Wikiloc: GPS-Tourenportal und Apps aus dem Süden Europas

Wikiloc ist ein hierzulande noch fast unbekanntes Tourenportal mit einer dazugehörigen Smartphone-App – ähnlich wie Outdooractive, Komoot oder GPSies. Es stammt aus Spanien und hat sich dort, wie auch in den südeuropäischen Nachbarländern, als führendes Tourenportal etabliert. Nach eigenen Angaben bietet Wikiloc über 6,5 Millionen Outdoor-Trails an, die Community umfasst fast 3 Millionen Mitglieder. Damit wäre Wikiloc deutlich größer als das größte deutsche Outdoortourenportal GPSies mit etwa 4 Millionen Touren.

Sowohl Portal und App erscheinen grundsätzlich sehr übersichtlich und recht intuitiv aufgebaut. Die Menüführung ist komplett auf deutsch, viele Webseiten und Hilfedateien existieren nur in englischer Sprache. Eine Registrierung ist notwendig, und ohne ein kostenpflichtiges „Navigation Pack“ (2,99 – 4,99 Euro) läuft so gut wie gar nichts. Als zahlender Wikiloc-User kann man dann im Tourenportal vor allem Wander- und Radtouren herunterladen und über offline-Karten nachverfolgen. Viele Touren sind beschrieben und mit Fotos illustriert. Die Suchfunktion im Portal ist erfreulich einfach und sehr übersichtlich gehalten.

Nutzer im Süden Europas lieben das Wikiloc-Portal Und auch für Nordeuropäer auf Reise im Süden ist es interessant.

Nutzer im Süden Europas lieben das Wikiloc-Portal Und auch für Nordeuropäer auf Reise im Süden ist es interessant.

EXTRA DOWNLOAD Tipps zur Nutzung von Wikiloc von GPS-Experte Thomas Froitzheim

Wer in Südeuropa per Rad unterwegs ist, kann durchaus von dieser Tourenvielfalt profitieren, sollte aber auch möglichst etwas Spanisch beherrschen, um die Tourenbeschreibungen verstehen zu können. Dann erschließen sich auch die als „Ziele“ bezeichneten touristischen Regionen, Kooperationspartner von Wikiloc, die es für Deutschland momentan noch nicht gibt – hier besetzt vor allem outdooractive.com diesen Markt.

Die Wikiloc-App (für Android und iOS) kann aber durchaus auch hierzulande zum ständigen Begleiter werden, denn sie enthält einige nützliche Funktionen. So steht neben kostenlosen Offline-Karten auch ein Live-Tracking bereit – die eigene Position kann über einen Link von anderen auf dem Wikiloc-Portal verfolgt werden.

Online stehen die üblichen Google-Karten zur Verfügung. Unmittelbar nach der Installation schlägt die App vor, eine offline-Karte für den aktuellen Standort herunterzuladen. Etwas unpraktisch für Vielreisende: Deutschland ist nicht in einer Datei herunterladbar, sondern nur über die einzelnen Bundesländer, und dies erfordert relativ viel Speicherplatz. So werden für Nordrhein Westfalen knapp 400 MB notwendig, für Bayern sind es 378 MB und für Baden-Württemberg 269 MB (Stand Anfang August 2017, voraussichtlich eher zunehmend). Großer Nachteil: Die voluminösen Daten sind nicht auf einer Micro-SD-Karte, sondern nur im Hauptspeicher ablegbar.

Die Wikiloc-App erfordert leider relativ viele Berechtigungen, zum Beispiel auch den Zugriff auf Kontakte – für datensensible Nutzer zumindest fragwürdig.

Kostenlos: die Wikiloc-App in Playstore.

Kostenlos: die Wikiloc-App in Playstore.

Die offline-Karte aus der OpenStreetMap-Quelle ist durchaus ansprechend und übersichtlich gestaltet. Höhenlinien sind vorhanden, Gebäudekonturen nur in Auswahl, Hausnummern gar nicht. Details wie Versorgungseinrichtungen werden leider erst in sehr hohen Zoomstufen sichtbar. Der Verlauf von Rad- und Wanderrouten wie zum Beispiel in der OpenCycleMap wird nicht ersichtlich.

Am einfachsten funktioniert das Nachfahren von Strecken aus dem Wikiloc-Tourenportal, dazu ist natürlich eine online-Verbindung notwendig. Aktivität (zum Beispiel „Fahrrad“) auswählen, auf „Filtern“ gehen, dann erscheinen die nächstgelegenen Touren in einer Übersicht. Die Auswahl einer einzelnen Tour führt dann zu Streckenbeschreibungen, auf Karte, mit Höhenprofil, eventuell Fotos und Beschreibung und den notwendigen Tourendaten (Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit, Anzahl der Trackpunkte). Per Knopfdruck kann nicht nur die Tour heruntergeladen werden, sondern auch der dazugehörige Kartenausschnitt (falls die Karte nicht sowieso schon offline zur Verfügung steht). Natürlich ist auch eine „Teilen“-Funktion vorhanden, damit können Freunde in sozialen Netzwerken bedient werden, oder die Datei kann auch per E-Mail weiterversendet werden.

