Testpremiere: Supernova M99 Pro – Autolicht für S-Pedelecfahrer

Bei BMW steht das „M“ für die Spitze der Fahrzeugtechnik. Bei Supernova, die ihre Wurzeln im Automobildesign haben, markiert es die Spitze der Lichttechnik für Radfahrer – die mit dem neuen Modell M99 auf Augenhöhe mit den Autos liegt. Oder sogar darüber, wie wir im Praxistest erfuhren.

Supernova M99

Blick auf Reflektor und Kühlrippen der Supernova M99 Pro. Bild: Supernova

Es musste erst das E-Bike entstehen, bevor deutsche Radfahrer die Chance auf gesetzestreues ernstzunehmendes Licht bekamen. In den letzten Jahren überschlugen sich die neuen StVZO-konformen Scheinwerfer mit immer höheren Lichtleistungen. Dabei ist die Suche nach dem besten Licht für Radfahrer im Straßenverkehr die Sache einer kleinen Hersteller-Elite. Akku-Scheinwerfer, mit denen sich Waldwege nachts für drei Stunden in Flutlicht tauchen lassen, gibt es wie Sand am Meer für kleines Geld. Fahrradscheinwerfer, die eine klare Hell-Dunkel-Grenze haben und einen gleichmäßigen Lichtteppich vor das Vorderrad legen, der auch bei Tempo 40 noch ausreicht – die kann man an drei Fingern abzählen. Und die klare Hell-Dunkel-Grenze fordert zurecht die StVZO, damit andere Verkehrsteilnehmer nicht geblendet werden.

Die Herausforderung beim Fahrradscheinwerfer ist es, viel Licht aus einem kleinen Reflektor und Körper zu holen. Ein gleichmäßiges definiertes Lichtbild, Kühlung – alles wird schwieriger, je kleiner das Gehäuse. „Das ist ja völlig unmöglich – in der Größe“, war entsprechend die Reaktion von Automotive-Ingenieuren als Supernova-Chef Marcus Wallmeyer mit ihnen die Entwicklungsziele für den M99 besprach. Nach drei Jahren Entwicklungszeit ist mit der M99-Reihe der Gegenbeweis erbracht, wie die Lichtbilder in der Galerie zeigen. Das Spitzenmodell der Serie ist der getestete M99 Pro für S-Pedelecs mit revolutionären 1.600 Lumen Lichtstrom und einem einzigartigen StVZO-konformen Fernlicht. Auch die Varianten Pure mit 500 Lumen und Pure+ mit 900 Lumen bieten enorme Lichtstrom-Werte. Weil alle eine ECE-Abnahme besitzen, sind sie ohne weitere Prüfungen an vielen kompatiblen S-Pedelecs nachrüstbar. Bei Bosch-Antrieben ab der 2. Generation und Pure-Modell reicht dafür ein Anstecken an die Motorsteuerung. Besitzer von Pedelecs bis 25 km/h müssen sich noch ein wenig gedulden: Ab November 2016 soll es den Supernova M99 PURE auch in einer Version für solche Pedelecs geben, die rechtlich als Fahrräder eingestuft werden.

Supernova M99 Pro mit Bosch-Halterung. Bild: Supernova

Supernova M99 Pro mit Bosch-Halterung. Bild: Supernova

Möglich macht das Lichtwunder ein tiefer Griff in die High-Tech-Kiste, weshalb die Entwicklung unter anderem auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wurde. So ist der Reflektor aus 99 einzeln berechneten Spiegeln aufgebaut. Die Kühlrippen des massiven, einteiligen Alugehäuses sind so berechnet, dass sogar im Stand ein Kamineffekt entsteht. Sie haben eine wichtige Aufgabe: Denn sie müssen die Wärme-Energie von 9 Automotive-LEDs ableiten. Die wiederum sind an die Scheinwerfer-Steuerung und an die des S-Pedelecs unter anderem über einen CAN-Bus eingebunden. Dadurch kann der Lichtkegel automatisch an die Geschwindigkeit und Lichtverhältnisse angepasst werden. Bei Tageslicht leuchtet das Tagfahrlicht – daran sind alle M99-Modelle schon von Weitem eindeutig erkennbar. Der M99 Pro regelt zudem je nach Fahrzustand die Lichtausbeute, um Energie zu sparen. Wenn das Rad steht wird runtergedimmt. Wenn es langsam fährt, leuchtet der M99 Pro im sparsamen Eco-Modus und stärker im Nahbereich, regelt aber schnell hoch, wenn man wieder beschleunigt.

