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Radreise: Köln – Katalonien 2011

Text / Fotos: Thomas Pfeiffer
1. Woche: Köln – Koblenz – Mainz – Speyer         342 Km /  323 Höhenmeter

Zwanzig Jahre ist es her, dass ich meine erste Radreise gemacht habe. 1991 fuhr ich mit einem Mountainbike von Dänemark aus nach Südnorwegen. Unbekümmert schleppte ich viel zu viel Gepäck durch die Landschaft. Meine Luftmatratze war undicht und das Zelt kiloschwer. Der geliehene Gaskocher war zu schwach und dementsprechend die Nudeln nie weichgekocht. Ich habe aber durchgehalten und spürte eine intensive Art der Ausgeglichenheit und Zufriedenheit.
Seitdem habe ich mit dem Fahrrad  schon viele schöne Erlebnisse, reichhaltige Erfahrungen und rund 80000 Alltags- und Reisekilometer gesammelt. Es ist Mai 2011 und ich sitze wieder im Sattel;  ich bin „on the road“, um meine insgesamt zehnte Radreise zu machen. Radreisen sind ideal, um ein Land zu „erfahren“. Ich bin mittendrin in dem Land, anstatt in einem geschlossenen Raum nur durchzufahren. Die Zeit wird entschleunigt. Auf den manchmal endlos erscheinenden Kilometern muss ich mit mir selbst und den verschiedesten  Situationen  zurechtkommen. Bei Fahrradreisen werden alle Sinne geschärft: Irgendwann verliere ich den flüchtigen Blick des Alltags und erkenne auch  Kleinigkeiten. In jedem Land schmeckt der Regen anders, die Luft riecht mal würzig oder salzig. Ich spüre Wärme-, Kälteunterschiede und merke schnell jede Wetteränderung. Und natürlich der Wind, der selten von hinten schiebt.
Mein jetzige Reise hat vor vier Tagen in Köln begonnen. Das Ziel ist Spanien. Ich werde dem Rhein bis Basel folgen, um von dort durch die Juraschweiz nach Genf zu gelangen. Nach dem Überqueren der  Französischen Alpen fahre ich durch die Provence bis ans Mittelmeer und weiter Richtung Spanien.
Große und kleine Abenteuer erlebe ich auf einer Radreise fast täglich. Ich wache morgens auf und weiß nie genau wo ich am Ende des Tages mein Zelt aufschlagen werde. Selbst hier in der Heimat lauert das Abenteuer hinter jeder Ecke; so wie eben: Im Mittelrheintal bei Sankt Goar merke ich eine allgemeine angespannte Stimmung in den Gesichtern der Lastschiffkapitänen. War da nicht eine singende Frauenstimme? Ich schaue nur ganz kurz hinauf zum Felsen der Loreley – erkenne aber nichts. Ich trete jetzt schneller und hoffe, dass mich die blonde Nixe nicht in ihren Bann zieht und ich Schiffbruch erlebe, wie Unzählige vor mir. Viele Kilometer weiter habe ich alles überstanden, und denke: So euphorisch wie ich mich jetzt fühle, war bestimmt auch der Abenteurer Odysseus, nachdem er den singenden Sirenen entkam und seine Reise fortfahren konnte.
2. Woche:   Speyer-Au am Rhein-Breisach-Basel      336 km  /  595Höhenmeter
Die Kleinstadt Speyer, mit rund 50000 Einwohnern, ist eine der ältesten Städte Deutschlands und wurde im römischen Reich errichtet. Ich erlebe die Speyerer als aufgeschlossene und freundliche Menschen. Der Ort hat eine entspannte Atmosphäre.
Vielleicht liegt dies auch daran, weil sich Speyer im Gebiet der Oberrheinischen Tiefebene befindet – eines der wärmsten und niederschlagsärmsten Teile Deutschlands. Hier wachsen beste Weine, die, die Pfälzern bei vielen Gelegenheiten trinken. Der historische Stadtkern ist von vielen kleinen Gassen durchzogen, in denen viele gut erhaltene alte Gebäude stehen. Während ich durch die Gassen streife,  komme ich immer wieder ins Gespräche mit Bewohnern. Sie sind sichtlich stolz auf ihre Heimat und ihre Stadt. Dabei ist Speyer  nicht  nur Versorgungszentrum für das Umland, sondern auch Erzbistum, sowie Anziehungspunkt für zahlreiche Touristen. Neben dem Speyerer Dom beeindrucken mich auch die Fensterbilder der Gedächniskirche sehr. Wenn außen die Sonne im richtigen Winkel steht, erstrahlen die vielen bunten Fenster im Kirchenraum in voller Leuchtkraft; die Motive wirken dann wie lebendig. Ich fahre durch den Torbogen des „Altpörtel“, einen Altstadtturm, die quirlige Hauptstraße entlang, um vorbei am Historischen Museum der Pfalz in Richtung Rhein zu gelangen. Dort wechsle ich bei der nächsten Gelegenheit die Rheinseite. Nun bin ich in Baden Württemberg und orientiere mich weiter am „Europaradweg Rhein“. Der Radweg liegt nun auf kilometerlangen Poldern.  Ich rolle auf Schotterbelag durch wunderschöne Auenlandschaft der Altrheinarme. Diese Gebiete sind bundesweit einmalig. Sie sind Schutzräume für die reichhaltigen Vogel-, Amphibien- und Vegetationsarten.
Da der Wegstaub durch warme Winde immer wieder aufgewirbelt wird, nehme ich mal wieder einen kräftigen Schluck aus der Trinkflasche. Währenddessen bemerke ich in einer sichtgeschützten Feuchtwiese ein Storchenpaar. Die beiden Langbeine stelzen ganz langsam und aufmerksam  durch das Gras – sie suchen etwas. Lange verfolge ich das
Schauspiel bis ich sehe was die beiden im Sinn haben . Blitzschnell sticht ein Vogel mit seinem spitzen Schnabel ins Gras und ergreift einen Frosch. Erst nach dem dritten Herunterwürgen ist die Beute verschlungen. Sofort fällt mir bei dieser Szene der Spruch ein: „…einen Frosch im Hals haben…“.
 

