Ausprobiert: Samsung Galaxy X-Cover 2 als Radnavi

Fahrradcomputer, GPS-Gerät, Mobiltelefon – nicht selten trifft man Touren-Radfahrer, die alle drei Dinge immer dabei haben. Dafür gibt es gute Gründe. Die besten sind die im Idealfall langen Akkulaufzeiten und die Robustheit des GPS-Gerätes sowie die Exaktheit und die maximale Verläßlichkeit des Radcomputers. Aber: Dank einer wachsenden Vielzahl von Anwendungen – Apps – fürs Radfahren mit Smartphone kann das Mobiltelefon inzwischen Ähnliches leisten wie die Gerätesammlung. Wer dabei auf schützende Hüllen verzichten will, greift am besten zu einem der immer zahlreicher erhältlichen Outdoorsmartphones. Bekannt sind das Motorola Defy plus, das Sony Xperia Z oder das Samsung Galaxy XCover 2 sowie – ganz neu – das Samsung Galaxy S4 Active.

Das Samsung Galaxy XCover 2 ist eines der günstigeren Geräte und derzeit online ab 210 Euro zu kaufen. Technisch ist es dabei mit Android 4.1 noch auf der Höhe der Zeit und verfügt über ausreichend schnelle Prozessoren. Das Samsung ist nach IP67 zertifiziert und somit staubdicht. Auch einen 30-minütigen Tauchgang bis zu maximal einem Meter Wassertiefe übersteht es laut der Norm unbeschadet. Wir haben es über vier Monate im Gebrauch gehabt, wobei wir es wann immer möglich auch auf dem Fahrrad einsetzten, um Wege von A nach B zu finden. Der Schwerpunkt des Praxistests lag auf den Outdoor-Eigenschaften und den Möglichkeiten, diese auf Radtour zu nutzen.

Telefon-Erfahrungen
Deshalb nur kurz zu den Telefon-Erfahrungen: Die Sprachqualität empfanden die Tester als gut, wenn auch mit einer Tendenz ins Dumpfe. Im normalen Gebrauch erreichten wir dank des recht starken Akkus (1.700 mAh) Laufzeiten von 1 bis 2 Tagen, ehe das XCover wieder nachgeladen werden musste (ohne Navigationsanwendungen, bei circa einer Stunde Internetnutzung pro Tag). Durch Drucktasten für die Lautstärke und die Menüführung gestaltet sich die Handhabung einfach. Nachteil: Manche Halter für den Fahrradlenker üben Druck auf die Tasten aus, so dass diese dauerbetätigt werden. Unbedingt beim Kauf eines Halters ausprobieren! Einen Vorteil haben die Tasten, wenn es regnet. Hintergrund: Wassertropfen führen dazu, dass sich der 4 Zoll große Touchscreen nur eingeschränkt bedienen lässt. Ein Verhalten, das das Xcover 2 mit dem Motorola Defy plus teilt. Mit den Tasten des Xcover 2 erreicht man aber wenigstens den Homescreen – etwa um ein Gespräch anzunehmen. Eine Taste gibt es auch für das Einschalten und das Auslösen der Kamera, denn die soll ja unter Wasser Bilder machen können, wenn der Touchscreen nicht funktioniert. Logisch, aber nicht bei allen Outdoor-Smartphones selbstverständlich. Die Kamera, die auch Videos drehen kann, liefert bei Tageslicht eine brauchbare Bildqualität, taugt aber keineswegs als Kamera-Ersatz für die hobbymäßige Reisedokumentation.

Samsung Galaxy XCover 2

Flüssige Bedienung
Die Bedienung selbst empfanden wir als flüssig. Unser Xcover 2 arbeitet mit Android 4.1.2. Die Software lief während des gesamten Zeitraums ohne Abstürze. Als richtig nervig entpuppte sich der geringe interne Speicher des Gerätes. Ein Gigabyte steht prinzipiell zur Verfügung, wird aber vom Betriebssystem zum Teil belegt. Apps können nicht auf die externe Speicherkarte ausgelagert werden, für die es einen Steckplatz gibt. Als Folge lassen sich nur wenige Apps gleichzeitig auf dem Gerät speichern. Wer Navigations-Apps nutzt, ist gut beraten, die Karten auf der externe SD-Karte abzulegen, sonst läuft der Speicher noch schneller über. Allerdings sind die nötigen Einstellungen oft nicht leicht zu finden.