Das Lichterlebnis
Schon das Ausrichten des M99 ist leichter als sonst bei Radscheinwerfern. Einfach mit einer Wasserwaage waagerecht einstellen, fertig. Der Reflektor hat bereits den passenden Neigungswinkel. Das stellte in der Praxis tatsächlich blendfreien Betrieb sicher. Lichthupende Autofahrer, schimpfende Fußgänger – passé, auch weil die getestete Boschhalterung (ebenfalls ein High-Tech-Teil aus Komposite) den M99 fest fixiert. Das Lichtbild ist ein Aha-Erlebnis. Schon Abblendlicht reicht für die allermeisten Fahrsituationen. Weite und Breite stehen einem Autoscheinwerfer nicht nach. Kurven und Abzweige muss man nicht erahnen, sondern erkennt sie von Weitem. Dabei sind direkt vor dem Rad alle Unebenheiten leicht auszumachen. Und selbst bei Straßenbeleuchtung ist das Licht ein großer Gewinn. Wie beim Auto eben.

Der Betrieb des M99 Pro in diesem Modus zieht laut Supernova maximal 16 Watt aus dem Akku. Das entspricht bei 3 Stunden schneller Fahrt theoretisch 48 Wh, also einem Zehntel der Kapazität aktueller Akkumodelle. In der Praxis liegt der Wert wegen der intelligenten Steuerung deutlich darunter liegen und führt nur zu unmerklichen Reichweiteneinbußen. Einzigartig macht den M99 Pro sein zuschaltbares Fernlicht mit voller Ausblendung oberhalb des Blendhorizontes. Damit tauchen dann auch die entferntesten Hindernisse klar vor dem Auge des S-Pedelec-Fahrers aus der Nacht auf. In der Praxis entstand eigentlich nur auf Waldwegen der Wunsch, das Licht zuzuschalten. Aber wenn, dann machte es in Sachen Gleichmäßigkeit, Breite und Weite wunschlos glücklich. Eine zusätzliche Helmlampe, die der Blickrichtung folgt und von MTB-Fahrern gern genutzt wird, wurde nicht vermisst.

Fazit
Mehr Licht, als der StVZO-zugelassene Supernova M99 Pro für S-Pedelecs spendet, braucht kein Radfahrer in keiner Situation. Allein die Haptik und das Bewusstsein über die komprimierte High-Tech im glänzenden Aluminium-Gehäuse heben das Selbstbewusstsein im Verkehr auf eine höhere Stufe. Die Selbstverständlichkeit, mit der Autofahrer den M99-Pedelecfahrer wahrnehmen überrascht auch nach längerem Gebrauch noch. Schon das ist den Preis wert und ein Effekt, den auch die günstigeren Pure-Modelle erzielen. Deren Abblendlicht ist im Übrigen für den Straßenverkehr bereits beinahe auf Autoscheinwerfer-Niveau. Im Abblendlicht beschweren sich auch Fußgänger nicht über Blendung (wie bei manch leistungsschwächerem LED-Scheinwerfer). Die offensichtlich hervorragende Verarbeitung und die integrierte Kommunikationstechnik machen den M99 Pro zudem zukunftssicher.

Technische Daten
Supernova M99 Pro, 449,00 Euro. Scheinwerfer für S-Pedelecs bis 45 km/h mit StVZO-Zulassung. Lichtstrom: bis zu 1.600 Lumen; max. Helligkeit in 10 m Entfernung: 360 Lux; Reichweite nach ANSI FL1: 380 m; Gewicht: 244 g (inkl. Kabel); Verbrauch: Tagfahrlicht: 4 Watt, Abblendlicht 8 bis 16 W; erfüllte Anforderungen: ECE113 C für Abblend- und Fernlicht, ECE 87; Besonderheiten: geschwindigkeitsgesteuerter Eco-Modus, Kommunikation über CAN-Bus und andere Schnittstellen, Bremssignalverarbeitung vom Bremshebel. supernova-lights.com

RADtouren_Test_Ausprobiert-0516

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

Ein Gedanke zu “Testpremiere: Supernova M99 Pro – Autolicht für S-Pedelecfahrer

  1. brauche einen frontscheinwerfer für puch maxi bj 1984 mit viel Lux und Zulassung für Kraftfahrzeuge bis 45 km und E-Tüv was für scheinwerfer gibt es bitte um rück E-MAIL gruss aus Kärnten

Schreibe einen Kommentar zu SIEGFRIED PRESSLABER Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*