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Interview: Weitgeradelt – Seit über zwei Jahren auf Radreise

Das Interview wurde im Oktober 2015 von Stefan Amato für PANNIER in Englisch geführt und von Lisa Partzsch übersetzt. 

Anselm Pahnke (26) fährt seit über zwei Jahren mit einfachsten Mitteln auf seinem Fahrrad durch die Welt. Immer eng an Kultur und Natur durchquerte er in 13 Monaten den ganzen afrikanischen Kontinent ohne fremde Hilfsmittel. Schließlich in Israel angekommen führte der Pfad nicht zurück Richtung Hamburger Heimat sondern nach Osten. Über den Iran folgte er der Seidenstraße, die ihn übers Pamir-Gebirge bis nach China führte.


Danke, dass du dir ein wenig Zeit nimmst, um uns deine Geschichte zu erzählen. Wo bist du im Moment?
„Ich habe ein altes Straßenlager gefunden, in dem früher die Arbeiter lebten, die die Bergstraße gebaut haben, auf der ich gerade fahre. Sie führt entlang der östlichen Grenze von Tibet. Hier oben auf 4.200 Metern gibt es immer noch Strom und überraschenderweise auch freies W-LAN. Das ist manchmal so in China. Morgen werde ich meinen Aufstieg auf 5.000 Meter beginnen. Aber es ist schön eine Nacht ein Dach über dem Kopf zu haben, weil es nachts draußen sehr kalt wird.“
Du bist jetzt seit zwei Jahren mit dem Rad unterwegs. Wo warst du bisher überall? Was ist deine Motivation für so eine lange Reise?
„Meine Reise begann mit einem Flug nach Südostasien. Ich wollte etwa einen Monat mit dem Fahrrad durch Thailand reisen, aber ich habe schnell gemerkt, wie sehr mir diese Art des Reisens gefällt und bin einfach weitergefahren. Ich bin durch Myanmar, Kambodscha, Vietnam gereist, dann bin ich von den Philippinen nach Kapstadt/Südafrika geflogen. Von dort bin ich kreuz und quer bis in den Norden Afrikas gefahren: durch Botswana, Namibia, Simbabwe, Sambia, Malawi, Tansania, Burundi, Ruanda, Uganda, Kenia, Äthiopien, Sudan, Ägypten und dann nach Israel. Von dort bin ich in den Iran geflogen und bin nach Osten über das Pamir-Gebirge gefahren, durch all die Länder, die auf –stan enden: Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan und schließlich nach China. Bis jetzt war ich mit meinem Fahrrad in 42 Ländern.
Ich bin jung und abenteuerlustig und möchte so viel wie möglich mit meinen eigenen Augen von der Welt sehen und mich lebendig fühlen. Du kannst über etwas lesen oder es selber sehen und erleben – und ich gehe lieber das Risiko ein, etwas zu erleben. Ich hatte mich entschieden durch Afrika zu fahren, weil ich schon vorher ein paar Monate in Ghana gearbeitet habe und so schon einen guten Eindruck von der Einstellung, der Kultur und dem Leben in Afrika bekommen habe. Ich begann in Südafrika mit einem Freund durch ein paar Länder zu radeln. Als er wieder nach Hause geflogen war, habe ich einfach gedacht: „Jetzt gucke ich mir auch noch das nächste Land an. Und dann das nächste.“ So ging es immer weiter, ich merkte, dass jedes Land auf dem Weg nach Norden für mich ein sicheres Reiseland war und dazu noch unglaublich wunderschön. Die Leute in Afrika zaubern einem immer ein Lächeln ins Gesicht, diese Freundlichkeit findet man sonst nirgendwo und vergisst sie nie. Sie sorgen sich nicht um Morgen.“
Du würdest dich wahrscheinlich selbst als Nomade bezeichnen, aber wo kommst du eigentlich her? Wo ist deine Heimat?
„Ich bin ein Nomade, genau. In den letzten zwei Monaten war ich jeden Tag in Bewegung und habe nie in einem Hotel geschlafen. Ich wusste nie, was passieren würde oder wo ich am Ende des Tages bin. Es klingt vielleicht etwas weithergeholt, aber momentan ist die Welt mein Zuhause, die Straße und die Menschen, die ich treffe, sind meine Heimat. Eines Tages werde ich nach Hamburg zurückkehren, dort bin ich aufgewachsen.“
Und bist du schon viel in Deutschland mit dem Rad unterwegs gewesen? Oder hat es dich immer in ferne Länder gezogen?
„Deutschland ist ein schönes und komfortables Land zum Radfahren. Ich habe natürlich ein paar Touren dort gemacht, aber ich habe mir immer gesagt, dass ich später, wenn ich alt bin, nicht mehr so viel Zeit habe und meine Gesundheit nicht mehr so gut ist, durch Deutschland fahren werde. Ich bin viel durch Europa geradelt – von Portugal nach Griechenland zum Beispiel. Jetzt ist es Zeit etwas weiter zu schauen …“
Du bist einige deiner Etappen mit Freunden gefahren oder Reisenden, die du auf dem Weg getroffen hast – fährst du lieber alleine oder in Gesellschaft?
„Ich suche nicht bewusst einen Begleiter. Beide Arten des Reisens zu erleben, finde ich wichtig. Wenn du alleine reist, dann bekommst du einen viel engeren Kontakt zu deiner Umgebung. Menschen sprechen dich an, weil du vielleicht verloren aussiehst, du denkst zuerst an deine Bedürfnisse, und du kannst immer machen, was du möchtest, es gibt niemandem, mit dem du dich absprechen musst – ob du zum Beispiel etwas essen möchtest oder das Zeit aufstellen willst. Aber andererseits läuft das Leben ja auch nicht so. Es ist interessant und herausfordernd einen Monat alleine zu reisen, aber dann ist es auch wichtig, wieder Gesellschaft zu haben. Es gibt dir die Möglichkeit deine Erfahrungen und Meinungen zu teilen, du bekommst neue Ideen …
