Smartphone als Radnavi – Klever und smart?

Was taugen Smartphones als Radnavi? Welche Software weist am besten den Weg zu schönen Radtouren? Das haben wir an drei Smartphones im Vergleich mit GPS-Geräten getestet. von Thomas Froitzheim

Navigation - ob auf Moutainbike-, Rennrad- oder Trekking-Tour - geht heute nicht nur über das GPS-Gerät sondern auch mit Apps über das Smartphone. Foto: Shutterstock.

Navigation – ob auf Moutainbike-, Rennrad- oder Trekking-Tour – geht heute nicht nur über das GPS-Gerät sondern auch mit Apps über das Smartphone. Foto: Shutterstock.

Warum soll man sich für die Fahrradtour ein spezielles GPS-Gerät kaufen, wenn das neue Smartphone ohnehin schon mit einem GPS-Chip ausgerüstet ist und im Netz zahlreiche Navigations-Apps kostenlos zur Verfügung stehen? Man braucht zudem kein zweites Ladegerät und muss sich nur an die Bedienung einer elektronischen Plattform gewöhnen. Zudem sind die Smartphones meist deutlich leichter. Denn sogar die outdoortauglichen Smartphones wie das Motorola Defy+ oder das Samsung xCover bringen mit 99 beziehungsweise 128 Gramm nur etwa die Hälfte des Gewichtes eines klassischen GPS-Gerätes auf die Waage.

Akku ist schnell leer

Handy Strom vom Dynamo
Um die stromhungrigen Navis und Smartphones auch während der Fahrt versorgen zu können, gibt es inzwischen spezielle Ladeschaltungen, die den Strom von Nabendynamos in geeignete Spannung umwandeln. Stellvertretend seien hier genannt das vielseitige E-Werk von Busch und Müller (87 Gramm, 139 Euro, www.bumm.de), der im Steuerkopfrohr geschickt verborgene „ThePlug“ von Tout Terrain (100 g, 149 Euro, www.tout-terrain.de) und das iPhone optimierte ReeCharge Dynamo Kit von Biologic, das auch mit einer wasserfesten Hülle kombiniert werden kann (ca. 34 Euro, www.biologic.com). Preiswert zeigen sich ADA-Bikekonverter (90 g, 38 Euro, www.ada-bikeconverter.de) und Dynalader Direkt (68 g, 29 Euro, http://bos-stollberg.de).
Einen Test von USB-Ladegeräten für das Fahrrad können Sie hier nachlesen.

Der größte Vorteil des Systems „Alles-in-Einem“ ist zugleich sein größter Nachteil. Wenn das Gerät ausfällt, ist Schluss mit Telefonieren und Orientieren. Gerade im Navi-Modus endet die Akku-Energie schneller als erwartet. Denn der GPS-Chip, die Darstellung von Karten und die häufig aktivierte Hintergrundbeleuchtung verbrauchen viel Energie. So ging unserem iPhone nach zweieinhalb Stunden schon die Puste aus, das Defy+ schaffte es immerhin auf vier Stunden. Die Displays vieler Smartphones sind im Sonnenlicht nur schwer abzulesen – ein gewichtiger Pluspunkt der Outdoor-GPS-Geräte, die mit ihren transflektiven Displays das Sonnenlicht zurückstrahlen können. Einzig das iPhone 4S brachte einigermaßen guten Kontrast. Wie bei den GPS-Geräten lautet hier der Rat: Smartphones verstellbar am Lenker befestigen, damit das Display möglichst optimal zum Sonneneinfall ausgerichtet werden kann. Von den technischen Funktionen sind die Smartphones sehr leistungsfähig. Ihr GPS-Empfänger zeichnet die Strecke fast genauso detailgetreu auf wie die Outdoor-Geräte. Die „A-GPS“-Technik – hierbei erhalten sie über das Mobilfunknetz schon erste Positionsdaten – verhilft ihnen zu schnellem GPS-Empfang. Speicherkarten bieten Platz satt für Daten und Karten. Die verfügbaren Apps – in unserem Falle spezielle Outdoor-Navi-Software – haben wir in der Übersicht auf Seite 2 beschrieben.
Navigation fordert permanenten Blick auf das Display. Also sind die feinelektronischen Multitalente am Lenker der Unbill des Wetters, Vibrationen und Stößen am Lenker ausgesetzt. Dafür sind sie nicht gebaut, aber dafür gibt es Lösungen. Noch vor einigen Jahren standen hierfür nur klobige „Butterbrotdosen“ zur Verfügung, also Hartkunststoffboxen mit Schaumstoffeinlagen. Inzwischen sind diese „Cases“ deutlich kleiner geworden, aber gegenüber den GPS-Geräten wird meist doch deutlich mehr Platz am Lenker nötig, vom Gewicht ganz zu schweigen. Was kaum jemandem bekannt ist: Die Boxen schützen zwar gut, aber in ihnen kann das Smartphone wegen mangelnder Belüftung auch sehr heiß werden.
Hier zeigten sich die größten Vorteile unserer beiden „Outdoor-Smartphones“. Weil sowohl das Defy+ als auch das Samsung xCover staub- und spritzwassergeschützt sind (nach IP 67), können sie relativ ungeschützt am Lenker bleiben, auch im Regen. Man sollte allerdings darauf achten, dass die Abdeckungen der zahlreichen Gehäuseöffnungen gut verschlossen sind. Stürze halten beide vermutlich aus, aber so robust und stoßsicher wie unsere Garmin- und Falk-Geräte sind sie nicht. Zudem zählen beide nicht zur derzeitigen Oberklasse der Smartphones, denn in Display- und Kameraqualität, Bedienbarkeit und Prozessorleistung lässt sie das iPhone4S deutlich hinter sich. Dafür erweist sich unser iPhone als Outdoor-Sensibelchen: Wenn Wasser in seine Lautsprecherbuchsenöffnung oder die Steckerleiste eindringt, wird dies von Sensoren unerbittlich festgehalten – und die Garantie ist futsch. Zudem zeigte sich das iPhone relativ empfindlich gegenüber Spannungsschwankungen von Ladeschaltungen – es lud dann einfach nicht. Wer hofft, dass ein Handy leichter zu bedienen ist als ein Navi, sieht sich nicht selten enttäuscht. Smartphones wollen zu Beginn eingerichtet werden, viele Nutzer berichten über Kinderkrankheiten, müssen häufiger Firmwareupdates durchführen.

