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Tasting Travels Radreise – vom Iran nach Turkmenistan

Mittagspause in einem verlassenen Lehmdorf
Mittagspause in einem verlassenen Lehmdorf

Tasting Travels – Mit dem Radvom Iran nach Turkmenistan
Schon am ersten Tag fühlten wir uns im Iran pudelwohl. Und das obwohl wir uns gleich an der ersten Kreuzung für den vermeintlich falschen Weg entschieden und anschließend neben rußenden LKWs in viel zu langer Kleidung durch die Hitze fuhren, immer von einem Hügel zum nächsten. Die Felsformationen waren wunderschön, doch immer in Grenznähe wagte ich es nicht, stehenzubleiben, um sie genauer zu bewundern, oder gar zu fotografieren.
Annika fährt unter einem Straßenschild mit arabischer Schrift
Mit langem Hemd, langer Hose und Kopftuch durch die Hitze.

Die Menschen waren es, die uns beeindruckten. Unsere erste Nacht verbrachten wir im Stadtpark von Jolfa. Es war Freitag, der iranische Sonntag und der Park war voll von picknickenden Familien. Unser Zelt stand sicher inmitten von 38 Kuppelzelten. Die Wochenend-Picknicker ziehen ihren freien Tag gerne etwas lang und das Übernachten im grünen Stadtpark ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Iraner. Toiletten und Wasserhähne gibt es genügend und als Sitzmöglichkeit reicht eine ausgebreitete Decke.
Nachdem wir von einer netten Familie zum Frühstück eingeladen wurden (Fladenbrot, Walnussstreichkäse, Honig und Tee) machten wir uns auf zur Weiterfahrt nach Täbris. Aus den vorbeifahrenden Autos strecken sich winkende Hände, uns wird zugejubelt und das größte Vergnügen macht es den Leuten scheinbar uns mit den viel zu lauten Hupen zu erschrecken. Zum Glück ist nicht zu viel Verkehr. Als das Thermometer die 50°C erreicht, entdecken wir endlich einen einzelnen Baum in der Einöde und machen Mittagspause. Es ging über viele Kilometer leicht bergauf und wir sind froh, verschnaufen zu können. Ich behalte mein Kopftuch auf, schließlich bin ich weiterhin sichtbar für alle.
Ein Wegweiser komplett auf Farsi in Arabischer Schrift
Also wo genau geht es jetzt hin?

Der Weg nach Täbris führt uns durch Halbwüsten und Einöden und an der Stadt Marand vorbei, wo wir auf einen iranischen Rennradfahrer treffen, der uns unter seine Fittiche nimmt. Er sammelt gerne Radtouristen ein und bringt sie zum Restaurant eines Freundes, in dessen Garten sie zelten können. Akbar zeigt uns die Fotos die er von sich und anderen bepackten Radlern gemacht hat, bevor wir uns auf eine große Portion Kebab stürzen.
Schon etwa 30 km vor Täbris fahren wir durch ein nicht enden wollendes Industriegebiet, hinter dem sich die Wüste erstreckt. Schweren Herzens nehmen wir einen Bus von dort nach Teheran, denn wir müssen dort möglichst schnell die Visa für die Weiterfahrt beantragen.
Teheran ist riesig und unübersichtlich. Wir versuchen, sowohl mit dem Rad als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Teheran zu fahren und verzweifeln fast, bis wir das verborgene System im Chaos entdecken. In Teheran übernachten wir bei Morrie, einem jungen Englischlehrer, der mit etwa fünf Freunden in einer 1-Zimmer-Wohnung lebt. Wieder erleben wir Chaos mit System und langsam gewöhnen wir uns ein.
Verkehr in Teheran als Bushaltestellenplakat
Das Bild auf der rechten Seite entspricht ziemlich genau der Wahrheit

Mehr als zwei Wochen lang beantragen wir Visa für Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan und China in Teheran, machen Kopien, telefonieren mit den heimischen Botschaften und verteilen unverhältnismäßig viele unzerknickte und nicht beschriftete Dollars an unfreundliche Beamte.
Wir treffen je zwei Radfahrfreunde wieder, die wir in Kroatien kennen gelernt haben. Kim und Danny aus Holland reisen bald weiter gen Osten und Vinko und Lukas aus Kroatien und der Schweiz haben Täbris als Ziel für ihre Räder gewählt und erkunden den Rest des Landes mit dem Bus. Gemeinsam mit ihnen fahren wir in den Süden des Landes, wo wir Isfahan, Yazd und Schiras kennen lernen, mit anderen Touristen das Hostel teilen und uns auswärtige Abendessen gönnen. Wir fühlen uns plötzlich wie richtige Urlauber.
Unsere neuen Freunde uns wir springen vor der Brücke in Isfahan in die Luft
Mit neuen und alten Freunden die Sehenswürdigkeiten von Isfahan erkunden

