Radreise auf Kuba – durch Pinar el Rio - Radtouren Magazin

Radreise auf Kuba – durch Pinar el Rio

Mein Bici und Ich

Text und Fotos: Martin Radmann

Während einer langen Südamerikareise verbringe ich auch einige Zeit auf Kuba. Nach ein paar Tagen in Havanna beschließe ich ziemlich spontan, mir ein Fahrrad zu besorgen, um die westlich gelegene Provinz Pinar del Rio zu erkunden. Diese Gegend ist landschaftlich sehr reizvoll und im Tal von Vinales gedeiht zudem der beste Tabak der Welt.
Doch bereits der Kauf eines geeigneten Rades soll mich vor unerwartete Probleme stellen. In der kubanischen Mangelwirtschaft ist es selbst gegen Devisen sehr schwer, ein halbwegs vernünftigen Drahtesel zu erwerben. Ich durchstreife einige Geschäfte, aber dort gibt es nur billigste chinesische Ware. So ein Rad würde der Belastung meiner gut 90 kg wohl nur kurze Zeit standhalten. Die von der Werbung versprochene, „unglaublich lange“ Garantiezeit von 7 Tagen(!) verstärkt noch meinen Eindruck mangelhafter Qualität.
Mein Freund Ricardo, in dessen Casa Particular (untervermietetes Zimmer) ich derzeit wohne, hilft mir. Sein Sohn hat  einige gebrauchte Räder zu verkaufen. Ich habe die Wahl zwischen einem alten, zwar soliden, aber sauschweren,  chinesischen Rad für 130 Dollar und einem auch schon betagtem mittelmäßigen etwas zu kleinem Mountainbike aus US-amerikanischer Produktion für 200 Dollar – stolze Preise.
Das alte China-Rad hat etwas nostalgisches und passt gut zu der Stimmung in Kuba, die einen gut 50 Jahre zurückversetzt; ich entscheide mich dennoch für das moderne Mountainbike, das ich noch auf 180 Dollar herunterhandeln kann. Jetzt brauche ich noch einen Gepäckträger, der auch nicht leicht zu bekommen ist. Ricardo schleppt ein rostiges Exemplar an, das wir mir einigem Aufwand. montieren. Flickzeug, Ersatzschlauch, Luftpumpe, Werkzeug etc. sind in Havanna zur Zeit nicht zu bekommen, aber Ricardo meint beruhigend, unterwegs gebe es überall Reifenreparaturwerkstätten, sog. Ponchadas, die mir notfalls helfen könnten. Mein Gepäck beschränke ich auf das Nötigste und nehme nur meinen kleinen Tagesrucksack mit, den ich auf den Gepäckträger schnalle.

Radtour auf Kuba
Morgenstimmung am Malecon von La Habana

Ich drehe eine Proberunde durch Havanna und bin begeistert, das Rad fährt sich leicht und schnell. Ich kann fast im Verkehr mitschwimmen und Distanzen, die zu Fuß viel Zeit erfordern, verkürzen sich nun rapide. Von Habana Centro bin ich nullkommanix im Stadtteil Vedado und ernte obendrein neidvolle Blicke. Auch die Schaltung funktioniert ganz ordentlich, was bei der zu erwartenden hügeligen Landschaft von Vorteil sein wird.
Nachteilig ist nur, dass wir bereits Mai haben und somit die heißeste Jahreszeit begonnen hat. Daher starte ich am nächsten morgen schon um 6 h, um der Mittagshitze zu entgehen. Ziel ist das 80 km entfernte Las Terrazas. Also geht’s in der Morgenfrische den Malecon, Havannas berühmte Uferpromenade, entlang Richtung Westen. Das Fahren bringt Spaß, ich komme gut voran, lege einige Fotostops ein und passiere schon bald Miramar, einen der vornehmeren Stadtteile Havannas. Hier stehen schöne Kolonialvillen. Auch Hemingway hat hier seinerzeit gewohnt, heute ist sein Haus ein Museum.
Ich mache einen Abstecher zu dem nach ihm benannten Yachthafen Marina Hemingway. Wem die schmucken Yachten gehören, weiß ich nicht, wahrscheinlich Ausländern oder hohen Regierungsmitgliedern. Nach kurzer Zeit werde ich von der allgegenwärtigen Polizei angehalten, es ist anscheinend verboten, sich hier aufzuhalten und Fotos zu machen. Mir soll es egal sein, Yachthäfen gibt es schließlich auch anderswo.

