Test: 11 Randonneure und Gravelbikes

Reiseräder mit Rennlenker sind im Kommen. Ein Grund dürfte sein, dass die Radgattung vielseitiger wird und immer mehr Komfort bietet. Wir haben klassische Vertreter mit Gepäckträger und Schutzblechen sowie neue Gravelbikes ab 1.100 Euro getestet.

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Text: Jan Gathmann

Getestet wurden folgende Modelle: 
Bulls Daily Grinder
Contoura iWerk Randonneur
Giant Anyroad 1
Norwid Skagerrak
Poison Taxin
Rennstahl Rohloff-Randonneur
Salsa Marrakesh
Schauff Randonneur
Tout terrain 5th Avenue GT
Velotraum Speedster
VSF Fahrradmanufaktur TX

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Foto: Frank Gleitsmann

Die Tage, in denen der Rennlenker nichts als körperquälende Sportlichkeit signalisierte, scheinen gezählt. Dass Rennräder immer öfter in der Werbung wie zufällig im Flur stehen oder durch das Bild rollen, ist auch Zeichen ihrer neuen Alltagsnähe.

Tatsächlich kann man mit Rennlenker heutzutage ganz normal, ganz ohne übertriebenen sportlichen Ehrgeiz Radfahren. Das liegt vor allem daran, dass die Sitzhaltung auf modernen Rädern mit Rennlenker meist deutlich komfortabler ausfällt als noch vor wenigen Jahren. Jetzt muss man sich nicht mehr so stark bücken. Damit können auch weniger trainierte Radfahrer den größten Vorteil des Rennlenkers gegenüber allen anderen Lenkern nutzen: seine konkurrenzlos große  Zahl möglicher Hand- und Sitzhal-
tungen.
Randonneure, also Räder für das Tourenfahren oder Reisen mit dem gebogenen Lenkerbügel, profitieren davon besonders. Denn die Haltung immer wieder zu verändern, entlastet alle Teile des Oberkörpers gerade auf langen Strecken enorm. Gleichzeitig bringt die sogenannte „Unterlenkerhaltung“, wenn der Fahrer in die Biegung greift, eine sehr gute Position, um dem Gegenwind beim schnellen Fahren ein Schnippchen zu schlagen. Dazu ein Rechenbeispiel: Ein leicht trainierter Tourenfahrer kann 120 Watt auf Dauer treten. Damit erzielt er beim Griff an den Oberlenker eine Reisegeschwindigkeit von 24,8 km/h. Am Unterlenker schafft er mit gleicher Kraft 27,7 km/h. Anders gerechnet: Er kann mit 91 Watt 24,8 km/h fahren (Berechnungen über: kreuzotter.de). Das ist ein sehr moderater Krafteinsatz. Es ist bei Randonneuren und Artverwandten der Lenker, der das Rad schneller macht, nicht die dünnen Reifen. 

Insofern ist eines der positivsten Ergebnisse des Tests schon das Testfeld selbst. Es war ein Leichtes, unsere 11 Räder für den Test zusammenzutrommeln. Eingeladen waren sogar über 20 Hersteller. Verstärkung erhält die Gattung durch den Trend der Gravelbikes. Das sind geländetaugliche Räder mit Rennlenker, gemacht um lange Strecken auf befestigten, aber nicht geteerten Wegen zurückzulegen. Von diesen sogenannten „Gravelroads“, wie sie in der Trendheimat USA heißen, haben die neuen Bikes auch ihren Namen. Von echten Rennrädern unterscheiden sie sich meist durch einen längeren Radstand und ein tieferes Tretlager für ruhiges Fahrverhalten. Insofern sind sie den Randonneuren ähnlich. Anders als klassische Randonneure besitzen sie aber meist keine Gepäckträger, sondern sind für das Bikepacking gemacht.

