Vorbereitung extrem: 3 Amateur-UNtaugliche Elemente aus der Profi-Trickkiste

Bild: fotolia.com © VRD

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Rennradsport ist ziemlich technisch. Wer genügend Geld einsetzt, kann sich in Sachen Ausrüstung ruck-zuck auf ein Level mit den ganz Großen katapultieren. Aber Rennradsport ist auch immer noch ein Höchstleistungssport. Und so manches können Amateure ebenso reproduzieren, dass sie mit den ganz Großen mithalten können.

Rennradfans aus aller Welt hängen bei den internationalen Top-Turnieren an den Bildschirmen, um die Technik zu checken. Auf welchem Bike absolvierte Froome die letzte Tour-Etappe? Natürlich ein Pinarello Dogma F10. Zwar ein auf ihn abgestimmtes Modell, aber kein so unverkäufliches Einzelstück wie etwa ein Formel-Eins-Wagen; für den Gegenwert eines in die Jahre gekommenen Gebrauchtwagens, nämlich rund 6500 Euro, kann man sich das Pinarello auch als Amateur in die Garage holen und profimäßig fahren. Doch wir wissen alle, dass das Gerät alleine keinen Supersportler ausmacht. Chris Froome etwa würde wohl selbst einen gut trainierten Amateur noch auf einem Mercier Campagnolo Nuovo Record von 1980 platt machen – auch wenn der ambitionierte Konkurrent auf einem High-Tech-Renner antritt. Doch welche Tricks machen aus sehr guten Radsportlern echte Ausnahmetalente? Böse Zungen behaupten vielleicht jetzt, dass es nur am Griff zu regelwidrigen Substanzen zwischen Androstenediol bis Zilpaterol liegt, die auf eine lange und ruhmlose Geschichte zurückblicken können, die 1998 im Festina-Skandal nur einen traurigen Höhepunkt fand. Tatsächlich jedoch gibt es auf dem Gipfel des Rennradsports jedoch eine Reihe von durchaus legalen, aber für Amateure mit einem „normalen“ Leben nicht reproduzierbaren Wegen, die das nötige finale Zehntelprozent ausmachen. Der folgende Artikel zeigt drei davon.

  1. Hoch, höher, Hypoxie
Bild: fotolia.com © Dirk Wahn

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Jeder Rennradsportler, der sich auch nur im Entferntesten mit dem Zusammenhang von Körperchemie und Leistungssteigerung auseinandergesetzt hat, weiß, welche Rolle Sauerstoff und sein Transport in unserem Organismus spielen. Für alle, die es nicht wissen: Sauerstoffmoleküle werden in unserem Körper durch die roten Blutkörperchen in die Zellen transportiert. Das Problem am Sauerstoff jedoch ist, dass sein Druck (oder besser der Luftdruck an sich) mit zunehmender Höhe absinkt.

Das bedeutet, auf einer beliebigen Höhe oberhalb des Meeresspiegels wird zwar der Sauerstoffgehalt in der Atemluft immer noch bei den normalen rund 21 Prozent liegen. Dadurch jedoch, dass der Partialdruck der Luft geringer ist, enthält das eingeatmete Luftvolumen aber insgesamt weniger Sauerstoff. Weniger Sauerstoff gleich geringere Leistung.

Und hier kommt das Profitraining ins Spiel. Während Laien-Rennradsportler nämlich auch noch zur Arbeit müssen, können die Profis es sich vor wichtigen Rennen wochenlang in Trainingslagern auf großer Höhe „gemütlich“ machen. Denn der längere Aufenthalt in der buchstäblich dünneren Luft hat nämlich zur Folge, dass der Körper die Bildung roter Blutkörperchen forciert. Der Erfolg: Nach einer gewissen Akklimatisationszeit wird trotz niedrigerem Sauerstoffpartialdrucks bei jedem Atemzug eine mit Meeresniveau vergleichbare Sauerstoffmenge durch die Blutbahn transportiert.

Kommt man so wieder ins Flachland zurück, hat das den leistungssteigenden Erfolg, dass die große Blutkörperchen-Anzahl auf einen höheren Luftdruck trifft. Es wird mehr Sauerstoff umgesetzt, als selbst bei spitzenmäßig im Flachland trainierten Sportlern, die Leistung ist höher. Doch selbst wenn sich das ganze durch Unterdruckkammern auch auf Meereshöhe simulieren lässt, bleibt es doch bei der Tatsache, dass diese Trainingsform aufgrund ihres Zeit-Anspruchs nur denen offensteht, die sich ohne anderweitige Ablenkung wochen- und monatelang nur auf ihre Leistungssteigerung konzentrieren können.

Amateur-untauglich, weil: Ein normales Leben mit Beruf und Co. es schlichtweg nicht möglich macht, ein profimäßiges Höhentraining zu absolvieren.

  1. Futtern wie ein Ausnahmetalent
Foto: fotolia.com © Carmen Steiner

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Die Lebensweise von Normalsterblichen ist auch das nächste Hindernis auf dem Weg zum letzten Quäntchen Leistung. Genauer gesagt der Nahrung. Zugegeben, wer es als Amateur schafft, sich gesund und ausgewogen zu ernähren, der wird seiner Leistung damit schon sehr viel Gutes tun. Aber gut und gesund reicht eben noch lange nicht, um damit Weltklasseleistungen vom Stil eines Warren Barguil oder Romain Bardet abrufen zu können.

