E-Bike-Fahrbericht: Contoura Caldera E mit Shimano DI2

Das Contoura Caldera E rollt auf dem trendigen MTB-Laufradmaß 27,5-Zoll und wird nach Maßgabe des Kunden aufgebaut. Wir haben ausprobiert, wie das Pedelec mit elektrischer Shimano DI2-Nabenschaltung den Redaktions-Maßstäben entspricht.

Was so ein bisschen Farbe am Rad im Schmuddelwetter ausmachen kann. Beim Ampelstopp mit dem Contoura Caldera E erhellen sich manchmal die Gesichter. Manche – meist weibliche – Passanten lassen sich zu Bemerkungen wie „schöner Farbton“ hinreißen. Anscheinend trifft das, Pastelltürkis, das wir beim Wunschradaufbau unter 12 möglichen Tönen gewählt haben, einen Nerv.

Der Ampelstopp ist überhaupt die Gelegenheit, bei der sich viele Vorzüge des Caldera E auf einmal zeigen. Zunächst beim Anhalten: Die für ein Pedelec richtig dimensionierten, nicht zu bissigen Scheibenbremsen bringen das Rad zuverlässig und wohldosierbar zum Stehen. Die Geometrie ist so ausgelegt, dass bei optimaler Sitzhöhe der Fuß noch gut auf den Boden kommt. Das gibt ein sicheres Gefühl. Kaum steht das Rad, vernimmt der Fahrer ein „sssssst“. Das rührt von der elektronischen Shimano DI2-Nabenschaltung her. Im Stand, ohne Druck auf dem Pedal, legt sie selbständig den geeigneten Anfahrgang ein. Etwas, das übrigens nur mit Nabenschaltungen wie der verbauten 8-Gang-Alfine geht.

Praktisch und robust: Racktime-Gepäckträger mit Vandalismus-sicheren integriertem Licht und "Schnittstelle" für Systemzubehör. Bild: Gathmann

Praktisch und robust: Racktime-Gepäckträger mit Vandalismus-sicheren integriertem Licht und „Schnittstelle“ für Systemzubehör. Bild: Gathmann

Dann das Losfahren: In unserem Stadt-Lieblingsmodus „Norm“, der mittleren von drei Unterstützungssufen, drängt das Rad unter kernigem Motorengeräusch schon zügig nach vorne. Die Gänge wollen schnell gewechselt werden. Das geht mittels einer Schaltwippe neben dem rechten Ergogriff auf leichten Knopfdruck. Wieder nimmt die Elektronik dem Fahrer die Denkarbeit ab: Der Motor regelt ganz kurz die Kraft runter. Dadurch können die Gangwechsel flüssig erfolgen. Grund: Wenn der Motor weiter beschleunigen würde, könnte die Schaltung im schweren Gang hängen bleiben. Das ist bei anderen Systemen des Öfteren der Fall und kann besonders am Berg ärgerlich sein. Und der Komfort des DI2-Systems lässt sich sogar noch steigern. Während unserer Testphase gab Shimano bekannt, dass sich die Schaltung kostenlos zu einer Vollautomatik aufwerten lässt. Die erledigt dann alle Gangwechsel, so wie Motor und Fahrer es brauchen. Zum Umrüsten muss lediglich die Software auf einen neuen Stand gebracht werden.

Viele Komfortpunkte

An Komfort fehlt es dem Contoura Caldera E auch ohne Automatik nicht. Der Grundstein dafür wird schon bei der Konfiguration gelegt. Der einfache Größenrechner des Hartje Konfigurators funktionierte für uns sehr gut. Nach dem Ausmessen der Schritthöhe und der Eingabe auf der Webseite mein-wunschrad.com empfahl er Größe „57“. Das gelieferte Rad überraschte uns zwar im Stand wegen seines „großen“ Aussehens. Das hohe Steuerrohr lieferte aber auf Anhieb eine ausgesprochen bequeme, leicht aufrechte Sitzposition mit einer ausgewogenen Gewichtsverteilung. Die Hände liegen genau da, wo sie von alleine hin wollen.