Auch Gravelbikes waren in der Einladung berücksichtigt, weil sie häufig über alle nötigen Ösen für den Anbau von Schutzblechen und Gepäckträgern verfügen. Von der Forderung einer Dynamo-Lichtanlage sahen wir auch ab, um Vertreter der Bauart berücksichtigen zu können. Aber nur Giant und Bulls schickten ausgewiesene Gravelbikes – wobei Bulls mit dem Daily Grinder seine alltagstaugliche Interpretation der Gattung wählte.

Viele Spielarten

Überhaupt zeigen die Reiseräder mit Rennlenker im Test inzwischen erfreulich viele Spielarten. Da sich die Modelle preislich gravierend unterscheiden, haben wir zwei Testklassen gebildet. In die Luxusklasse über 2.000 Euro fallen vor allem Randonneure, die mit vielen Speziallösungen aufwarten und weitgehend individuell aufgebaut werden. Das kann die aufwändige Kombination einer Rohloffnabe mit Rennlenker sein, wie bei Rennstahl und Tout Terrain, wobei Tout Terrain nach unserer Auffassung den Königsweg dafür gefunden hat. Auch feiner Maßrahmenbau aus Stahl, den Norwid in diesem Test vertritt, hat natürlich seinen Preis und ist auch anderswo nicht unterhalb der 2.000-Euro-Grenze zu haben. Aber auch eine besondere Schaltung wie die Shimano Ultegra DI2 am Contoura iWerk kann dazu beitragen, dass die Preisgrenze gesprengt wird.

Gut zu wissen: Wegen der zunehmenden Individualisierung gibt es oft auch eine günstigere Variante als unsere Testmodelle. In der Preisklasse bis 2.000 Euro rollen dagegen fast ausschließlich Serienräder an, bei denen der Käufer auf die Ausstattung festgelegt ist. Einzige Ausnahme bildet das Poison, das im Baukasten des Versenders indivuell von den Reifen bis zum Lenker aufgebaut wird. Dennoch ist die Vielfalt der Serienräder groß. Da gibt es auf der einen Seite Modelle wie das Giant. Es ist ab Werk eher für Fitnesstouren auf unbefestigten Wegen gemacht, kann aber wegen der hohen Gewichtszulassung und vorhandenen Ösen auch für Touren mit Gepäck gut genommen werden. Die andere Seite des Spektrums vertreten Modelle wie das VSF Fahrradmanufaktur oder das Salsa. Beide, besonders aber das Salsa, sind robust aufgebaut und ab Werk mit allem ausgestattet, was man für Fernreisen benötigt. Dafür muss man in der Regel Abstriche in der Fahrdynamik hinnehmen.

Worauf achten?

Ein Randonneur kann nur bedingt belastbares Reiserad, schnelles Sportgerät und Sorglos-Alltagsrad zugleich sein. Unsere Teilnoten in der Tabelle geben darüber Aufschluss, wo das jeweilige Rad beim Spagat zwischen den Einsatzbereichen seine Akzente setzt. Danach richtet sich auch, worauf man bei der Ausstattung achten sollte. Die aufwändige Integration einer Rohloff-Nabenschaltung wie bei Tout Terrain und Rennstahl macht vornehmlich für Vielfahrer im Alltag oder für wochenlange Radreisen Sinn. Fahrradpendler sollten auch auf besonders pannensichere Reifen und eine gute Lichtanlage mit einem hochwertigen Nabendynamo achten. Dagegen zählen für den reinen Reisebetrieb vor allem die Fahreigenschaften mit Gepäck inklusive des sicheren Bremsens und – je nach Fahrergewicht oder angepeiltem Gepäck – die Gewichtszulassung. Persönliche Vorlieben können dann entscheiden, ob bevorzugt eine große Portion Fahrspaß dazukommen soll, wie das Contoura, Bulls, Giant, Norwid oder Velotraum ihn bringen. Oder ob eher der Komfort im Vordergrund stehen soll, wo beispielsweise das Rennstahl gekonnt seine Akzente setzt, aber auch das Velotraum etwas mehr zu bieten hat.

