Rennrad für Kinder: Wie sportliche Eltern den Nachwuchs ans Radfahren heranführen

Jeden Tag radelt Papa mit dem Rennrad auf die Arbeit; und am Wochenende steigt auch Mama zum Ausfahren auf ihr Rennrad. Logisch, dass der Nachwuchs ebenfalls schnell von der Faszination angestachelt wird und sich nach einem eigenen sehnt. Doch ab wann lohnt sich der Umstieg vom Kinderfahrrad? Und was sollten sportive Eltern beachten, wenn sie ihr Kind an den Radsport heranführen?

Rennräder eignen sich für Kinder ab zwölf Jahren – in Ausnahmefällen auch schon früher. (Bild: pixabay.com © 4073527 (CC0 Creative Commons))

Rennräder eignen sich für Kinder ab zwölf Jahren – in Ausnahmefällen auch schon früher. (Bild: pixabay.com © 4073527 (CC0 Creative Commons))

Ab wann dürfen Kinder mit einem Rennrad fahren?

Auch wenn die Kinder sehnsüchtig nach dem großen Rennrad der Eltern schauen und mit wilden Schritten um das Hightech-Rad umher schreiten: Ein Rennrad lohnt sich vor dem Alter von zwölf Jahren nicht wirklich. Bis zu diesem Punkt lernen Heranwachsende, sicher mit einem Mountainbike zu fahren, die Gänge zu wechseln und ein Grundgefühl für das Gleichgewicht auf zwei Rädern zu entwickeln.

Ein Rennrad stellt verschiedene Anforderungen an den Fahrer, die vom normalen Alltagsrad abweichen. Statt normaler Pedale finden sich Klick-Pedale, die beim Anfahren und Absteigen zu Problemen führen können. Der geschwungene Rennradlenker verlangt eine andere Körperhaltung als ein standardisierter Mountainbike-Lenker. Dazu kommt ein extrem schmaler Sattel, der weniger auf Komfort setzt, sondern maximale Sportlichkeit und Kontrolle fördert. Und die schmalen Reifen verzeihen Fahrfehler, die vor allem Kinder zu Beginn ihrer zweirädrigen Erfahrung häufig machen, schlechter.

Natürlich ist das oben genannte Alter keine allgemeingültige Zahl. Bewegen sich Kinder schon seit Jahren auf einem Fahrrad und möchten den nächsten Schritt beim Radfahren wagen, sind auch Zehnjährige in der Lage, ein Rennrad sicher zu bewegen.

Allerdings sollten sich Eltern trotz ihrer Passion für das Rennradfahren immer vor Augen führen, dass das Rennrad für Kinder nur ein zusätzliches Fortbewegungsmittel ist. Wenn Kinder mit ihren Freunden durch das Wohngebiet rasen oder durch angrenzende Waldgebiete donnern, ist das Rennrad fehl am Platz. Das Rennrad unterstützt eine Leidenschaft für schnelles Fahren auf ebenem Untergrund. Bordsteinkanten oder Waldböden sind dafür ungeeignet. An einem ganz normalen Mountainbike für Kids führt kein Weg vorbei.

Welche Voraussetzungen soll das Kind fürs Rennradfahren mitbringen?

Trauen sportliche Eltern ihrem Kind ebenfalls zu, auf einem Rennrad sicher fahren zu können, sollten vorab einige Grundkenntnisse des Radfahrens vermittelt werden. Das Schalten über eine Gangschaltung oder Nabenschaltung sollte dem Kind durch vorausgegangene Erfahrungen in Fleisch und Blut übergegangen sein. Es bringt nichts, Mädchen und Jungs auf ein Rennrad zu setzen und diese erstmals mit der komplizierten Technik in Kontakt kommen zu lassen.

Weiterhin sollten die angehenden Rennrad-Fahrer ein ausgeprägtes Gleichgewichtsgefühl mitbringen. Die schmalen Reifen des Rennrads erfordern, dass dem Kind die Gefahr durch Unebenheiten auf der Straße bewusst ist. Jeder Stein und jeder Fahrbahnstreifen wird bei einer ungünstigen Radstellung zur Stolperfalle. Hinzu kommt, dass der Körper durch die fehlende Federung wesentlich stärker belastet wird. Gerade am Anfang werden die Kinder nach den ersten Ausfahrten jede Körperpartie spüren.

