Test Fahrrad Dynamolader für Smartphone und Co.

Test: Fahrrad Dynamolader für die Navigation mit Smartphones und Co.

Immer mehr Radfahrer nutzen GPS zur Navigation. Und dank zahlreicher Radrouting-Apps fürs Smartphone wird ihre Anzahl wahrscheinlich schnell steigen. Doch GPS-Geräte am Lenker sind Stromfresser. Insbesondere bei Smartphones ist schon nach wenigen Stunden mit aktiver Navigation Schluss.

Text: Thomas Froitzheim, Test: Andreas Oehler, Fotos: Froitzheim/Oehler

Zur Verlängerung der „geführten Fahrzeit“ bieten sich zwei Lösungen an: Zum Einen ein Zusatzakku, der abends nachgeladen wird. Unabhängiger von der Steckdose ist man aber, wenn man einfach die Energie des Nabendynamos zum Nachtanken anzapft. Das ermöglichen sogenannte Dynamolader fürs Fahrrad, die es inzwischen in beachtlicher Auswahl gibt. Kleiner Nachteil: Viele der Spezialgeräte sind nur online zu kaufen.

Sogar Ladelösungen, die in Scheinwerfer integriert sind, befinden sich auf dem Markt. Sie sind vor allem dann eine Überlegung wert, wenn der vorhandene Scheinwerfer eher zu den lichtschwachen Modellen gehört. Denn beide Scheinwerfer im Test zählen in Sachen Lichtleistung zur Oberklasse. Sie sind entsprechend teuer, wobei der Luxos nach unseren Tests sogar die derzeitige Referenz unter den Dynamo-Scheinwerfern darstellt.

Für die Montage sind bei allen Geräten keine elektronischen Kenntnisse gefragt. Die größte Herausforderung ist das Zusammenführen der Kabel in den kleinen Steckern und das Verlegen für die Verbindung zum Dynamo – es entfällt bei den Scheinwerfern. Besonders leicht machen das Anbringen am Rad Geräte, die mit Gummibändern oder Kabelbindern am Rahmen befestigt werden. Fest montierte USB-Lader wie der Cycle 2Charge und der The Plug verbleiben immer am Fahrrad. Dadurch sind auch die empfindlichen Kontaktflächen für die Steckverbindung ständig der Witterung ausgesetzt, was auf Dauer ein Nachteil sein kann.

Fahrrad Dynamolader wie das wasserdichte b+m E-Werk finde überall am Fahrradrahmen einen Platz. Foto: Gathmann

So funktioniert’s
Der Nabendynamo des Fahrrades liefert zunächst nur ungeeigneten Wechselstrom. Spannungsspitzen bei schneller Fahrt können zuweilen 50 Volt erreichen und damit jedem Verbraucher den elektronischen Exitus bereiten. Somit müssen spezielle Ladeschaltungen her, um den Nabendynamostrom zu zähmen und optimal aufzubereiten. Sie erzeugen die gewünschten 5 Volt Gleichspannung für den Eingangsbereich der elektronischen Navigationshelfer.

Das ist wichtig
Am wichtigsten: Der Lader muss zum eigenen Navigationsgerät oder Akku passen (Testbriefe). Er soll schon bei langsamer Fahrt möglichst viel Leistung abgeben. Wer viel in der Stadt fährt, sollte darauf besonders achten, aber auch Genußtourer sind eher mit weniger als 20 km/h unterwegs, wo einige Geräte noch gar keine Energie liefern. Für witterungsunabhängigen Betrieb sorgen wasserdichte Gehäuse und geschützte Steckverbindungen, die längst nicht jedes Gerät besitzt. Wer viele verschiedene Verbraucher anschließen will, braucht auch ein vielseitiges Gerät mit verschiedenen Stecker-Optionen. Allgemein gilt: Ladeschaltungen sind nichts für die Ewigkeit. Insbesondere durch die verbauten integrierten Akkus, die teilweise nicht wechselbar sind, und das ständige Laden und Entladen sollte man vorsichtshalber von einer Lebensdauer von zwei bis drei Jahren ausgehen.

