Reiseblogger Carina & Marc: Mit dem Rad nach Tibet (1)

Im nächsten Jahr begleiten wir die beiden Reiseradler Carina und Marc, die sich im September auf den Weg gemacht haben, um von Kronberg im Taunus nach Tibet zu fahren. Auf ihrem Blog und Facebook berichten sie immer wieder von unterwegs. Bei uns veröffentlichen sie online und im Magazin ausführliche Einblicke in ihren Reisealltag in Bild und Wort. Wir sagen gute Reise und sind gespannt auf die Geschichten vom Wegrand. 

Vorbereitung und Abschied

Carina und Marc

Die beiden Reiseradler: Carina Bräutigam und Marc Schiff-Francois. Foto: Carina&Marc.

Jetzt ist endlich der Start geschafft. Wir rollen, sitzen im Sattel und freuen uns.
Es war schon ein langer Weg bis zum ersten Kilometer auf unseren Rädern. Wir werden immer wieder gefragt, wie wir auf die Idee kamen. „Das ist ja nicht der nächste Weg! Einfach mit dem Fahrrad nach China, wie kommt ihr auf diese Idee?“

Marc: Als ich meine erste Radreise quer durch die USA machte, gefiel es mir sehr gut. Allerdings war ich für drei Monate immer im gleichen Land. Zwischen Florida im Osten und Washington im Nordwesten unterscheiden sich die Orte und Menschen fast wie in Europa, aber es fehlte immer ein wenig der „Kulturschock“. Hier entstand bereits der Wunsch mit dem Rad über viele Grenzen zu fahren und dabei den unterschiedlichsten Menschen und Kulturen zu begegnen. Als ich Carina vor zwei Jahren von der Idee erzählte, war sie noch nicht gleich begeistert. Allerdings habe ich sofort, aber mit einem Lachen behauptet: „Wir zwei radeln mal nach China!“

Carina ist Anfang 2015 eingestiegen, nachdem sie sich durch Radreise Bücher und Blogs gelesen hatte.

Carina: Die meisten Zweifel vergingen, als ich feststellte, dass viele andere Radfahrer in den Ländern unterwegs sind, die auf unserer Route liegen. Und diese Radreisenden waren zum Start ihrer Tour auch nicht super in Form und berichten fast nur tolle Geschichten über ihre Zeit im Sattel und in den Ländern. Und sobald man sich ein wenig mit den sehr fremd klingenden Ländern beschäftigt hatte, wie z.B. Iran oder Tibet in China, verliert man die Scheu und hat nur noch Lust das Land zu bereisen. Auch oder sogar speziell durch die muslimischen Regionen, bei denen ich als Frau zunächst größere Bedenken hatte. Aber hier wird halt die schöne Radhose gegen Vollverschleierung eingetauscht!

Und sofort gingen die Vorbereitungen los.Wir verbrachten lange Tage mit der Routenplanung und viele Stunden mit der Suche nach dem richtigen und vor allem notwendigen Equipment.

Die Ausrüstung

Die Ausrüstung für die nächsten 12 Monate. Foto: Carina&Marc.

Aufbruch geht nicht wirklich zu jedem Zeitpunkt, wenn man das zum Teil sehr kalte und heiße Klima auf dem Weg und in China und Tibet bedenkt. Wann brechen wir also auf?
Im Frühjahr, das bedeutet einen kalten Start und einen unglaublich heißen Sommer im Süden am Schwarzen und Kaspischen Meer. Wir wollen nämlich unbedingt durch den Iran, da hat es im Sommer dann locker 45 Grad. Also lieber im Herbst starten und vor dem Winter in Deutschland flüchten.

Und dann die Route selber, zumindest grob. Wo soll es ungefähr lang gehen?

Routenplanung

Routenplanung mit Fragezeichen. Foto: Carina&Marc.

Schnell an die Donau, um die Beine im flachen und gut ausgeschilderten Gelände an die Dauerbelastungen im Sattel zu gewöhnen. Vielleicht einen kleinen Umweg über Griechenland, da können wir vermutlich im November noch Baden? Dann nach Istanbul und große Teile der Türkei, wo wir auch unsere Winterpause verbringen wollen. Weiter durch den Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und China bzw. Tibet. Geplant heißt nicht fix, wir legen großen Wert darauf die Route kurzfristig zu ändern und dorthin zu fahren, wo es uns gefällt, Empfehlungen anderer einzubauen und wir achten auf die aktuelle politische Lage in den Regionen.

