Bikepacking Packliste 1– Gepäck für ein Rennrad oder Crossrad

Bikepacking ist die neue Art des spontanen Tourens mit dem Rad. Wir haben bei einem Nicolai Argon Radonneur mit Bikepacking-Equipment einmal beispielhaft in die Taschen geschaut.

Bikepacking heißt eine Form des Radreisens, die sich in Nordamerika wachsender Beliebtheit erfreut. Gemeint sind kurz gesagt Radtouren mit minimalistischem Gepäck. Weil dabei das Rad selbst als Träger dient – und keine Gepäckträger am Rad angebaut werden – lehnt sich der Name an das „Backpacking“ an, das Wandern mit leichtem Gepäck. Das Schöne an dem Trend für Radfahrer: Das Bikepacking bringt auch eine Vielzahl passender Ruckäcke für das Rad hervor. Das sind Taschen für den Rahmen, die Sattelstütze, den Lenker und das Oberrohr, in denen sich eine ganze Reiseausrüstung unterbringen lässt. Mit diesen Frame-, Saddle-, und Handlebar-Bags, wie sie im Land ihrer Erfindung heißen – lässt sich beinahe jedes Rad in ein Reiserad verwandeln: vom Fatbike, das den Trend auslöste, weil es dafür keine Träger gab, über vollgefederte Mountainbikes bis hin zum leichten Carbon-Rennrad, das naturgemäß ebenfalls meist keine Ösen für den Anbau von Gepäckträgern besitzt, an denen sich klassische Packtaschen einhängen ließen.

Nicolai Argon, Bikepacking

14,31 Kilo wiegt das vollbepackte Nicolai Argon CX. Foto: Partzsch.

Das Bikepacking verlangt allerdings eine gewisse Umsicht bei der Gepäck-Zusammenstellung. Einfach alles in die großen wasserdichten Taschen stopfen, zur Not noch einen dicken Packsack obendrauf – das geht eben nicht. Dennoch geht eine ganze Menge in die Taschen, wenn man das Outdoor-Equipment ohne Blick auf das Portemonnaie nach Kompaktheit und niedrigem Gewicht zusammenstellt. Was alles passt, konnten wir bei unserem Fahrbericht (RADtouren-Magazin 6/15) des Nicolai Argon als Bikepacking-Randonneur feststellen. Den stellte uns der Hersteller mit einem kompletten Taschenset samt Inhalt für Fahrtests zur Verfügung. Hier zeigen wir, welche Taschen zum Einsatz kamen und was drin war.

4 Taschen machen aus dem 10,1 Kilo leichten Nicolai Argon CX eine Fahrmaschine für schnelle Touren:

1 Satteltasche: Revelate Designs Terrapin. Revelate Designs aus Alaska ist einer der Pioniere des Bikepackings. Die Satteltasche Terrapin ist eigentlich eine Kombination aus Holster und wasserdichtem Packsack. Das Holster wird über Riemen an Sattel und Stütze verzurrt und wiegt ca. 360g. Der Packsack mit Rollverschluss kann bis 14l Gepäck wasserdicht unterbringen. Das ist etwas mehr, als ein Ortlieb Frontroller Classic schluckt, bei allerdings niedrigerem Gewicht.

2 Oberrohrtasche:Revelate Designs Jerrycan. Mit ca. 500 ml Volumen ein kleiner Stauraum, zwischen Sattelstütze und Oberrohr gespannt. Am Nicolai Argon CX war sie gepackt mit allem, was man für eine Kaffepause zwischendurch braucht. Titantasse, Spiritus-Kocher aus Cola-Dosen, Spiritus zum Befüllen, Löfffelgabel (ebenfalls Titan), Kekse (zum Essen). Eine deutschsprachige Anleitung zur DIY-Herstellung des ultraleichten Cola-Dosen-Kochers findet man unter dem Suchbegriff „5-Cent-Stove“ oder auf youtube.

3 Oberrohrtasche: Revelate Designs Gastank. Die Tasche klemmt zwischen Steuerrohr und Oberrohr, also in Griffnähe. Daher ist sie ideal, um Proviant für die Fahrt zu lagern. In unserem Fall passte außerdem eine komplette Werkstattausrüstung mit Minitool, Ersatzschlauch, Putzlappen in das
100g leichte kleine Täschchen.

4 Lenkertasche: Ortlieb Ultimate 6 Pro. Die wasserdichte, nach IP54 geschützte Tasche hat als Clou ein wasserdichtes Staufach im Deckel, in dem ein Smartphone oder Tablet unterzubringen ist. Das Display bleibt recht gut sichtbar und die Bedienung funktioniert ebenfalls auch durch die Hülle noch gut. Die abschließbare Ortlieb Ultimate 6 pro Lenkertasche darf maximal mit 3kg beladen werden. Der Deckel schließt über einen Magnetverschluss. Die mit einem Handgriff abnehmbare – aber auch am Halter festschließbare – Lenkertasche eignet sich hervorragend für den Transport von leichten Kameras, Kartenmaterial, Wertsachen etc.

Was die nur rund 4kg leichte Reiseausrüstung für eine Wochenendtour bei sommerlichen Temperaturen im Kern ausmacht, stellen wir hier kurz zusammen. Die größte Gewichts- und Platzersparnis steckt dabei natürlich im der Outdoor-Equipment, das sich mit Ausnahme von Kocher und Besteck in der Satteltasche verbirgt.

Der Inhalt der Satteltasche ausgepackt. Foto: Partzsch.

Der Inhalt der Satteltasche ausgepackt. Foto: Partzsch.

1-Personen-Zelt: Vaude Lizard Gul 3 Seasons. Mit nur rund 690g (Herstellerangabe) und einem Packmaß von 39 x 12cm eines der leichtesten und kompaktesten Zelte auf dem Markt. Trotzdem weist der Boden laut Vaude mit 10.000 mm eine hohe Wassersäule auf. Das Zelt ist PVC-frei. Preis: UVP 600 Euro.

2 Iso-Matte: Vaude Air Matress. Mit 400g und einem mini-Packmaß ebenfalls ein passendes Produkt zum Bikepacking. Preis: UVP 60 Euro

3 Vaude Ice Peak 150. 450 g leichter Daunenschlafsack (90/10 Entendaune) mit einer Länge von 2m (eigentlich etwas zu lang für die Iso-Matte). Er gehört zur besonders umweltfreundlich hergestellten Green Shape Kollektion von Vaude und die Materialien sind darüber hinaus bluesign-zertifiziert. Preis: ab 280 Euro (Online-Preis Stand 21.10.15).

4 Giro Mobility Overshort. Short zum Wechseln nach dem Radfahren, die sich aber auch auf dem Rad gut tragen lässt, dank passendem Schnitt. Material: Baumwoll-Elasthan-Mix. Preis: ca.90 Euro (online).

5 Funktions-Unterwäsche zum Wechseln: Vaude Men’s Seamless Light Shirt. Ebenfalls nach dem Green Shape-Anforderungen von Vaude produziert und zugleich mit 71g sehr leicht. Preis: UVP 53,00 Euro.

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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