Wissenswertes zum Thema Licht

Die im Dunkeln – sieht man doch. LED-Lichtanlagen, der Nabendynamo und kluge Verkabelung machen die Fahrradbeleuchtungen zuverlässiger, zumindest an Neurädern. Wie man die eigene Lichtanlage hell erstrahlen lässt und wo sich Tuning lohnt, klärt unsere Kaufberatung.

kw_Aufmacher Licht Foto Gathmann

Licht am Fahrrad ist Pflicht – am besten mit einer Dynamo-Lichtanlage. Foto: Gathmann.

Sehen und Gesehen werden ist entscheidend für eine sichere Fortbewegung bei Dunkelheit. Verständlich, dass die Polizei in zahlreichen Städten im Herbst verstärkt die Lichtanlagen der Radler kontrolliert. Ist keine Anlage vorhanden, ist sie nicht betriebsbereit oder verdeckt/verschmutzt, können 20 Euro fällig werden, wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet wurden auch 25 Euro; 35 Euro, wenn es deswegen zum Unfall kam. Zu beachten ist auch, dass Radfahrer ohne intakte oder eingeschaltete Lichtanlage bei Dunkelheit in Bezug auf Haftung und Schadensersatz ein erhebliches Risiko eingehen.

Was ist Gesetz?

2013 wurden die Regelungen für Beleuchtung am Fahrrad gelockert. Akku- oder batteriebetriebene Leuchten, die bisher nur an Rennrädern unter 11 Kilo genutzt werden durften, sind nun für alle Fahrradtypen freigegeben, solange sie StVZO-zugelassen sind. Dies wird vom Kraftfahrt-Bundesamt geprüft und mit einem amtlichen Prüfzeichen bestätigt: einem Wellensymbol, dem Buchstaben „K“ und einer Ziffernfolge. Obwohl batteriebetriebene Front- und Rücklichter eine gute Alternative zu Dynamo-Leuchten sind, empfehlen wir dennoch grundsätzlich eine Dynamo-Lichtanlage.
Mehr über aktuelle Akku- und Dynamoleuchten kann im Lichttest 2015 nachgelesen werden (jetzt hier als PDF herunterladen oder am Kiosk kaufen).


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Test 2015: Scheinwerfer und Rücklichter | Ausgabe: 6/15
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Welcher Dynamoscheinwerfer macht Sinn?

Glühbirnen sind passé. LED-Scheinwerfer leben länger und leuchten mindestens genauso hell. Standlicht sollte der Scheinwerfer haben. Ab 15 Euro bekommt man Marken-Einsteigermodelle der LED-Scheinwerfer, die eine hohe Leuchtkraft schon bei niedrigen Geschwindigkeiten bieten. Richtig lohnt sich der Schritt zur LED aber in der Mittelklasse mit Modellen wie dem Trelock Bike-I-Trio oder dem b+m Fly IQ, die zu „Straßenpreisen“ um 40 Euro zu haben sind. Sie bieten schon für schnelle Fahrt und schlechte Wege gute Lichtbilder. Wer auch im Dunkeln ganz schnell unterwegs ist, braucht extra starke Scheinwerfer der 60-Lux-Klasse wie den b+m Cyo, den SON Edelux oder Philips Safe Ride LED 60 Lux, die im RADtouren-Test Bestwerte erzielten und ab circa 60 Euro zu haben sind. Sie leisten gut das vierfache günstiger Modelle bei gleichem Stromverbrauch. Ermöglicht wird das durch eine effizientere Schaltelektronik, hochwertige selektierte LEDs sowie eine effektive Kühlung.
Aber nicht nur die Lichtstärke zählt. Wer abseits beleuchteter Strecken fährt, merkt schnell, dass auch die Form der Ausleuchtung entscheidend ist. Angenehm ist eine möglichst gleichmäßige Lichtverteilung ohne blinde oder überhellte Bereiche. Ein langes Lichtfeld in Fahrtrichtung ist wichtig, um bei verschiedenen Geschwindigkeiten die jeweils anvisierten Bereiche gut zu erhellen. Eine breite Ausleuchtung erleichtert sichere Kurvenfahrten. Mit einer zusätzlichen Stirn- oder Helmlampe kann sogar die Kurve ausgeleuchtet werden, bevor der Lenker eingeschlagen wird. Im Straßenverkehr ist diese Extrabeleuchtung aber nicht erlaubt. StVZO konformes Fahrlicht nah am Autolicht schafft angeblich der neue b+m Luxos Scheinwerfer, den wir aber noch nicht testen konnten.
Unser Montage-Tipp: Hochwertige Scheinwerfer werden oft ein Opfer von Langfingern. Einen guten Schutz bieten stabile Halter, welche sich auch mit Sicherheitsschrauben, zum Beispiel von Pit-Lock kombinieren lassen.

Licht-Test 2011

Wie stelle ich den Scheinwerfer blendfrei ein?

Weil moderne Scheinwerfer hell leuchten, können sie auch blenden. Ein Test der Zeitschrift fahrradzukunft.de ergab Blendwerte auf Autoniveau für falsch eingestelltes Licht. Faustregel: Bei einer Autolänge Abstand sollte der Lichtkegel etwa auf Stoßstangenhöhe des vorausfahrenden Autos enden. Anders gesagt: Der hellste Punkt sollte in etwa zehn Metern Entfernung vor dem Rad liegen.

Lohnt sich Tagfahrlicht?