Unterwegs am Rheinkanal: Der Polderweg trennt Kanal von den Gebieten der Rheinauen.
3. Woche: Basel – St.Ursanne – Ste Croix – Orbe – Rolle  260km /  2447Höhenmeter
Ich bin nun in der Schweiz. Seit Basel orientiere ich mich an der Beschilderung des Jura-Radweges. Dieser Radweg ist einer von neun national beschilderten Radwegen in der Schweiz. Durch Literatur oder auf der Internetseite (www.schweizmobil.ch) kann man das Streckenprofil, die Sehenswürdigkeiten sowie den Schwierigkeitsgrad der diversen Routen vorab erkunden. Immer wieder muss ich nun Steigungen überwinden, die teilweise sehr anstrengend sind. Bei über 11% schiebe ich mein Rad, da ich mit meinem ganzen Gepäck genauso „schnell“ fahre würde, wie ich laufe. Nach einer rasanten Abfahrt erreiche ich nachmittags das Dorf St. Ursanne, das im Tal des Flusses Le Doubs liegt.  Die Häuser des gut erhaltenen mittelalterlichen Dorfkerns liegen eng gedrängt zwischen steil aufragendem Felsmassiv und dem Fluss. Die äußeren Gebäude am Fluss bilden gleichzeitig eine Art Stadtmauer. In das Dorf kommt man nur durch drei Mauertore hinein.