Weiter geht’s, ich komme in Havannas Außenbezirke Santa Fe und Baracoa. Hier gibt es weniger schöne Strände, die es auf keinen Fall mit dem Playas del Este, den  beliebten, östlich von Havanna gelegenen Stränden aufnehmen können, aber dafür ist die Chance, hier auf Touristen zu treffen, gering. Am Playa Banes lege ich eine Pause ein. Der schmale Strand ist ganz annehmbar in einer kleinen, ruhigen Bucht gelegen und es gibt auch ein kleines Restaurant.

Playa Banes

 

Leider wird die Idylle durch Kampfhubschrauber gestört, die alle paar Minuten im Tiefflug über die Bucht jagen. Ich erfrische mich ein wenig im klaren Wasser und komme beim Abtrocknen mit einigen Kubanern ins Gespräch, die wissen wollen, wohin ich mit dem Rad fahren will. Als ich mein Ziel nenne, schütteln sie verständnislos den Kopf – so weit bei der Hitze, „mi madre, loco“. Ich mache ein  paar Fotos von der Bucht und den Leuten. Ein junges Mädchen möchte portraitiert werden und ist begeistert von den Aufnahmen. Sie ist auch sehr fotogen und hat, so finde ich, indische Gesichtszüge. Ich biete ihr an, ihr die Fotos per Mail zuzuschicken, doch sie hat, wie die meisten Kubaner, keine e-mail-Adresse. Na gut , Abzüge machen und per Post zusenden, gehe natürlich auch, sage ich. Okay, die Adresse könne sie mir im nahegelegenen Haus aufschreiben, sagt sie. Ich könne auch die Mittagshitze dort verbringen und später weiterfahren, wenn es etwas kühler ist.

Daritza & Dalia

 

Ich willige kurzerhand ein und denke, mich treibt ja keiner, ich lasse mich jetzt einfach mal treiben. Das Haus in dem kleinen Dorf sieht gar nicht schlecht aus und wird von Dalia, 22, und ihrem Mann Alejandro, 27, bewohnt. Das Mädchen vom Strand ist Ihre 15-jährige Schwester Daritza, die mit der Mutter anlässlich des bevorstehenden Muttertages aus dem fast 900 km entfernten Santiago de Cuba angereist ist. Ich werde herzlich begrüsst und gleich zum Mittagessen eingeladen. Es gibt das typische, kubanische Almuerzo: pollo y frijoles con arroz y patacon (Huhn mit Reis, Bohnen und gebratenen Bananen). Es ist einfach, aber schmeckt  sehr gut.

Kubanisches Almuerzo

Nach dem Essen zeigen auch Dalia und ihre Mutter Interesse an Fotoaufnahmen, so dass wir eine kleine Fotosession machen. Es zieht sich alles hin, wir reden und lachen viel und plötzlich ist es 16 Uhr nachmittags. Ich will mich verabschieden, um noch ein Stück weiter zu radeln, aber Alejandro meint, ich könne ja auch hier übernachten und morgen in aller Frühe starten, im Haus seiner Großmutter sei noch Platz.
Okay, warum eigentlich nicht? Ich lasse mich wiederum treiben und bedanke mich für das Angebot. Eine gute Entscheidung, denn wir verbringen noch einen unterhaltsamen Abend und ich geniesse die Gastfreundschaft jenseits der Touristenpfade. Am nächsten morgen werde ich mit einem guten Frühstück verwöhnt und fürsorglich mit kühlem Wasser und Früchten für die Fahrt versorgt. Nach einem herzlichen Abschied und dem Versprechen, die ganze Familie bald mal in Santiago de Cuba zu besuchen, geht es endlich weiter. Ich fühle mich ausgeruht und bin durch die schöne Erfahrung motiviert. Auf einer gut ausgebauten Straße komme ich gut voran und erreiche nach kurzer Zeit Mariel, eine hässliche Industrie-Hafenstadt. Auffallend sind hier besonders viele, allerdings meist schon verblichene Schilder mit sozialistischen Parolen am Strassenrand. Schnell lasse ich die Stadt hinter mir und befinde mich nach kurzer Zeit auf einer wenig befahrenen Landstrasse. Ich entferne mich immer weiter von der Küste ,und es wird hügelig und somit anstrengender. Leider verpasse ich eine Abzweigung und bin plötzlich auf der Autobahn Habana- Pinar de Rio. Macht aber eigentlich nichts, denn mit dem Fahrrad auf der Autobahn zu fahren, ist hier kein Problem und es herrscht kaum Verkehr.
Die Abzweigung nach Las Terrazas müsste ca 30 km entfernt sein. Dort könnte ich in zwei Stunden sein. Aber es kommt alles anders, da ich plötzlich einen Platten habe. Weit und breit ist keine Ortschaft, jetzt wünsche ich mir Luftpumpe und Flickzeug. Mittels eines alten Kompressors bei einem Bauern in der Nähe versuche ich wieder Luft in den Reifen zu bekommen – ohne Erfolg, das Loch scheint doch recht groß zu sein. Der Bauer sagt mir, der nächste Ponchero (Reifenflicker) befände sich ca. 5 km Richtung Havanna.  Na prima, denke ich, da komme ich gerade her.