In Sachen Kettenschaltung setzen die meisten Hersteller auf  eine 22-Gang-Rennradgruppe aus den Shimano-Baureihen 105 oder Ultegra von Shimano. Eine gute Wahl: Beide Ensembles bestechen durch butterweiche und exakte Gangwechsel und sind funktional kaum unterscheidbar. Die höchste Schaltperfektion erreicht aber die Ultegra DI2-Gruppe am Contoura. Durch ihre vorbildliche Hebelergonomie und hohe Schaltgeschwindigkeit ist sie der Tipp für sportliche Randonneure. Das beste Übersetzungsverhältnis für Reisen mit mehr Gepäck bieten die Spezial-Kombination am Velotraum und die Shimano Deore-MTB-Gruppe am Salsa Marrakesh.

Das Beste zum Schluss: Die hydraulische Scheibenbremse hat sich am Randonneur fast durchgesetzt. Die Hydrauliksysteme bescheren einen perfekten Druckpunkt und vorbildliches Nassbremseigenschaften – egal ob als reines Bremssystem wie bei Tout Terrain und Rennstahl oder als Schaltbremskombi von Shimano. Unser Tipp für Reisen mit viel Gepäck sind dabei größere Scheiben vorne ab 180 mm Durchmesser. Mechanische Scheibenbremsen würden wir den – nur zweimal montierten – V-Bremsen ebenfalls vorziehen.  

So haben wir getestet

Alle Fahrräder wurden bei den Herstellern zum Test angefordert. Gefragt waren tourentaugliche, mit Schutzblechen ausgestattete Randonneure oder Gravelbikes. Die Räder werden in den gezeigten Kategorien nach einem Punkteschema mit über 90 einzelnen Unterpunkten bewertet: von der Dicke der Reifen und der Qualität der Kontaktpunkte für den Komfort bis hin zur Art der Kabelverlegung, dem Bremsentyp (Stichwort: Wartungsarmut) oder dem Kettenschutz in der Alltagswertung. Hier finden sie mehr Details zum Testschema.

Das Punkteschema für die Reiseräder mit Rennlenker ist nicht direkt mit anderen Reiseradtests vergleichbar. So wurden zum Beispiel die Gepäckträger nur in der Ausstattungswertung berücksichtigt, die nur den materiellen Wert der Ausstattung berücksichtigt, nicht wie gut sie für einen bestimmten Einsatzbereich ist. Wegen des großen Preisspektrums im Test haben wir die Räder für die Vergabe der Top-Produkt- und Preis-Leistungsempfehlungen in zwei Klassen aufgeteilt: Modelle bis 2.000 Euro und Modelle über 2.000 Euro. Als Maßstab für die Bewertung der Gewichtszulassung legten wir ein Fahrergewicht von 90 kg zugrunde sowie ein Gepäck von 15 kg. So konnte ein Rad mit einer Gewichtszulassung von 120 kg in diesem Punkt schon eine gute Bewertung erhalten. Bei unseren Reiserad-tests liegt diese Grenze bei 140 kg. So konnten insgesamt weniger Punkte vergeben werden. Die Bewertung 1,0 gab es für 70 Prozent der Maximal-Punktzahl. Die Bewertungen der Radreisequalität und des Fahrverhaltens beinhalten subjektive Einschätzungen der Tester. So wird etwa die gefühlte Fahrsicherheit bei Lastwechseln mit einem Gepäck von 15 kg mit bis zu 10 von 47 Punkten belohnt. In der Kategorie „Fahrverhalten ohne Gepäck“ machen Einschätzungen der Tester zum Bremsen, Beschleunigen und Geradeausfahren über die Hälfte der Punkte aus.

