Fahrbericht: das Aristos von Falkenjagd - Radtourenmagazin

Fahrbericht: das Aristos von Falkenjagd

Was geschieht, wenn man in Falkenjagds Baukasten ohne Rücksicht HighTech-Teile kombiniert? Dann kommt ein Luxus-Titan-Bike dabei heraus. Wir sind das  „Aristos“ in der Variante Randonneur Probe gefahren.

Text & Fotos: Timo Dillenberger

Bei Reiserädern gilt es als nicht schicklich, als erstes nach dem Gewicht zu fragen. Funktionalität und Stabilität stehen weit vor Leichtbau und Agilität. Bei einem Rad, das bis auf ein paar Achsen, Felgen und Schrauben aus Titan besteht, ist es aber durchaus erlaubt, sogar unbedingt! Ein voll ausgestattetes Reiserad mit etwas über 14 Kilo, das erspart nicht nur ein paar Watt beim Beschleunigen oder bergauf, das Handling des „Aristos“ von Falkenjagd gleicht dem eines hyperwendigen Gravelbikes – und tatsächlich kann man das Rahmenset auch als solches oder gar als reinrassiges Rennrad bestellen.

Die ersten Runden mit dem sündhaft edlen Bike drehten wir deshalb ohne jedes Gepäck. Beim Slalom durch Stadt und Park fällt neben dem verwindungssteifen Tretlager der unüblich steile Steuerrohrwinkel auf – erst recht durch die Kombination mit der schnurgeraden Gabel. Das Set ist wendig wie eine Springmaus, durch die mittels Rennradlenker vorverlegten Hände aber nicht hektisch oder flattrig. Das Oberrohr ist, verglichen mit einem Crosser oder Gravelbike, eher kurz, man sitzt also zusätzlich sportlich über Tretlager und Lenker. Durch die vielfältigen Griffpositionen am Lenker sollte aber jeder viele Stunden ermüdungsfrei sitzen können.

Seinen Gewichtsvorteil spielt das Edelrad dann genauso in flotten Kurven aus wie beim Beschleunigen. Ein paar Umdrehungen im Wiegetritt bringen einen gefühlt ohne Kraftverlust auf Schwung, explosive Spurts über Brücken quittiert das Rad mit völlig klassenuntypischem Vortrieb. Sollte der Hersteller aus dem Raum München versehentlich einen sportlichen Commuter oder Stadtflitzer aufgebaut haben? Dafür wäre die Ausstattung wieder übertrieben hochwertig. Die stylische Lichtanlage hätte noch gepasst, die Rohloff-Nabe wäre völlig übertrieben. Apropos: Wo ist der Drehschaltgriff? Der wurde wegrationalisiert und die Mechanik in die beiden Schaltbremsgriffe integriert. Links runter, rechts rauf, keine überflüssigen Hebel und Bowdenzüge, einfachste Schaltlogik und die Hände können an Lenker und Bremsen bleiben.

Klagen auf Oberklasseniveau

Bei den SRAM-Hebeln fiel etwas auf: Man konnte beide bis zum Lenker durchziehen. Das kann bei sich selbst nachstellenden Hydraulikbremsen mal passieren, aber durch die innenrotierte Montage am nach unten breiter werdenden Lenker geht der Hebel genau gegen den Lenker, nicht seitlich vorbei wie üblich, das brächte nochmal zwei Zentimeter mehr Weg für den Geberzylinder. Außerdem war es nicht ganz leicht oder zumindest ungewohnt, die Hände entspannt auf den „schief“ montierten Bremsgriffen abzulegen; der wuchtige Lenker ist unserer Meinung nach an solch elegantem Rad weder schön noch nötig. Tipp: Für 100 Euro weniger im Baukasten den Syntace Racelite wählen, der löst alle drei Griffprobleme und lässt etwas Budget, um gleich die Titan-Lowrider dazu zu buchen.

Denn trotz geringem Gewicht und edler Materialien, das Rad fühlt sich auch mit Gepäck sehr wohl. Besonders im Bereich Gabel hat hier offensichtlich eine deutliche Weiterentwicklung stattgefunden. Gut verteilt sind 20 Kilo auch kein Thema, zu hecklastig sollte das Rad jedoch nicht beladen werden. Nur: Zu viel Zuladung kostet wiederum den nahezu einzigartigen Fahrspaß, und den hatten wir zuhauf!

Fazit: Das Rad ist mit das Hochwertigste und Vielseitigste, das es auf dem Markt gibt. Wer keine Angst vor großen Summen hat, könnte hier vielleicht den Allrounder auf dem Radmarkt erwerben. Das Rad kann tatsächlich außer hartem Gelände alles, und das sogar jeweils richtig gut!

10. März 2020

Katharina Garus

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