14 gefederte Sattelstützen im Test - Radtourenmagazin

14 gefederte Sattelstützen im Test

Sie filtern Schläge effektiv und sind einfach nachzurüsten: Wir haben das
Verhalten von
14 Federsattelstützen auf einer holprigen Teststrecke auf die Probe gestellt – besonders die Neuheiten aus den USA überraschten.

Text & Foto: Ingo Effing

Kopfsteinpflaster, aufgeplatzter Asphalt, Straßen wie Flickenteppiche, Baumwurzeln, die wie dicke Adern den Radweg untergraben: Die Beschaffenheit alltäglicher Leidenswege, auf denen Radfahrer unterwegs sind, ist vielfältig. Erlösung vom zermürbenden Dauerfeuer auf Gesäß und Wirbelsäule versprechen gefederte Sattelstützen. Waren die Stoßdämpfer früher eher bei Genussradlern und einigen Langstreckenfahrern beliebt, hat der allgemein zunehmende Wunsch nach mehr Fahrkomfort auch die Verbreitung gefederter Sattelstützen befördert und neue Hersteller auf den Plan gerufen. Vor allem an E-Bikes spielen die Komfortteile ihre Stärken aus, aber auch die steigende Nachfrage unter Straßenradfahrern und Gravelbikern wird inzwischen mit neuen leichteren Modellen bedient.

Richtungsentscheidung

Dem Aufbau nach unterscheidet man grundsätzlich zwei Arten von Federsattelstützen: Teleskopstützen, die in Richtung der Achse einfedern, und Parallelogrammstützen, die den Sattel in einem Kreisbogen zurücksetzen. Beide Typen haben ihre Vorzüge. Die axial gefederten Teleskopstützen sind im Prinzip sehr einfach aufgebaut. Der Sattel klemmt auf einem beweglichen Gleitrohr, das mehr oder weniger direkt auf dem im Schaft versteckten Federelement steht, in der Regel ist das eine Stahlfeder. Die schlanken Stützen sind unauffällig, relativ leicht und günstig, mitunter gehören sie auch zur Serienausstattung einiger Räder. Der Sattel bewegt sich beim Einfedern in Richtung der Achse auf das Tretlager zu. Damit verändern sich Sitzhöhe und der Abstand zu den Pedalen, was die Kraftübertragung der Beine auf die Kurbel beeinträchtigt.

Im Sattel spürt man vor allem Schläge, die beim Überrollen von Hindernissen vom Hinterrad ausgehen. Die Energie des Aufpralls trifft dabei auf die Hinterradachse und wird von schräg hinten auf den Sattel übertragen. Parallelogrammstützen nehmen die Kräfte aus ihrer Stoßrichtung entgegen und sprechen damit deutlich sensibler an als axial gefederte Modelle, was zu deutlich mehr Komfort führt. Die Sattelhöhe verändert sich dabei kaum, durch den zurückschwingenden Sattel ändert sich allerdings der Abstand zum Lenker. Parallelmodelle mit viel Federweg eignen sich daher weniger für Räder mit sportlich gestreckten Körperhaltungen. Bis zu vier Zentimeter bewegt sich der Sattel bei harten Schlägen nach hinten. Hängt man ohnehin schon mit gebeugtem Oberkörper auf dem Fahrrad, zieht die extra Streckung merklich an Rücken und Armen. Viel Federweg erhöht zwar einerseits den Komfort, andererseits gibt die Stütze dem Sattel weniger Halt und neigt eher dazu auch beim Kurbeln auf ebener Fahrbahn loszubrechen und mitzuwippen.

Wer maximalen Fahrkomfort sucht, ist mit der Long Travel Variante der G.2 und der SP12-NCX mit fünf Zentimetern Pufferzone gut beraten. Der „Sweetspot“ liegt nach unserer Einschätzung aber im Bereich um 30 Millimeter Federweg, hier gleichen die Stützen noch komfortabel aus, ohne dass sich störende Nebenwirkungen aufdrängen.

Das Mehrgewicht der Parallelogrammstützen und ein möglicher Kraftraub durch Aufschaukeln kann eher vernachlässigt werden, wenn man mit dem E-Bike unterwegs ist und dafür nicht direkt mit Beinarbeit bezahlt. Vom Federkomfort her sind die parallelen Stützen ihren axialen Artgenossen weit überlegen. Letztere schirmen weniger gut ab, lassen mehr Erschütterungen und Schläge von der Straße durch, fühlen sich insgesamt härter an.

Besonders die neueren Konstruktionen von Redshift und Kinekt überzeugen mit sehr feinfühligem Ansprechverhalten und verwandeln ruppige Pisten in glatte Bahnen. Vor allem die Kinekt bügelt wunderbar soft über den Parcours. Zum Graveln oder am E-Bike – die hochwertige Stütze kommt mit drei Paar Stahlfedern und kann flexibel der Tour angepasst werden. Mit 279 Euro ist sie allerdings auch die teuerste Stütze im Testfeld. Unter den Teleskopstützen überrascht die günstige Stütze von Rose auf der Teststrecke. Der sensible Stoßfänger schluckt – und das ist selten bei Teleskopstützen – auch die kleinen, feinen Schläge und puffert dynamisch unterm Sattel, so soll es sein.

Den kompletten Test lesen Sie im RADtouren GENUSS-Spezial 2020.

15. Mai 2020

Katharina Garus

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