Typenkunde Reiserad - Radtourenmagazin

Typenkunde Reiserad

Foto: Shutterstock

Für eine Radreise braucht es nicht viel, aber eines ist unabdingbar: ein Fahrrad. Die Frage ist aber: was für eines? Grundsätzlich kann man eine Reise mit jedem Rad unternehmen. Den Tagestrip sowieso, aber wenn’s sein muss, auch eine Tour um die ganze Welt. Ein gutes Reiserad zeichnet sich durch hervorragende Stabilität sowie höchste Belastbarkeit aus. Unterscheiden lassen sich vor allem sechs Typen, wobei die Grenzen zwischen den Modellen fließend sind.

Text: Katharina Garus & Pd-f

 

1. Expeditionsrad: Das Expeditionsrad ist der Inbegriff des Reiserads schlechthin. Technisch weitgehend reduziert, setzt es auf wartungsarme Komponenten und sehr haltbares oder leicht zu reparierendes Material. Eine Federung ist somit tabu, stattdessen schwören viele Weltenbummler auf einen Stahlrahmen, der zur Not überall auf der Welt geschweißt werden kann. Anstelle hydraulischer Bremssysteme werden oft einfache, per Bowdenzug betätigte Scheiben- oder Felgenbremsen bevorzugt, weil ihre Reparatur weniger Werkzeug benötigt. Wichtig für Reiseradrahmen: Stabilität und hohe Belastbarkeit sowie genügend Gewindeösen für Gepäckträger, Trinkflaschenhalter und dergleichen Zubehör.

Foto: Rennstahl

 

2. Komfortreiserad: Einen ganz anderen Weg beschreitet diese Spezies des Reiserades: Das Rad hat alles an Bord, von der Federung über Schutzbleche bis zur Hightech-Licht­anlage­. Ein Gepäckträger gehört natürlich auch dazu. Und trotz all der Ausrüstung, sind auch Komfortreiseräder durchaus für den harten Einsatz konzipiert und warten mit großen Reserven auf. Immer häufiger wird auch bei diesem Typ Rad der Komfort durch Elektrounterstützung erhöht.

Foto: pd-f/Mathias Kutt

 

3. Trekkingrad: Das Trekkingrad ist rein von der Nomenklatur für Trekking, also mehrtägige Radwanderungen, bestimmt. Es ist allerdings nicht so kompromisslos auf Reise getrimmt, wie das Komfortreiserad, verfügt aber ebenfalls über die wichtigsten Features: Gepäckträger, Schutzbleche, Licht. Eine Federgabel sorgt meist für den nötigen Komfort, Alurahmen für ein geringes Gewicht. Für ganz schwere Lasten und extreme Bedingungen sind Trekkingräder nicht unbedingt ausgelegt, dafür sind sie absolut altagstauglich und in der Regel deutlich günstiger als ein Komfortreiserad – und damit zumindest für Einsteiger und kleinere Touren oft ein guter und den Geldbeutel schonender Kompromiss.

Foto: Ingo Effing

 

4. Randonneur: Randonneure sind entweder leichte Expeditionsräder mit Rennlenker oder für die Radreise fit gemachte Rennräder. Sie werden meist bei sportlichen Radreisen mit leichtem Gepäck eingesetzt und sie fühlen sich vor allem auf Asphalt zuhause. Die Grenzen zur Gattung der Gravel-Räder (siehe Seite 60) ist fließend, denn wie diese erweitern Randonneure die Rennradtechnik um breitere Bereifung und vergrößern dadurch das Einsatzgebiet, ohne dabei ins Extrem zu gehen. Rennlenker und Scheibenbremsen aus der Ausstattungsliste der Gravelbikes werden oft ergänzt durch Gepäckträger, Schutzbleche und eine Lichtanlage.

Foto: Gaëlle Bojko/Bombtrack

 

5. Spezialreiseräder: Auch unter den Velo-Exoten finden sich zum Reisen hervorragend geeignete Räder: Bei einer Radreise mit vielen Transfer-Etappen in anderen Verkehrsmitteln kann zum Beispiel ein Faltrad eine hervorragende Wahl sein. Selbst an den wendigen Modellen mit kleinen Rädern kann man die üblichen wasserdichten Packtaschen anbringen, an denen man Radreisende auf allen Kontinenten erkennt. Oder ein Liegerad. Das ermöglicht mit seinem großflächigen Sitz eine sehr bequeme Körperhaltung und diese wiederum den oft gelobten Panoramablick. Und Tandems können eine tolle Option sein, um die unterschiedlichen Leitungsfähigkeiten heterogener Rieseduos auszugleichen.

Foto: Rob Thomson

 

6. Bikepacking: Pfadfindertum trifft Fahrradliebe, oder: Radreise ohne Reiserad – so lässt sich der Trend Bikepacking gut umschreiben. Denn hierfür werden vornehmlich sportliche Fahrräder ohne Gepäckträger genutzt: Mountainbikes, Rennräder, Gravel­bikes. Auf pflegebedürftige und defektanfällige Technik wird verzichtet – ähnlich wie bei den Expeditionsrädern. Das Gepäck verstaut man in speziellen Taschen im Rahmendreieck, an Sattel, Lenker und Gabelholmen – mit dem Ziel, das ausgewogene, sportliche Handling der Räder weitestgehend zu erhalten. Bei Mountainbikes geht es dabei zudem um die Geländegängigkeit.

Foto: Ortlieb

03. August 2020

Katharina Garus

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