Downhill-Passagen durch unebenes Gelände gut die Kontrolle behält. Ich mag auch den Antrieb sehr gerne. Die Übersetzung war einfach perfekt, sowohl für Anstiege in den Bergen, auch vollbeladen, als auch für hohe Geschwindigkeiten auf geraden, flachen Straßen. Ein anderes tolles Ausstattungsplus ist, dass man bis zu 5 Flaschenhalter montieren kann!

 

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