GTÜ testet Fahrradketten-Öle: 10 Tropföle und 5 Sprays

Foto: GTÜ

Mit einer geölten Kette macht das Radfahren mehr Spaß. Foto: GTÜ

Eine gut geschmierte Kette ist eine wichtige Voraussetzung, damit das Radfahren dauerhaft Spaß macht. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung hat aktuelle Schmiermittel für die Fahrradkette getestet: 10 klassische Tropföle sowie 5 Sprays.

Testsieger bei den Tropfölen wurde bei der GTÜ mit dem Prädikat „sehr empfehlenswert“ das F100 Kettenöl von Dr. Wack, gefolgt vom ebenfalls sehr empfehlenswerten Dynamic Kettenschmierstoff, der in der Kategorie Tropföle zusätzlich als Preis-Leistungssieger ausgezeichnet wurde. Als empfehlenswert stuften die Tester die punktgleichen Finish Line Kettenöl synthetisch und Rohloff Spezial Kettenschmierstoff ein sowie dahinter Muc-Off Hydro Dynamic Chain Lube und Woodman’s finest Bicycle Care Mango-Syrup Chainlube. Mango-Syrup? Das Woodman’s riecht tatsächlich Mango-fruchtig und kommt als einziges der getesteten Produkte in einer Glasflasche mit Pipette daher. Bedingt empfehlenswert schnitten Oelzeuch High End Kettenfluid von Atlantic ab sowie das Profi Line Bikeröl von Ernst, Nigrin Fein-Öl für Fahrräder und Hanseline Schmieröl Bio.

Die Hitliste der Kettensprays nennt drei sehr empfehlenswerte Produkte: Platz 1 für Brunox Top-Kett mit der höchsten Gesamtpunktzahl im Test. Platz 2 erreichte das Motorex Oil of Switzerland Wet Protect Performance Lube, das zugleich den Preis-Leistungssieger bei den Kettensprays stellt. Dritter auf dem Siegertreppchen wurde Ballistol BikeCer Keramik-Kettenöl. Auf den weiteren Plätzen folgen ein empfehlenswertes Spray, nämlich WD-40 Bike Kettenspray Allwetter und das bedingt empfehlenswerte Shimano Kettenspray Chain and Cable Lubricant.

So wurde getestet

Wichtigstes Kapitel im GTÜ-Vergleichstest war die Wirkungsprüfung der Ketten-Schmiermittel. Unter anderem ging es um die Frage: Wie beeinflussen die Öle Verschleiß und Schmierung der Kette? Die Antwort lieferte ein Laborversuch mit dem „Cross-Cylinder-Tester“, einer Entwicklung des „Kompetenzzentrums Tribologie“ der Hochschule Mannheim. Das Gerät setzt einen mit den Testölen benetzten Metall-Prüfring einer definierten Reibungsbelastung aus. Ermittelt wird die Verschleißfläche, die unter einem 200-fach vergrößernden Mikroskop genau vermessen werden kann. Bestimmungsgrößen für die Schmierleistung sind Wärmeentwicklung und Reibungskoeffizient der Kettenöle.

Gute Kettenschmiermittel sollten zudem gegen Rost wirken. Dazu wurden mit dem Testöl beaufschlagte Metallplättchen für 24 Stunden in eine fünfprozentige Salzlösung getaucht und dann die Korrosion der Plättchen beurteilt. Auch die Prüfung der Schmutzanhaftung erfolgte mit Hilfe von ölbenetzten Testplättchen. Je weniger Testsand an ihnen haften blieb, desto besser. Zur Bestimmung der Kriechfähigkeit mussten die Öle zeigen, wie gut sie zwei übereinander liegende Glasplatten unterwandern.

Neben der umfangreichen Wirkungsprüfung der Kettenschmiermittel ging es aber auch um Fragen der Anwendung. Wie informativ ist die Bedienungsanleitung, wie gut sind die Gebinde zu handhaben und zu dosieren? Die Preisbewertung lieferte erhebliche Unterschiede zwischen dem billigsten Nigrin zu 2,49 Euro für 100 ml und dem bezogen auf diese Menge mit über 41 Euro mehr als 16-mal teureren Muc-Off, das deshalb auch das Prädikat sehr empfehlenswert verpasste, trotz ansonsten guter Leistungsdaten.

Grundsätzlich stellten die GTÜ-Tester fest: Sprays zur Schmierung von Fahrradketten liefern durch die Bank bessere Ergebnisse in Sachen Kriechfähigkeit. Sie sind auch bequemer anzuwenden als Tropföle. Andererseits sind sie nicht so sparsam und präzise aufzutragen. Zudem sind die Spraydosen nicht zuletzt aufgrund der verwendeten Treibmittel nach EU-Chemikalienverordnung 1272/2008 (CLP) allesamt kennzeichnungspflichtig.

 Grafik: Kröner/GTÜ

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