Ausprobiert: Magura MT7 Scheibenbremse

Eigentlich brauchen Reiseradler und E-Biker mehr Bremskraft als extreme Mountainbiker. Aber während Downhiller & Co. schon lange auf starke Scheibenbremsen setzen, schenken Radreisende ihrer Scheibenbremswahl oft kaum Aufmerksamkeit. Wir haben mit der Magura MT7 eine auf hohe Bremskraft und ihre dosierte Abgabe hin entwickelte Bremse ausprobiert.

Immer öfter setzen spezialisierte Reiseradhersteller, wenn sie Scheibenbremsen verbauen, auf standfeste Modelle aus dem Downhill-Sport mit großen Scheiben zur besseren Wärmeableitung. Beispiele sind etwa Velotraum, die bei scheibengebremsten Reiserädern in unseren Tests fast immer 200-mm-Scheiben vorne einbauen oder Idworx, wo am Modell oPinion eine Hope Diskbremse aus dem Downhillsport mit eigens entwickelten, 3,2 mm dicken Bremsscheiben die Bremshitze aufnimmt und ableitet. Der Grund für den Aufwand: Die Kombination aus hohen Geschwindigkeiten und hohem Gewicht verlangt den Bremsen noch mehr Standfestigkeit ab als der Extremsport Downhill. Ein Beispiel: Ein schwerer Downhill-Pilot samt Rad mag es auch mal auf rund 110 Kilo Gesamtgewicht bringen. Dagegen sind beim Reiserad 130 Kilo Systemgewicht aus Rad, Fahrer und Gepäck eher die Regel als die Ausnahme. Ähnliches gilt für die Geschwindigkeiten. Ein Downhill-Fahrer erreicht in der Spitze kurzzeitig 70 km/h und mehr. Wer aber schon einmal mit einem 130 Kilo schweren Reisegefährt einen Alpenpass herabgefahren ist, weiß, wie oft die Bremse gezogen werden muss, damit die Fuhre nicht ständig schneller als 70 km/h fährt. Auch schwere E-Mountainbikes, die nicht selten von Unerfahrenen steile Berge hinab pilotiert werden, benötigen hohe Bremsreserven.

Vierkolben-Technik aus dem Motorsport

Für Anforderungen des Downhillsportshat Magura in seiner MT-Next-Bremsengeneration die Modelle mit den ungeraden Zahlen entwickelt: MT5 und MT7. Ihre Vierkolben-Technik bringt Magura Know-how aus dem Motorsport in den Fahrradbereich ein. Sie soll für hohe Verzögerungswerte sorgen – ein Labortest der MTB-Zeitschrift Bike bescheinigte vor kurzem, „die größte Verzögerung“, die sie je auf dem Prüftstand gemessen hätten. Trotz nötiger Masse am Bremssattel bleibt das Gewicht dabei dank leichter Kohlefaser-Verbundwerkstoffe am Bremsgeber verhältnismäßig niedrig: 410 g wog ein Set der MT7, die wir mit 180 mm-Bremsscheiben getestet haben. Maguratypisch kommt umweltfreundliches Mineralöl als Bremsmedium zum Einsatz. Am Top-Modell MT7 lässt sich zudem die Griffweite des Hebel ebenso werkzeuglos verstellen wie der Punkt im Hebelweg, an dem die Bremsbeläge Kontakt zu den Scheiben bekommen (Bremspunkt).

In unserem Praxistest fanden Männer wie Frauen mit dem Hebel fast immer eine passende Einstellung. Dabei lag die Bremse sowohl in der Hand erfahrener Mountainbiker als auch durchschnittlicher Radler auf dem vollgefederten Pedelec mit 140 Kilo Systemgewicht. Obwohl der Druckpunkt sich nicht ganz so hart wie bei anderen Diskbremsen anfühlt, wurde die sehr gute Dosierbarkeit übereinstimmend lobend erwähnt. Auch mit einem Finger lässt sich die MT7 ohne Ermüdungserscheinungen bedienen, die Bremskraft ist mit „überlegen“ treffend charakterisiert. Kritik äußerten einige Radlerinnen am Verstellbereich für die Griffweite zum Hebel. Für manche von ihnen ließ sich der Hebel nicht nah genug am Lenker positionieren, weshalb sie vor dem Bremsen immer ein wenig umgreifen mussten – das beinträchtigt die Sicherheit nicht, ist aber auf Dauer unbequem. Magura hat vor kurzem angekündigt, hier in der laufenden Produktiuon nachzubessern und den Verstellbereich bis „sehr nah an den Lenker“ zu erweitern. Die derart optimierte MT7 soll ab Anfang September 2015 in den Handel kommen.

Kein Fading zu spüren
Bei unseren Fahrten im Mittelgebirge mit maximal 200 Höhenmetern auf den Abfahrten war kein Fading zu spüren, auch nicht durch bewusstes Laien-Dauerbremsen. Die MT7 verursachte keine Geräusche bei Trockenheit und nur ein ganz kurzes, eher dunkles Quietschen bei Nässe beim Anbremsen. Die Testdistanz brachte die Beläge (Typ 8.1) nicht an die Verschleißgrenze. Ein testweiser Austausch zeigte aber, dass die magnetische Belagfixierung (Magura: magnetixChange) tatsächlich die Arbeit erleichtert.

Magura MT7, UVP 259 Euro / Stck: Vierkolben-Scheibenbremse. Gewicht: ca. 410g / Stück inkl. Hebel & Leitung; Scheibenoptionen: 160, 180, 203 mm, 6-Loch & Centerlock mit Adapter; Medium: Mineralöl; Ergonomie: Ein- oder Zweifinger-Hebel, werkzeuglose Hebelweiten- und Druckpunkt-Verstellung; Besonderheiten: 5 Jahre Garantie auf Dichtheit, magnetisch fixierte Bremsbeläge. magura.com

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

Ein Gedanke zu “Ausprobiert: Magura MT7 Scheibenbremse

  1. Hallo, bin hier zum ersten Mal gelandet und freue mich über den sachlich und informativ sehr interessanten Artikel. Danke dafür.
    Nobby

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