Ausprobiert: Gudereit ET-12 evo Fat Tire - Radtourenmagazin

Ausprobiert: Gudereit ET-12 evo Fat Tire

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Die auf maximalen Komfort ausgelegte Variante des Gudereit ET-12 kombiniert beste Komponenten für Dämpfung und Fahrsicherheit mit der Bosch-Power der Zukunft. Das Modell ist noch nicht auf dem Markt, RADtouren durfte es aber
bereits testen.

Text und Foto: Timo Dillenberger

Wer zum ersten Mal in einer Oberklasselimousine über die Autobahn braust, verliert mit großer Wahrscheinlichkeit anfangs das Gefühl für die Geschwindigkeit, weil das große, hochwertige und komfortabel gefederte Fahrzeug solch eine Sicherheit und Ruhe vermittelt. Genauso geht es einem mit dem Gudereit ET-12: Es vermittelt einem selbst bei zügiger Fahrweise stets das Gefühl absoluter Beherrschbarkeit, Ruhe und Sicherheit. Bei der Zusammenstellung der Komponenten und dem Design des Rahmens war das ganz klar das Ziel.

Das beginnt mit den in dieser Radkategorie noch eher untypischen, großvolumigen 27,5er*-Pneus. Die alleine bringen schon so viel Komfort und Fahrstabilität, dass zusätzliche Federung gar nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Gudereit kleckert hier aber nicht und spendiert dem Rad eine der besten Federstützen am Markt: Die „Thudbuster“ ist eher hart und schluckt genau die Schläge, die die Reifen allein nicht dämpfen können. Gleichzeitig unterdrückt die Parallelogramm-Federung das nervige Wippen des Sattels. Die Gabel ist durch ein paar Schübe mit der Dämpferpumpe ebenfalls schnell so eingestellt, dass sie super mit dem Reifen harmoniert.

Multitalent

Durch den großen Federweg der Gabel baut der vordere Teil des Fahrrads ziemlich hoch. Mit einem Standardvorbau wäre die Sitzposition etwas zu aufrecht. Aber auch hier hat Gudereit offenbar mitgedacht und einen zweifach knickbaren Vorbau montiert, mit dem sich Sitzpositionen von Cruiser bis sportlichem Reiserad einstellen lassen. Tipp: Mit etwas mehr Gewicht vorne kann der Reifen seinen guten Grip auf den allermeisten Untergründen besser ausspielen. Im Test konnten weder Sandböden noch nasses Laub oder ruppige Wurzelpassagen das Rad aus der Ruhe bringen. Mit dem eher langen Radstand und einer leicht nach hinten verschobenen Sitzposition sind nur schnelle, enge Schlenker nicht so ganz das Metier des ET-12, alles andere meistert das Fahrwerk spitze. Auch beim Sattel und den Griffen hat Gudereit auf ergonomische Topprodukte gesetzt. Damit, und wegen des voll reisetauglichen Heckträgers, ist das Limit für lange Touren eher die Energiekapazität von Antrieb und Fahrer als die Bequemlichkeit des Bikes.

Kraftzwerg

Natürlich ist das ET-12 mit den wuchtigen Reifen und dem superstabilen Alurahmen weder ein Sprinter noch eine ausgewiesene Bergziege, aber man rollt so sanft dahin, dass einem kaum auffällt, wie flott der nagelneue Bosch CX-Motor der Performance Line einen gemacht hat. Der Klassiker ist zum Jahr 2020 um ein gutes Stück geschrumpft und auch etwas leichter geworden. Mit 250 Watt, 65 Newtonmeter Drehmoment und dem bekannten Intuvia-Computer am Lenker fällt aber die Überarbeitung zunächst kaum auf. Das liegt unter anderem daran, dass die untere Motorabdeckung nicht stumpf an den neuen Motor angepasst wurde, sondern der Linienführung wegen mit etwas Abstand um den „CX“ herumläuft.

Das Gewicht von nur noch 2,9 Kilo und die durch die Schrumpfkur bessere Lage am Rad würden bei einem sportlicheren Rad noch positiver auffallen. Am ET-12 sticht besonders die Geräuschreduktion des neuen Antriebs hervor. Er ist leiser und man spürt auch weniger Vibrationen an den Pedalen, das Naturerlebnis ist einfach größer.

Die Kraft des Motors kommt fast aus dem Stand zum Einsatz. Das Gudereit ist eh schon nicht überdurchschnittlich schwer, aber mit der Zusatzpower beschleunigt man das Rad spielend auf 25 km/h. Ein subjektiver Eindruck: Zumindest in den unteren Fahrstufen hat Gudereit die Kennlinie wohl etwas gerader gemacht. So beschleunigt das Bike im Sportmodus zum Beispiel zwar vehement, aber kontinuierlich und etwas weniger abrupt als Vorgängermodelle. Das passt wunderbar zum eingangs erwähnten sicheren Fahrgefühl.

Und mit der zusätzlichen Kraft kann man auch ruhig den Systemträger ordentlich beladen. Das Bike ist für insgesamt 140 Kilo zugelassen. Die haben wir im Test nicht ganz ausgeschöpft. Bei der Laufruhe und Steifigkeit sind zwei richtig volle Reisetaschen plus Topcase aber sicher kein Problem.

Gebremst wird fast standardmäßig mit der zuverlässigen Shimano „MT401“, die hatte immer noch Reserven und ist mit den guten Reifen nur schwer zu überbremsen.

RADtouren-Fazit: Wer das Rad konzipiert hat, wusste was er tut. Die Teile ergänzen sich wunderbar zu einem extremst komfortablen und reisetauglichen E-Trekkingbike. Die Kraft und Sicherheit aus Motor und Fahrwerk nebst Bremsen stehen auch jedem Pendlerbike sehr gut zu Gesicht. Gerade der flexibel einstellbare Vorbau macht den Allrounder sehr vielseitig einsetzbar. Man hat bei Gudereit aber nicht versucht, dem Rad auch noch die Eigenschaften mitzugeben, die es nicht braucht. Wer darauf verzichten kann, im Vollgas-Slalom durch Innenstadt oder Park zu hetzen, stattdessen aber flott, gediegen und entspannt ankommen will, der ist mit dem „ET-12 evo Fat Tire“ ebenso gut beraten wie mit einer Oberklasselimousine, nur dass die nicht für 3500 Euro zu haben ist.

* so werden extra großvolumige Reifen auf 26-Zoll-Felgen bezeichnet

02. Februar 2020

Katharina Garus

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