Fidel wacht über die leere Autobahn

 

Da es hier keine Notrufsäulen gibt, bin ich auf anderweitige Hilfe angewiesen und habe schon nach kurzer Zeit Glück. Ein entgegenkommender Pritschenwagen wendet kurzerhand und nimmt mich bis dorthin mit. Der Ponchero, ein etwas schmieriger, dickbäuchiger Mann hat eine Werkstatt in einer rostigen Wellblechhütte. Nun mache ich einen Exkurs im Reifenflicken auf kubanisch. Zunächst wird ein Stück Gummi aus einem alten Schlauch zurechtgeschnitten und mit einer Paste bestrichen, die man dann einige Minuten antrocknen lässt. Danach kommt der ganze Schlauch in eine uralte Presse, die mittels einer  abenteuerlich anmutenden Verdrahtung elektrisch beheizt wird. Dort schmort das ganze dann bestimmt 10 Minuten vor sich hin und ergibt einen perfekt reparierten Schlauch – denke ich jedenfalls und bezahle zufrieden die 5 Pesos Cubano (ca 20 Cent) für die Reparatur.

Reifenflicken auf kubanisch

 

Leider währt die Freude nur kurz, denn nach 2 km ist der Reifen wieder platt. Entnervt schiebe ich zurück und komme ganz schön ins Schwitzen, denn mittlerweile ist es elf Uhr und die Sonne brennt schon gnadenlos. Also noch einmal das ganze. Da ich nicht nicht gleich drankomme, ist es zwölf Uhr bis ich wieder starten kann. Um diese Zeit wollte ich eigentlich schon fast mein Ziel erreicht haben. Jetzt muss ich mich durch die Mittagshitze quälen und Schatten gibt es auf der Autobahn keinen. nach 2 h mache ich erschöpft eine lange Pause in einer Raststätte. Am liebsten möchte ich nicht mehr weiterfahren, aber nun sind es nur noch 2 km bis zur Ausfahrt nach Las Terrazas. Dann allerdings liegt noch eine anstrengende 10 km lange bergige Etappe vor mir. Die wunderschöne, dicht bewaldete, grüne Landschaft nehme ich nur am Rande wahr. Und als ich Las Terrazas endlich erreiche, finde ich kein Zimmer. Es gibt nur wenige Casas (Hütten), und die sind ausgebucht. Mir wird empfohlen, doch  zu den 5 km entfernten Banos de San Juan zu fahren. Dort gebe es Cabanos (Strohhütten) in schöner Lage direkt am Fluss. Also nochmal rauf auf den Drahtesel. Langsam schwinden die Kräfte und ich erreiche die Banos total erschöpft. Allerdings werde ich durch ein Bad im kühlen Wasser der idyllisch gelegener Wasserkaskaden entschädigt – welch eine Wohltat für den Körper! Die Banos sind eine Attraktion in der Gegend und werden tagsüber von vielen Einheimischen sowie Touristen besucht. Abends wird es aber sehr ruhig und ich höre nur noch das Plätschern des Flussen, welches mich sanft in den wohlverdienten Schlaf wiegt.

Den nächsten Tag lasse ich ruhiger angehen. Ich schlafe aus, nehme noch ein ausgiebiges Bad im Fluss bevor ich mich ins nur 25 km entfernte Soroa aufmache.

Banos de San Juan

 

