Das Titan Reiserad: ein Exot unter Exoten – aber die Investition wert

In RADtouren 5/12 stellen wir im „Fokus“ den Idworx Off Rohler Ti ausführlich vor. Titan-Reiseräder wir das Off Rohler Ti haben eine wachsende Fangemeinde – wachsend wohl auch deshalb, weil der Rahmen bei richtiger Verarbeitung ein Leben lang halten kann und ohne aufwendige Pflege auch ein Leben lang gut aussehen kann. Viele, die einmal ein Titanrad besaßen, wechseln nicht mehr so schnell. Hier zeigen wir, wo Liebhaber des Werkstoffes noch fündig werden können.

Das Idworx Off Rohler Ti Titan-Reiserad aus der Gaastra-Bikeschmiede überzeugte im Fahrtest mit hervorragenden Fahreigenschaften für ein Reiserad. Am matt schimmernden Rahmen glänzen auch viele Details, die das Potential das Werkstoffes Titan erst richtig ausschöpfen. So robust wie der Werkstof ist auch das Idworx Off Rohler Ti ausgelegt. Das beginnt mit der 14-Gang-Rohloff-Nabe und endet mit durchdachten Zugverlegungen, einem Lenkanschlag für einfaches Beladen des Lowriders oder der wartungsarmen Magura HS-Hydraulikbremse in der starken Firm-tech-Version noch lange nicht. Natürlich haben der exklusive Werkstoff, der schwieriger zu verarbeiten ist als Stahl oder Aluminium, sowie die sorgfältige Entwicklungsarbeit ihren Preis- 5.999 Euro kostet der Idworx Off Rohler Ti. www.idworx-bikes.de

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Das Salsa Fargo war eines der ersten 29er-Reiseräder, die es auf dem europäischen Markt gab. Mit Rennlenker und dicken Stollenreifen ist es ein echtes Expeditions-Fahrzeug für Schotterpisten, das aber durchaus auch mal schnell bewegt werden kann. Es gibt eine Stahlvariante, die im RADtouren-Reiseradtest schon mit sattem Geradeauslauf und traktorähnlichem Fahrgefühl überzeugte. Die Titan-Variante Salsa Fargo Ti ist noch relativ neu. Mechanische Scheibenbremsen, Laufräder mit No-Tubes Arch-Felgen und eine große Zahl Anlöt-Ösen für Gepäckträger vorne wie hinten sowie Wasserflaschen in großer Zahl sind kennzeichnend. www.salsa-cycles-com

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Ein brandneues 29er-Titan-Reiserad kommt von Titan-Spezialist Van Nicholas. Auf Basis der Van Nicholas Pioneer, das im RADtouren-Test ebenfalls hervorragend bewährt ist, bauten die Niederländer das Pioneer Rohloff 29er Reiserad. Das unlängst auf der Eurobike gezeigte Modell rollt auf Big Apple-Reifen und ist damit klar straßenorientiert. Interessant waren die Integration der Rohloff-Nabe sowie die leicht gebogene Sattelstütze aus Titan, die den Komfort am 26er-Testrad damals spürbar verbesserte. Der Einstiegspreis für ein Komplettrad liegt laut Van Nicholas bei 3.543 Euro. Auch Maßrahmenbau ist möglich. www.vannicholas.com

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Spezialisiert auf Maßrahmenbau aus Titan in Kombination mit der Rohloff-Nabe ist die italienische Rahmenschmiede Rewel. Titan-Reiseräder von Rewel werden auf Wunsch auch mit einem Steuerrohr für die Aufnahme von Cannondales HeadShok-Federgabeln gebaut, die sich wegen ihrer hohen Lenkpräzision unter MTB-Rennfahrern einen Namen gemacht haben. http://www.rewelbikes.com

Ebenfalls auf die sinnvolle Kombination Rohloff-14-Gang-Nabe und Titan setzt Falkenjagd. Auf der Eurobike stellte die Marke jetzt ihren neuen Sporttourer vor: Das 29er Hoplit „ST“. In der gezeigten „Streetversion“ kommt er mit Schutzblechen, Titangepäckträger vorne wie hinten sowie mit einer SON Delux Lichtanlage. Beim Falkenjagd Titan-Reiserad ist der Anteil von Anbauteilen aus Titan besonders hoch: vom Gepäckträger über den Vorbau bis zur neu entwickelten Titanreiseradgabel mit Lowriderösen reicht das Spektrum. Gabeln aus Titan sind dabei noch seltener zu finden als Titan-Reiseräder. http://www.falkenjagd-bikes.com/

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Ein Titan-Reiserad als Randonneur stellte die neue Marke Apace auf die IspoBike in München vor. Der Apace Randonneur hat für mehr Lenkkopfsteiffigkeit ein konifiziertes Steuerrohr, das unten anderthalb Zoll misst. Verzögert wird mit mechanischen Scheibenbremsen von Avid (BB7 Road) und geschaltet mit einer Shimmano Ultegra Rennradgruppe. Apace-Macher Sören Zieher sieht den Randonneur eher als alltagstaugliches Rennrad mit bequemer Gepäckoption, denn als klassisches Reiserad. Die Packtaschen rasen an einem Tubus Airy Titangepäckträger mit, der trotz geringem Gewicht hohe Traglasten verkraftet. www.apace-bikes.de

Titan Reiserad mit Rennlenker und Titan-Gepäckträger: Randonneur mit mechanischen Disk-Bremsen von Apace aus Köln. Foto: Gathmann

Warum Titan?

Titan ist zwar ähnlich fest wie Stahl, lässt sich aber leichter dehnen – in der Fachsprache: das Elastizätsmodul ist niedriger. Dadurch sind die Rohre nicht so empfänglich für Dellen. Außerdem ist Titan korrosionsbeständig, es rostet nicht, die Oberfläche sieht auch ohne Lack dauerhaft schön aus. Nicht zuletzt hat der Werkstoff eine geringere Dichte, ermöglicht also theoretisch leichtere Rahmen.

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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