Haben die Kinder bisher nur durch den klassischen Rücktritt gebremst, der bei vielen Kinderrädern mit Nabenschaltung zu finden ist, muss außerdem eine Sensibilisierung für das richtige Bremsen durchgeführt werden. Kinderhände müssen sich an Bremswege und Bremskräfte gewöhnen, um schwierige Situationen im Straßenverkehr intuitiv zu meistern.

Worauf ist beim Kauf des Rennrads für Kinder zu achten?

Rennräder für Kinder sind keine Spielzeuge, sondern echte Hightech-Räder in einem kleineren Maßstab. Allerdings gibt es im Gegensatz zu den erwachsenen Modellen einige Modifikationen, die dem Kind den Einstieg in das Leistungs-Radfahren erleichtern. Zuallererst sind dabei zusätzliche Bremshebel zu nennen. Kinder sollen und können die anstrengende Haltung auf einem Rennrad nicht dauerhaft halten. Wenn sie sich aufrecht setzen, entfernen sich die Hände von den Bremshebeln am Lenker. Für dieses Szenario lassen sich Oberlenker-Bremshebel installieren, die eine zweite Bremsoption bieten. Aber Achtung: Ist der Lenker nicht breit genug, haben die Oberlenker-Hebel nicht ausreichend Platz und lassen sich im schlimmsten Fall nicht bedienen oder verkanten sich.

Bewegt sich das Kind mit dem Rennrad auf normalen Straßen, müssen die Eltern außerdem für Sicherheit am Rad sorgen. Reflektoren und Lichter sind essentiell, wenn längere Touren mit dem Kind anstehen oder sich der designierte Radfan sogar allein auf öffentlichen Straßen bewegt.

Zusätzliche Bremshebel am Lenker helfen Kindern, das Rennrad besser zu beherrschen. (Bild: pixabay.com © SnapwireSnaps(CC0 Creative Commons))

Zusätzliche Bremshebel am Lenker helfen Kindern, das Rennrad besser zu beherrschen. (Bild: pixabay.com © SnapwireSnaps(CC0 Creative Commons))

Auf jeden Fall sollten Kinder verschiedene Rennräder testen und “Probe sitzen”, um ein Gefühl für die perfekte Geometrie des Rades zu erhalten. Wird einfach nur das optisch ansprechendste Rennrad gewählt, kann es vorkommen, dass beispielsweise die Rennradschuhe beim Lenken mit dem Vorderreifen kollidieren. Stürze sind dann vorprogrammiert. Bei Kinder kann dies besonders häufig vorkommen, da die noch nicht ausgewachsenen Körper häufig anders proportioniert sind.

Abschließend noch ein Wort zum Lenker. Viele Kinder bemängeln beim Fahren mit dem Rennrad, dass ihnen die Stabilität und Sicherheit fehlt. Das Problem liegt häufig am Lenker, der nicht breit genug ist. Hier können Eltern bereits beim Kauf darauf achten, ein Rennrad mit breitem Lenker zu erwerben, um die Fahrsicherheit zu fördern und Unruhen aus dem Rad zu nehmen.

Wie lang sollten die ersten Strecken mit dem Rennrad für Kinder sein?

Kurz aber prägnant – so lässt sich die ideale Übungsstrecke für das Rennrad beschreiben. Eltern sollten eine Strecke heraussuchen, die wenig befahren ist und alle Möglichkeiten bietet, um die besonderen Stärken des Rennrads auszuprobieren. Nach den ersten Brems-, Beschleunigungs- und Schalttests können sich die Kinder auf größere Strecken wagen. Auch wenn es hier keine einheitlichen Kilometerfestlegungen für jedes Alter gibt, sollten Eltern ein feines Gespür dafür entwickeln, wie weit und mit welcher Intensität die Kinder fahren können.

Wann Kinder das Rennrad nicht nutzen sollten:

  • Zum Spielen mit ihren Freunden
  • Zur Fahrt in die Schule (Diebstahlgefahr)
  • Zur Fahrt in die Stadt (unterschiedliche Fahrbahnbeschaffenheiten)
  • Zum Einkaufen

Besonders gut eignet sich dafür eine Joggingrunde. Die Kinder können ihr Rennrad testen, während ein Elternteil rennend neben oder vor dem Kind unterwegs ist. Die Belastung hält sich für den Radfahrer in Grenzen und die Kinder können besser bestimmen, ob sie die Entfernung schaffen oder Probleme bekommen. Gewöhnt sich der Nachwuchs an das neue Rennrad, stehen die ersten größeren Touren an. Zwölfjährige mit etwas Erfahrung im Radfahren schaffen dabei häufig 40-50 Kilometer, wobei genügend Pausen eingeplant werden sollten.