So haben wir getestet


Testergebnisse im Detail

Tout Terrain 5th Avenue GT

Tout-Terrain

Foto: Lisa Partzsch

Tout terrain

Testbrief: Das Tout Terrain sieht mit seinem rahmenintegrierten Gepäckträger aus Edelstahl nicht nur besonders aus, es steckt auch voller besonderer Lösungen. Eine Alleinstellung verleiht ihm schon der saubere Gates-Riemenantrieb mit Rohloff-Nabe – was das Rad in der Alltagswertung mit an die Spitze bringt. Großes Lob verdienen die Rohloff-Daumenschalthebel der Eigenmarke Cinq, die perfekt mit der Nabe harmonieren und sehr gut zum Randonneur-Konzept passen. Kraft und Standfestigkeit der Scheibenbremsen lassen ebenso wie die sicheren Fahreigenschaften auch schweres Gepäck zu. Das Tout Terrain läuft sauber und schnell geradeaus, zählt aber nicht zu den dynamischsten Rennern. Unsere Test-Ausstattungsvariante Rohloff Gold CDX hat alles an Bord, was edel und teuer ist – und auf Langstrecken Sinn macht, wie der Cinq USB-Lader oder der Lenkanschlag für komfortables Beladen eines (optionalen) Lowriders.

Fazit: Pendler-Rad, Reiserad, schneller Tourer – das perfekt gemachte Tout Terrain 5th Avvenue fährt in allen Disziplinen ganz nach vorne.

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Rennstahl Rohloff-Randonneur

Rennstahl

Foto: Lisa Partzsch

Rennstahl

Testbrief: Das edle Rennstahl ist eher Reiserad mit Rennlenker als reisetaugliches Rennrad. Es schafft Bestnoten im Alltags- wie im Reisebereich und kommt dank der dicken Reifen auch passabel abseits befestigter Wege klar. Dabei hilft die mit schwerem Gepäck bergtaugliche Übersetzung der Rohloff-Nabenschaltung ebenso wie die sehr guten Gepäckträger. Dickes Lob verdient der Komfort, in dem es entscheidende Punkte sammelt: Die breiten Reifen dämpfen, die Sitzposition ist – randonneur-untypisch – leicht aufrecht, und die flexende Titan-Sattelstütze wirkt zusammen mit dem hängemattenartigen Brooks Cambium-Sattel fast wie eine Federsattelstütze. Viele Punkte sammelt das Rennstahl bei der Ausstattung, die nichts zu wünschen übrig lässt. Besonders das Rahmen-Gabelset aus Stahl mit vielen guten Details wie Steckachsen und einer innwandigen Tauchbadbeschichtung für ein langes Leben kann glänzen.

Fazit: Der Allrounder der Randonneure. Das Rennstahl kombiniert den höchsten Komfort mit den höchsten Reisequalitäten in einem edlen Paket.

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Norwid Skagerrak

Norwid

Foto: Lisa Partzsch

Norwid

Testbrief: Das Skagerrak führt vor, was möglich ist, wenn man das Leichtbaupotential von Stahl an einem Randonneur ausschöpft. Das Modell lötet Rahmenbauer Rudolph Pallesen auf Maß nach Kundenwunsch aus einem Mix aus Columbus Zona- und Life-Rohren. Rahmenbautechnische Feinkost findet sich an „Fillet-brazed“, also auftragsgelöteten Verbindungen oder den Edelstahl-Ausfallenden mit filigraner Gestaltung. Sogar die Hydraulikleitung für die sehr gute Scheibenbremse liegt im Rahmen. Trotz robustem, reisetauglichen Aufbau – toll: der Tubus-Titanträger – mit entsprechend ausreichender Gewichtszulassung zählt das Rad zu den leichtesten Modellen. Und es macht beim Fahren großen Spaß. Norwid gelingt eine der stimmigsten Geometrien mit sauberem Geradeauslauf, schnellem Antritt und ruhigem Kurvenverhalten. Dabei bringt die klassische Stahlgabel den Komfort, den die dünnen Reifen ansonsten vermissen lassen würden.

Fazit: Das Skagerrak zeigt Maßrahmenbau aus Stahl von seiner feinsten Seite: stimmige Geometrie, stimmige Ausstattung, stimmiges Rad!

