15 Jahre RADtouren: Begegnung auf dem Jakobsweg

Am 18. Mai1 2007 begab ich mich von meinem Heimatort Eschbach im Markgräflerland mit meinem Fahrrad auf eine Pilgertour nach Santiago de Compostela in Spanien. Für die rund 2500 Kilometer wollte ich mir 7 Wochen Zeit lassen um auch noch bis zum Cabo Fisterra und an die Costa de Morte zu gelangen.

Foto: Gassner

Etwa 6 Wochen bevor ich mich selbst auf meine Tour machte las ich in der hiesigen Tageszeitung, Badische Zeitung, einen kleinen Bericht, dass sich ein weitläufiger Berufskollege (a.D.), den ich nur vom Namen her kannte, zu Fuß von Freiburg aus am 18. April 2007, also 4 Wochen vor meinem Start, ebenfalls auf den Camino begeben wollte. Ich versuchte ihn noch telefonisch zuhause zu erreichen um Handynummern auszutauschen. Ich hatte die Idee in einigen Wochen telefonisch einmal Kontakt zu ihm aufzunehmen und, falls wir in der Nähe wären, bei einem Glas Rijoa Erfahrungen über den Camino auszutauschen.

Ich erreichte ihn jedoch zuhause nicht mehr und so legte ich diesen Gedanken beiseite, las jedoch seine wöchentliche Kolumne in der BZ mit großem Interesse.

Kurz bevor ich jedoch selbst losfuhr telefonierte ich noch einmal mit seiner Ehefrau. Diese traf sich mit ihm einige Tage danach in Pau/franz.-span. Grenze und teilte mir nach ihrer Heimkehr mit, dass sie ihrem Mann die Idee geschildert hatte, er aber wegen der hohen Telefonkosten ihr sein Handy mit nach hause gegeben habe.

So war an ein Zusammentreffen auf dem Camino nicht zu denken.

Foto: Gassner

Am 16.06.2007 nächtigte ich in einer wunderschönen Pilgerherberge hinter Astorga, in Murias de Rechivaldo und lernte dort ein Pilgerpaar, welches vor Monaten in München sich auf den Camino machte, kennen. Sie berichteten mir von freundlichen, hilfsbereiten Menschen, von Schutzengeln, die sie auf dem Camino erleben durften.

Am nächsten Morgen, es war der 17. Juni frühstückten wir noch gemeinsam und danach wünschten wir uns noch ein Utreia –immer weiter- und ein Buen Camino. Da ich noch einen kleinen Abstecher nach Castrillo de Polvazares unternahm, kam ich erst nach ca. 2 Stunden wieder auf den eigentlichen Camino. Vor mir sah ich drei Personen wandern wovon ich zwei davon gleich als ‚meine’ zwei Münchener erkannte.

Ich fuhr auf die drei Pilger auf, stieg vom Rad, lief einige Minuten mit ihnen weiter, das Münchener Paar rechts, der unbekannte Pilger links neben mir, wobei sich gleich folgender Dialog entwickelte:

Sie: Er neben dir (kopfnickend nach links) kommt übrigens auch aus deiner Gegend; ihn haben wir vor Wochen bereits in Frankreich schon einmal getroffen.

Ich (nach links, den mir unbekannten Pilger fragend): Woher denn?

Er (sich zu mir nach rechts wendend): aus Freiburg.

Kurze Funkstille

Ich (mich zu ihm nach links wendend): Dann bist du der Georg W.!

Wiederum kurze Pause

Er (mich mit großen Augen anschauend): Dann bist du der Joachim!

Was dann folgte war eine riesige Überraschung und wir lagen uns in den Armen und es floss auch das eine oder andere Tränchen. Wir gingen noch ein Stück gemeinsamen Weges und dann trennten wir uns, er und die Münchener auf dem Fußpilgerweg und ich mit dem Bike auf der einsamen Landstraße. Nach 4 Wochen ich auf dem Fahrrad, er 8 Wochen zu Fuß, 1600 Kilometer von zuhause entfernt, am 17. Juni, dem ehemaligen Tag der Deutschen Einheit, haben wir uns ‚zufällig’ getroffen.

Wirklich Zufall?

Nachdem wir wieder zuhause angekommen sind, gab es auch den einen oder anderen Gegenbesuch. Leider habe ich vergessen meine ’Schutzengel’, die beiden Münchener, nach deren Adresse zu fragen. Aber wer weiß, vielleicht sieht man sich wieder einmal, irgendwo, irgendwann. Dies ist eine Begebenheit, die nicht alltäglich ist, und die mein Leben sehr bereichert hat, und die sicher nicht jeder so erleben kann.

Radtouren abboniere ich übrigens schon seit Jahren und habe daraus schon oft bei der Vorbereitung meiner Fahrradtouren Nutzen ziehen können. Da auch ich älter geworden bin (61) wäre es natürlich mit einem Radnavi auf den Touren um ein vielfaches leichter sich zurecht zu finden.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Zeitschrift

Mit freundlichen Grüßen

Joachim J. Gassner

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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