Test: Ryde Yura – breite Felgen fürs Trekkingrad

Was bringen breitere Felgen am Trekkingrad? Ein Praxistest mit einer Ryde Yura, die innen fast 1 cm breiter ist als Standard-Trekkingfelgen, lieferte Antworten. 

Bei Mountainbikern sind sie schon etabliert: breitere Felgen. Tatsächlich gibt es handfeste Gründe, Reifen auf möglichst breite Felgen zu montieren. Der wichtigste: Der Luftdruck kann ohne Gefahr von Durchschlägen weiter gesenkt werden. Allein diese Maßnahme erhöht den Komfort und verbessert den Gripp auf dem Boden, weil sich ein weniger hart aufgepumpter Reifen besser an die Unebenheiten des Terrains anschmiegt. Auch die Seitenführung in Kurven verbessert sich prinzipiell, weil der Reifen weniger hoch aufragt – hier greift das Gesetz der Hebelwirkung. 

Für Breitreifen am Trekkingrad: Ryde Yura Felge mit 28 mm Maulweite. Bild: Gathmann

Für Breitreifen am Trekkingrad: Ryde Yura Felge mit 28 mm Maulweite. Bild: Gathmann

Ein anderer Vorteil ist, dass sich auf breiten Felgen natürlich prinzipiell breitere Reifen montieren lassen, wenn es der Platz im Rahmen erlaubt. Welche Felgenbreite bei welchen Reifen ohne Risiko möglich ist, klären die Empfehlungen der European Tire and Rim Technical Organization (ETRTO). Maßgeblich ist die Maulweite der Felge, also das Maß zwischen den Felgenhörnern. Für die bei Trekkingrädern üblichen Balloonreifen ab 50 mm empfiehlt die Organisation Felgen bis zu 29 mm Maulweite. Häufig zu finden bei unseren Reiseradtests sind Felgen mit 19 bis 21 mm Maulweite, die ebenfalls gestattet sind. Viel Spielraum nach oben also.

Die Ryde Yura Felge kann auch Tubeless, also ohne Schlauch gefahren werden – hier mit einem 50 mm breiten Schwalbe Marathon Almotion. Bild: Gathmann

Die Ryde Yura Felge kann auch Tubeless, also ohne Schlauch gefahren werden – hier mit einem 50 mm breiten Schwalbe Marathon Almotion. Bild: Gathmann

Ryde schöpft diesen Spielraum mit seiner Felge namens Yura 28 für Trekkingradler aus. Wir konnten die Auswirkungen der Felge auf das Fahrverhalten  an einem handgebauten Laufradsatz mit der 28-Zoll-Version der Ryde Yura mit XT-Naben sowie Sapim Laser-Speichen testen. Der Effekt ist deutlich zu spüren. Wir fuhren mit verschiedenen Reifen und einem Druck von 2,2 bar sowie Gepäck. Mit einem derart niedrigen Druck erzeugen Reifen auf schmalen Felgen in Kurven ein schwammiges Fahrgefühl. Mit der Yura bleibt die Rückmeldung von der Straße direkt, das Fahrverhalten vorhersehbar. Das Rad lässt sich leicht einlenken, wirkt aber nicht nervös. Auch in leichtem Gelände bot der Aufbau mit passender Bereifung (Marathon Almotion) Traktionsvorteile. Nicht zuletzt stieg der Komfort fühlbar. Kleiner Haken: Die Testreifen ließen sich nur mit hohem Kraftaufwand montieren. Noch am einfachsten gingen die Faltreifen auf die Felge. Mit wachsender Übung im Verlauf des Dauertests vereinfachte sich der Montageprozess. Ein wichtiger Tipp für knifflige Reifen-Felge-Kombinationen ist es, den Pneu unbedingt mit einer Seite vollständig in der Vertiefung im Felgenbett liegen zu lassen, bevor die andere Seite über die Felge gehoben wird. Auch darauf achten, dass der eine Drahtkern während der Montage in der Vertiefung liegen bleibt!

Mit 550 Gramm ist die Felge sehr leicht

Laut Ryde sollen solche Laufradsätze für rund 350 Euro zu fertigen sein. Mit 550 Gramm war unsere 28-Zoll-Testfelge trotz der Maulweite von 28 mm sehr leicht – zum Vergleich: eine gebräuchliche Trekking-Felge wie die ZAC19 in 19 mm Maulweite wiegt 585 Gramm. Wegen des Leichtbaus peilt Ryde für die Yura eine Gewichtszulassung von 140 Kilo an, was auch Reiseeinsatz mit mehr Gepäck gestattet. Die Felge ist ungeöst, was die Stabilität erhöht. Abgeschrägte Nippelbohrungen reduzieren die Gefahr von Nippelbruch. Es gibt sie sowohl in einer symmetrischen Version für Rohloff-Naben als auch in einer asymmetrischen Variante.

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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