Fazit:
Auf den ersten Blick bestechen die Smartphones mit einer Fülle von tollen Funktionalitäten, die vielfach kostenlos oder für einen geringen Preis zu haben sind. Ihre Stärke sind sicherlich Informationen, die online abgerufen werden können, wie aktuelle Karten, Versorgungsmöglichkeiten, Reiseinformationen bis hin zu direkten Buchungsmöglichkeiten. Dabei sind sie allerdings meist auf Online-Verbindungen angewiesen, die schon im Inland nicht flächendeckend vorhanden sind und im Ausland sehr teuer werden können (Roaming). Outdoor-Routing – also das spontane Berechnen einer Strecke von A nach B auf dem Gerät – ist mit Smartphones derzeit fast nur über online-Verbindungen möglich. Vom Display, der Robustheit, der Energieausdauer und teilweise auch dem Navigationskomfort (dies gilt besonders für die routingfähigen Modelle mit Sprachausgabe) zeigen sich die speziellen Outdoor-Navis den Smartphones noch überlegen.

Weiterlesen…

4 Gedanken zu “Smartphone als Radnavi – Klever und smart?

  1. „…derzeit *fast* nur über online-Verbindungen möglich .. . Eine Sprachausgabe … ermöglicht keine *unserer* Apps “

    Ja genau. „fast“ und „unserer Apps“ heisst im Unkehrschluss: es gibt pure-offline Handy-Lösungen und es gibt welche mit Sprachausgabe. OsmAnd und Locus-Maps sind so welche. Locus zumindest im Zusammenspiel mit meiner (quelloffenen) Entwicklung („BRouter“). Und nein, GPS ist nicht der Haupt-Stromfresser, sondern das Display, aber weil die Apps ja sprechen, kann man das Display meist abschalten und dann reicht der Akku nicht 4, sondern 10 Stunden. Da tut sich einiges und mir ist nicht klar, wie man das so übersehen kann, bzw. ich habe da eine Vermutung. Gerne mache ich mit Ihnen einen Beitrag darüber, was wirklich geht im Smartphone-Routing, kontaktieren Sie mich bei Interesse.

    • Wieder ein Beispiel, in dem ein kurzer Kommentar deutlich mehr essentielle Information beinhaltet, als die erfahrungsbefreite Plauderei der Magazin- und Journalismuswelt.

    • Für Staub- und Stoßschutz gibt es Lösungen. Der trotzdem relativ hohe Stromverbrauch und die schlechte Lesbarkeit kann man jedoch nicht wegreden. Aber @Dr. Arndt Brenschede auf einen konfigurierbaren Router würde ich nur ungern verzichten. Warum gibt es eigentlich keine GPS Geräte mit Brouter?

  2. An die Redaktion: „Handy Strom vom Dynamo“

    Der Dynalader Direkt kosten nicht 29 Euro sonder 139.
    Der ADA-Bikekonverter scheint nicht vermarktet zu werden. Es gibt in nirgends zu kaufen.
    Das ReeCharge Dynamo Kit scheint es auch nur im Ausland zu geben. Und Specs lassen sich nirgendwo finden.

    Und der KEMO M-172N Laderegler für 30 Euro, der überall zu haben ist, und für den es eine genaue Dokumentation und Spezifikationen gibt fehlt komplett in Ihrer Auflistung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*