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Velotraum Speedster

Velotraum

Foto: Lisa Partzsch

Velotraum

Testbrief: Der Velotraum Speedster sieht bullig aus, macht aber beim Fahren seinem Namen alle Ehre. Er entpuppt sich schnell als das quirligste Rad im Test, sprintet freudig drauf los und legt sich willig in jede Kurve. Dabei sind die breiten 26-Zoll-Reifen auf richtig breiten Felgen perfekt aufgehoben und sorgen für sehr guten Grip ebenso wie Komfort weit über dem Testdurchschnitt. Zu diesem Charakter passt die ausgewogene Sitzposition, die für gute Kontrolle viel Gewicht auf das Vorderrad bringt, aber dennoch bequem ist. Beim Fahren mit Ladung zeigt sich die überlegene Fahrsicherheit des Alu-Rahmens, der mit 15 Kilo in den Taschen klar unterfordert ist. Auch der hervorragenden Bremsanlage mit 200mm-Scheibe vorne kann man getrost mehr abverlangen als unser Test. Ein schönes Detail ist die 2-fach Kurbel mit einer genau auf den Einsatzbereich und die Laufradgröße abgestimmten Übersetzung.

Fazit: Der Velotraum Speedster beherrscht das dynamische Fahren wie kaum ein anderes Rad im Test, mit wie ohne Gepäck – und mit Komfort.

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Contoura iWerk Randonneur

Contoura

Foto: Lisa Partzsch

Contoura

Testbrief: Der iWerk-Randonneur von Contoura kann im Baukasten der Manufaktur individuell konfiguriert werden – von der Farbe bis zur Schaltungsvariante. Sogar eine elektronische Nabenschaltung mit Rennlenker erlaubt der Rahmen mit verschiebbaren Ausfallenden, der bis zu einer Rahmenhöhe von 63 cm zu haben ist. Für Große interessant! Unser Modell hat – als einziges Testrad – die elektronische Shimano Ultegra DI2 an Bord. Schneller, leiser und bequemer als mit ihr kann man Gänge nicht wechseln. Mit einer leicht sportlichen Sitzhaltung und nur 13 kg Gewicht zählt das iWerk zu den dynamischen Rädern im Test. Das Fahrverhalten ist im besten Sinne ausgewogen. Die mechanischen Schiebenbremsen verzögern gut, hydraulische Modelle würden aber besser zur Top-Funktion der Schaltung passen. Bei der Verarbeitung hebt sich das Contoura mit vielen Sorglos-Details positiv ab.

Fazit: Das iWerk ist ein sportlicher Allrounder. Die elektronische Schaltung und viele stimmige Sorglos-Details glänzen beim schnellen Pendeln.

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Salsa Marrakesh

Salsa

Foto: Lisa Partzsch

Salsa

Testbrief: Das Salsa Marrakesh positioniert sich klar in Richtung Langdistanz-Reisen. Dafür ist es mit dem extrarobusten, wunderschön lackierten Stahlrahmen gut gerüstet. Er trägt viel zu einem unaufgeregten Fahrverhalten mit Gepäck bei. Eine große Zahl von Ösen erlaubt die Montage von jeder Menge Zubehör, wie etwa den montierten Salsa Frontträgern, die sich vielseitig einsetzen lassen. Überhaupt ist der Rahmen eine flexible Plattform: Auch Nabenschaltungen sind dank schwenkbarer Ausfallenden montierbar. Die ausreichend starken mechanischen Avid BB7-Scheibenbremsen und die Lenkerend-Schalthebel sind aufgrund ihrer problemlosen Wartung für Extremreisen die beste Wahl. Der Antrieb mit Deore-MTB-Teilen bietet die größte Entfaltung im Test – gut für lange Bergpassagen mit Gepäck. Besonders gut gefiel uns der komfortabel gebogene Lenker. Er würde auch anderen Bikes stehen.

