Kaufberatung: gebrauchte Fahrrad-Schnäppchen aus dem Internet

Schnäppchenalarm – gebrauchte Fahrräder aus dem Internet

Für viele Radfans heißt das Zauberwort für den Kauf von Gebrauchträdern und Teilen „ebay“. RADtouren zeigt, wie der Zauber funktioniert und gibt Tipps und Alternativen im World Wide Web.

Fahrradflohmärkte entpuppen sich für den versierten Radfahrer oft als Enttäuschung. Sortiert man die „Krüppel“ und nicht tourentauglichen Bikes aus, bleibt selten eine Auswahl, wenn überhaupt eine passende Größe dabei ist. Die Chance auf einen Treffer und damit auch auf ein Schnäppchen erhöht man durch Vergrößerung des Suchradius, im Extremfall weltweit. Das geht nur übers Internet. Der Handel mit Rädern und Radteilen ist eine der stärkeren Sparten von ebay und Co.. Unter dem Schlagwort Trekkingrad warten rund 15.000 Artikel und über 5.000 Räder deutschlandweit auf einen neuen Besitzer, im Gegensatz zu lokaleren und kleineren Plattformen sind darunter auch etliche Neuteile von Händlern.



Etwa 500 ebay-Fährräder laufen unter dem Oberbegriff Reiserad, wobei diese Auslegung vom Anbieter der Auktion sehr breit getroffen wird, deshalb auch der erste Rat von RADtouren: Für den Onlinekauf von Gebrauchten ist mehr Fachwissen und Erfahrung nötig als im Laden oder auf einem Basar. Wer keinerlei Erfahrung hat sollte sich Hilfe holen. Aber sind Schnäppchen überhaupt noch möglich? Ein klares  Jein, denn mit der Vergrößerung des Einzugsgebietes erhöht sich auch die Zahl der Suchenden. Um gerade bei ebay seinen persönlichen Big Deal zu machen, müssen folgende Punkte zusammenkommen:

  • Das Bauteil oder Rad muss entweder so ausgefallen sein, dass nur sehr wenige danach suchen oder so trivial, dass es ein merkliches Überangebot gibt.
  • Der Bieter verfügt über genug Selbstdisziplin und setzt sich von Anfang an ein Preislimit, das sich am Neupreis orientiert. Viele Neulinge verzetteln sich im Bieterkampf!
  • Die Rahmenbedingungen müssen passen, z.B. möchten manche Verkäufer nicht versenden, Entfernung checken! Versandart und Porto in die Kaufentscheidung einbeziehen.
  • Die Beschreibung des Artikels und die Bebilderung muss alle möglichen Schäden oder Abnutzungen ausschließen, eine Haftung des Verkäufers ist nur dann möglich.

Absolute Sicherheit gibt es bei Onlineauktionen und Käufen aber nicht. „Private Verkäufer unterliegen keiner Gewährleistungspflicht, nur auf die gemachten Angaben kann man den Verkäufer festnageln“, so Christian Fronczak von der Verbraucherzentrale Deutschland. Fachhändler haften hingegen ein Jahr für ihre Ware, es sei denn, sie wurde als tatsächlich defekt verkauft. Der in Auktionen obligatorische Satz über Haftungsausschluss hat deshalb an sich keinen Wert, so Fronczak.
Gerade bei Sperrgütern mit hohen Versandkosten ist es aber sinnvoll, von vorneherein mögliche Reklamationen zu klären. Die Versandkosten für ein Komplettrad liegen im Übrigen zwischen 31 und rund 60 Euro, mit ausgebauten Laufrädern spart man zwar ein paar Euro, Schaltauge und Kettenblätter leiden so aber oft bei Transport. Tipp: Übernehmen Sie bei hohen Versandkosten das Porto und lassen Sie die Sendung abholen z.B. über www.iloxx.de.

Das kann nachträglich teuer werden: Poröse Reifen müssen runter!

Ferndiagnose

Hat man mit Hilfe der Suchtipps ein oder mehrere passende Bikes gefunden, gilt es mögliche Schwachstellen auszuschließen. Wer nicht gleich am neuen alten Rad basteln will, sollte besonders auf die Verschleißteile achten. Wenn nicht vorhanden, bitten Sie den Verkäufer um Detailbilder der Ritzel, Bremsbeläge und Flanken, Profilflächen und Seitenwände der Reifen. Hat das Rad Federungen, sollte auf den Bildern davon kein Öl um den Dichtring zu sehen sein, Gleiches gilt bei Hydraulikbremsen. Extrem blank geputzte Bikes  können in Ausnahmefällen Mogelpackungen sein, hier besonders aufmerksam nachhaken. Lassen Sie sich ebenfalls versichern, dass Steuerlager und Naben kein Spiel haben.

