Erster Fahrtest: Mio Cyclo 305

Wir erhielten als eine der ersten Redaktionen ein Testgerät der neuen Mio 300/305 HC-Serie. Und konnten es mit seinem „Vater“ höchstpersönlich testen. Denn Iwan van Hende, Mio-Product Manager Outdoor und Fitness, besuchte uns am 7. Mai und testete mit uns die neuen Mio-Geräte auf dem Bike. Einen ersten Erfahrungsbericht gibt es hier – der vollständige Test erscheint in Ausgabe vier des RADtouren-Magazins.

Mio Cyclo 300 am Lenker auf der ersten MTB-Tour. Foto: Froitzheim

Entwickler Iwan van Hende mit Mio 300

Entwickler Iwan van Hende mit Mio 305. Foto: Froitzheim

Die Idee zu seinem Baby kam dem radsportbegeisterten van Hende vor etwa drei Jahren, als er sich ein einfach zu bedienendes Fahrradnavi wünschte. Schon damals war er beim Mitac-Konzern beschäftigt, der neben Mio inzwischen auch die Marken Navman und Magellan zukaufte und sich damit ein umfassendes Navigations-Know-How erwarb. Als erste Outdoor-Geräte unter der Mio-Marke erschienen nun der Mio Cyclo 300 und der Mio Cyclo 305 (mit zusätzlicher Herz – und Trittfrequenzmessung) auf dem deutschen Markt. Ihre Kernkompetenz: Outdoor-Routing für Radfahrer. Und zwar so einfach und komfortabel wie möglich.

Aus diesem Grunde verzichtet der Mio auf einige Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten, aber eben genau dadurch wird das Gerät leicht bedienbar. Und es ist sofort einsatzbereit, denn seine Karten – eine OpenStreetmap-Karte und eine Teleatlas-Karte – sind vorinstalliert. Auf Wunsch für gesamt Westeuropa, mit komfortabler Adresssuche.
Der Mio kann aber weder Rasterkarten darstellen noch Wegpunkte setzen, er besitzt keinen speziellen Geocaching-Modus und ihm fehlt eine Erweiterung des internen Speichers durch eine MicroSD-Karte. Und Höhenprofile zeigt er nur für bereits gefahrene Touren an. Das Motto ist klar erkennbar: Weniger ist mehr. Und in diesem Fall, soviel sei vorweggenommen, auch eine weise Entscheidung.

Baut flach: der sichere Halter des Mio mit Gummidämpfung. Foto: Froitzheim

Die Lenkerhalterung mit 13g sehr leicht, baut relativ flach und ist und schnell montiert. Pfiffig: Durch eine zusätzliche Rasterung kann das Gerät sowohl im Hoch-als auch im Querformt betrieben werden, die Montage ist sowohl am Lenker als auf dem Vorbau möglich. Eine Sicherungsschlaufe fehlt dem Mio, aber durch sein relativ geringes Gewicht von 155 g hat sich auch bei unseren ersten Mountainbike-Ausritten wacker am Lenker gehalten.

Zum Ein- und Aussschalten besitzt der Mio einen einzigen Knopf. Dieser dient – ganz iPhone-ähnlich – auch als „Zurück“-Funktion, alle weiteren Funktionen werden über den 3“ großen Touchscreen bedient. In wenigen Sekunden ist der Mio hochgefahren und zeigt sechs große, farbige Schaltflächen, dazu oben am Bildschirmrand Symbole für Uhrzeit, GPS-Empfang und Akkukapazität. Die Schriften auf dem Bildschirm sind groß und deutlich, die Menüführung macht einen sehr aufgeräumten Eindruck.