Um diesen Unterschied zu begreifen, muss man zunächst mal einen Blick auf den Leistungsumsatz der Profis werfen. Ein normaler, sehr gut trainierter Amateur kommt vielleicht auf einen Stundensatz von 5,6 Watt pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Profis jedoch sprechen wir von Leistungen weit jenseits der 6, teilweise 7 Watt/kg. Und an dieser Stelle kommt der Körper ins Spiel. Denn: Radsportprofis verlangen ihm nicht nur über eine vergleichsweise sehr lange Zeit (auf das Trainingsjahr umgelegt) eine sehr hohe Leistung ab, gewöhnen ihn also daran, sondern sie ernähren sich auch dementsprechend.

Natürlich könnte auch ein Laie dazu übergehen und sich nur noch wie Froome ernähren. Bloß hätte das bestenfalls keine, schlimmstenfalls aber negative Auswirkungen. Denn durch den ständigen Leistungsumsatz ist der Profikörper darauf trainiert, erhöhte Mengen an Nährstoffen zu verwerten. Im Trainingslager und auf der Tour etwa werden pro Tag und Kilogramm Körpergewicht rund 1,5 Gramm Eiweiß verputzt – das ist knapp das Doppelte dessen, was Normalsterblichen empfohlen wird. Und wenn der Körper mangels Profitraining nicht gewöhnt ist, solche Mengen zu verstoffwechseln, führt das zum Gegenteil des Erwünschten, nämlich einer Übersäuerung und somit Senkung der Leistung.

Ähnlich sieht es bei Kohlehydraten aus. Nicht nur, dass Profis davon Mengen zu sich nehmen, die ohne den sofortigen Verbrauch beim Training oder Rennen gewaltige Gewichtszuwächse nach sich ziehen würden. Nein, ein „normaler“ Körper kann mangels dieses gewaltigen Leistungshungers eines Profikörpers auch gar nicht so viele Kohlehydrate in so kurzer Zeit umwandeln.

Amateur-untauglich, weil: Der gesamte Stoffwechsel eines Profis nur darauf gedrillt wird, Nährstoffe richtig zu verwerten und umzusetzen. Kaum ein Amateur kann sein Leben so dermaßen einem Ziel unterordnen.

  1. Das computerisierte und menschliche Umfeld
Bild: fotolia.com © Photo Passion

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Trainings-App auf dem Handy? Check! Ein Fahrradcomputer am Lenker, der in Kombination mit der Software auf dem heimischen Computer Watt-genau die eigenen Trainingserfolge samt Distanzen und Höhenprofilen auswertet? Check! Zugegeben, was an digitaler Technik heutigen Amateurfahrern zur Verfügung steht, stellt teilweise das in den Schatten, was Profis vor nur wenigen Jahren zur Verfügung hatten. Und wer mit dem Powermeter richtig umgehen und seine (teilweise sehr komplexen) Daten analysieren kann, der hat schon einen extrem genauen Überblick über seinen Leistungsstand.

Das haben Profis auch. Aber im Gegensatz zu jedem noch so eifrigen Amateur-Rennradfahrer haben sie auch:

  • Computerexperten, die das Auswerten übernehmen
  • Einen Trainerstab, der das Ausgewertete in Vorgaben umlegt
  • Mediziner, die auf ein haarklein ausbalanciertes Verhältnis von Trainings- zu Ruhephasen achten

Das kann ein Amateur beim besten Willen nicht in der Form reproduzieren. Schon alleine deshalb, weil diese Personen selbst absolute Profis ihres jeweiligen Fachs sind, das Team eine ganze Stange Geld kosten und sich selbst auch mit nichts anderem beschäftigen.

Klar können auch Profis in den Genuss eines Coachs kommen. Manche haben sogar einen sehr guten Sportmediziner an der Hand, der die Zeit findet, sich mit ihnen zu befassen. Profis hingegen haben all diese Personen und die technischen Möglichkeiten an 365 Tagen im Jahr zur ihrer persönlichen Verfügung. Und alle davon arbeiten nur einem einzigen Ziel zu: Dass dieser eine Profi die letzten Promille an Leistung noch erhöhen kann.

Amateur-untauglich, weil: Die auf dem freien Markt erhältliche Technik zwar durchaus auf Profi-Level ist, jedoch das gesamte, komplettbetreuerische Umfeld zwischen Medizinern und Trainern fehlt, um allerhöchste Leistungen zu erzielen.

 Fazit

Amateure können trainieren. Sie können sogar mit einer gewaltigen Ausdauer trainieren und durch Coaching und richtige Ernährung ein Leistungslevel erreichen, das weit über allem Amateurhaften liegt. Wer jedoch nicht den Luxus hat, sein Leben ganz und gar dem Rennradsport unterordnen zu können, wer einen normalen Job hat, der ihn fordert, vielleicht eine Familie, der wird es schlicht und ergreifend nicht schaffen, auch nur in die Nähe der Regionen von Tour- und Giro-Profis zu gelangen. Denn bei denen stimmt eben nicht nur das persönliche Trainingsumfeld, sondern auch unzählige externe Faktoren.

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