Zähne sollten symetrisch sein, nicht haiflossenförmig.

Da die Möglichkeit der Probefahrt ausfällt, lassen Sie sich Oberrohrlänge, Rahmenhöhe und den Abstand von Sattel und Lenker durchgeben bzw. recherchieren Sie die Daten z.B. auf Herstellerwebseiten. Vergleichen Sie besonders die Längen mit einem Rad, das Sie als passend empfinden. Tipp: Messpunkte abgleichen, im Allgemeinen jeweils die Mitte der Rohre.
Taktische Spielchen

Sind ein oder mehrere Kandidaten in der engeren Wahl, geht‘s ans Bieten bzw. Verhandeln. Gleichzeitiges Bieten auf mehrere Räder ist übrigens gefährlich, die Gebote sind juristisch verbindlich, kriegt man zwei Zuschläge muss man beide zahlen. Bei manchen Angeboten setzt der Verkäufer einen Festpreis an, dann gilt es nur zu klären, wie realistisch der zum Neuwert und der Abnutzung steht.

Auktionen funktionieren wie im Pfandhaus: Entweder man überbietet die Konkurrenz in kleinen Schritten bis zum selbst gesetzten Preislimit, oder man gibt gleich zu Beginn diese Schmerzgrenze ein und hofft auf den Einschüchterungseffekt. Ebay erhöht im Übrigen den Preis bei einem solchen Gebot nur auf den Betrag, der gerade so das nächsthöhere Gebot schlägt.
Eine Variante dieser Taktik ist das Bieten in letzter Sekunde. So kann die Konkurrenz nicht überlegen, ob sie nicht doch noch höher geht. Vorsicht, Ihr Computer braucht etwa acht Sekunden für das Gebot. Hierfür besser Bietprogramm nutzen wie „Schnapperplus“. Um Preise gegenzuchecken empfiehlt RADtouren „Baywotch“, bestes Suchtool: „Preishai“, Links finden Sie auf unserer Webseite.
Bleibt das Bezahlen: Am Sichersten ist immer noch der persönliche Kontakt, vergleichen Sie Kosten und Zeitaufwand einer Abholung. Vorteil: Weiß der Verkäufer von Anfang an, dass Sie persönlich kommen, wird er noch ehrlicher sein. Üblich sind aber Überweisungen und eine Art virtueller Treuhänder namens Paypal. Hier wird das Geld eingefroren, bis der Käufer sein O.K. zur Ware gibt, Kosten entstehen nur dem Verkäufer.
Fazit: Wer weiß, wonach er oder sie sucht, „Ferndiagnosen“ zu Material und seinem Zustand stellen kann und etwas Geduld mitbringt, hat online deutlich größere Chancen auf ein Schnäppchen als auf Basaren. Oberklasseräder jenseits von 2.000 Euro findet man jedoch selten. Die größten Einsparungen machen Bastler, die sich Einzelkomponenten zusammenstellen.

Weitere Suchtipps:

  • Sie kreativ und suchen Sie auch weniger offensichtliche Schlagworte.
  • Probieren Sie auch mal Schreibfehler aus, bei einem Treffer ist hier wenig Konkurrenz zu erwarten (siehe Bild).
  • Alle Plattformen bieten Beobachtungsfunktionen (Merklisten) an. Verschaffen Sie sich erst einen Überblick über Angebot und Preise, bevor Sie bieten.
  • Suchen Sie nach einem Bauteil, das Ihnen besonders wichtig ist, so findet man z.B. Räder, an die man gar nicht gedacht hätte.
  • Um Trekkingräder und Trekkingbikes gleichzeitig zu suchen: „Trekking*“ eingeben, um z.B. Nabenschaltungen auszuschließen „-Nabensch…“ nach den Suchbegriff stellen.
  • Schauen Sie auch mal über den Tellerrand, bei den schwankenden Währungen werden England und USA zum Schnäppchen-Himmel, trotz Porto und Zoll.
  • Nutzen Sie die Eingrenzfunktionen nach Preis, Umkreis oder Bauteiluntergruppen, um gezielter zu suchen (i.A. linke Spalte)

Weitere Portale:
www.kalaydo.de: keine Auktion sondern regionale Gebrauchtbörse, weniger Auswahl aber gute Preise, Käufer sind oft verhandlungsbereit.

www.quoka.de: riesige Auswahl mit regionaler Suchfunktion, nicht ganz so ausgereift wie ebay, weniger Besucher daher höhere Schnäppchenchance.

Text / Fotos: Timo Dillenberger

22. Dezember 2011

f.r. draha

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