Bergziege in freier Natur: „Normaler“ Anstieg im Juragebirge.
Hinter St. Ursanne verlasse ich das Tal – es geht mal wieder lange bergauf. Durch das ständige Bergauffahren befinde ich mich nun auf dem Hochplateau des Juragebirges. Hier gibt es viel Weidelandwirtschaft.  Eine Kuhherde höre ich schon von weitem, da jedes Tier ein Halsgurt trägt, an dem eine große Glocke hängt. Mir gefällt dieser gemeinsame Glockenklang sehr gut. Ich bleibe oft stehen, und denke mir, es ist wie ein Alpenkonzert – ohne Dirigent.
Ich habe den Juraradweg verlassen und komme zügig in Richtung  Col des Etroits (1153m ü.N.N.) voran. Nach einem „Bergzielfoto“ rolle ich langsam  durch die Siedlung Ste Croix, die direkt unterhalb der Passhöhe liegt. Hinter dem Ort konzentriere ich mich auf die rasante und serpentinenreiche Abfahrt.  Rund 600  Höhenmeter tiefer befinde ich mich am Fuss des Juragebirges in der Region Yverdon-les-Bains.  Hier am südlichen Ende des Neuenburger Sees rolle ich auf engen Nebenstraßen weiter. Es ist hier „unten“ leicht bewölkt und 25 Grad warm. Ich merke schnell, dass sich etwas verändert hat – überall duftet es leicht mediterran.
Der Zeltplatz in der Ortschaft Orbe liegt gut geschützt unter Pinienbäumen. Als ich dann abends entspannt ein Baguette.mit Käse genieße, und mir anschließend eine Partie Boule ansehe, ist die Mittelmeer-Stimmung perfekt.
Wahrzeichen: Die 140m hohe Wasserfontaine ist schon von weitem sichtbar.
4. Woche: Rolle – Genf – Annecy(F) -Albertville – Les Marches      200 km  / 1373 Höhenmeter
Auf dem Weg nach Genf sehe ich schon von weitem das Wahrzeichen dieser Stadt, eine 140m hohe Wasserfontaine. Während meines Aufenthalts benutze ich die öffentlichen Verkehrsmittel, die für Campingplatzgäste gratis sind, um die Stadt zu erkunden. Genf macht auf mich einen überschaubaren Eindruck. Ich gehe gerne durch die Altstadt, die viele Designläden, Restaurant und eine schöne  Architektur  hat. Besonders zur Mittagszeit sitzen viele Genfer in Straßencafes, es herrscht dann immer eine entspannt-quirlige Atmosphäre. Wenige Kilometer hinter Genf halte ich ein letztes Mal an und blicke in Richtung Genfer See und die Französische Schweiz, um dann die Grenze nach Frankreich zu durchfahren.
Ich umrunde  auf der ruhigen Nebenstraße D15 den Berg Le Saleve. Rund zehn Kilometer vor dem Abzweig zur Hauptstraße nach Annecy fallen mir immer wieder Polizisten auf, die einsam am Straßenrand stehen. Im dem kleinen Ort Cruseilles stehe ich dann vor einer Straßensperre. An einem Kreisverkehr lenkt ein Polizist jeden, der auf die Hauptstraße möchte um. Der Weg ist versperrt. Ich stelle mich an den Stauanfang und beobachte das dortige Treiben. Einige Franzosen fluchen, einige hupen – aber irgendwann haben sie sich „eingerichtet“.
„Es dauert so ungefähr eine Stunde“, sagt mir ein Polizist. Warum, dass habe ich nicht verstanden. Irgendwann geht alles dann ganz schnell: Die Wartenden werden sofort zum Publikum und klatschen Beifall, während die ersten bunten Teamwagen durch den Kreisverkehr brausen – ich befinde mich in einem Straßenradrennen!
Nachfolgend kommt ein Pulk Profi-Radrennfahrer mit rund 80 Fahrern. Wie ich später herausbekomme, nehmen diese an einer siebentägigen Regional-Rundfahrt teil.  Ich sehe cirka zwanzig Sekunden lang die Rennfahrer durch den Kreisverkehr jagen. So etwas gibt es wohl nur hier in Frankreich.
Die Straße ist wieder freigegeben und ich fahre als erster los. Auf den Bürgersteigen stehen noch viele Menschen, die mein bepacktes Rad sehen und mir spontan Beifall klatschen. Mit einem breiten Lachen verlasse ich Cruseilles.
Die Franzosen sind sehr Radsportbegeistert. Ich sehe regelmäßig Freizeit-Rennradfahrer, die ihre Trainingstouren drehen. Während der kurzen Begegnungen  strecken viele ihren Daumen in meine Richtung hoch oder machen andere aufmunternde oder anerkennende Gesten.
 

Radfahrerfreundlich: Radweg entlang des Lac d´Annecy.

