Erster Test takwak tw700: Outdoor-GPS und Smartphone in einem Gerät

GPS-Gerät und Smartphone in einem Gerät – das klingt spannend. Dazu noch eine Walkie-Talkie-Funktion – das ist das tw700 der deutschen Firma takwak. Wir haben es intensiv auf seine Outdoor-Fähigkeiten getestet.

Nun ja – moderne Smartphones haben doch eigentlich alles schon, oder? GPS-Empfang, Internet-Zugang, immer mehr Apps, auch zur Outdoornavigation. Aber gerade die Navigation saugt den Akku in wenigen Stunden leer, das Display ist im Sonnenlicht kaum abzulesen, und wenn das schicke Businesshandy mal auf die Straße kracht, ist Schluss mit Allem. Ein klassisches Outdoor-GPS-Gerät hingegen ist robust, hält eine Tagestour durch und kann auch in praller Sonne eingesetzt werden. Das takwak tw700 vereint erstmals beide Welten und hat in dieser Kombination noch manche Funktionen optimiert.

Viele Fähigkeiten des tw700 spürt man erst auf den zweiten Blick. Während sich übliche Smartphones bei Navigationsanwendungen ins Mobilfunknetz einwählen und sich erstens die Routen online ausrechnen lassen und zweitens dann auch noch die Karten über eine Mobilfunkverbindung downloaden, kann das tw700 dies alles offline: Es sind Karten von Deutschland und einiger europäischer Länder vorinstalliert, und auch die Navigationsberechnung erfolgt auf dem Gerät, und nicht über das Mobilfunknetz. Das macht den tw700-Nutzer nicht nur unabhängig, sondern die Nutzung auch äußerst preiswert. Wer nach einem Auslandsbesuch seine Roaminggebühren-Rechnung präsentiert bekam, weiß ein Lied davon zu singen. So haben wir bei unseren tw700-Test nur sehr selten auf Datenverbindungen unterwegs zurückgreifen müssen – wenn man will, ist es für Navigationszwecke komplett vermeidbar.

Kostenlose Karten aus dem Internet
Weiterer preiswerter Vorteil: Karten sind kostenlos aus dem Internet herunterladbar. Dies erfolgt am besten vor der Reise zuhause über eine WLAN-Verbindung. Das tw700 nutzt als Basiskarten die OpenStreetMap-Karten, die inzwischen eine sehr gute Qualität besitzen. Bereits vorinstalliert sind Karten von Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und Südtirol. Wer weitere Länder braucht, lädt sie einfach von der takwak-Seite herunter (Service/OSM-Karten). Dann die Zip-Datei einfach in das Verzeichnis takwak\OSM extrahieren – dieses unkomplizierte Verfahren gefiel uns sehr gut. Zudem werden die OSM-Karten auf dem takwak-Server monatlich aktualisiert.

Topographische Karten von einigen europäischen Ländern können ebenfalls auf das tw700 übertragen werden. Das kostet allerdings pro Kachel (ca 70 x 100 km) einen gewissen Obolus. Für die Ferienregion kann sich das lohnen, für ein ganzes Land wird es teuer, insbesondere bei Frankreich. Dafür sind diese Karten dann fest auf dem tw700 gespeichert und dienen auch in Gebieten ohne Mobilfunkabdeckung als hervorragende Grundlage.

Lob für die Helfer
Um die gesamten Handyfunktionen zu nutzen, muss es auch wie ein Handy eingerichtet werden: SIM-Card, Email-Konto etc. Aber die takwak-Kollegen haben eine Menge unternommen, um es dem Nutzer leicht zu machen. Dabei hilft die Multimedia-Fähigkeit des tw700 gegen das Vergessen: Lernvideos von der takwak-Webseite auf das tw 700 kopieren, dann sind die einfachen Anleitungen immer dabei. Wenn man sich einige Besonderheiten merkt, ist die Bedienung schnell erlernt, denn das tw700 hat weitaus weniger verschachtelte Untermenüs als so manches andere Smartphone. Wichtig sind die „zurück“-Taste unten rechts und die „Menü“-Taste unten links, die zu den jeweiligen Einstellungen führt.

WLAN ist wichtig
Sicher, das tw700 ist kein KFZ-Navi, das man auspackt, an die Windschutzscheibe napft und losfahren kann. Dafür kann es einfach zuviel, und das braucht einfach Einarbeitungszeit. Der Zugriff auf ein WLAN-Netz ist wichtig, um das Gerät mit Updates, topographischen oder OSM-Karten zu versorgen. Praktisch: Updates werden automatisch mitgeteilt, die Installation ist problemlos.

