Kaufberatung: Tubeless Laufräder für schnelle Reiseräder

Tubeless ist am Trekkingrad noch eine junge Technik. Den Reifen ohne Schlauch zu fahren, bietet aber unbestreitbare Vorteile. Geringer Rollwiderstand und hoher Komfort sind die hervorstechendsten. Das legt den Einsatz an schnellen und leichten Reiserädern wie Randonneuren und leichten Trekkingrädern nahe. Passende leichte Laufräder für Scheibenbremsen haben wir ausprobiert.

Tubeless, Laufräder, Reifen

Schwalbes G-One Gravelreifen ist einer der ersten Tubeless-Allrounder. Bild: Gleitsmann

Wer ein schnelles Reiserad fährt, will nicht nur die Landschaft und das Essen genießen. Mit leichtem Gepäck geht es immer auch um die Freude am Fahren: den zügig gekletterten Anstieg, die schneller genommene Kurve oder auch den Abstecher über einen unbefestigten Weg, der sich so schön über die Felder schlängelt.

An keiner Stelle lässt sich das eigene Rad so nachhaltig auf die Fahrspaßspur setzen wie an den Laufrädern und Reifen. Die einfachste Maßnahme ist Maximal-Druck im Reifen – die Angabe für den möglichen Druck findet man übrigens auf der Flanke. Schon fühlt sich das Rad wie beflügelt an. Etwas mehr Aufwand erfordert eine zweite Maßnahme: weniger Gewicht außen am Rad. Schmale Reifen wiegen erheblich weniger als breite. Etwa 100g spart etwa ein 32mm breiter Schwalbe Marathon Supreme gegenüber dem 50mm breiten Modell. Die Diätkur am Rand merkt man sofort daran, dass das Losfahren oder Beschleunigen leichter geht. Darum hält sich das Vorurteil, dass dünne Reifen leichter rollen, hartnäckig, obwohl tatsächlich breite Pneus bei gleichem Druck weniger Rollwiderstand bieten. Damit sind wir bei der dritten Maßnahme: Reifen mit niedrigerem Rollwiderstand. Immerhin bis zu 12 Watt Leistung können die Rollwunder-Reifen sparen, wie unser letzter Labortest zeigte (RADtouren 1/15). Das ist mehr als ein Zehntel der üblichen Tretleistung eines Tourenfahrers.

Die einfache Methode mit den dünnen, prall gefüllten Reifen, der viele vertrauen, hat einen Haken. Sie tut weh. Selbst die kleinste Fahrbahnrille kommt als Stoß an Lenker und Gesäß an. Und der Rest des Laufrades scheidet aus, um den Komfort zu erhöhen. Denn der Verbund aus Felgen, Naben und Speichen dient vor allem einem Zweck: die Kräfte beim Bremsen, Beschleunigen oder Lenken direkt weiterzuleiten. Dafür müssen Laufräder seitenstabil und rigide sein. Ein Laufrad, das weich ist, macht sich zum Beispiel in einem schwammigen Gefühl beim Steuern bemerkbar. Es kann sogar auf schnellen Abfahrten zum Flattern des Lenkers führen. Nicht zuletzt leiden die Teile des Laufrades, wenn sie sich bei Belastung durch Fahrbahnstöße und das Gewicht von Fahrer und Gepäck zu stark verformen. Frühere Speichenbrüche oder Felgenrisse können die Folge sein.

Tubeless beschleunigt

Auftritt: die Tubeless-Technik, zu deutsch „Schlauchlos-Technik“. Zusammen mit der Scheibenbremstechnik eröffnet sie ganz neue Möglichkeiten der Beschleunigung durch neue Laufräder und Reifen. Dafür gibt es technische Gründe. Erstens: Weil Scheibenbrems-Felgen keine Bremsflanken brauchen, können sie leichter sein. Zweitens: Weil Tubeless-Reifen keinen Schlauch benötigen, können sie prinzipiell leichter rollen. Denn die Reibung zwischen Schlauch und Reifendecke schluckt immer etwas Energie. Außerdem besteht keine Durchschlaggefahr. Diese Art Platten kann nur entstehen, wenn der Schlauch zwischen Felge und einem Hindernis wie einem Bordstein eingeklemmt wird. Also nicht beim Schlauchlos-Reifen. Zudem dichtet eine Milch im Inneren Durchstiche automatisch ab. Dadurch kann, drittens: der Druck gesenkt werden, ohne Pannen zu riskieren. Und dadurch wiederum kann – viertens – der Komfort steigen.