Laden nicht erlaubt
Viele Outdoor-Navis von Garmin, Falk und Magellan verwenden zwei normale, auswechselbare AA-Akkus („Mignon“) als Energiequelle. Diese können im Gerät aber nicht aufgeladen werden. Grund: Wenn statt Akkus normale Batterien verwendet werden – was durchaus funktioniert – würde ein Ladestrom die Batterien sozusagen zum Kochen bringen und das gesamte Gerät zerstören.
Die meisten GPS-Geräte lassen dennoch durchaus zu, dass ein externer Strom (z.B. über das USB-Kabel) das Gerät betreibt. Dann werden die darin liegenden Akkus aber nicht geladen. Das spart immerhin Akku-Power.

Anhalten unerwünscht
Wenn man unterwegs anhält, stoppt natürlich auch die Stromlieferung über den Nabendynamo. Viele GPS-Geräte wie Garmins Oregon-Serie fragen bei einem derartigen Spannungsabfall nach, ob man wieder auf die internen Akkus umschalten möchte. Nach jedem Halten und Anfahren muss man somit mehrmals auf den Touchscreen „tatschen“ – das nervt. Abhilfe schafft ein „Pufferakku“, der die Spannung hält, und das GPS-Gerät merkt nichts vom stehenden Nabendynamo. Diese Pufferakkus können in den Ladeschaltungen integriert sein (Luxos U, USB-Werk, ADA Bikeconverter) oder als externe, zusätzliche Geräte zwischen Ladeschaltungen und GPS-Gerät geschaltet werden. Ob man Ladeschaltungen mit Pufferakkus braucht, hängt natürlich vom verwendeten GPS-Gerät ab. Die älteren eTrex- und GPSMap60-Serien von Garmin luden nach dem Wiederanfahren von Rad und Strom auch ohne munter weiter.

Hilfreiche Puffer
Externe Pufferakkus mit hoher Speicherkapazität finden sich im Internet unter dem Schlagwort „Powerbank“. Neben robusten Geräten aus Schweizer Fertigung gibt es auch billige Exemplare aus China. Wichtig für die Verwendung am Fahrrad: mindestens 800mA müssen am Eingang und 1000mA am Ausgang möglich sein, gleichzeitiges Laden und Entladen sollte funktionieren, und die Ausgangsspannung muss automatisch aktiviert sein.
Wir haben hier das kompakte boropowerIP036 getestet, welches teilweise schon für unter 15 Euro verfügbar ist. Ein Smartphone kann damit etwa zweimal aufgeladen werden. Da es nicht wasserdicht ist, gehört es (wie auch der größere Teil der Spannungsregler) in die Lenkertasche. Prinzipiell kann man mit der voll geladenen Powerbank (insbesondere Exemplare mit 10.000mAh Kapazität) auch ohne Nachladen durch den Nabendynamo den Tag überbrücken.

Smarte Zicken
Ein klassisches GPS-Gerät wie ein Garmin Oregon 450 benötigt je nach Stärke der Hintergrundbeleuchtung 0,8 bis 1,2 Watt. Smartphones sind durch größere Displays und leistungsfähigere Prozessoren mit 1,5 bis 2,5 Watt wesentlich stromhungriger und haben in unserem Test ein teilweise sehr spezifisches Ladeverhalten an den Tag gelegt.
Manche Smartphones wie einige HTC- und Motorola-Modelle verhalten sich beim Nachladen unkompliziert: Sie erwarten schlicht 4,5 Volt am USB-Anschluss und nehmen soviel Leistung, wie gerade verfügbar ist. Diese Geräte laden mit bis zu 900 mA (entsprechend 4,5 Watt), dadurch kann bei schneller Fahrt Energie im Geräteakku für langsame Strecken oder Pausen gespeichert werden. Apple und Samsung hingegen machen es dem Radfahrer unnötig schwer. Ein iPhone erwartet neben unterschiedlichen eigenen Ladekabeln eine spezielle Beschaltung der USB-Datenleitungen, um damit einen festen Ladestrom einzustellen (z.B. 500mA oder 1 A). Wenn dieser Strom für einige Zeit nicht geliefert werden kann und damit die Spannung einbricht, stellt das iPhone das Laden ein und beginnt damit auch nicht mehr, wenn wieder korrekte 5 Volt anliegen. Es wird eine Fehlermeldung angezeigt, und der Ladevorgang startet erst, wenn die Spannung zwischendurch auf Null gesunken bzw. die Versorgung unterbrochen wurde. Samsung lädt zwar ohne feste Vorgabe mit dem verfügbaren Strom und senkt den Ladestrom, wenn mal bei langsamer Fahrt weniger zur Verfügung steht. Es belässt dann aber den Strom auf dem niedrigsten Niveau, auch wenn wieder schneller gefahren wird. Als Nutzer merkt man davon zunächst nichts – bis der Ladestand langsam sinkt, obwohl man zügig unterwegs ist. Mit hohem Strom wird erst wieder geladen, wenn die Spannung unterbrochen wurde. USB-Werk und ADA erledigen das von Zeit zu Zeit automatisch. Übrigens – wer mit Licht fährt, kann gleichzeitig in der Regel nur sparsame Verbraucher wie GPS-Geräte laden. Einige Modelle wie the Plug laden dann gar nicht.