Touchscreen-Bedienung: mit leichtem Nachdruck, nicht zu schnell
Die Bedienung über den Bildschirm ist etwas gewöhnungsbedürftig. Sein Touchscreen reagiert nicht so schnell und flüssig wie bei einem iPhone, aber der muss eben auch outdoortauglich sein. Also: statt schnelles Wischen etwas bedächtigeres Schieben mit ganz leichtem Druck, dann gehorcht auch das takwak-Display dem Nutzer auf den Finger genau. Bei Texteingaben erscheint eine Tastatur im QUERTZ-Format. Deren Schaltflächen sind allerdings etwas klein geraten, so dass sich ein Stift empfiehlt.

Achtung auf die Energie
Der 2700 mAh-Akku hielt bei unseren mehr als sechsstündigen Touren gut durch und zeigte erst gegen Ende den gelben Bereich. Dabei fand dieser Test bei wenigen Grad über Null statt, und das Display war permanent beleuchtet – davon zweistündig auf hellster Stufe. Wer zusätzlichen Bedarf hat, kann einen Wechselakku mitführen oder – als Radfahrer – das tw700 auch über den Nabendynamo-Strom versorgen, wenn man eine Ladeschaltung wie zum Beispiel Busch & Müllers USB-Werk nutzt. Für einen derart starken Akku liegt das tw700 mit 209 Gramm sportlich leicht in der Hand – ein reines GPS- Gerät wie das Garmin GPSMap 62 bingt schon 228 Gramm auf die Waage.

Beim GPS-Empfang ist das takwak nicht immer so schnell wie einige seiner Mitbewerber, aber dann hält es auch seine Position. Unsere Aufzeichnungen zeigten GPS-Position letztendlich genauso präzise wie die der üblichen GPS-Geräte, auch in schneebedeckten Wäldern. Unsere Empfehlung: das takwak vor dem Benutzen mehrere Minuten an eine Stelle mit guter Empfangsmöglichkeit (freier Himmel) legen.

Routing: für Fussgänger, Radler und Autofahrer
Die Navigation mit dem tw700 gestaltet sich denkbar einfach: auf der Kartenseite auf die Lupe rechts oben tippen, dann auf der nächsten Seite im Bereich „Ziel“ auf „Adresse“ gehen, Stadt und dann Straße/Hausnummer eingeben, auf „Navigation starten“ drücken, fertig. Wenn man dem tw700 dabei einen kurzen Augenblock gönnt, vervollständigt es selbständig Städte- und passende Straßennamen, teilweise korrigiert es sogar falsch geschriebene Namen. Derzeit fehlt noch eine PLZ-Angabe bzw. eine Regionsangabe für den gefundenen Ort, doch das wollen die takwak-Kollegen nachliefern. Sehr schön: im oberen Feld der Zieleingabe werden die aktuell eingestellten Routingkriterien sichtbar, also zum Beispiel „Fahrrad/Tourenrad“ (auch ein Fussgänger- und KFZ-Modus ist enthalten). Das Routingergebnis wird als rote Linie auf der Kartenseite angezeigt – sehr gut sichtbar, denn die Farben der Hintergrundkarte wurden bewusst etwas heller gehalten. Nun heißt es, auf das Pfeilsymbol unten links drücken, dann richtet sich die Karte in Bewegungsrichtung aus, und die Entfernung zum Ziel wird in Kilometern angegeben. Unser Tipp: auf das Cockpit-Symbol oben in der Menü-Leiste gehen und auf „Start“ drücken, dann wird die Strecke als Track aufgezeichnet und erscheint auf der Karte als deutlich sichtbare violette Linie (nachher das Speichern nicht vergessen!). Abbiegevorgänge werden durch einen Pfeil angezeigt und auch nach Wahl durch einen Gong-Ton angekündigt: nett, aber beim Fahrradfahren häufig etwas zu leise. Eine Sprachnavigation besitzt das tw700 nicht.