Mit Tretunterstützung rumpelt man schneller durch Schlaglöcher. Eine Sattelstütze wie das Contec-Modell möchten wir deshalb an einem E-Bike nicht missen. Sie funktioniert so gut, dass der weiche Sattel eigentlich gar nicht sein muss. Auch die dicken Schwalbe Big Ben Reifen sind ein probates Mittel gegen Holperstrecken. Ihr Profil bietet bei Ausflügen in die Natur außerdem auch auf Kieswegen und festem Waldboden noch ausreichend Grip.

Reifen im 27,5-Zoll Maß

Dass die Reifen das ungewöhnliche 27,5-Zoll-Maß besitzen spürten wir kaum. Was gut ist. Das Fahrverhalten ist im besten Sinne ausgewogen. Die Reifen unterstützten die Geradeausfahrt spürbar besser als 26-Zöller, widersetzten sich aber schnellen Richtungswechseln weniger als die größeren 29er – genau das richtige Maß.

In der Stadt komfortabel: Contoura Caldera aus der Hartje Manufaktur. Bild: Partzsch.

In der Stadt komfortabel: Contoura Caldera aus der Hartje Manufaktur. Bild: Partzsch.

Genau richtig bemessen für lange Radtouren empfanden wir die Fahrstufe „Eco“ des Shimano-Systems Die Unterstützung ist fühlbar, äußert sich aber so zurückhaltend, dass der Charakter des Radfahrens erhalten bleibt. Auch die Geräuschentwicklung des sonst eher zu lauteren zählenden Shimano-Motors stört in dieser Fahrstufe nicht. Nicht zuletzt erwies sich die Auslegung als energieaparend. Trotz einstelliger Temperaturen und mit 418 Wh durchschnittlicher Akkukapazität schaffte das Caldera E unsere Standardstrecke mit 799 Höhenmetern und einer Länge von 59 km ohne Probleme. Restreichweite: 19 km im Norm-Modus wären noch drin gewesen. Auch die sonstige Ausstattung ist dank kippsicherem Hinterbauständer und gutem Racktime-Träger für angenehmes Touren geeignet. Da ist die normale Gewichtszulassung von 120 kg schon ein Wermutsropfen.

Fazit:

Das Contoura Caldera E ist nach unseren Maßstäben ein rundum gelungenes Wunschrad: komfortabel aber leicht, wendig aber sicher im Geradeauslauf, insgesamt wartungsarm ausgelegt und sehr gut verarbeitet. Das 27,5-Zoll-Konzept überzeugt auf Anhieb. Gemessen an der sehr guten Ausstattung und der teuren Elektronikschaltung ist der Preis sogar ziemlich fair.

Technische Daten

Contoura Caldera E, 3.099 Euro: Pedelec bis 25 km/h; Rahmen: Alu; konifiziert; Gabel: Alu, starr, Lowrider-Ösen; Rahmenhöhen: He 49, 53, 57 cm / Da 49, 53 cm / Sports Curve 45, 49, 53, 57 cm; Radstand: 1.135 mm; Gewicht: 22,5 kg (mit Pedalen); zul. Gesamtgewicht: 120 kg (Rad+Fahrer+Gepäckträger); Antrieb: Shimano Steps 250 W-Mittelmotor E6000 (3 Unterstützungsmodi); Akku: Shimano Steps Li.Io., 418 Wh; Schaltung: Shimano Alfine DI2 8-Gang-Nabenschaltung; Entfaltung: 2,16 m – 6,61 m / Pedalumdrehung; Bremsen: Shimano Deore, hydr. Scheibenbremsen 180/160; Gepäckträger: Racktime (System+Bügel, 25kg max.); Licht: B&M Lumotec IQ Cyo T (70 Lux) + LED Rücklicht über Akku gespeist; Besonderheiten: winkelverstellbarer Vorbau, Contec Sattelstütze gefedert (Parallel). mein-wunschrad.com

Contoura Caldera E Bewertung

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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