Tagfahrlicht, wie es manche Hersteller anbieten, hat sich bei unseren Fahrversuchen als blendärmer und zugleich deutlich besser sichtbar erwiesen als einfach „eingeschaltetes Licht“. Kleine, verbrauchsarme Zusatz-LEDs erhöhen dabei die Sichtbarkeit, sobald das Rad in Bewegung ist. Durch den geringen Verbrauch steigt der Rollwiderstand nur unmerklich. Das macht für Vielfahrer in der Stadt richtig Sinn. In jedem Fall ist es ein Tipp, das normale Licht immer leuchten zu lassen, wenn sich ein (hochwertiger) Nabendynamo im Vorderrad dreht. Die Kraftverluste sind kaum zu spüren, den Sicherheitsgewinn merkt man aber sofort. Unbedingt selbst testen!

Was ist ein gutes Rücklicht?

Gute Rücklichter erkennt man schon von Weitem. Sehr gute Modelle wie die Phillips Safe Ride- oder b+m-Modelle mit Line-tec erzeugen einen Lichtbalken, der Nachfahrenden die Entfernungs-Abschätzung erleichtert. Wichtiger: Das Rücklicht sollte geschützt angebracht sein, etwa zwischen den Gepäckträger-Rohren. Beachten Sie beim Kauf eines Rücklichts für Gepäckträger den Lochabstand. Manche Rückleuchten sind nur für 50 mm oder 80 mm Lochabstand geeignet.
Tipp: Die Racktime Gepäckträger-Modelle mit dem Zusatz Shine und das Modell iValo besitzen ein zerstörungssicher integriertes Rücklicht mit Standlicht. Da die Gepäckträger ohnehin im City- und Touren-Einsatz praktisch sind und nicht viel mehr kosten als ein Top-Rücklicht, lohnt es sich, Gepäckträger-Tuning mit Licht-Tuning zu verbinden. Überlegenswert ist auch, zusätzlich ein batteriebetriebenes Rücklicht zu installieren. Im Gegensatz zum Scheinwerfer ist das auch im Straßenverkehr erlaubt, wenn das Rücklicht eine Zulassung hat.

Brauche ich ein Bremslicht?

Hersteller b+m bietet sein Top-Rücklicht mit Line-tec auch mit Bremslichtfunktion an (brake-tec). Der Nutzen ist dann hoch, wenn häufig aus hohen Geschwindigkeiten stark gebremst wird, was überwiegend Pedelec-Fahrer betreffen wird.

Warum ein Nabendynamo?

Mit Nabendynamos fährt man sorgenfrei. Geräuschlos und ohne Schlupf, fest eingespannt in der Gabel wandeln sie die mechanische Energie in elektrische um. Gute Seitenläufer-Dynamos machen nur aus circa 30 Prozent der Bewegungsenergie Elektrizität. Das doppelte schaffen Nabendynamos mit rund 60 Prozent. Bezogen auf den Rollwiderstand entspricht das ungefähr dem Unterschied zwischen sehr niedrigem und korrektem Luftdruck in den Reifen. Bei Nabendynamos gibt es große Qualitäts- und Preisunterschiede. Einstiegsvarianten wie der Shimano DH3N30 schlucken im Leerlauf und mit eingeschaltetem Licht zwar fühlbar mehr Tretenergie als hochwertige Modelle. Der Unterschied ist aber so gering, dass er vor allem für sportlich orientierte Fahrer relevant wird. Ein viel wichtigeres Kaufkriterium ist, vor allem für Vielfahrer, die Qualität der Dichtungen, die nur bei den teuren Modellen für Ganzjahresfahrer taugen. Nabendynamos kauft man am besten als ganzes Laufrad. Ein zweckmäßiges Trekking-Laufrad mit einfachem Nabendynamo ist im Rose-Versandhandel ab 63 Euro zu beziehen, inklusive zehnjähriger Garantie. Ein fertig eingespeichtes, reisetaugliches Laufrad mit SON28- oder SONdelux-Nabendynamo und Rigida Sputnik-Felgen gibt es bei Schmidt ab 269 Euro, bei Laufradbauer Whizz-Wheels ab 289 Euro. Das Aufbauen eines Laufrades mit einem vorhandenen Nabendynamo kostet im Handel zwischen 45 und 75 Euro.

Wie mache ich die Verkabelung haltbar?

Das Kabel ist die häufigste Fehlerursache bei Fahrradbeleuchtungen, besonders einadrige Verkabelungen sind anfällig. An Neurädern ist eine zweiadrige Verkabelung meist vorhanden – erkennbar daran, dass immer zwei Kabel oder ein doppeladriges zu einer Leuchte führen. Generell gilt: Überall, wo das Kabel unterbrochen wird, kann es zu Problemen mit dem Stromfluss kommen, also etwa auch, wenn der Strom über Kontakte am Schutzblech läuft. Am besten ist deshalb ein durchgehend in einer Schutzhülle verlegtes Kabel. Verlegen sie die Kabel so, dass sie nicht gequetscht werden, etwa beim Anlehnen des Fahrrads, dem Benutzen von Radtaschen oder Spanngurten oder beim Lenkerumschlagen. Das Kabel sollte außerdem eng am Rad geführt werden, um nicht an der Kleidung oder an Taschen hängen zu bleiben. Kabelbinder und farbiges Isolierband sind gute Hilfsmittel bei der Montage. Sehr elegant sind selbstklebende Kabelhalter aus dem Elektronikfachhandel. Eine Verkabelung durch den Rahmen, wie sie neuerdings wieder im Kommen ist, sieht zwar ebenfalls elegant aus, ist bei Störungen aber schwerer zu reparieren.

Der Text basiert auf einem Artikel, der in der Ausgabe 6/12 erschien und für die Online-Veröffentlichung aktualisiert wurde.
Autor: Nils Gathmann

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