Test: luftige Fahrradschuhe für Tourenradler

Shimano SH-MT44G

Shimano SH-MT44G

Für lange Radtouren sind Fahrradschuhe eine klare Empfehlung. Ihre verstärkte Sohle unterstützt den Fuß, über den die ganze Kraft ins Pedal fließt, bei seiner Arbeit. Wir haben sechs sommerlich leichte Modelle für wärmere Tage auf ihre Radeigenschaften untersucht und auch den Gehkomfort getestet.

Schuhe stellen die Schnittstelle zwischen Radler und Fahrrad dar, an der die Kraft übertragen wird. Zum Fahren ist daher eine möglichst direkte und verlustfreie Kraftübertragung wünschenswert. Das wäre noch einfach. Aber besonders Reiseradler freuen sich abseits des Rades über eine Sohle mit genügend Komfort beim Laufen. Ein guter Tourenschuh kombiniert also beides: Gehkomfort und Kraftübertragung. Stundenlanges Radfahren ist ebenso möglich wie ein Bummel durch die gepflasterte Altstadt. Ein weiteres Kriterium in unserem Test war außerdem die Sommertauglichkeit, sprich: Es sollte schlicht genügend Luft an die Füße kommen. Erwartungsgemäß schneiden hierbei die Sandalen von Rose und Exustar am besten ab. Aber auch einige Modelle mit netzartigen Obrmaterialien wie der SH-CT45 von Shimano können auf diesem Gebiet überzeugen.

Steife Sohle überträgt Kraft
Das Fahrgefühl auf dem Rad wird maßgeblich von der Sohle beeinflusst, gut ist eine in Trittrichtung steife Sohle, die die Kraft direkt auf das Pedal überträgt, ohne dass sich die Sohle verformt. Eine Verformung ist deshalb nicht wünschenswert, da dabei Kraft verloren geht, die bei der Rückverformung der Sohle unkontrolliert verpufft. Die beiden Sandalen schneiden auch hier gut ab, ebenfalls die beiden Shimano-Schuhe. Besonders beim Pearl Izumi ist deutlich spürbar, wie sich der Schuh beim Pedalieren etwas verwindet.

Getestet haben wir nur Schuhe für Click-Systeme. Ihr wichtigste Vorteil ist ein sicherer Stand in den Pedalen. Wer sehr bewusst pedaliert, kann mit ihnen auch in der Zugphase bei der Aufwärtsbewegung Kraft in Vortrieb umwandeln. Dafür muss der Schuh am Spann (oben) und am Schaft, wo die Ferse sitzt, eine gewisse Stabilität bieten. Hier spielt besonders der Verschluss eine Rolle, da nur ein Schuh, der eng anliegt, entsprechend Kraft übertragen kann. Im Zug fallen die Sandalen auf, mit vier Klettriegeln hat man eine Menge Spielraum, die richtige Passform zu finden. Beim Exustar ist der Klettriegel an der Ferse etwas niedrig, hier kann man mal rausrutschen. Die normale Schnürung mit Senkeln passt sich besser der Fußform an, gibt aber etwas mehr nach als das Klettsystem. Die Schnellschnürsysteme sind generell in Ordnung, sollten aber für Radler mit ausgeprägten „Zugfähigkeiten“ mit festem Obermaterial kombiniert sein. Am Schuh von Pearl Izumi ist es sehr dehnbar, was Komfort bringt, aber eben auch ein schwammiges Gefühl in der Zugphase.

Es lohnt sich ein genauer Blick unter den Fahrradschuh. Zum einen sitzt dort das Bindungssystem. Alle Modelle bauen auf Systeme nach dem Shimano SPD-Standard. Eine Ausnahme bildet der Shimano SH-CT45 der für das Click’R-System des Herstellers gemacht ist. Es ist besonders einsteigerfreundlich, weil es – mit den passenden Click’R-Pedalen – einen extraleichten Ein- und Ausstieg ermöglicht. Das konnten wir im Praxistest nachvollziehen. Interessant ist das System auch, weil es mit den normalen SPD-Bindungsadaptern – „Cleats“ genannt – und Pedalen ebenfalls fahrbar ist. Man hält sich also alle Möglichkeiten offen. Tipp: Achten Sie auch auf die Abdeckplatte der Bindung. Gut ist, wenn sie die Form des SPD-Cleats aufnimmt. So kann man die Schuhe auch ohne montierte Cleats auf Pedalen mit Bindungssystem fahren – und hat dabei einen guten Halt. Übrigens auch ein Tipp zum Üben des Fahrens mit Radschuhen mit Bindung!

Wer nicht den ganzen Tag im Sattel sitzt und auch mal zu Fuß unterwegs ist, will natürlich auch hierbei etwas Komfort. Am besten in der Disziplin gehen schneidet unter den Fahrradschuhen der Shimano SH-CT45 ab, dicht gefolgt vom Pearl Izumi und dem zweiten Shimano Testkandidaten SH-MT44G. Die Sohle der anderen Schuhe ist entweder zu hart zum Laufen (XLC) oder nicht so passend zur Abrollbewegung vorgeformt (Rose, Exustar).

Details erhöhen die Freude am Radfahren

Darüber hinaus sind es noch kleine Details, die die Freude am Fahren und Gehen mit den Radschuhen im Test erhöhen. Pearl Izumi und Shimano haben sehr leichte Schuhe mit deutlich unter ein Kilo für das Paar. Das macht sie für Reidseradler, die aufs Gewicht des Gepäcks achten müssen, besonders interessant. Die Sandalen von Rose und Exustar sind am Spann mit Neopren gefüttert, was beim Tragen sehr angenehm ist, außerdem machen sie einen wassertauglichen Eindruck, es gibt praktisch kein Textilgewebe, was sich vollsaugt. Dem Strandspaziergang am Brandungssaum steht mit diesen beiden Modellen also nichts im Weg.

Fazit
Unterm Strich ist der Shimano SH-CT45 der vielseitigste Schuh, er kombiniert gute Fahreigenschaften mit Laufqualitäten, dazu ist der Preis auch in Ordnung. Den zweiten Platz teilen sich die Rose Sandale und der Shimano SH-MT44G, wobei die Sandale mehr beim Radfahren punktet und der Shimano-Schuh eher als Allrounder durchgeht. Obwohl die Exustar Sandale dem Modell von Rose sehr ähnlich ist, lassen sich kleine Unterschiede in der Verarbeitung feststellen, dazu ist das Exustar-Modell 30 Euro teurer bei schlechterer Qualität. Der besonders leichte Schuh, gerade einmal 760 Gramm, von Pearl Izumi kann nur beim Laufen glänzen, besonders der hohe Preis verhindert eine bessere Wertung. Letzter wird der Schuh von XLC, eine einfache Ausstattung und nicht so gute Eigenschaften beim Gehen und Fahren können auch durch den günstigsten Preis im Vergleich nicht ausgeglichen werden.

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