Ein leichter Druck auf „Navigieren“, dann kann man sich zu einer beliebigen Adresse, gespeicherten Strecken, POIS, einem Punkt auf der Karte (einfach auf das Display tippen) oder einer Koordinate (für Geocacher wichtig) leiten lassen. Erfreulich schnell berechnet der Mio die Strecke zu seinem Ziel und zeigt die Entfernung dorthin (bis zu 200 km Zieldistanz sind möglich). Wer möchte, kann noch zwischen Fahrrad- und Kfz-Modus wählen, das gewählte Ziel als Favorit für weitere Verwendungen speichern und sich den Routenvorschlag auf der Karte anzeigen lassen. Dann auf „Go“ drücken, und der Mio wechselt in die Kartenansicht, wo der Routenverlauf als leuchtend grüne Linie dargestellt wird. Zusätzlich wird die Geschwindigkeit und die Entfernung zum Ziel angezeigt. Auf Knopfdruck kann die Strecke aufgezeichnet werden. Weitere Bildschirmseiten zeigen die typischen Reisecomputer-Anzeigen wie Höhe, Reisedauer, Steigung oder auch (beim Mio 305 HC) Herz- und Trittfrequenz.

Der Mio kann Streckenvorschläge für Tourenradler, Mountainbiker und Rennradfahrer ermitteln – die  Differenzierung erfolgt durch die Angabe eines Profils, das man zu Beginn der Nutzung anlegen sollte (mehrere Profile sind möglich).Der GPS-Empfang erfolgt schnell und präzise, auch während der Testfahrten zeigte er sich jeweils genau auf dem befahrenen Weg. Sein Display zeigt sich – bei voller Hintergrundbeleuchtung – in den meisten Situationen als gut ablesbar. Die Hintergrundbeleuchtung kann auch permanent eingeschaltet werden, dazu im Menü „Helligkeit“ die Einstellung „Nie“ wählen (auch wenn es missverständlich erscheint).

Mio Cyclo 305. Foto: Hersteller

Das Alleinstellungsmerkmal des Mio ist sein „Surprise me“-Modus – das Ausrechnen von Rundtouren. Dazu gibt man einfach entweder die Länge oder eine Kombination von Zeit und Geschwindigkeit ein, und schnell berechnet der Mio drei Rundstrecken um seinen Standort, die umgehend farblich differenziert, mit deutlicher Angabe der jeweiligen Entfernung auf dem Bildschirm erscheinen. Wem die Strecken noch nicht gefallen, wiederholt den Vorgang, denn der Mio rechnet auf Wunsch immer weitere Strecken aus. Ideal für Radler, die sich mal eben eine Tour vorschlagen lassen wollen, ohne den PC zu bemühen.

Bei unseren ersten Versuchen zeigte das Routing auf der OpenStreetMap-Karte gute Erfolge, allerdings hatten wir auch die oberflächen-unempfindliche Mountainbike-Option gewählt. Auf einer Strecke von etwa 22 km zeigte die Karte nur einen Weg, der in der Natur nicht vorhanden war. Für Radfahrer verbotene Wege wurden nicht vorgeschlagen. Allerdings sind dies nur erste Ergebnisse – diese Routingvorschläge werden wir natürlich noch intensiver testen. Ebenso die Ausdauer des fest eingebauten Akkus, der uns nach den ersten Versuchen als relativ ausdauernd erschien.

Die Navigationsanweisungen auf dem Display erfolgen durch einen Pfeil, der die nächste Abbiegung anzeigt. Dazu werden im oberen Bildschirmbereich in relativ deutlicher Schrift der Abbiegungsvorgang und die Entfernung dorthin angezeigt. Die aktive Route erscheint als hellgrüne, relativ breite Linie, wobei die Fahrtrichtung zusätzlich durch Pfeile deutlich wird. Zudem erfolgt eine akustische Unterstützung: 250 m vor einem Abbiegevorgang erfolgt ein Piepston, 150 m vorher zwei Piepstöne und bei 50 m vor dem Abbiegen drei Piepstöne. Sehr praktikabel auch der automatische Zoom. Auf dem Display wird immer der nächste Abbiegevorgang angezeigt, auch wenn er erst mehrere 100 m später stattfindet. Bei der Annäherung an einen Abbiegevorgang zoomt das Display heran. Wenn man falsch fährt, wird man sehr komfortabel zur geplanten Route zurückgeführt, die Entfernungsangabe zeigt dann die Distanz bis zum Erreichen der geplanten Strecke.