Welches Gerät für wen?
Reiseradler sollten einen Blick auf Busch & Müllers E-Werk werfen. Es gehört zwar zu den teuersten Geräten, zeigt sich aber sehr leistungsfähig (6 Watt Ausgangsleistung bei schneller Fahrt) und robust. Nachteil: Das sich mit der Fahrgeschwindigkeit kontinuierlich ändernde Leistungsangebot ist nicht mit allen Mobilgeräten kompatibel. Wer viel Leistung braucht – etwa um ein Akkupack zu laden – und zuweilen schnell fährt, für den ist das E-Werk optimal.
Wer nach der Fahrt sein Ladegerät auch als separaten Akku benötigt, sollte sich den Zzing anschauen. Oder seine Ladeschaltung mit einer externen Powerbank kombinieren.
Nutzer sensibler Smartphones wie des Galaxy S3 sollten auf ADA oder USB-Werk zurückgreifen, weil nur durch ihre Ladetechnologie die Smartphones auch wirklich geladen werden
Wer Gerät und Lader am Rad unterbringen will, kommt an den wasserdichten E-Werk, USB-Werk oder Biologic Reecharge nicht vorbei.

Wer ein einfaches GPS-Gerät (dem Spannungsunterbrechungen nichts ausmachen) laden will, kann auch mit preiswerten und zudem leichten Geräten wie Revolt oder Biologic Reecharge glücklich werden.
Nutzer von GPS-Geräten wie Garmins Oregon, die nachlassenden Ladestrom immer mit Warnhinweisen quittieren, sollten unbedingt Ladeschaltungen mit integriertem oder externem Pufferakku wählen.
Designorientierte Reiseradler sollten ein Auge auf integrierte Scheinwerferlösungen wie Luxos U oder Axa Nano 50 werfen, beziehungsweise die statt einer Aheadkappe über dem Vorbau verbauten Modelle the Plug oder cycle2charge in Erwägung ziehen.

Für iPhones sind Ladelösungen mit Pufferakku nahezu alternativlos. Da das iPhone 5 noch recht neu ist und übliche Standards ignoriert, wird dafür ein spezielles Ladekabel mit Widerständen im Stecker erforderlich sein.

Den kompletten Test der Fahrrad-Dynamolader zum Download gibt es hier.

Dynamolader und Akkupacks im Test:

Ada Bike Converter / ca. 69 Euro TIPP Preis/Leistung
Axa Nano Plus Scheinwerfer mit USB-Anschluss / ca. 98 Euro
Biologic Reecharge Dynamo-Ladekit / ca. 25 Euro
b+m E-Werk / ca. 147 Euro TIPP Radreise
b+m USB-Werk / ca. 99 Euro TIPP für Smartphone-Einsatz
b+m Luxos U Scheinwerfer mit USB-Anschluss und Pufferakku / ca. 179 Euro
Cycle2Charge / ca. 65 Euro
Powerbank Akku / ca. 25 Euro
Revolt Fahrrad Dynamo-Ladegerät / 30,00 Euro
Zzing Smartphone Edition / ca. 99 Euro
ToutTerrain The Plug II / ca. 139 Euro



28. Januar 2014

Jan Gathmann

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