Samsung Galaxy XCover 5

Das Galaxy Xcover 2 im Oudooreinsatz
Wir setzten das Galaxy XCover 2 sowohl am Lenker im Halter als auch im Rucksack zur Tourenaufzeichnung ein. Dabei musste es Schlammschlachten und Dreckbeschuss ebenso wie zwei- bis dreistündige Fahrten im strömenden Dauerregen mitmachen. Keine der hohen Beanspruchungen konnten dem Samsung XCover 2 schaden. Auf Radtour an der Küste bewährte es sich sogar am Strand als sandgeschütztes Aufnahmegerät. Nur gegen Schäden durch Hinfallen erwies es sich etwas empfindlicher als gedacht: Bei einem Sturz aus Lenkerhöhe während (langsamer) Fahrt zog es sich einen Schaden der Aluminium-Schale zu. Der Riss hatte zwar keinen Einfluss auf die Funktion und beeinträchtigte auch die Wasserdichtigkeit nicht. Kunststoffschalen haben sich jedoch bei solchen „Fällen“ widerstandsfähiger gezeigt. Ein Vorteil des XCover 2 gegenüber anderen Outdoor-Smartphones: Es besitzt eine Öse für die Befestigung eines Halteseils, um es gegen Hinfallen abzusichern. Das Glas überstand den Fall, ist aber – anders als viele meinen – nicht bruchsicher. Kratzer bekam es nicht, obwohl es häufig in der Trikottasche zusammen mit dem Schlüsselbund unterwegs war, um die Joggingrunde aufzuzeichnen.

Samsung Galaxy XCover 3

Auf Tour mit dem Xcover 2

Für den Toureneinsatz ist das Xcover 2 ab Werk gut gerüstet. Praktisch: Über das Android 4.1-Menü kann der GPS-Empfang jederzeit zugeschaltet werden, auch wenn man das Anschalten beim Start der Navigationsapp einmal vergessen hat. Mit der App ape@map ist eine sehr gute Routen- und Karten-Anwendung bereits vorinstalliert. Mit einer passenden Desktop-Software, die auf der Homepage des Anbieters apemap.com kostenfrei zum Download angeboten wird, kann sie sogar als echte Tourenplanungs-Software eingesetzt werden. Für die meisten Fälle reicht die installierte Handy-Software.

GPS-Empfang und Karten
Nach dem Start der ape@map App findet der GPS-Empfänger mit Unterstützung des Mobilfunknetzes die Position meist innerhalb einer weniger als 30 Sekunden, bisweilen sogar nach 10 Sekunden – ein echter Vorteil gegenüber GPS-Geräten. Ohne Mobilfunkunterstützung benötigt das Smartphone ebenso lang wie die meisten Outdoor-GPS-Geräte. Für den Einsatz auf dem Rad sollte man unter dem Menü Karten die Opencycle-Map-Variante wählen. Tipp: Den Ausschnitt, in dem man unterwegs sein wird vorher in einem W-Lan-Netz auf das Handy laden und entsrpechend benennen, z.B. „Rhein-Radweg Koblenz-Bonn“. Die selbst erstellte Karte kann dann über das Menü „Karten“ leicht aufgerufen werden und die Datennutzung unterwegs entfällt

Samsung Galaxy XCover 4

Unterwegs wird die Position ständig angezeigt. Die Anzeige erweis sich dabei als ebenso genau wie bei einem Outdoor-GPS-Gerät. In Städten hat man bei unterstütztem Empfang sogar Vorteile. Das Display bietet zwar keine besonders detailreiche Auflösung, war aber auf der höchsten Helligkeitsstufe in den meisten üblichen Lichtsituationen gut erkennbar. Bei direkter Sonneneinstrahlung von hinten oder oben ist es allerdings nicht mehr zur Routenfindung zu gebrauchen. Hier sind Outdoor-GPS-Geräte klar im Vorteil. Auch das I-Phone leistet in dieser Hinsicht mehr. Überrascht waren wir von den langen möglichen Fahrzeiten mit laufender Kartensoftware. Selbst bei Online-Kartennutzung und Display auf maximaler Helligkeit hielt der Akku rund 3,5 bis 4 Stunden (mit ape@map). Damit lassen sich viele sportliche Touren schon abdecken. Für den Einsatz auf Radreisen ist allerdings ein Dynamolader oder externer Akku unverzichtbar.

