Fahrradbuch: Ein Roadmovie zum Lesen

Radfahren, Freiheit und Grenzen, ein Dreiklang der sich fast schlafwandlerisch zusammenfügt. Der Teil „Radfahren“ ist in „Endlich Rasen“ von Henri Lesewitz aber zum Glück mehr der Motor, der die Handlung vorantreibt als die Handlung selbst. Ein Radmovie zum Lesen.

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Foto: Redaktion.

In Wahrheit bewegen den Helden, der mit MTB und Zelt am ehemaligen Grenzstreifen entlang nach Travemünde kurbelt, die Spuren der deutsch-deutschen Teilung im eigenen Leben und in dem der Menschen, die ihm auf der Reise begegnen. Die schöne und detailreiche Beobachtung kratzt bisweilen hart am Klischee, die Sprachwitze entspringen ebenfalls einer auf Abgrenzung bedachten Perspektive – übrigens auch zu Reiseradlern, Zitat: „Mit ihren übergehängten, signalfarbenen Gummiplanen sehen sie aus wie fahrende Zweimannzelte…“. Lesenswert ist das recht kurzweilige, in bahntaugliche Abschnitte unterteilte Buch dennoch. Zum Weiterlesen reizen neben vielen komischen bis bizarren Begegnungen – aus Westsicht – vor allem die Passagen, in denen sich der autobiographisch erzählende Lesewitz der eigenen Jugend in der DDR und der Wendezeit widmet.

„Endlich Rasen“. Ein Abenteuerversuch auf dem innerdeutschen Grenzstreifen, Henri Lesewitz, Delius Klasing, ISBN 978-3-7688-3223-6, 12 Euro, www.delius-klasing.de

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