5. Woche: Les Marches – Grenoble – Valbonnais – Gap – Sisteron      251km  / 2333 Höhenmeter
Streckenänderungen während einer Fahrradreisen sind für mich nicht ungewöhnlich. Die Planung vor der Reise, soll meistens nur eine grobe Orientierung sein. Oft ergeben sich unterwegs dann  günstigere Möglichkeiten, um sein Ziel zu erreichen Nicht selten kommt eine Streckenänderung nach Gesprächen mit anderen Radreisenden zustande. Hier in den Alpen habe ich mich entschieden Hauptstraßen durch breite Täler zu nehmen, anstatt insgesamt fünf  lange Bergpässe zu überfahren. Ich fahre jetzt in Richtung Provence.
Französische Alpen: Auf Nebenstrecken im breiten Tal des Flusses Isere.

Auf meinem Weg befindet sich Grenoble, das in einer riesigen Talsohle liegt und von vielen hohen Bergen umgeben ist. Um auf die ruhige Nebenstrecke N85 Richtung Gap zu gelangen, muss ich durch diesen Ballungsraum fahren, in dem rund 400000 Menschen leben.
Auf der N85 folge ich nun dem Fluss Drac, der immer wieder zur Stromgewinnung aufgestaut wird. Diese Seen haben im Sonnenschein eine intensive türkisblaue Farbe. Dies ist ein schöner Kontrast zu den grüngrauen Bergen in deren Umgebung.
Historisch gesehen, bewege ich mich auf den Spuren von Napoleon. Von seinem Exil auf Elba nahm er im Jahr 1815 auf seinem Weg nach Paris die gleiche  Alpenstrecke. Allerdings durchquerte der Anführer die Täler mit seiner Armee, die Tausend Mann groß war.
Mein Flüssigkeitsverbrauch steigt täglich, weil die Luft mit jedem Meter Richtung Süden trockener wird.  Auch die Sonnentage, an denen es bis 35 Grad warm wird, nehmen zu. Das Mittelmeer ist nun greifbar nahe. Die Belohnung für die vielen schweißtreibenden Höhenmeter sind wunderschöne Alpenpanoramen. Die riesigen Bergmassive, die hier bis zu 3000 Meter in den Himmel ragen, haben zugleich einen faszinierende wie auch bedrückende Erscheinung. Wie klein man doch als Mensch sein kann.
Nach dem letzten Höhenzug des Col Bayards (1248m.ü.N.N.)  ist es geschafft. In den letzten Tagen habe ich die Wasserscheide zwischen dem Tal der Isere und dem Tal der Durance und gleichzeitig die Wetterscheide hin zum Mittelmeerraum überwunden. Diese aufregende Woche endet im Ort Sisteron, der schon mitten in der Haute Provence liegt.
 
6. Woche:  Sisteron – Forcalquier – St. Remy de Provonce – Sete      349km  / 2039 Höhenmeter
Das Landschaftsbild ändert sich hinter den Alpen schnell. In der Haute Provence sind Brauntöne die Grundfarben. Die Berge sind nicht so schroff, sondern geschwungener und niegriger.

Immer der Nase nach: In der Haute Provence auf der Suche nach Lavendelfeldern.

Die Vegetation hat sich den mediteranen Verhältnissen angepaßt: Bäume und Büsche sind kleiner gewachsen. Hier gibt es viele Koniferen- und Kiefernarten, sowie Olivenbäume und farbenprächtige Oleander- beziehungsweise Ginsterbüsche. Ich komme sehr gut mit den heißen Sonnentagen zurecht und genieße oft den warmen Fahrtwind. Während ich immer weiter in die Provence hineinfahre, steigt hinter jeder Kurve und jedem Hügel die Spannung. Werde ich hier irgendwo die berühmten Lavendelfelder sehen? Ich beschließe unterwegs noch einige Umwege zu fahren. Diese Landschaft ist einfach faszinierend – und schließlich wird meine Ausdauer auch belohnt. Ich rieche schon von weitem den kräftig würzigen Duft der Lavendelbüsche. In langen Reihen stehen die Pflanzen und strahlen im intensivsten Blau.  Ich stehe vor einem Feld, lasse mir den warmen Wind durch die Haare wehen und die Stille der Umgebung auf mich wirken. Hier in Südfrankreich gibt es  viele Ortschaften, die sehr gut erhaltene Altstädte haben. Die Häuser dort sind klein und bis zu sechs Stockwerke hoch gebaut, sie stehen eng zusammen und werden nur von kleinen Gassen voneinander getrennt. Die Farben der Mauern und der Dächer sind gleich der Landschaft in braun oder grau gehalten. Besonders erwähnenswert sind die Orte: Sisteron und Les Baux de Provence. Beide Dörfer wurden in die dort liegenden Felsen gebaut. Hierdurch verbinden sich die Siedlungen sehr  harmonisch mit der umgebenden Landschaft.

