Leserreportage: Wie Gott in Frankreich - Radtourenmagazin

Leserreportage: Wie Gott in Frankreich

„Da gibt‘s doch nur grasende Kühen und mützetragende ältere Herren” – wenn ich heute an meine ersten Worte denke, als meine Frau Ingrid eine Radreise durch das französische Baskenland vorschlug, halte ich mir vor Lachen den Bauch.

Text & Fotos: Gerhard Flumm

Als wir Biarritz, Ausgangsort unserer Sternenfahrt, erreichten, wehte uns zur Begrüßung gleich eine erfrischende Brise um die Nase und der Geruch nach salziger Meerluft ließ uns mit einem Schlag im Urlaub ankommen. Unsere geführte Radreise konnte beginnen.

Am nächsten Tag begrüßten uns dann Christine und Philippe von „France à vélo“ zum Aperitif und ersten Abendessen. Fruchtiger Rosé wurde perfekt temperiert serviert und das himmlische viergängige Menü versetzte uns in andere Geschmackssphären. Wenn ich heute an dieses Festmahl denke, läuft mir noch immer das Wasser im Mund zusammen.


Von Lesern für Leser

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Am nächsten Morgen war es dann endlich soweit. Mit unseren Mitreisenden schwangen wir uns nach dem Frühstück auf unsere Drahtesel und folgten Christine durch wunderschöne Landschaften, die uns am ersten Tag entlang der Velodyssee, dem neu angelegten EuroVelo 1, begleiteten. Ausgesprochen schön war, dass es sich beim Radweg nicht um eine schnurgerade Strecke handelte, sondern man sich durch den geschlängelten Weg auch hin und wieder schön in die Kurven legen konnte.

Das Meer bot uns ein atemberaubendes Naturschauspiel. Der aufbrausende Atlantik zeigte sich durch seinen Wellengang von seiner schönsten Seite. Überrascht von den aufsteigenden Klippen, konnte ich meinen Blick kaum mehr vom Meer wenden und musste mich konzentrieren, um nicht im feuchten Nass zu landen. Die kleinen, mit Sand bedeckten Buchten, an denen der Radweg entlangführte, luden zu einem Sprung ins Wasser ein. Beeindruckt haben uns auch die ehemaligen Adelspaläste und Art-Deco-Häuser, die sich immer wieder vor uns auftürmten und den Glanz alter Zeiten versprühten.

Mittags wurden wir mit einem herrlichen Picknick mit lokalen Spezialitäten und köstlichem Wein verwöhnt – ein französischer Gaumenschmaus. Auf einem sehr gut ausgebauten Radweg erreichten wir nun die Hauptstadt des französischen Baskenlandes, Bayonne. Nach Stadtführung und gemütlichem Straßenbummel ging’s abends dann zurück ins Hotel, und nach einem langen intensiven Radtag konnte ich es kaum erwarten, gleich in den Pool zu springen.

Sonnenbaden am Strand von Biarritz

Auf einer Reise durch diese spannende Region durfte eine Stadtführung durch die Königin der baskischen Städte, Biarritz, natürlich nicht fehlen. Geschichte, Anekdoten und typische Lebensweisen wurden uns hier auf lebendige Art und Weise vermittelt. Ein ausgesprochen schöner Stadtkern mit pittoresken Gassen und edlen Palästen lässt den durch Walfang erworbenen Reichtum früherer Zeiten erkennen.

Gerhard Flumm in den Pyrenäen bei Espelette

Ebenfalls auf dem Programm stand ein Abstecher in die berühmt-berüchtigten Pyrenäen. „Pyrenäen?! Das ist doch nur was für Radprofis auf der Tour de France”, dachte ich. Schnell wurden wir beruhigt, dass es sich hierbei nur um deren Ausläufe handelt. Ein Kinderspiel also sozusagen. In die Pedale treten mussten wir dann doch etwas, wurden aber mit einem herrlichen Naturschauspiel und spektakulären Bergpanoramen belohnt.

Nach fünf Nächten in unserem Hotel in Biarritz ging es mit dem Transfer nach Pau. Eine dynamische, junge Stadt, die sich vor allem durch ihre beeindruckende Burg und malerische Gassen auszeichnet. Auf einem Plateau gelegen, bietet sie einen herrlichen Blick auf die Pyrenäenkette, welche vor allem bei Sonnenuntergang für romantische Stimmung sorgte.

Nicht nur mit Picknicks und Dinners wurden wir verwöhnt, sondern auch mit zahlreichen Verkostungen. So gab es Wein-,­ Käse- und Schokoladenproben, an denen sich Augen und Gaumen erfreuen konnten. Als es durch das Juraçon-Gebiet ging, sahen wir auch die Weinberge, auf denen die Trauben wachsen, die wir seit fast einer Woche in flüssiger Form zu uns nahmen.

30Mit der Zahnradbahn aufs Rhunemassiv

Auch eine Fahrt mit der berühmten Rhune-Bahn durfte natürlich nicht fehlen, eine kleine Zahnradbahn hinauf in das Rhunemassiv. Oben bot sich uns ein spektakulärer 360-Grad-Blick auf das Meer und die Pyrenäen, auf romantische Täler und herumspringende Wildpferde auf saftig grünen Weiden. Ich traute ich meinen Augen kaum.

Auch die baskische Architektur fand ich äußerst interessant. Weiß getünchte Häuser mit feuerroten Türrahmen und Fensterläden versprühten einen ganz eigenen Charme – ganz besonders in Espelette. Vor lauter Staunen vergaß ich fast unsere Verkostung, in der uns mehrere Sorten Paprikapulver in den verschiedensten Formen dargereicht wurden. Auch in Saint Jean de Luz schlug mein frankophiles Herz höher. Der einheitliche Stadtkern, der wunderschöne Strand und die außergewöhnlichen Kirchen waren kaum zu toppen.

Die Reise stellte sich für uns als absoluter Glücksfall heraus. Die Natur war atemberaubend, die Menschen herzlich, offen und sehr aufgeschlossen und das Essen einfach nur köstlich. Milde Temperaturen versüßten uns den Aufenthalt, und der tolle Service in den Hotels und durch die Reiseleitung sowie die gut ausgebauten Strecken machten den Urlaub zu einem herrlichen und eindrucksvollen Erlebnis.

Die „Route Pas de Roland“ führt durch ein enges Tal

30. März 2020

Katharina Garus

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