Fazit:
Das Samsung Galaxy Xcover 2 eignet sich sehr gut als Outdoor-GPS-Ersatz am Rad. Besonders die Kombination aus angemessener Bildschirmgröße, sehr guten Outdoor-Eigenschaften, schnell laufender Android-Version und recht günstigem Preis macht es hochinteressant für alle, die auf Radreise nur ein Gerät mit sich führen wollen oder ihre Touren dokumentieren wollen. Für intensive Smartphone-Nutzer abseits des Rades kommt es aber wegen des geringen internen Speichers eher nicht in Frage.

PLUS
+ lange Akkulaufzeiten
+ gute Sprachqualität
+ sehr gute Outdoor-Qualitäten
+ sehr gute vorinstallierte Karten-App
+ gutes Display
+ zeitgemäße Android-Version

MINUS
– zu wenig interner Speicher
– über USB oft Probleme beim Verbinden mit MAC oder PC mit Samsung-Software Kies
– Display bei direkter Sonneneinstrahlung schlecht lesbar

Das Smartphone als Outdoor-GPS: wichtig zu wissen!:

1) Sobald die Stecker-Abdeckungen (die haben fast alle Modelle) des Outdoorsmartphones geöffnet sind, kann dort auch Feuchtigkeit eindringen. Man sollte das Gerät während der Fahrt also nur bei Trockenheit über einen externen Akku oder einen Dynamolader „nachtanken“. Alternative: Nachladen in der wasserdichten Lenkertasche, wie der speziell für solche Zwecke gemachten Ortlieb Ultimate 6 M Pro.

2) Die Steckerverbindungen der Smartphones sind empfindlich. Wer häufig das Smartphone am Lenker nachlädt, sollte eine Halterung besitzen, die das Kabel spannungsfrei an die Buchse führt und es gleichzeitig fixiert. Auf diese weise rüttelt der Stecker nicht dauernd in der Buchse. Solche „Profi-Halterungen“ bietet etwa bikertech.de an.

3) Karten für Navigations-Apps nach Möglichkeit im W-Lan herunterladen und offline verfügbar machen. Die Datenmengen sind hoch und verbrauchen selbst bei einer Datenflatrate das zur Verfügung stehende Volumen schnell.

4) Den Bildschirm bei Tageslicht auf maximale Helligkeit einstellen und in den App-Einstellungen das Display-Timeout ausschalten. Apps, die diese Möglichkeit nicht bieten, sind im Grunde nicht praktikabel.

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

2 Gedanken zu “Ausprobiert: Samsung Galaxy X-Cover 2 als Radnavi

  1. Danke für diese hilfreiche Beschreibung!! Ich habe mir gerade dieses Smartphone gekauft, mein erstes und habe keien Ahnung von Widgets etc. Zum Glück bin ich im Internet auf diese Seite gestossen.Jeder Satz ist sehr hilfreich, aber wo finde ich die Karten zum Runterladen, z.B. Frankreich?

    • Danke für das Kompliment. Sie finden eine Liste passender Apps im GPS-Guide unserer aktuellen Ausgabe, in dem auch viele Tipps zu GPS-Touren mit Smartphones sind. Wenn Sie die App Ape@map zur Navigation mit dem Smartphone nutzen, können Sie über den Erwerb einer Lizenz eine PC-Software nutzen, um Karten beliebiger Länder auf das Smartphone zu übertragen. Tipps dazu gibt es hier: ape@map Smartphone-Navigation Dokumentation. Weitere Smartphone Tests folgen!

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