Shimano-E-Bike-Naben lernen automatisches Schalten

Shimano bietet ab sofort eine Automatikschaltung für Pedelecs mit seinem Steps-System und DI2-Nabenschaltung an. Auch Nachrüsten soll möglich sein.

Mit einer neuen Firmware-Version, die Shimano seit dieser Woche zur Verfügung stellt, können laut Mitteilung des Unternehmens E-Bikes, die mit Shimano Steps (DU-E6001 und DU-E6010) und gleichzeitig mit Di2 8-Gang-Naben ausgestattet sind, künftig automatisch die Gänge wechseln. Dabei soll das System durch eine intelligente Programmierung die Vorlieben des Fahrers sogar lernen können, wenn dieser manuell in den Schaltbetrieb eingreift.

E-Bike mit Steps DI2

Mit Shimano Steps und DI2-Antrieb ausgerüstete Räder wie das Contoura Caldera E sind Kandidaten für das Nachrüsten auf Vollautomatik. Bild: Partzsch

Auf einem neuen Niveau präsentiert sich für Shimano Steps E-Bikes ab sofort das Schalten mit Shimano 8-Gang Getriebenaben mit elektronischer Di2-Technologie. Das System wählt zukünftig auf Wunsch automatisch den effizientesten Gang, indem unter anderem Geschwindigkeits- und Trittfrequenz-Daten sowie die Leistung des Fahrers, gemessen am „Druck“, den er auf das Pedal bringt, berücksichtigt werden. Auch bei aktivierter Automatik-Funktion können die bekannten Gangschalter am Lenker wie gewohnt genutzt werden.

Die neue Technik soll auch für sanftere Schaltvorgänge sorgen. Im Automatik-Modus verringert der Motor laut Shimano kurzzeitig die Antriebskraft, wenn ein Schaltvorgang ansteht. Dadurch sinkt die Kettenspannung und der Gangwechsel kann weich und zuverlässig ausgelöst werden, obwohl der Fahrer weiterhin wie gewohnt in die Pedale tritt. Weil der Fahrer der Bedienung des Schaltsystems keine Aufmerksamkeit mehr widmen muss, kann er seine Sinne voll auf die Verkehrssituation oder auch die Schönheit der Natur richten.

Shimano-Getriebenabe. Bild: Shimano

Shimano-Getriebenabe. Bild: Shimano

Welches Schaltverhalten richtig ist, hängt von einer Vielzahl äußerer Einflüsse wie Wind, Berge, Fahrergewicht oder Gepäck ab. Um dem Rechnung zu tragen, haben die Ingenieure von Shimano das Steps Automatik-System in verschiedensten Umgebungen, Geländeformen und Topografien auf Herz und Nieren getestet – von verkehrsreichen Innenstädten über Kopfstein-bepflasterte Dorfstraßen bis hin zu steilen Bergregionen. So soll sich selbst bei hohen Trittfrequenzen, hohem Leistungsoutput oder im Stop-and-Go-Verkehr stets die optimale Performance sicherstellen lassen.

Shimano stellt damit eine von Experten lang erwartete Innovation vor. Aufgrund der hohen Systemintegration des Systems sind die Erwartungen an die Schaltharmonie hoch. Wir sind gespannt, wie es funktioniert und werden hier demnächst berichten.

Bisher gibt es mit der NuVinci Harmony sowie der TranzX AGT lediglich ähnliche Systeme. Das TranzX-System wird immer auf markenfenfremde (Shimano)-Naben aufgesetzt. Die NuVinci-Harmony arbeitet mit einer eigenen Nabe und stellt auf Wunsch stufenlos die passende Übersetzung ein. Beide Systeme sind im Unterschied zu Shimano-Produkt aber nicht lernfähig. Laut Shimano überstimmt der Fahrer bei der Steps-Automatik durch manuelle Schaltvorgänge die Automatik und dann „lernt“ das System diese Besonderheit und ändert das zugrunde liegende Programm. Zukünftig sollen dann auch die automatischen Schaltvorgänge den Vorlieben des Fahrers entsprechen. Für Besitzer aktueller Shimano Steps E-Bikes mit Di2 8-Gang-Naben dürfte die Tatsache interessant sein, dass die Vollautomatik weder einen Neukauf noch den Austausch von Komponenten erfordert, sondern per Firmware-Update bei jedem Shimano Steps Händler nachgerüstet werden kann. Mehr dazu: shimano-steps.com

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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