Bei einem Check des Rades stelle ich erschrocken fest, dass der Vorderreifen einen Riß in der Lauffläche hat und schon das Gewebe zu sehen ist. Ich frage einen Einheimischen, wo ich einen neuen Reifen bekommen könne. Er empfiehlt mir eine Tankstelle in der Nähe und siehe da, es gibt dort tatsächlich einen nagelneuen Reifen, der auch noch kostenlos aufgezogen wird. Die kubanische Mangelwirtschaft erstaunt mich diesmal auf positive Weise. Beruhigt mache ich mich wieder auf den Weg. Die Strecke habe ich allerdings unterschätzt, es geht ständig steil bergauf, und ich muss einige Male schieben. Unterwegs mache ich noch mal an einem Fluss halt und erfrische mich. Die Gegend ist sehr schön ,und ich bin fast allein auf der Strasse.
Am frühen Nachmittag erreiche ich Soroa wo ich ein Zimmer in einem netten Casa miete. Soroa liegt inmitten bewaldeter Hügel, und es gibt einen Wasserfall und einen schönen Orchideengarten in der Nähe. Man kann auch zu einem Aussichtspunkt hinaufklettern, aber dazu bin ich zu müde.
Zunächst aber stelle ich fest, dass ich zu wenig Geld dabei habe, da mich meine nächste Etappe nach zur Insel Cayo Levisa führen soll und das Hotel dort einiges kosten dürfte. Leider gibt es in Soroa keinen Geldautomaten und die nächste  Bank befindet sich im 10km entfernten Candelaria. Daher bin ich froh als mir Adalberto, der Inhaber meiner Unterkunft, anbietet, mich dort hinzufahren. Also besteigen wir seine alte MZ und düsen los. Diese robusten Motorräder aus DDR-Produktion der 70er und 80er Jahre sind ebenso wie einige andere osteuropäische Fabrikate in Kuba weit verbreitet. Helm oder gar Schutzkleidung gibt es nicht, und ich fühle mich daher nicht ungedingt wohl dabei, Adalbertos Fahrkünsten ausgeliefert zu sein.

Adalbertos` alte MZ

 

Laut hupend, winkend und jeder halbwegs attraktiven Frau nachschauend geht es durch die langgestreckte Ortschaft. Auf der Landstraße komme ich etwas ins Schwitzten  als wir uns ein Wettrennen mit einer moderneren 125er Yamaha liefern, und obwohl Adalberto die MZ dabei bis zum Äußersten quält, haben wir letztlich das Nachsehen.
Das Geldabheben klappt ohne Probleme, wenn man davon absieht, dass in Kuba 12 Prozent Kommission berechnet werden.
Beim Absteigen passiert es dann, ich komme mit meinem Bein kurz an den mächtigen, heißen Auspuff und ziehe mir eine Verbrennung zu mit der ich noch längere Zeit zu tun haben werde. Adalberto meint trocken, dass man Frauen, die oft als MZ-Sozia unterwegs sind an ihren Brandnarben am rechten Unterschenkel erkennen würde.
Abends werde ich im Casa mit leckerem Essen verwöhnt. Es gibt Languste, mit Reis, Bohnen, Yucca, gebratenen Bananen und Salat. Ich gehe früh schlafen, denn am nächsten Tag wartet eine 70-km-Etappe, die ich bis mittags absolviert haben möchte, um noch mit dem Boot zur Insel Cayo Levisa zu kommen. Also starte ich wieder bei Sonnenaufgang. Es geht über eine einsame, palmengesäumte Landstraße Richtung Bahia Honda.

Traumstraßen für Radfahrer

Traumstraßen für Radfahrer

 

Die wenigen Menschen, denen ich begegne sind zu Fuß, mit Pferdefuhrwerken oder von Ochsen gezogenen Schlitten unterwegs und grüßen freundlich.

radtour auf Kuba

Noch ein anderes Fortbewegungsmittel: Ochsenschlitten

 

 

An einigen Kreuzungen sieht man Leute stehen, die auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Diese besteht dann meistens aus der Ladefläche eines uralten LKW, denn Busse gibt es nur in größeren Städten.

Öffenliches Verkehrsmittel auf dem Lande

 

 

Das typische kubanische Landhaus ist aus Holz, besitzt eine kleine, beschauliche Veranda mit Schaukelstühlen auf denen oft ältere Menschen sitzen, um mit vorbeikommenden Leuten etwas zu plauschen. Die Uhren gehen hier langsamer, man ist gelassen und hat Zeit füreinander. So werde auch ich von einem etwa Neunzigjährigen angesprochen. Wo ich denn hin wolle, es sei ja sehr heiß undsoweiter. Ich bekomme umgehend ein Glas Wasser gereicht, dass ich mit einem Zuge leere – mir kommt es vor als lechze mein Körper momentan nach jedem Tropfen. Ich bedanke mich und setze meine Fahrt fort.Alt aber glücklich

Alt, aber glücklich

 

 