Der Mio kann auch externe Tourenvorschläge im GPX-Format verarbeiten, die entweder über USB-Kabelverbindung und den Windows Explorer direkt in sein Verzeichnis „Tracks“ kopiert werden oder über die online-Software Mio-Share verwaltet werden können. Wer Wert auf Sport-und Trainingsfunktionen legt, greift zum Mio Cyclo 305 HC, der dieselbe Software enthält, aber durch zusätzliche, ANT+-gesteuerte Sensoren auch die Herz-und Trittfrequenz sowie die damit verbundenen Trainingswerte anzeigen kann.

Mio Cyclo 305 Startbildschirm. Foto: Hersteller

Fazit: Triumph der Einfachheit.Unsere ersten Erfahrungen mit dem Mio zeigen ein sehr einfach zu bedienendes, durchdachtes Fahrradnavi, das fast intuitiv zu bedienen ist und auch den Anfänger nicht überfordert. Die Mio Share-Software befand sich noch im Anfangsstadium, soll aber in den nächsten Tagen weitere Funktionen erhalten.

Der Mio Cyclo 300 kostet mit Karten von Westeuropa 349 Euro und als Mio Cyclo 305 HC 399 Euro. Weitere Informationen unter http://eu.mio.com/de_de/.

Text / Fotos: Thomas Froitzheim

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

5 Gedanken zu “Erster Fahrtest: Mio Cyclo 305

  1. Hallo,

    ich habe das Mio 300 in der KW 21 gekauft und am langen Pfingstwochenende „getestet“. Meine Begeisterung hält sich aber danach ersteinmal in Grenzen! Ich bin z.B. von Almere/NL ca. 34 km nach Amsterdam gefahren (im Tourenradmodus) Aber wohl nicht auf der vorgeschlagenen Strecke, sondern auf dem Fahrradweg am Meer entlang. Bein jeder Abbiege-Möglichkeit versuchte Mio mich vom Weg „runterzuholen“ Nach langen Kilometern wird erst akzeptiert. Diese Erfahrung wiederholte sich. Nach „Open Street Maps“ in Amsterdam eine ganz bestimmt Adresse zu suchen, erwies sich als Fiasko!
    Dann fuhr ich von Almere nach Lelystad auf dem Fahrradweg am Meer entlang auch hier gab es einen anderen Vorschlag und wieder kilometerlanges Warten, bis dies akzeptiert wurde. Ca. 13. vor Lelystad dann die Meldung „bitte umdrehen – falsche Richtung. Anzeige gab nun 19 km an und zählte 7 km-lang aufwärts mit dem Hinsweis „falsche Richtung“ Dann endlich: Mio hat es geschnallt! Es war wieder auf der richtigen Route und zeigte nun noch 8 km zum Ziel an und blieb nun auch dabei.
    Das ist natürlich grottenschlecht! Wäre mir die Strecke unbekannt, hätte ich natürlich ein riesen Problem, wenn Mio 7 km lang aufs Umdrehen pocht…
    Gerade in den Niederlanden ist das Fahrradwegenetz ja super. Ich habe einfach das Gefühl, das sich Mio an Fahrradwege unmittelbar an Autostraßen orientiert….?
    Auf dem Display gab es eine leuchtend grüne Linie (die errechnete Strecke..) und daneben eine rote Linie auf der ich mich befand. Merkwürdig, merkwürdig….
    Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich nach drei Touren das Gefühl nicht loswerde, dass Mio permanent versucht, (wenn sich die Gelegenheit bietet) den Nutzer von seiner benutzenen selbst gewählten Strecke auf die Mio-Strecke zurückzuholen.
    Ich werde es demnächst mal mit dem Mountainbike-Modus probieren, obwohl ja Fahrradwege in den Niederlanden selten unbefestigt sind.
    Ansonsten ist die Bedienung wirklich sehr leicht, die Ablesbarkeit auch in direkter Sonne gut. Die Anweisetöne allerdings zu leise. Die Informationen nach abgeschlossener Tour ausreichend.
    Letztendlich bin ich auf Ihren Testbericht sehr gespannt. Natürlich werde ich auch noch weiter „testen“.
    Mit freundlichen Grüßen
    Roswitha Büsing