Zurück in Teheran wird es allerhöchste Zeit für die Weiterreise nach Osten, denn Ende August beginnt unser 5-Tage-Transitvisum für das Nachbarland Turkmenistan. Von diesem teuren und viel zu kurzen Visum wollen wir keine Stunde verschenken.
Pünktlich am Abreisetag kratzt mein Hals. Es dauert keine drei Stunden, bis Schnupfen und Fieber dazukommen. Ich verfluche die ewige Schwitzerei und die Klimaanlagen und wir lassen uns für ein paar Tage in einem billigen Hostel (ca 6 € für ein Zweibettzimmer pro Nacht) nieder.
Als ich einigermaßen auf dem Damm bin, bleiben uns nur acht Tage um 1090 Kilometer bis an die Grenze zurückzulegen. Wir haben keine Chance. Mit dem Rad fahren wir bis in die erste Stadt, wo wir spontan eingeladen werden, in einer Sprachschule von unserer Reise und dem Projekt zu erzählen. Die Schüler wollen aber viel lieber wissen, wie es uns im Iran gefällt, warum wir noch keine Babys haben und welches unser iranisches Lieblingsgericht ist (Tipp: Fesenjan – Fleisch und Reis mit Walnuss-Granatapfelsoße).
Wir übernachten beim Koordinaor der Schule, grillen Abends mit seinen Freunden und fahren am nächsten Tag noch vor Sonnenaufgang los. Die Wüstentemperaturen sind hart. In der Recherche sah der ganze Weg flach aus, aber in Wirklichkeit überqueren wir den einen oder anderen Hügel. Links von uns die Berge, rechts die Wüste, dazwischen nur wir, die flimmernde Straße und zu viele Busse und LKWs mit kreativen viel zu lauten Hupen.
Annika und Roberto mit Rädern in der Wüste
Voller Motivation im Training für Turkmenistan

Wir übernachten unter freiem Sternenhimmel neben der Moschee eines kleinen Dorfes. Wie gewohnt geht es bei Sonnenaufgang weiter. Ich genieße besonders die ersten kühlen Stunden des Tages, denn manchmal geht das Termometer bis unter 30°C.
Annika versucht, in einer Lehmhütte zu schlafen
An Schlaf ist nicht zu denken. Schuld haben Hitze, Fliegen und irgendein Tier das sticht.

Die Mittagspause verbringen wir in einem verlassenen Lehmdorf, doch auch im Schatten ist es viel zu heiß um an Schlaf zu denken. Ich träume mich in eine Oase mit einem randvollen Brunnen und Nomadenromantik und dem Wind, der durch die Dattelpalmen weht. In Wirklichkeit kämpfe ich mit den Fliegen, lausche dem Verkehr und nippe am letzten halben Liter heißen und abgestandenen Wassers.
"Unser" Lehmdorf
„Unser“ Lehmdorf

Am frühen Nachmittag entdecken wir in der Ferne eine Moschee. Juhu! Wir können endlich unsere Wasservorräte auffüllen! Als wir uns nähren, entpuppt sich die Moschee als Teil eines Rasthofs mit Geschäften, Obst, tiefgefrorenen Wasserflaschen und viel Schatten. Ich pfeife auf meine Oasenromantik und beschließe, dass diese Oase viel besser ist als die in meinem Kopf.
Während wir zum trillionsten Mal einer immer größer werdenden Traube Zuschauern erklären wer wir sind, wo wir her kommen, wie wir uns kennen gelernt haben, warum wir noch keine Kinder haben ob es uns im Iran gefällt und warum wir kein Farsi sprechen, wird uns eine zweite Honigmelone gereicht. Wie es das Taroof-Gesetz will, lehnen wir drei Mal ab, bevor wir die Melone als Geschenk annehmen.
Wir strampeln bis nach Semnan, wo wir im Stadtpark übernachten, um am nächsten Morgen einen Bus nach Mashad zu nehmen. Die erste Hälfte des Tages verbringen wir mit der Suche nach der Bushaltestelle und dem Warten auf den Bus, die zweite Hälfte damit, vom Fenster aus auf die Wüste zu blicken und in den letzten Tagen versäumten Schlaf nachzuholen.
Eine leer gefegte Straße in der iranischen Wüste
Wenn es keinen Verkehr gibt ist es gespenstisch still in der Wüste.

Es ist mein Geburtstag und ich hatte gehofft, am frühen Abend anzukommen, um in einem Restaurant zu schlemmen und mit alkoholfreiem Fruchtbier anzustoßen. Stattdessen machen wir eine lange Pause nach der Anderen und sitzen bis fast 23 Uhr im Bus fest.
Mashad ist eine sehr touristische Stadt und alle zahlbaren Hotels sind ausgebucht als wir ankommen. Ausländer gibt es jedoch keine, fast alle Touristen sind Iranis die den heiligen Schrein des Imam Reza besichtigen. Wir finden um 2.30 Uhr endlich eine Bleibe für die Nacht und hängen für die Besichtigung der Stadt und des Schreins sowie für diverse Einkäufe 1 ½ Tage Aufenthalt an.
Annika auf dem Rad in der Wüste
Da es keinen Schatten gibt treten wir schneller in die Pedale – so erzeugen wir wenigstens Wind.

Anschließend geht es wieder durch die Wüste. Eine Nacht verbringen wir neben einer Straßenmoschee bei einer Wassermelonen verkaufenden Familie, die nächste zelten wir zwischen Büschen und Sträuchern mitten in der Wüste. Nach mehreren langen Tagen fühlen wir uns gut vorbereitet für den Sprint durch Turkmenistan.
Nachtlager in der Wüste
Nachtlager in der Wüste

In der Grenzstadt Sarakhs angekommen, gönnen wir uns wieder ein Hotel, in dem es nun Roberto erwischt. In der Nacht bevor der fünf-Tage-Sprint beginnen soll, beschließt sein Körper, sich gegen die schlechte Wasserqualität zu wehren. Statt an der Grenze befindet er sich am nächsten Morgen am Tropf mit einer großen Tüte Medikamenten in der Hand. Der Arzt spricht ein paar Worte Englisch und wir verlängern wohl oder übel unseren Aufenthalt um zwei weitere Tage.
Eine nette Familie schenkt uns eine Melone und lässt uns neben der Moschee schlafen.
Eine Melone gibt es als Wilkommensgruß geschenkt. Die ist in Null-Komma-Nichts aufgefuttert.

Text / Fotos: Annika Wachter. Unterwegs mit dem Rad um die Welt.

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