Fazit: Der beste Randonneur fürs Grobe kommt von Salsa. Ein genügsames, ziemlich komfortables, aber auch nicht ganz preiswertes Rad.

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Poison Taxin

Poison

Foto: Lisa Partzsch

Poison

Testbrief: Versender Poison hat mit dem Taxin einen leichten und überaus fahrstabilen Alurahmen als Basis für sportliche Randonneure im Programm, der individuell bis hin zum eigenen Namenszug als Dekor komplettiert werden kann. Bei den Rahmengrößen werden auch kleine Fahrer fündig. Radler mit großen Füßen können leider an den sanduhrförmigen Kettenstreben mit den Hacken anecken. Unser Rad ist mit leichten Teilen von Controltech sowie Mavic Crossride Systemlaufrädern eher für schnelles sportliches Touren oder den Alltagseinsatz als für lange Reisen ausgelegt. Dafür spricht auch die Sitzposition, die klar die sportlichste im Test ist ebenso wie die eher niedrige Gewichtszulassung. Beim Sprinten und Um-die-Kurve-jagen bereitet das Taxin viel Vergnügen. Die 105-Schaltgruppe ist funktional über jeden Zweifel erhaben, die b+m Batterie-Lichtanlage leuchtet so hell wie mittelklassige Dynamovarianten.

Fazit: Leichter, fahrstabiler Randonneur mit betont sportlicher Auslegung und entsprechender Sitzposition. Viele Wahlmöglichkeiten im Baukasten!

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Schauff Randonneur

Schauff

Foto: Lisa Partzsch

Schauff

Testbrief: Schauff stellt mit dem Randonneur einen klassischen Langstreckentourer für die Straße auf die Räder. Sein sehr langer Radstand prädestiniert das recht leichte Rad fürs Tempomachen auf der Geraden. Eine ungewöhnliche, aber passende Wahl sind die Schwalbe Durano E-Bike-Reifen. Sie laufen schnell und bieten einen guten Pannenschutz. Ihre Schmalheit gleicht der gute Sattel mit etwas Komfort aus. Im Preis spiegelt sich eher das Spezialistentum des Rades und die individuelle Konfiguration als das Niveau der Ausstattung. Gleichwohl sind die Teile der Shimano Tiagra-Gruppe funktional auf der Höhe der Zeit. Die V-Bremsen haben ihre Vorteile in der einfachen Handhabung, können aber in der Kombination mit Rennradhebeln den Scheibenbremsen in Sachen Dosierung und Bremskraft nicht das Wasser reichen. Der schnörkellose Stahlrahmen erweist sich als fahrsicher und dürfte auch schwereres Gepäck gut verkraften.

Fazit: Schauffs Randonneur ist ein solider Straßentourer mit einer robusten, aber einfachen Ausstattung für viele schnelle Kilometer.

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VSF Fahrradmanufaktur TX

VSF_Fahrradmanufaktur

Foto: Lisa Partzsch

VSF

Testbrief: Der TX Randonneur ist schon ein Klassiker im Programm der VSF Fahrradmanufaktur. Und das bewährte Konzept geht gut auf. Für einen fairen Preis hat das Rad alles, was man für lange Reisen auf der Straße braucht: von den zwei Tubus-Gepäckträgern vorne und hinten über die 3 Flaschenhalter bis zur Shimano 105 3-fach-Gruppe – leider die einzige im Testfeld, denn mit einem breiten Übersetzungsbereich und vielen fahrbaren Gängen ist sie eine sehr gute Wahl. Die Schaltfunktion ist sehr gut. Eine ausgewogene, leicht gestreckte Sitzposition verteilt das Gewicht gut über dem Rad. Nicht so gut gefallen hat uns der Lenker mit viel Drop, der zu einer sehr sportlichen Unterlenkerhaltung zwingt. Auch der weiche Sattel mit Geleinsatz ist nicht die optimale Wahl für viele Kilometer auf dem Sitzfleisch. Ein Vorteil: die Zusatzbremshebel für die Mini-V-Brakes. Letztere  verzögern gut, aber nicht so gut wie Scheibenbremsen.

