Interview: das richtige 29er Laufrad für Reiseräder

Jochen Reichert. Foto:privat

Sind 29er-Laufräder reisetauglich? Wir fragten Jochen Reichert, dessen Firma Whizz-Wheels aus Schönaich sich vor 20 Jahren auf den Bau handgespeichter Laufräder spezialisiert hat.

Herr Reichert, 26-Zoll gilt als das Maß der Wahl für anspruchsvolle Radreisen. Lassen sich auch steife, dauerhaltbare 29er Laufräder für Weltreisen bauen?

Ja. Damit sie den höheren Gewichten standhalten, sollten sie aber bestimmte Kriterien erfüllen. Wir geben unsere dreijährige Garantie gegen Speichenbruch für Belastungen über 140 Kilo (Fahrer und Gepäck, Anm. d. Red. ) zum Beispiel bei solchen Laufrädern nur mit 36 oder 40 Speichen. Das schränkt wiederum die Auswahl bei den Felgen stark ein. In Frage kommt etwa die Rigida / Ryde Andra 30 oder die Rigida / Ryda Sputnik. Diskspezifische Felgen gibt es kaum.

Was kann denn mit den Felgen passieren?

Wir sprechen ja von Rädern für Reiseradler, können also von einer hohen Kilometerleistung ausgehen. Zu leichte Felgen etwa bekommen bei derart intensivem Gebrauch früher Risse an den Speichenlöchern oder im Felgenbett.

Und die Speichen selbst?

Sollten ebenfalls belastbar sein. Sinnvoll sind doppeldickend-Speichen mit 2,0mm Durchmesser am Gewinde (DT Competition 2,0/1,8/2,0mm oder DT Alpine III 2,34/1,8/2,0mm). Dünnere Speichen brechen zwar nicht, verlangen aber eventuell häufigeres Nachzentrieren.

Haben Sie einen Tipp, woran man dauerhaltbare Laufräder erkennen kann?

Die Naben, Felgen, Speichen und Nippel sind passend für den Einsatzbereich gewählt und aufeinander abgestimmt. Die Speichenbögen liegen eng am Nabenflansch an – es gibt möglichst keinen Knick am Übergang von der Speiche zum Nippel und die Speichenlänge ist passend gewählt, so daß die Speichen nicht am Nippel überstehen.

29er-Felge bei Utopia: Die breite Felge passt sehr gut zu den breiten Reifen. Foto: Bleicher.

29er-Felge am Koga-Worldtraveller. Mit 40 Speichen hinten und recht breiter Maulweite gut für lange Reisen gerüstet.

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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