Braucht ein Fahrrad Winterreifen?

pd-f.de/RADtouren. Von O (Oktober) bis O (Ostern): Diese Eselsbrücke empfiehlt Autofahrern den Einsatzzeitraum von Winterreifen. Radfahrern stellt sich in der kalten Jahreszeit die Frage, ob auch ihr Untersatz spezielle Winterbereifung benötigt.

Sicher auf Schnee mit dicken Reifen oder Spikes. Foto: Shutterstock.com/RioPatuca

Zum neuen Satz wintertauglicher Pneus rät Gunnar Fehlau, Leiter des pressedienst-fahrrad, vor
allem denen, die im Sommer auf schmalen, glatten Reifen unterwegs sind. „Mit einem breiten,
gut profilierten Touren- oder Trekkingreifen kommen Gelegenheitsradler ganz gut durch den
Winter, auch wenn der Radweg mal nicht geräumt ist“, so der Experte, der als passionierter Radfahrer selbst viel im Winter unterwegs ist. Wer von schmalen Sommerreifen auf dicke profilierte Reifen wechseln will, muss einige Details beachten:

1) der Reifen muss noch unter das Schutzblech passen und genug Abstand zu den hinteren Rahmenrohren haben. Das kann im Fachhandel sehr schnell durch den probeweisen Einbau eines bereiften Hinterrades überprüft werden.

2) Der neue Reifen muss zur alten Felge passen. Er darf vor allem nicht zu breit sein. Auch hier bekommt man im Fachhandel die richtige Auskunft und Hilfe bei der Modellwahl. Wer den Breitreifen für den Winter selbst aussuchen und montieren will, sollte die Tabelle der ETRTO zu Rate ziehen, die Vorgaben zu Reifen- und Felgengrößen enthält.

„Alltagsradlern, die sich weder durch Schnee noch durch Glatteis schrecken lassen und die den Winter durchradeln, würden Fachhändler mit ziemlicher Sicherheit zu Reifenmodellen wie unserem Marathon Winter raten“, ist sich René Marks,Produktmanager beim deutschen Fahrradreifenspezialisten Schwalbe, sicher. Dieser Winterreifen verfügt über griffige Spikes aus Hartmetall und eine für kühlere Temperaturen optimierte Gummimischung. Letzteres ist vom Autoreifen bekannt, Spikes hingegen sind in Deutschland nur am Fahrrad erlaubt. „Die harten Metallstifte bohren sich ins Glatteis und gewährleisten sicheren Grip und Traktion“, versichert Marks. Ein weiterer Clou des Reifens ist die Anordnung der Spikes. Diese berühren nämlich erst bei abgesenktem Luftdruck den Boden im vollen Umfang. Weitere alltagstaugliche Spikereifen gibt auch von anderen Herstellern wie Continental Nordic Spike (nur 28-Zoll), der Kenda Klondike sowie der Nokian Hakkan 106W, wobei alle drei Alternativen deutlich profilierter sind als der Schwalbe Marathon Winter.

Tipp: Mit Minimal-Druck fahren
„Übrigens empfiehlt es sich für alle Reifen, im Wintereinsatz etwas Luft abzulassen. Dadurch erhöht sich die Auflagefläche und physikalischen Gesetzen folgend auch Traktion und Grip des Reifens“, so Marks weiter. Als Orientierung gilt der auf der Reifenflanke angegebenen Minimaldruck. Wichtig: den Reifen bei Außentemperatur befüllen, sonst sinkt der Druck beim Wechsel von der Wohnung in die Winterkälte noch einmal ab.

Mehr Spikes, mehr Grip, weniger Alltag
Neben alltagstauglichen Spikereifen wie dem „Marathon Winter“ sind auch Modelle mit einer weitaus höheren Anzahl an Spikes erhältlich. So thronen bei Schwalbes „Ice Spiker Pro“ (94,90 Euro) 361 Spikes auf groben Stollen. Im Alltag eignen sich diese Reifen jedoch lediglich für das auf Schnee und Eis getrimmte Zweitrad, zu groß wären Rollwiderstand und Geräuschentwicklung auf Asphalt.

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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