Tourismuspreis für Velo Classico Germany: Radrunde auf alten Rennrädern

Unter Rennradlern grassiert die Lust an Ausfahrten mit klassischen Rädern. Eine davon hat sich jetzt sogar die Auszeichnung eines Autoclubs verdient: Die Velo Classico Germany erntete den zweiten Platz beim ADAC Tourismuspreis Mecklenburg-Vorpommern. Wir waren bereits bei der Premiere der Veranstaltung unterwegs. So fühlt es sich an, bei einer preisgekrönten Rennradausfahrt mitzumachen – bei der wegen ihrer entspannten Auslegung auch das Mitfahren mit dem für Trekkingrad Spaß macht. Erlaubt ist, was Spaß macht, wie die Bilder der 

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Gelungener Auftakt: Der Start zur Velo Classico erfolgte 2015 im Schlosspark Ludwigslust. Bild: Gathmann

Für Radreisende gerieten Fahrräder aus Stahl nie aus der Mode. Für Rennradfahrer gehört Stahl in Zeiten von 900 Gramm leichten Sets von Carbonrahmen und -gabel ganz sicher zum alten Eisen. Schon allein deshalb hat es einen besonderen Charakter, wenn ein Peloton von Rennradlern auf klassischen Stahlrahmen und zeitgenössischen Wolltrikots über schmale Landsträßchen rollt – für Zuschauer wie für die Fahrer selbst. Wie die Profis von einst leiden die Retro-Rennfahrer am einfachen Material ohne Rasterschaltung und an den Kies- und Kopfsteinpflasterwegen, die sie wegen der Ähnlichkeit zu historischen Radrennstrecken gezielt aufsuchen. Dafür entschädigen sie sich bei ausgiebigen Fahrtpausen mit geschmackvollem warmen Essen und neigen auch einem guten Glas Wein zu – was sich ebenfalls nahtlos in die Tradition fügt.

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Spaß haben bei der Velo Classico kann man auf jeder Art Fahrrad. Für kurze Freuden gibt es eine kurze Runde. Bild: Sportograf

Ein Rad von 1989 oder früher zu steuern, ist denn auch die einzige Teilnahmebedingung, die Veranstalter solcher meist eintägigen Rundfahrten vorgeben. Und eine wachsende Schar von Klassiker-Liebhabern folgt ihrem Ruf. Nachgerade Weltruhm genießt „L’Eroica“ in der Toscana, mit der alles anfing. Inzwischen besitzt das Original Ableger in Großbritannien, Spanien sowie Kalifornien, es gibt eine Flandernrundfahrt für Klassiker (Retroronde) eine Klassikertour durch das Weinviertel in Österreich (Velo Veritas), eine Tour im Loiretal und regelmäßige lokale gemeinsame Ausfahrten wie die Klassikerausfahrten in Düsseldorf und Hamburg vom BC Altona.

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Tour-Teufel Didi Senf schickte die Teilnehmer der sogenannten Heldenrunde auf die 150 km lange Strecke von Ludwigslust nach Schwerin und zurück. Bild: Gathmann

Die Velo Classico Germany ist der jüngste Zugang und führt durch die reizvolle Seenlandschaft im Süden Schwerins. Schon der Startort Schloss Ludwigslust zeigt, was die Ausfahrt ausmacht: die Dichte an Schlössern und Gutshäusern der Region, die sich als passendes Ambiente für Stopps anbieten – und zugleich in der Lage sind leckere Zwischengerichte aufzutischen. Sie haben nicht die barocke Strahlkraft von Schloss Ludwigslust, das auch als mecklenburgisches Versailles tituliert wird, sind aber oft unkompliziert zugänglich. Das Palais Bülow etwa öffnet zur Velo Classico Germany seine Türen zu historisch eingerichteten Räumen und gibt Einblicke in eine kuriose Technik von Innenarchitekur für verarmten Adel: das Ludwigsluster Pappmaché. Mit dem Papiermaterial empfand die Schlosswerkstatt Wände, Stuck und Statuen nach, die an reicheren Adelshöfen aus teurem Gestein gestaltet wurden.

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Dunkle Wolken brachten Regen. So erfuhr das Peloton der 150er Runde, was frühere Radsporthelden noch heroischer macht, als sie ohnehin schon erscheinen: Retro-Woll-Trikots sind aktueller Radmode in Sachen Wetterschutz unterlegen. Bild: Gathmann.

„Gut fahrbare, befestigte, aber nicht asphaltierte Wege zu finden, ist hier einfacher als anderswo, aber immer noch eine Herausforderung“, berichtet Manfred Galonski. Der erfahrene Klassikerfahrer hat die drei Routen der Velo Classico ausgearbeitet. Das Gute: Radwanderer können von seiner Vorarbeit ebenfalls profitieren: Die Wege sind nahezu autoverkehrsfrei und erschließen einige landschaftliche und kulturelle Höhepunkte der Region. Es gibt die Strecke zum Download auf der Internetseite. Für Radreisende bietet es sich an, die lange Route in drei Tagesetappen zu unterteilen und so den Fokus noch mehr auf den Genuss zu verschieben.

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Die Teilnehmer geben sich viel Mühe mit dem historischen Dresscode. Bild: Sportograf

Selbstverständlich kann man auch als Trekkingradler an der Veranstaltung teilnehmen – nicht wenige alltäglich genutzte Randonneure und Reiseräder dürften die Zugangsvoraussetzungen leicht erfüllen. In dieser Hinsicht haben es Reiseradler besser als Rennradfahrer, die nicht selten erst ein altes Schätzchen neu kaufen oder zusammenschrauben müssen.

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Dieser Held bewältigte die 150 km-Runde zusammen mit Rennradfahrern auf einem alten Diamant Damenrad – und wurde nicht abgehängt.

Die Velo Classico Germany


Nächster Termin: 16. bis 17. September 2017

Strecken: 40 / 80 / 149 km

Charakter: Gefahren wird ausschließlich mit Fahrrädern Baujahr 1989 und älter. Stilistisch passende Kleidung schreibt der Veranstalter nicht vor. Bei den kürzeren Ausfahrten sind auch Räder zugelassen, die jünger sind. Hier wünschen sich die Veranstalter viele Teilnehmer, die sich im Stil der 20er bis 50er Jahre kleiden.In der Regel tragen die Teilnehmer schon aus Spaß an der Sache die zeitgenössischen Wolltrikots und Hosen oder einen Gentlemen-Racer-Dress aus Tweed – was wegen der kühleren Witterung im Herbst auch eine angenehme Bekleidung sein dürfte.

Die Strecken verlaufen großteils über befestigte, zum Teil nicht asphaltierte Wege – dem Vorbild der „Strade Bianche“ in der Toscana entsprechend. In der moderat hügeligen Gegend kommen nur wenig Höhenmeter zusammen.

Mehr Infos: veloclassico.de

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