Etwas umständlicher ist schon der Import von gpx-Dateien (also nicht über Wikiloc heruntergeladenen Tourenvorschlägen). Sie können nicht als E-Mail-Anhang geöffnet werden, sondern nur über den Smartphone- eigenen Dateimanager. Bei Wikiloc kann sie dann über „Gespeicherte Trails“ aufgerufen werden.

Ein besonderes Merkmal von Wikiloc: Man kann unterwegs auch Tracks und Wegpunkte direkt vom Smartphone auf die neueren Garmin-Geräte mit der IQ-Funktion übertragen (zum Beispiel Oregon 700/750 und Egde 820 /1000).

Das erfordert zunächst einige Vorbereitungsschritte (Smartphone mit Garmin Connect Mobile App, dann Einrichten der Wikiloc-Verbindung auf der Garmin Connect Mobile App). Das Tutorial dazu gibt es leider nur auf Englisch: https://help.wikiloc.com/article/458-download-trails-wikiloc-to-a-garmin-gps. Die Touren müssen allerdings zuvor im online-Tourenportal von Wikiloc enthalten sein. Wer nur auf seinen Smartphone eine gpx-Datei importiert hat (wie oben beschrieben), kann sie nicht über die Garmin Connect IQ-Funktion exportieren, sondern muss sie zunächst auf seinen Wikiloc-Account hochladen. Dazu wird unterwegs eine Mobilfunk-Verbindung erforderlich, was den spontanen Einsatz auf Touren einschränkt.

Für Android-Smartphones (mit OTG-Funktion) gibt es übrigens einen wesentlich einfacheren Weg, mit dem man gpx-Daten zu einem beliebigen GPS-Gerät übertagen kann. Aus „Gespeicherte Tracks“ können Daten mit der Funktion „Auf SD speichern“ als gpx-Dateien im Smartphone-Speicher abgelegt werden. Dann GPS-Gerät über OTG-Kabel mit dem Smartphone verbinden, gpx-Datei mit dem Dateimanager des Smartphones auf das GPS-Gerät kopieren, fertig. Dazu ist keine online-Verbindung notwendig, es können auch die rot markierten „lokalen Kopien“ genutzt werden, und schließlich beschränkt sich diese Funktion nicht auf Connect-IQ-fähige Garmin-Geräte.

Die Streckenführung unterwegs über einen aktivierten Trail funktioniert gut und bei unseren Tests auch relativ zuverlässig. Der Tourenvorschlag kann als dünne grüne Linie verfolgt werden, per Knopfdruck wird die Streckenaufzeichnung aktiviert und erscheint als orange Linie. Sehr praktisch: schon bei 10 – 20 m Abweichung vom Tourenvorschlag erfolgt ein nicht zu überhörendes akustisches Warnsignal. Ein freundliches Pling signalisiert, wenn man sich wieder auf dem Track befindet. Keine Abbiegehinweise oder Sprachkommandos werden nicht genutzt, ebenso wird auch die Richtung des Tracks nicht deutlich. Fotos und Wegpunkte können unterwegs gesetzt und benannt werden, importierte Wegpunkte sind auf der Karte leider nur sehr schwach zu sehen. Insgesamt funktioniert die Tracknavigation gut, brauchte aber auch relativ viel Strom.

Routing überlässt Wikiloc anderen Apps, ermöglicht dies aber direkt aus dem Menü. Über „Route zu dieser Lokation berechnen“ wird eine andere Smartphone-App aufgerufen (sie muss natürlich vorher installiert sein). Beim Beenden eines Tracks wird die Datei zwangsweise sofort an das Wikiloc-Portal geschickt. Dann erst kann man den Track wieder löschen. Auf diese Weise kommen natürlich im Portal etliche „Trails“ zusammen.

Im Wikiloc-Portal kann man seine Touren verwalten, aber den Tourenverlauf nicht verändern. Auch das Entwerfen oder Bearbeiten eigener Touren ist nicht möglich.

Fazit: Wikiloc kann die hierzulande bereits etablierten Apps in ihren Kernkompetenzen nicht übertrumpfen, bringt aber eine gelungene und vor allem einfach zu bedienende Outdoor-App. Zu empfehlen ist eine In Kombination mit anderen Apps (z.B. komoot für komfortables Routing, outdooractive für Premiumtouren in Zentraleuropa und GPSies mit deutlich besseren Karten, Planungs- und Editiermöglichkeiten). Wer in Südeuropa unterwegs ist, sollte unbedingt einen Blick ins Wikiloc-Tourenportal werfen. Und Nutzer von Garmin Connect-IQ-Geräten freuen sich über die – nach dem Einrichten – unkomplizierte Übertragung von Tracks und Wegpunkten vom Smartphone auf das Garmin-Gerät.

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