Was nehmen wir mit und welche Räder sind geeignet für die lange Tour?

Unsere treuen Reisebegleiter

Unsere treuen Reisebegleiter. Foto: Carina&Marc.

Wir haben uns für klassische Reiseräder von Tout Terrain entschieden um für jeden Untergrund trotz viel Gepäck vorbereitet zu sein. Das Silkroad ist aus Stahl (Rahmen und Gabel), verfügt über breite und stabile 26 Zoll Laufräder. Dazu haben wir uns für eine relativ einfache Kettenschaltung (Shimano Deore SLX) entschieden. Neben sehr stabilen Komponenten nutzen wir überwiegend Standardkomponenten, um weltweit gut an Ersatzteile zu kommen. Unsere Kleidung, Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, technische Geräte sowie Kocher, Essen und Trinken passen in 2×2 Vorderrad- und Hinterradtaschen und in den Rucksack auf dem Gepäckträger. Während der Fahrt liegen die Rucksäcke auf dem Gepäckträger, aber eigentlich haben wir die Rucksäcke für unsere Wanderungen in der Südtürkei (Lykischer Weg), Osttürkei (Ararat) und natürlich in Tibet (Mt. Kailash und Everest Basecamp) dabei. In die Lenker-/Oberrohrtaschen kommen unser Kleinkram, die Dinge die wir auf dem Weg finden und nicht lange verräumen wollen wie bspw. Äpfel und Nüsse vom Wegesrand und unsere zu ladenden technischen Geräte. Oben auf dem Gabelschaft befindet sich nämlich unser Stromanschluss „the plug“. Ja, wir machen unseren eigenen Strom, alle unsere Geräte werden durch unsere Pedalumdrehungen gespeist (auch dieser Text ist mit 100 Prozent Öko-/Pedalstrom geschrieben).

Bei allen Planungen halten wir uns an konkretes wie die Route am allerersten Tag, oder ob wir unsere Zahnbürsten und Kreditkarten eingepackt haben. Von Außen, also Freunden, Kollegen und Verwandten werden wir häufig über weit entfernte Anforderungen ausgefragt. Habt ihr schon Visa für China? Kennt ihr eigentlich die Lage in Syrien? Kann Carina als Frau überhaupt durch den islamischen Iran? Und so weiter und so fort. Das ist etwas schwierig. Es gilt zu Beginn so viel zu organisieren, da reicht die Zeit kaum aus. Über alles, was in der Ferne liegt, haben wir grob geprüft, ob es geht. Wir haben einen ungefähre Idee, wie wir das machen und wissen, dass andere es schon vor uns geschafft haben. Aber planen, genau wissen was kommt, das geht nicht und das wollen wir auch nicht. Es geht ja auch um diese Freiheit, es muss nicht alles vorneweg voll organisiert sein. Vor Ort oder zumindest in der Nähe findet sich dann ein Lösung – oder ein neuer Weg.

Die letzten Tage vor der Abfahrt hieß es Abschied nehmen von Freunden, Verwandten und Kollegen. Und auch von unserem Besitz. Die Wertstoffmitarbeiter nahmen meinen uralten PC entgegen – „Der lohnt sich jetzt echt nicht mehr einzulagern“ –, viel zu schnell verschwanden die herunter gelebten Möbel im Sperrmülltransporters – „Schade, dass die Sachen die Flüchtlingshilfe nicht brauchen konnte“ – und auch die Wohnung in Idstein war in Null-Komma-Nix leer – „Hier müssen Sie aber nachputzen Herr Schiff-Francois, das ist nicht 100 Prozent sauber!“ – grrrrrrrr. Dann ging es los, am sonnigen Morgen des 24. September 2015. Endlich!

Abfahrt in der Nähe von Frankfurt

Auf die Plätze, fertig, los… nach Tibet! Foto: Carina&Marc.

Lest mehr in Teil 2 …

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