Reiseblogger Carina & Marc: Frei von Zwängen und Terminen (3)

Unser Weg führte uns seit unserem Aufbruch am 24. September 2015 durch Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien, Rumänien und Bulgarien hinein in die Türkei. Nach 4.672 Kilometern befinden wir uns jetzt in Antalya, wo wir überwintern werden. Die Türkei kann kalt sein, sogar kälter als Deutschland. Verlässt man die Küstengebiete erwarten uns fast immer Berge, im Winter auch Kälte und Schnee. Demnach ist jetzt Pause, wir nutzen die Zeit zum Wandern und setzten uns im März 2016 wieder auf den Sattel.

Bis in die Südtürkei haben wir unzählige tolle Erfahrungen gemacht. Die meisten handeln von Begegnungen, Gastfreundschaft und natürlich von leckerem Essen. Seitdem wir in der Türkei reisen, legen wir an Gewicht zu, sogar auf dem Rad. Alles schmeckt und ist günstig. Oft kommen wir gar nicht zum Bezahlen, wir werden eingeladen zur Übernachtung samt Abendessen oder bekommen einfach Kleinigkeiten wie Brot oder Orangen zugesteckt.

Aber natürlich ist nicht alles Sonnenschein, es gab auch einzelne unschöne Ereignisse. Wir radelten in Bulgarien auf den Straßen die aus den größeren Städten herausführten immer mal wieder an sich anbietenden Prostituierten vorbei. Nicht zu unerwartet und zu schockierend, dennoch kann das in Kombination mit heruntergekommenen Gebäuden sehr sehr rau wirken und steht im krassen Kontrast zu unserem Fahrradalltag in der Natur. Deprimiert hat uns sonst noch brach liegender Tourismus in Bulgarien und Teilen der Türkei. Ganze Küsten vorbereitet auf Pauschal-Party-Tourismus, warten in der Off-Season dunkel und verlassen auf den Sommer und bieten uns ein trauriges Bild. Schnell weg!

Sonst aber lieber langsam, diese Freiheit genießen wir sehr. Ohne Ziel für den Abend, immer soweit, so schnell oder langsam wie wir möchten. Frei von Zwängen, von Terminen. Darum nutzen wir z.B. kein warmshowers.org und buchen keine Übernachtungen im Voraus, dies schränkt uns der Erfahrung nach zu sehr ein. Langsam, frei und ohne Zwänge. Also wenn wir einen Tipp an alle da draußen geben dürfen, die eine lange Radreise planen: Ein grobes Ziel ist gut, eine Karte mit den kleinsten Straßen darauf und ein gutes Rad. Alles weitere ergibt sich auf der Tour, vielleicht etwas teurer und gut möglich, dass das erhoffte Ziel nicht erreicht wird. Das macht nichts! Das Ziel ist doch eine tolle Zeit auf der Reise und auf dem Rad. Natürlich geht das nicht immer. Uns erwarten bald Einschränkungen, die wir nicht beeinflussen können, wie Konflikte und Visabestimmungen. Syrien ist natürlich tabu, aber auch die Südosttürkei ist derzeit voller Terror und Soldaten. Und vor uns liegen Länder, für die wir Visa benötigen. Somit müssen wir zu Konsulaten. Dies hat beschränkenden Einfluss auf unsere Route. Und dann kommt Zeitdruck dazu, durch die Visa. Iran vermutlich 30 Tage, Turkmenistan maximal fünf Tage, wenn überhaupt. Herausforderungen mit denen wir schon klar kommen, die aber sehr unser Gefühl des „Treiben lassen“ und der Freiheit einschränken. Es gibt immer einen Weg und falls nicht, dann eben einen anderen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*