Harmonisch: Sisteron am Ufer der Durance.

Ich befinde mich  kurz vor der Mittelmeerküste. Die Staßen sind jetzt flacher und die Sonne brennt heiß. Hinter der Stadt Arles fahre ich auf Landstraßen bis zu dem  riesigen Sumpfgebiet Camagues. Welch ein Kontrast! : Die Luft und die Straße flimmern vor Hitze, aber rechts und links des Weges stehen weite Teile dieser flachen Ebene unter Wasser. Alles wirkt hier einsam und verlassen. Nur die kleinen Wege und vereinzelte Häuser sind Zeichen von menschlichen Leben.
Ich sehe immer öfter Möwen, die über mir herfliegen – das Meer ist nicht mehr weit. Und endlich stehe ich dann vor dieser riesigen blauen glitzernden Wasserfläche. Nach den Alpen ist dies wie ein zweiter Wendepunkt während meiner Reise: Euphorisch lasse ich einen Freudenschrei heraus. Jetzt folge ich  immer dem Verlauf der Küste. Das Meer stets in Blickweite durchfahre ich viele Badeorte in Südfrankreich.
 
7. Woche: Sete – Narbonne – Collioure (F) – Llanca (S) – Roses   263 Km  / 2063 Höhenmeter
Hier am Meer ist die Sonneneinstrahlung so intensiv, dass ich immer eine dicke Schicht Sonnencreme auftragen muss. Das hilft sehr gut gegen Sonnenbrand; allerdings sind jetzt auch diverse Radteile, sowie der Fotoapparat, der Rucksack und Kleidungstücke mit einer „Cremepatina“ überzogen.
Während ich vor der Stadt Perpignan auf einem Campingplatz übernachte, dreht der Wind. Er kommt jetzt sehr stark aus dem Landesinneren geweht. Die ganze Nacht wird mein Zelt von den Böen durchgerüttelt. Am nächsten Morgen ist der Himmel stark bewölkt Ich fahre die ersten Kilometer und sofort ist mir klar, dass dieser Tag nicht einfach wird.
Ich konzentriere mich sehr stark darauf das Rad in der Spur zu halten. Die Windböen sind kräftig und ständig drehend. Regelmäßig greifen sie mein bepacktes Rad von der rechten Seite an. Die Hauptstraße hat einen rund zwei Meter breiten Seitenstreifen, auf dem ich fahre. Oft schwenke ich mit meinem Rad so stark aus, dass ich immer wieder bis an die Fahrbahn komme. Die Autos und LKWs die an mir vorbeidonnern, halten meist keinen Extra-Abstand.
Nach rund 40 nervenaufreibenden Kilometern Schneckentempo und Schlangenlinie fahren, passiert es dann: An einer T-Kreuzung erfasst mich eine ungewohnt starke Böe. Ich bremse kräftig, versuche gleichzeitig meine Füße auf den Boden zu stellen. Ich fange das Gewicht des Rades nicht schnell genug auf, während der Wind immer weiter drückt. Mein Rad ist auf die Straße gekippt. Blitzschnell mache ich einen Ausfallschritt, um nicht auch auf die Straße zu stürzen. Dadurch stehe ich aber  plötzlich auf der Autofahrspur…
Ich habe sehr großes Glück gehabt: In diesem Moment ist kein Auto beziehungsweise kein LKW vorbei gefahren. Nach einem schnellen Kontrollblick und einem lauten Fluch, fahre ich weiter. Am Straßenrand zu verweilen und darüber nachzudenken was passierte hilft nicht viel. Irgendwann ist dann ein Campingplatz in Sicht, den ich sofort ansteuere.
Während der nächsten Tage sehe ich  immer die Pyrenäen vor mir, die ich an der Küste
entlang umfahre. Die Straße windet sich hier um viele schöne Buchten mit kleinen Badeorten. Auf der kurvig-bergigen Straße herrscht wenig Verkehr. Der Massentourismus zieht meist vorbei und nutzt die Autobahn, die weiter westlich durch die Pyrenäen verläuft. Auf einer entlegenen Bergkuppe befindet sich ein verlassener Grenzposten, der die Überfahrt von Frankreich nach Spanien makiert. Ich habe es geschafft! Nach fast 2000 Kilometern bin ich nun in Spanien – HOLA ESPANA!!!
 