Navigation: das tw700 liebt es schnell und direkt
Im Verlauf unseres Test ließen wir uns vom tw700 durch Feld, Wald und Städte navigieren – mit meist guten Ergebnissen. Bei der Fussgängernavigation in Waldgebieten nutzte das Gerät auch schmale Wege, die Verbindungen zeigten sich erfreulich kurz – gerade hierbei waren wir von anderen GPS-Geräten häufig Umwege gewohnt. Mit dem Fahrrad in der Stadt nutzte es relativ direkte Verbindungen, allerdings auch über nichtasphaltierte Wege, Parks und Grünanlagen. In Regionen mit großflächigen Sperrgebieten (Werksgelände) leitete uns das tw700 zuweilen vor verschlossene Werkstore, aber dies passierte auch mit anderen GPS-Geräten.
Ein dynamisches Routing, also die ständige Neuberechnung des Weges während der Fahrt, bietet das tw700 nicht, dies befindet sich aber nach takwak-Angabe bereits in Planung. Wer sich also von der berechneten Strecke entfernt hat, muss einfach das Ziel von der aktuellen Position neu eingeben und dann berechnen lassen. Sehr außergewöhnlich in der Outdoor-GPS-Welt: die berechneten Strecken werden vom tw700 automatisch gespeichert, auch wenn sie nicht abgefahren werden.

Wegpunkt-Navigation
Wegpunkte lassen sich über ein Fadenkreuz auf einer beliebigen Position der Karte speichern, dann kann man sie als Navigationsziel aufrufen. Die Eingabe von Koordinaten ist ebenfalls möglich. Durch einen Menüfeld auf der Kartenseite sind Wegpunkte auch während der Fahrt schnell gespeichert.

Spezielle thematische Inhalte wie die Fahrradrouten des ADFC oder auch POIs wie Bett-und-Bike-Betriebe sind im tw700 noch nicht enthalten, auch eine Zielhistorie „letzte Ziele“ wäre wünschenswert. Ebenso fehlt ein spezieller Geocaching-Modus noch. Immerhin lassen sich Geocaches als Wegpunkte auf das tw700 übertragen, dann kann man dorthin navigieren.

Unser Fazit bei der Outdoor-Navigation: wer nur bestimmte Wege, zum Beispiel ausgeschilderte Themenrouten nutzen möchte, sollte diese vorher auf dem PC planen oder aus dem Internet laden und dann auf das tw700 übertragen.

Klasse: Touren planen mit MagicMaps oder dem takwak-Online-Planer
Genau dafür arbeitet das tw700 hervorragend mit einer der komfortabelsten Tourenplanungssoftware zusammen: dem „Tour Explorer“ von MagicMaps. Diese Funktionen sind dank der Zusammenarbeit der beiden Firmen bereits vorinstalliert und sehr einfach gelöst.

Wer den Tour Explorer – und damit auf dem PC installierte Topographische Karten – besitzt, kann nicht nur Strecken, sondern auch Kartenausschnitte vom PC auf das takwak übertragen Auf dem Gerät sehen sie besonders in hoher Auflösung sehr brillant aus. Achtung: Sie werden nicht über Menü/Karte aufgerufen, sondern über Menü/Einstellungen/TourExplorer-Karten.
Weitere umfassende Möglichkeiten zur kostenlosen Tourenplanung bietet die takwak-Internetseite mit einem online-Planer, der auf dem AlpRegio-System der Firma Alpstein basiert.

Apps – was braucht man noch?
Wem die Navigations- und Kartendarstellungsfunktionen des tw700 noch nicht ausreichen, kann sich zusätzliche Software in Form von Apps auf dem tw700 installieren, zum Beispiel Locus oder Apemap, die sich über das „App-Center“ leicht finden und installieren lassen.
Das tw700 ist derzeit noch nicht Google-Zertifiziert – ein Zugriff auf die App-Plattform „Google play“ ist noch nicht möglich. Somit macht es Sinn, sich bei dem Store „Android pit“ anzumelden, allerdings mit einem spürbar bescheideneren App-Angebot.

Mobile Webseiten – Tourenvorschläge direkt aufs tw700
Während eine App eine Software ist, die auf das Gerät heruntergeladen und dort fest installiert wird, sind mobile Webseiten für den Zugriff mit Smartphones optimierte Internetseiten. Einige dieser mobile Webseiten sind bereits als Lesezeichen enthalten, aber für Smartphone-Anfänger noch etwas versteckt: Über das Web-Symbol auf der Homepage den Browser aufrufen (Google-Homepage ist vorinstalliert), dann rechts neben der Google-Eingabe auf das „Lesezeichen“-Symbol gehen.
Verblüffend einfach funktioniert das Finden und Verwenden von Touren aus Deutschlands größtem Tourenportal www.GPSies.com. Denn sobald die Tour auf das tw700 heruntergeladen ist, wird sie sofort auf der Kartenseite angezeigt und auch in der Tourenliste zur späteren Verwendung gespeichert. Ähnlich funktioniert dies auch mit Landesradroutenplanern von NRW und Hessen.
Diese mobilen Webseiten sollte man sich unbedingt als Lesezeichen speichern.