Das Leben alleine ist reichhaltig, aber es zu teilen, sowohl die Sorgen als auch die Freude, macht das Leben realer. Es bedeutet viel jemanden auf Reisen zu finden, mit dem du dich verstehst und mit dem du 24 Stunden, mehrere Tage ununterbrochen, verbringen kannst. Im Moment reise ich zusammen mit einem Freund aus der Schweiz und es macht sehr viel Spaß. Letzte Woche hatte ich einen schlimmen Unfall mit einem Lastwagen und es war gut jemanden dabei zu haben, der mir wieder geholfen hat, auf die Beine zu kommen.“
Wenn du zwei bis vier Wochen Zeit hättest, um einen Teilabschnitt deiner bisherigen Reise noch einmal zu fahren, für welchen würdest du dich entscheiden?
„Wenn man vier Wochen für eine Radtour hat, dann empfehle ich wirklich eine Fahrt über den Pamir-Highway – die Straße durch das Pamir-Gebirge durch Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan. Ich empfehle, so wenig Gepäck wie möglich mitzunehmen, in Dushanbe/Tatschikistan zu starten, danach fährt man auf tollen Bergstraßen entlang der Grenze zu Afghanistan durch unvergessliche Gebirgstäler. Am Ende steht man auf einem Hochplateau auf etwa 4.000 Metern Höhe, vor grünen Feldern mit Nomaden, die dort mit ihren Yakherden im Sommer herumziehen. Man sieht verschneite Gipfel, die mehr als 7.000 Meter hoch sind und man fühlt sich dem Himmel so nah, wie nie zuvor; deshalb heißt das Gebiet dort auch „das Dach der Welt“.
Wenn man es dagegen etwas wärmer mag, dann sollte man im Herbst durch Kroatien radeln oder durch Kambodscha nach der Regenzeit. In Afrika führt meine Lieblingsstrecke durch Namibia, Malawi und Uganda.“
Abgesehen von deinem Fahrrad und Gepäck, auf welche Gegenstände könntest du auf deiner Reise nicht mehr verzichten? Dein Strohhut scheint schon weit gereist zu sein!
„Die Musikbox an meinem Lenker, die ich vor langer Zeit in Kambodscha bekommen habe. Jeder kann mithören, seine eigene Musik darauf abspielen und auf der Straße tanzen. In jedem afrikanischen Land, durch das ich gefahren bin, haben die Leute sie geliebt – selbst wenn man sich gegenseitig nicht versteht, kann man zusammen lachen. Musik kann dabei helfen. Und sonst? Mein Rückspiegel, um den Verkehr im Auge zu behalten. Außerhalb von Europa sind Autofahrer keine Radfahrer auf der Straße gewöhnt.“
Ich kann mir vorstellen, dass die Menschen sich fragen, wie du das mit dem Geld auf einer so langen Reise machst. Man geht einfach zurück zu den Grundbedürfnissen, oder? Essen, Wasser, Unterkunft …
„Ich habe immer 50 US-Dollar dabei und zusätzlich ein wenig lokale Währung. Zum Leben brauche ich nicht viel Geld: 200 bis 300 Dollar im Monat reichen. Keine Hotels und keine Transportkosten, nur Essen, Trinken und Visa. Wenn du erst einmal erkennst, wie viel du von deiner Umgebung und den Leuten, die du triffst, bekommst, merkst du, dass du keinen Luxus brauchst, um auf der Straße glücklich zu sein.“
Was sind die interessantesten Erfahrungen, die du auf deiner Reise bisher gemacht hast?
„Sich selbst vertrauen: dem Unbekannten und den eigenen Fähigkeiten vertrauen. Instinkte sind am wichtigsten und es ist unglaublich, wie sehr man sie trainieren kann – egal ob es darum geht, einen Platz zum Schlafen in einer unbekannten Umgebung zu finden oder zu wissen, wem man vertrauen kann, um eine Woche auf sein Rad aufzupassen, wenn man Wandern gehen möchte. Menschen sind unglaublich hilfsbereit. Ich bin durch so viele Länder gereist, die nicht sicher scheinen. Aber gerade in Ländern, die am unsichersten erscheinen, habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich werde niemals vergessen, wie freundlich ich von den Menschen dort empfangen wurde. Die Welt da draußen ist sicher, freundlich und voller wunderbarer Überraschungen. Man muss nur offen dafür sein …
… Ich habe auch gelernt, nicht zu viel zu planen. Am Anfang fiel mir das schwer. Aber bevor ich den Pamir Highway entlanggefahren bin, habe ich zum Beispiel nie auf eine Karte geschaut oder irgendwelche Informationen gesammelt, alles fügt sich zusammen, wenn es muss. Vorher habe ich immer versucht, Dinge so zu beeinflussen, wie ich es mir gefallen würde, aber das funktioniert meist nicht und macht nur unglücklich.“
Und wie sieht der Plan jetzt aus? Wo geht es als nächstes hin?
„Der beste Plan ist, keinen Plan zu haben, so habe ich es in meinen ersten drei Wochen in Südostasien gelernt. Ich verstehe jetzt, was das bedeutet. Erstmal werde ich nach Süden fahren, Tibet vor dem Winter verlassen und nach Vietnam fahren. Indonesien steht auch noch auf meiner Liste…
… Erst wenn ich irgendwann wieder zu Hause bin, brauche ich einen Plan!“
Mehr davon? Weiterlesen im Pannier Journal.

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