    • Über die Funktion des Routings in den Niederlanden können wir natürlich nichts sagen. Hier, wo es vielerorts gar keinen Radweg gibt oder die Straße manchmal besser ist als der Radweg funktionierte es ganz gut. Dass das Gerät auf die errechnete Strecke zurücklotst, muss natürlich so sein und ist auch hilfreich, wenn man sich nicht auskennt (oder die Beschilderung nicht so perfekt ist wie in NL). Berichten Sie gerne weiter!

  2. Hallo,

    seit einigen Tagen habe ich das Mio 305 und war zunächst sehr begeistert. Leider funktioniert das Senden von Routenvorschlägen über MioShare an das Gerät überhaupt nicht. Jedes Mal kommt die Meldung „Download fehlgeschlagen“. Nur das Senden an das MioShare-Konto ist möglich. Auch bei dem Versuch, Routenvorschläge direkt über den Windows Explorer zu kopieren sind wir kläglich gescheitert. So langsam ist unsere Geduld am Ende und die erste Begeisterung hat einen großen Dämpfer erhalten. Das Benutzerhandbuch lässt zu wünschen übrig, wir konnten keine Hinweis zu diesem Problem finden.

    Viele Grüße
    Sabrina F.

  3. Ich habe mir Ende Juni 2012 auch einen Mio Cyclo 305 zugelegt. Auch bei mir war am Anfang die Begeisterung sehr groß. Das änderte sich aber schnell. Die Surprise Me Funktion hat mich immer wieder auf Wege geführt, die es schon lange nicht mehr gibt. Einmal stand ich z.B. vor einem Wasserwerk und es ging nicht mehr weiter, ein anderes Mal vor einem Baggersee, der sicher nicht über Nacht dort entstanden ist. Außerdem kam es vor, das das Gerät plötzlich auf gerader Strecke zum umdrehen aufforderte, obwohl die Fahrtrichtung eigentlich richtig war.

    Ich habe dann versucht telefonisch mit dem Support von Mio in Verbindung zu kommen um diese Probleme in den Griff zu bekommen. Dafür braucht man Geduld, weil man erst einmal in einer Warteschleife landet. Hat man dann einen Ansprechpartner, erweist sich die Verständigung als schwierig wenn man, wie ich, nur Deutsch spricht. Auf jeden Fall haben mir die Auskünfte nicht wirklich weitergeholfen.

    Weitere Kritikpunkte:
    – die Hinweistöne sind zu leise
    – beim Übertragen der Gerätedaten auf meinen Lap-Top kam es immer wieder zu Fehlermeldungen ( auch hier konnte
    der Support nicht weiterhelfen)
    – bei starker Sonneneinstrahlung ist meiner Meinung nach das Display trotz größter eingestellter Helligkeit schwer zu
    erkennen.

    Nach einem Monat war dann für mich Schluß. Ich habe das Gerät bei meinem Händler komplett zurückgegeben und den Kaufpreis glücklicherweise vollständig zurückerstattet bekommen.

    Viele Grüße
    Alfons Schmeink

  4. Die Kritik kann ich nur voll und ganz unterstützen. Mit Ausnahme der Aufzeichnungsfunktion gefahrener Strecken habe ich nichts Gutes an diesem Gerät gefunden. Das Mobiltelefon ist gegen dieses Gerät in der Spitzenklasse, auch Navis, die eigentlich für Autos gedacht sind tun es besser.
    Ich mag mein altes Gerät nicht weiter verkaufen, obwohl mir das ausgegebene Geld leid tut.

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