Weiterhin sollte die Strecke so beschaffen sein, dass es nicht nur bergauf geht, um den Spaß am Radfahren nicht schon auf den ersten Kilometern zu verlieren. Ebenfalls ratsam ist es, ein Ziel vor Augen zu haben, auf das man als Familie hinradelt. Eine Eisdiele, ein Kino oder ein Spielplatz helfen, um Kinder anzuspornen und das Rennrad voll auszuleben.

Wie unterstützen Eltern die Leidenschaft am Radfahren ideal?

Zwischen Kindern und Erwachsenen gibt es einen großen Unterschied, wenn es um das Rennradfahren geht. Für Eltern geht es meist um das große Thema Fitness. Das Rennrad ist dabei Mittel zum sportlichen Zweck und soll nicht selten eine abwechslungsreichere Alternative zum vergleichsweise recht eintönigen Fitnessstudio sein.

Viele Einrichtungen bieten aber auch ergänzende Trainingsmaßnahmen, mit denen das reine Radfahren und die damit verbundene Leistung verbessert und ausgebaut werden kann. Verschiedene Varianten von Cycling-Kursen, ob mit Trainer vor Ort oder über große Screens virtuell durch ansprechende Landschaften, aber auch gut abgestimmtes und durchgeplantes Krafttraining stärken den Körper für die starke Beanspruchung im Radsport. Das sorgt dann auch gerade bei Jungs im Teenageralter für einen größeren Ansporn, da sich durch ein solches Training natürlich auch die Optik oft zum positiven verändert. Hier kann vor allem mit steigendem Alter der Kinder ein abwechslungsreicher Trainingsplan rund um und ergänzend für den langfristigen Erfolg im Radsport, am besten direkt gemeinsam mit dem Kind, erstellt werden, der so schnell nicht langweilig wird.

Für jüngere Kinder ist das Rennrad oft eher „Spielgerät“ und eine Möglichkeit, um die überschüssige Energie abzubauen und das Verlangen nach Geschwindigkeit auszuleben.

Sie wollen schneller als ihre Freunde fahren und Berge in Windeseile hinter sich lassen.

Im Radsportverein lernen Erwachsene und Kinder, das Rennrad zu beherrschen und eigene Grenzen zu erkennen. (Bild: pixabay.com © Charly_7777 (CC0 Creative Commons))

Im Radsportverein lernen Erwachsene und Kinder, das Rennrad zu beherrschen und eigene Grenzen zu erkennen. (Bild: pixabay.com © Charly_7777 (CC0 Creative Commons))

Viele Radsportvereine bieten aus diesem Grund ein spezielles Kindertraining an, das langfristig den Spaß am teuren Rennrad konserviert und regelmäßig neue Aufgaben stellt. Das führt dazu, dass sich die Kinder nicht nur immer sicherer auf dem Rennrad bewegen, sondern auch eine Leidenschaft für das Überschreiten der eigenen körperlichen Grenzen entwickeln. Eltern sind deshalb gut beraten, bereits vor dem Kauf des Rennrads im hiesigen Radsportverein nach der Möglichkeit der Aufnahme des Kindes nachzufragen. Ohne spezielle Förderung wird der Spaß an der zweirädrigen Leidenschaft verloren gehen.

Eltern konservieren die Leidenschaft am Radsport jedoch auch, wenn sie dem Kind ein Gefühl von Eigenständigkeit vermitteln. Wer dem Kind von Anfang an beibringt, dass das Eigentum gepflegt werden muss, verteilt nicht nur die Haushaltslast auf mehrere Schultern, sondern zeigt dem Nachwuchs ebenfalls, dass eine regelmäßige Wartung unumgänglich ist. Eine gemeinsame Pflege des Rennrads inklusive Reinigung, Ölung neuralgischer Teile und Optimierung der Schaltanlage wird dazu führen, dass das Kind ein spezielles Verhältnis zum Rad und zum Sport aufbaut.

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