Mama, Papa, schneller! - Radtourenmagazin

Mama, Papa, schneller!

Krisen- und wetterbedingt treibt es Familien gerade in die Parks und Wälder. Zur perfekten Ausstattung für den Ausflug gehören entweder Kinderwagen, Jogger, Anhänger – oder der dynamische „Speedkid“ von Queridoo.

Text & Foto: Timo Dillenberger

Was muss ein Kinderanhänger können? Möglichst viel Platz bieten, möglichst viel Gewicht tragen, am besten Drillinge vom ersten bis zum zehnten Lebensjahr sicher beherbergen? Manch einer ist geneigt, technische Daten und Werbeparolen dieser Art zu vergleichen. Aber nicht jeder braucht und will das maximal Mögliche. Für die hält Queridoo das 2020er Modell des „Speedkid“ bereit. Besonders die Variante mit einem Sitzplatz ist leicht, kompakt, einfach zu transportieren, natürlich wendig und nicht zuletzt „dynamisch“ einsetzbar. Das spürt man sowohl beim Einsatz als Trailer oder Kinderwagen als auch als Gefährt beim Wandern oder sogar Joggen.

Praktischer Minimalismus

An dem „Sportlichen“ aus der Queridoo-Produktpalette fällt gleich das geringe Packmaß auf. Der Anhänger passt locker in den Kofferraum eines Golfs. Bis zur vollen Einsatzbereitschaft braucht man mit etwas Übung nur 20 Sekunden. Räder und Deichsel werden aufgesteckt, die Kabine aufgeklappt und beidseitig arretiert. Für die beiden „Fahrmodi“ ohne Rad lässt man die Deichsel weg, klickt das kleinere Vorderrad ein und klappt den Schiebegriff zurück – der dient sonst übrigens als Überrollbügel. Genauso schnell ist der kleine Passagier mit dem Fünfpunktgurt befestigt und die Kabine geschlossen.

Im Unterschied zu anderen Modellen ist die vordere Luke nicht mit einem Reißverschluss oder Klett zu schließen, sondern mit umlaufenden Magnetbändern. Das geht schnell, einfach und ist vor allem verschleißfrei. Dafür ist die Kabine nicht ganz so stramm gespannt wie gewohnt. Selbst die Regenplane wird ausschließlich am unteren Ende festgeklettet.

Nicht nur wegen der kompakteren Maße ist der Alurahmen leichter als bei anderen Modellen. Das spürt man beim Verladen genauso wie beim Ziehen und Schieben. Trotzdem hat man nicht das Gefühl, auf Stabilität verzichten zu müssen. Nur in Sachen Extragepäck muss man mit sieben Kilo und etwa 25 bis 30 Litern kleine Abstriche machen. Der Passagier selbst darf bis zu 22 Kilo schwer und 116 Zentimeter groß sein. Geeignet ist der Speedkid damit laut Hersteller für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren.

Fällt auf, aber nicht um

Der einsitzige Speedkid1 ist zwar nur zehn Zentimeter schmaler als der zweisitzige beziehungsweise auch als die meisten Mitbewerber, er fährt sich aber trotzdem dynamischer als alle bisher getesteten Modelle. Weniger Gewicht und ein durch die Spurbreite weiterer Kurvenradius verleitet fast zum übertrieben flotten fahren. Offiziell gibt der Hersteller den Trailer für „nur“ 25 Kilometer pro Stunde auf Geraden und sieben in Kurven frei – das ist nicht unüblich und eine Vorsichtsmaßnahme des Haftenden, ein Schlingern oder gar Kippen müsste man aber durch Manöver und Geschwindigkeiten provozieren, die im Alltag unwahrscheinlich sind. Anteil daran hat nicht zuletzt die gute Federung, die unnötiges Wippen und Springen weitestgehend verhindert und damit wie bei Pkw erst die stabile Spur in Kurven ermöglicht. Zudem erhöhen die Blattfedern natürlich den Fahrkomfort. Hier gereicht das geringe Eigengewicht des Anhängers sogar eher zum Nachteil: Mit weniger als sieben oder acht Kilo, sprich einem sehr jungen Insassen*, ist das Fahrwerk eine Idee zu straff. Zwei Flaschen Wasser im hinteren Gepäckfach bügeln das aber problemlos aus.

Praktischster Vorteil des schmaleren Modells: Selbst enge Türen in alten Wohnhäusern sind leicht passierbar. Hier spielt das Multitalent dann einen weiteren Trumpf aus. Man muss nicht Platz für drei Wagen in der Wohnung finden, denn mit dem mitgelieferten Vorderrad sind Kinderwagen und Babyjogger obsolet. Der Clou: Das an sich frei drehbare Rad kann in Fahrtrichtung fixiert werden, sodass man den sonst hochwendigen Wagen nicht groß führen muss. Die Spurtreue ist zwar nicht ganz so stabil wie beim großen Bruder mit dem Vorderrad an einem weit ausgreifendem Ausleger, wir hatten beim Jogging-Test aber keinerlei Probleme. Im Gegenteil: Auch im Running-Modus schiebt sich der Wagen superleicht und dynamisch. Der kleine Passagier sitzt so tief zwischen den Rädern, dass er die Fahreigenschaften kaum beeinträchtigt. Und wenn die Schubstange richtig eingestellt ist, lässt sich der Wagen zum Richtungswechsel genauso leicht nach hinten kippen.

Fazit

Mit dem Speedkid1 oder auch dem Pendant für zwei Kinder bekommt man für relativ wenig Geld einen hochwertigen, funktionalen Anhänger, der besonders durch sein geringes Gewicht und Packmaß überzeugt. Viele Details sind vom etwas stabileren großen Bruder übernommen. Wer den Anhänger oft mit dem Pkw transportiert, ist mit diesem Modell gut beraten. Der größte Nachteil des leichten, sportlichen Wagens ist die geringere Nutzlast. Wer den Anhänger also zusätzlich als Transportgerät nutzen möchte, muss auf den klasse Faltmechanismus und die dynamischen Fahreigenschaften des Speedkid verzichten und eher den „Kidgoo“ wählen.

* für den Speedkid gibt es für Kleinstkinder eine Hängematte als Zubehör; eine Autoschale wie im Kidgoo kann nicht montiert werden

29. Juni 2020

Katharina Garus

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