Fazit: Der TX Randonneur ist ab Werk reisefertig für die Langstrecke – ein rundes Paket zum sehr fairen Preis. Nicht der dynamischste Renner.

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Bulls Daily Grinder

Bulls

Foto: Lisa Partzsch

Bulls

Testbrief: Bulls peilt mit dem Daily Grinder bewusst Pendler an, die eine schnelle alltagstaugliche Fahrmaschine für ihre täglichen Wege suchen. Und landet einen Volltreffer. Denn trotz teils luxuriöser Vollausstattung – ein Highlight: die Supernova-Lichtanlage – ist der Daily Grinder das leichteste Rad im Test. Im direkten Vergleich wirkt das Bulls entsprechend am dynamischsten, wobei die griffigen und leichtlaufenden Schwalbe G One-Reifen auch auf Park- und Waldwegen sicher zügig fahrbar sind. Die sehr gut gemachten Laufräder mit breiten Felgen tragen ohnehin einen guten Teil zu dem positiven Fahrerlebnis bei, das der spurtstarke Alurahmen ermöglicht. Schaltung und Bremsen verrichten ihre Arbeit tadellos. Ein Vorteil ist der niedrige Schwerpunkt des neben dem Rad stehenden Gepäckträgers. Seine Zuladung von 18kg Zuladung reicht für Touren – konventionelle Träger mit Ablagefläche sind aber auch montierbar.

Fazit: Top-Fahrleistungen, hochwertige Teile an den richtigen Stellen und Sorglos-Details bringen dem Daily Grinder den Testsieg in seiner Klasse.

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Giant Anyroad 1

Giant

Foto: Lisa Partzsch

Giant

Testbrief: Giant schickt mit dem Anyroad das mit Abstand günstigste Rad in den Test. Sein sehr kurzer Radstand, das geringe Gewicht, die in Serie nicht vorhandenen Schutzbleche und die Reifen mit Seitenstollen legen klar den sportlichen Einsatz abseits der Straße nahe. Das Giant ist das zweitleichteste Rad, fährt sich spritzig und wendig – in engen Kurven kommen die Schuhe leider in Kontakt mit dem Schutzblech. Dabei hat der aufwändig gemachte Aluminiumrahmen enorme Fahrstabilität für den Einsatz mit Gepäck, und die mechanischen Scheibenbremsen verzögern ordentlich – schwere Fahrer wären mit größeren Bremsscheiben besser bedient. Beachtlich ist der hohe Dämpfungskomfort, den die lange Carbonsattelstütze zusammen mit der gut gemachten Carbongabel generiert. Auch die leicht aufrechte Sitzposition spricht komfortbewusste Radler an. Die Tiagra-Ausstattung ist funktional kritiklos und preisgemäß.

Fazit: Das Anyroad verdient mit seinem sehr guten Rahmen und souveränem Fahren die Preis-Leistungsempfehlung. Einfach eine gute Basis.

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7 Gedanken zu “Test: 11 Randonneure und Gravelbikes

  1. Die Gabel des Norwid Skagerrak Randonneur sieht aus, als hätte sie einen Auffahrunfall gehabt. Ich meine das nicht abwertend. Habe selbst dieses Modell, aber bei mir bildet der obere Teil der Gabelscheiden eine Linie mit dem Steuerrohr.

  2. Danke für den Test. Das Daily Grinder oder Salsa ist für meinen Budgetrahmen interessant. Das Velotraum wird in echtem Gelände mit seinen 26 Zollern wohl gut abgehen, bleibt vom Preis her aber ein Velotraum. Aber ich fahr auf Touren hauptsächlich Waldautobahnen auf Schotter, bissle engere Waldböden mit Wurzeln und hätt gern ein Pendlerrad zusätzlich. Das Daily Grinder wirkt da interessant.

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