Bekleidung: Nur nicht nackt! - Radtourenmagazin

Bekleidung: Nur nicht nackt!

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Die kalte Jahreszeit ist kein Grund, das Rad in die Ecke zu stellen – vorausgesetzt, Sie haben die richtige Ausrüstung. Einige Tipps, um im Winter warm zu bleiben.

Text: Katharina Garus

Nicht zu warm, um sich nicht nass zu schwitzen, und nicht zu kalt, um nicht zu frieren – so sollte sie sein, die perfekte Bekleidung für den Winter. So einfach ist das. Und so schwierig. Denn das richtige Maß und die passenden Kleidungsstücke zu finden, ist gar nicht so einfach – doch bei Leibe nicht unmöglich, wenn Sie ein paar Dinge beachten.

  1. Das Zwiebelprinzip: Ja, es ist zum Weinen, manche Dinge ändern sich einfach nicht. Und dazu gehört das Zwiebelprinzip. Gemeint ist damit nicht der nicht Beherrschbare Tränenfluss beim Schneiden des herbstlichen Gemüses, sondern das tragen mehrerer Kleidungsschichten übereinander. Auf der Haut Unterwäsche, darüber eine oder zwei wärmende Schichten und außen eine Isolation gegen die aktuellen Witterungseinflüsse wie Wind, Regen oder Schnee. So kann jede Schicht für ihre spezifische Aufgabe optimiert werden und bedarfsgerecht kombiniert ist man mit relativ wenigen Kleidungsstücken für jedes Wetter gewappnet – vom Hochsommer bis zum tiefen Winter.
  2. Schafe tragen kein Plastik: Fangen wir bei der Unterwäsche an: In Bergsteigerkreisen ist es schon lange bekannt, und auch die Radfahrer haben es inzwischen zu großen Teilen erkannt: Das Naturprodukt Wolle ist gerade bei der untersten Schicht diversen Funktionsmaterialien überlegen. Vor allem die Wolle des Merinoschafs mutet an wie Hightech: Sie transportiert das Wasser von der Haut weg und hält sie so trocken. Gleichzeitig speichert das Garn die Wärme und kühlt durch Kälteeinflüsse nicht abrupt aus. Für Unterhemden und auch für Socken ist Merinowolle deswegen absolut zu empfehlen!
  3. Warm ums Herz: Die zweite – und wenn nötig dritte – Zwiebelhaut ist die, die am besten auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden sollte. Temperaturempfingen ist extrem individuell, deswegen braucht eine Frostbeule auch mal zwei isolierende Schichten, wo ein Eskimo noch mit einer Zwischenschicht auskommt. Dicht gewebte Stoffe, dickeres Garn, angerauhte Innenseiten – das sind die Methoden, durch die die Zwischenschicht Wärme speichern soll. Auch Daunen können zum Einsatz kommen. Unser Tipp: Probieren Sie verschiedenen Kombinationen aus und entscheiden Sie individuell, welche Kleidungsstücke wie kombiniert bei welchen Temperaturen für Sie am besten funktionieren.
  4. Vom Winde verweht: Kommen wir zur Außenschicht. Hier ist vor allem im windigen Herbst wichtig, dass sie eben diesen vom Körper fernhält. Denn kalte Temperaturen alleine verträgt der Mensch eigentlich ganz gut. Zum Problem werden sie erst in Kombination mit Wind. Und da man beim Radfahren allein durch die Fortbewegung um Fahrtwind einfach nicht herumkommt, ist ein Windschutz eigentlich unumgänglich. Es gibt ihn bereits ins Unterhemd integrierte, wir würden ihn aber eher als Außenschicht empfehlen – je nach Temperatur in Form einer Weste, einer dünnen Windjacke oder einer vielseitigen Outdoor-Jacke.
  5. So dicht wie nötig, so durchlässig wie möglich: Neben dem Wind ist wohl vor allem der Regen der Feind des Radfahrers. Aber nur, wenn man ihm nicht gut gerüstet begegnet! Und hier sollten sie dann spätestens zum Einsatz kommen: die modernen Funktionsfasern. Die sollen auf der einen Seite wasserdicht sein, auf der anderen Seite aber auch atmungsaktiv. Sind sie letzteres nicht, bleibt man am Ende vielleicht von außen trocken, nicht aber von innen. Und weil der Spagat zwischen wasserdicht und atmungsaktiv nicht so ganz einfach ist, lautet unser Rat: Übertreiben Sie es nicht. Für eine Radreise brauchen die weder eine Jacke, die Sie auch auf den Mount Everest begleiten würde, noch eine, mit der Sie sich unter die Dusche stellen könnten.
  6. Einen Gang zurückschalten: Unser letzter Tipp bezieht sich nicht auf die Kleidung, sondern auf ihr Verhalten. Denn auch das sollten Sie den Witterungsbedingungen anpassen. Versuchen Sie bei kalten Temperaturen, möglichst wenig zu schwitzen. Machen Sie deswegen lieber eine flache Flussradtour, als eine bergige Reise. Denn bergauf kommen Sie vermutlich eher ins Schwitzen, als auf flachen Strecken. Damit sparen sie sich auch die Bergabpassagen, die im Sommer zwar Spaß machen, bei denen der Körper im Winter aber wegen Inaktivität und starkem Fahrtwind schnell auskühlt. Und fahren Sie im Zweifelsfall im Winter lieber ein bisschen langsamer als im Sommer.

13. Dezember 2020

Katharina Garus

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