8. Woche:  Roses – Tossa de Mar – Terrassa – Les Borges Blanques – Riba Roja d´Ebre       461 Km  /  5041 Höhenmeter
Hinter der Grenze stehe ich in einem spanischen Dorf und erfahre sofort den Mentalitätsunterschied. Die Staßen sind viel belebter. Alles ist quirliger, lauter und noch gelassener. Hier wird auch schon mal die Autohupe zur Begrüßung eingesetzt. Gespräche in ungewohnter Lautstärke sind selbstverständlich. Ich habe oft den Eindruck, dass jeder Spanier den Rekord im Schnellsprechen brechen möchte. Spanisch ist eine schöne Sprache und ich höre den Spanier gerne beim Palavern  zu.
Radfahrerfreuden: Wunderschöne Küstenstraße an der Costa Brava in Katalonien.

Spanien ist kein typisches Radreiseland. Hier ist es sehr bergig und heiß. In der kurzen Zeit, die ich in Spanien unterwegs gewesen bin,  habe ich mehr Höhenmeter überwunden als in den Alpen. Nach der wunderschönen Küstenstraße entlang der Costa Brava bis Tossa de Mar, folgten zwei Fahrtage voller Stress. Im Großraum Barcelona sind alle Arten von Straßen stark befahren. Die umliegenden Städte und Dörfer sind von vielen Schnellstraßen und Autobahnen umgeben. Eine Orientierung ist für Radfahrer schwer, weil die Beschilderung lückenhaft oder nur zu den Hauptrouten hinführend ist. Ich bin schon öfters auf  autobahnähnlichen Schnellstraßen gefahren, weil es keine Alternative hierzu gegeben hat. Irgendwann auf meinem Weg ins Landesinnere beruhigte sich die allgemeine Verkehrssituation. Weit oberhalb von Barcelona zeigt sich Katalonien wieder von seiner schönen Seite. Auf  kleinen Nebenstrecken  fahre ich nun durch wunderschöne Täler, in denen viel Landwirtschaft betrieben wird. Immer wieder rolle ich schweigsam staunend durch Dörfer, in denen die Zeit irgendwann stehen blieb. Mittags ab 14:00 Uhr steigt die Temperatur auf bis zu 40 Grad an. Nur einige Männer sitzen im schattigen Bereich der Bar – schlafen oder unterhalten sich. Die Straßen sind sonst Menschen- beziehungsweise Fahrzeugleer.
Ich bin mal wieder viele Kilometer bergauf gefahren, um hinter dem kleinen Dorf La Granadella  den Scheitel einer Bergkette zu überwinden. Die folgenden 20 Kilometer bis in die Stadt Flix hinein brauchte ich kaum zu treten. Es geht permanent bergab: zuerst in atemberaubenden Serpentinen, die in den Fels gehauen wurden. Später dann auf leicht geschwungenen Wegen.
In Flix sehe ich das erste Mal den Rio d´ Ebre. Hier ist eine von vielen Staumauern, die
flussaufwärts den Strom immer wieder aufstauen. Während den 1950ger Jahren wurden hierfür ausgedehnte Talflächen geflutet. Teilweise ragen heute noch die Turmspitzen der damaligen Dorfkirchen aus dem Wasser.
In Riba Roja d´Ebre bin ich nun endlich am Ziel meiner Reise angekommen. In acht Wochen bin ich 2460 Kilometer gefahren und habe 16214 Höhenmeter überwunden.
 
Entlang des Mittelmeeres: Während der schweißtreibenden Fahrten bleibt immer Zeit für ein Bad im Meer.

 
 
 
 
 

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