In Bahia Honda lege ich eine kleine Pause ein, um Wasser und etwas zu essen zu kaufen. Das Städtchen ist sehr geschäftig und dementsprechend voll und laut.
Ich entdecke eine typische Landbäckerei. Im Angebot sind nur 2 unterschiedliche Artikel: großes Brot und kleine Brot. Ich entscheide mich für letzteres, gebe den Verzehr aber bald auf – es ist einfach zu trocken.
Als ich weiterfahre, steht die Sonne schon wieder höher und der Kampf gegen die Hitze beginnt erneut. Aber ich  habe ja schon die schönen Strände von Cayo Levisa vor Augen, die  mich bald erwarten.
Ich mache nun in immer kürzeren Abständen Pause, halte unter schattigen Bäumen, um etwas zu trinken. Bald sind meine Wasservorräte erschöpft, ich esse am Strassenrand eine Ananas, die aber irgendwie salzig schmeckt. Vielleicht eine spezielle Sorte – danach habe ich jedenfalls noch mehr Durst.
Die Landschaft wird nun etwas langweiliger und die Strasse zunehmend schlechter. Dadurch wird das Radfahren noch anstrengender und ich werde immer erschöpfter und durstiger. In der Nähe eines Hauses frage ich einen Jungen nach Wasser. Er bittet mich hinein und seine Mutter serviert mir ein Glas eiskaltes Wasser, Nachdem ich dann noch meinen Kopf unter einen Wasserschlauch gehalten habe, geht es mir schon viel besser. Jetzt bekomme ich Mangos serviert und dann gibt es noch einen starken Kaffee. Das nenne ich Gastfreundschaft. Wir reden über meine Tour und die Mutter erzählt, das die Familie vom Bananenanbau und der Viehzucht lebt. Wie ich finde, nicht schlecht, denn das Haus ist im Gegensatz zu den meisten anderen groß und im guten Zustand. Ich bekomme noch ein paar Mangos für die Fahrt zugesteckt und mache mich wieder auf den Weg. Jetzt ist es nicht mehr allzu weit. Es geht nun vorbei an endlosen Bananenplantagen, eine auf den ersten Blick exotische, aber auch sehr eintönige Landschaft.

Radtour Kuba

Durch endlose Bananenplantagen

 

 

Ich habe Glück und erreiche den Bootsanleger eine halbe Stunde vor Abfahrt des Bootes nach Cayo Levisa. Aber leider gibt es momentan keine Übernachtungsmöglichkeit auf der Insel, da alles ausgebucht  ist. Ich kann also nur einen 3-stündigen Kurztrip machen und muss abends wieder zurück.
Ist aber auch okay, denn ich kann in einem netten Casa auf dem Festland schlafen. Die Überfahrt dauert ca. 30 min.  Auf der Insel findet man die karibischen Bilderbuchstrände, weiß, feinsandig, palmengesäumt mit glasklarem, türkisfarbenen Wasser. Ich geniesse das Schwimmen und entspanne mich. Die Insel ist touristisch voll erschlossen, für Einheimische ist sie tabu. Ich hoffe, daß sich das bald ändern wird, denn selbst die Halbinsel Varadero, das Touristenzentrum Kubas schlechthin, ist seit kurzem auch für Kubaner zugänglich.

Radtour auf Kuba

Traumstrand auf der Cayo Levisa

 

 

Am nächsten Morgen starte ich wieder in aller Frühe zu meiner letzten Etappe. Mein Ziel Vinales liegt ca. 60 km entfernt. Ich komme gut voran und mache nur eine kleine Rast. Am Ende wird es nochmals etwas hügelig, aber ich bin, da ich das Ziel so nah vor Augen habe, motiviert und meistere auch diese Durststrecke. Endlich fahre ich in das wunderschöne Tal von Vinales ein. Die bizarre Landschaft besteht aus sogenannten Mogoten, Überbleibsel einer einstürzten Hochebene. Zwischen diesen Felsenhügeln entstanden fruchtbare Täler auf denen heute u.a. der beste Tabak der Welt gedeiht.

Radtour auf Kuba
Tal von Vinales

 

Im Casa von Claudina werde ich schon erwartet und nett begrüßt. Ich war hier bereits schon einmal und kenne die Familie. Ich habe das tolle Gefühl angekommen zu sein und freue mich auf ein paar erholsame Tage. Ich unternehme noch einige kleine Trips über die Feldwege des beschaulichen Tales, erkunde eine Höhle und genieße die Ruhe und Abgeschiedenheit. Abends sitze ich dann mit einem guten Rum und einer dicken Zigarre auf der Veranda .

Für die Rückfahrt nach Havanna habe ich allerdings umgehend ein Busticket gebucht. Mein Bedarf an Radfahren bei tropischen Temperaturen ist vorerst gedeckt, und ich nehme mir vor, erst wieder zu einer anderen Jahreszeit in die Pedale zu treten.

23. November 2011

Jan Gathmann

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