Die Business-Welt
Auch für Business-Anwendungen zeigt das takwak spannende Qualitäten. Während viele andere Outdoor-Geräte nur für den Wasser-Einsatz geprüft sind (IPx7), hat das takwak mit „IP57“ auch die Staubdichtigkeit zertifiziert bestanden – dafür steht die zusätzliche „5“ statt des „x“. Als Business-Handy kann das tw700 mit den firmeneigenen Mobilfunk-Standards eingerichtet und dann zur Navigation bei harten Outdoor-Einsätzen genutzt werden.

Walkie-Talkie
Vielleicht gerade für den Business-Bereich ist die Walkie Talkie-Funktion sehr interessant. Wenn die Nutzer nicht zu weit voneinander entfernt sind, kann diese Funkverbindung bares Geld sparen, besonders im Auslandseinsatz. Das Walkie-Talkie-Modul (PMR 446-Standard) ist schon betriebsfertig vorkonfiguriert. Einfach die Anwendung starten, orange Taste an der Seite drücken, und sprechen. Voraussetzung ist natürlich, dass die kommunizierenden takwaks auf denselben Kanal und Subton eingestellt sind, aber auch das ist sofort ersichtlich und kann umgehend angepasst werden. In unseren Tests reichte die Walkie-Talkie-Verbindung mehrere hundert Meter weit.

Gruppennavigation
Eine Besonderheit des takwak-Konzeptes ist die Gruppennavigation. Wenn zwei oder mehr tw700 im Einsatz sind, können sie über eine Verbindung mit dem takwak-Server ihre Position und auch eine Reihe von Daten austauschen – zum Beispiel den aktuellen Track, Wegpunkte oder Textnachrichten. Eine Kontaktaufnahme über Mobilfunk oder Walkie Talkie ist auch schnell möglich. Interessant zum Beispiel für Reisegruppen, die zu einem Ziel geleitet werden, wobei dieses Ziel durchaus auch mobil sein kann. Allerdings ist dazu eine Mobilfunkverbindung erforderlich, und Roaminggebühren können anfallen.

Unser Fazit: Absolut zukunftsweisend
Das tw700 erweitert die GPS-Outdoor-Welt um Smartphone-Funktionen, ohne die Nachteile der Smartphones mit sich zu tragen. Bereits im Auslieferungszustand bietet es sehr nützliche und zuverlässige Navigations- und Kommunikationsfunktionen, die in Zusammenarbeit mit dem takwak Internet-Tourenplaner, komfortabler PC-Software wie MagicMaps Tour Explorer und zahlreichen Apps kaum noch Wünsche offen lassen. Einige Funktionen können durchaus noch optimiert werden, aber die takwak-Kollegen haben schon die ersten Updates bereitgestellt. Der Preis von 549,- Euro klingt im ersten Augenblick für ein GPS-Gerät hoch, wenn man aber bedenkt, welche Gegenleistung dort enthalten ist: GPS-Gerät, robustes Smartphone, Walkie-Talie und vorinstallierte Karten – kann man durchaus ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis attestieren.

Tipp: Uhrzeit: wenn das takwak beim Einschalten eine falsche Uhrzeit anzeigt, einfach etwas warten, es holt sich automatisch die richtige. Dazu bei „Einstellungen“ auf „Datum & Uhrzeit“ gehen, dann das Häkchen bei „Automatisch“ entfernen, bei „Zeitzone auswählen“ auf „Mitteleuropäische Zeit B(rüssel)“ gehen und dann das Häkchen bei „Automatisch“ wieder setzen.

Tipp: Nach dem Aufladen das Telefon noch einmal an- und dann richtig ausschalten, sonst bleibt das takwak im Standby – und ist am nächsten Morgen komplett leer. Beim Ausschalten also immer auf den Ton achten, der von einem Vibrationsalarm begleitet wird. Wenn es ausgeschaltet war, braucht das takwak etwa 35 Sekunden zum Hochfahren. Aus dem Standby-Modus ist es dagegen sofort da – aber der ist eben auch ein schleichender Akku-Killer.

Text/Fotos: Thomas Froitzheim

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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