Ein bißchen ist ein Tubeless-Reifen wie ein E-Bike. Man muss ihn fahren, um das Aha-Erlebnis zu haben. Alle Tubeless-Reifen, die wir ausprobiert haben, liefen unmittelbar spürbar leichter als vergleichbare Reifen mit Schlauch. Den Fahreindruck belegen auch Zahlen aus dem Labor: So erzielte bereits die 2014er Tubeless-Variante des Schwalbe Marathon Almotion im Test nach unseren Vorgaben um 20 % niedrigere (rund 5 Watt bei 23 km/h) Rollwiderstandswerte als das vergleichbare Modell mit Schlauch. Aktuelle Tubeless Easy- oder Tubeless-Ready-Modelle rollen sogar noch leichter, weil die Seitenwand weiter optimiert wurde.

„Ein Tubeless-Easy-Reifen kann bei gleichem Rollwiderstand grob gesagt mit einem Bar Druck weniger gefahren werden“, fasst Rene Marks, Produkmanager Trekkingreifen bei Schwalbe, die Ergebnisse eigener Labortests zusammen. Was das in der Praxis bedeutet, zeigte sich bei unseren Fahrten mit verschiedenen Reifendrücken. Spontan waren alle zunächst vom niedrigen Rollwiderstand mit hohem Luftdruck beeindruckt. Der Reifendruck der Wahl lag dann aber deutlich niedriger. Fast alle schwärmten am Ende mehr für den Komfort und die gefühlt bessere Bodenhaftung in Kurven, besonders auf unbefestigten Wegen, als für den ultimativen Rollwiderstand. Übrigens: Bei Tubeless-Systemen ist es wichtig, die Reifendruck-Empfehlung für die Felge einzuhalten. Liegt diese niedriger als der mögliche Maximaldruck des Reifens, sollte man sich nach der Angabe auf der Felge richten. Vorbildlich: Bei DTSwiss, Ryde, Stan’s NoTubes und Mavic-Laufradsätzen finden sich entsprechende Angaben auf den Felgen oder auf der Webseite. Mit um die 3,5 bar für einen 42 mm-Reifen liegt die Empfehlung ungefähr auf dem Niveau, das die Tester bevorzugten. „Bei den Angaben auf der Felge handelt es sich wirklich um eine Empfehlung, keine Vorgabe. In der Praxis muss man auch das Fahrergewicht beachten“, schränkt Alexander Schmitt von DTSwiss ein. Wer leichter ist, kann theoretisch tendenziell einen höheren Wert wählen.

Dichtmilch – Segen und Fluch

Pannen gab es bei unseren Testfahrten erwartungsgemäß keine. Dabei muteten wir den für Parkwege und leichtes Gelände gemachten Reifen durchaus auch typische, dick geschotterte Waldwege zu. Einmal kam es vor, dass wir während der Fahrt einen Dorn aus dem Reifen zogen, der sich unterwegs aber nicht bemerkbar gemacht hatte. Die Dichtmilch hatte das Loch von innen gestopft.

Bei allen Vorteilen – die Dichtmilch ist denn auch der einige Wermutstropfen des Systems. Sie muss alle zwei bis drei Monate nachgefüllt werden. Andere oft gehörte Tubeless-Nachteile sind bei modernen Systemen bereinigt. Die Tubeless-Montage geht mit Standpumpe und wenig Hilfsmitteln recht leicht. Wer wenig Geschick hat, lässt das Tubeless-Felgenband kleben – viele Laufräder wie die von Stan’s, DTSwiss und Superlight Bikeparts werden aber bereits mit montiertem Band geliefert. Und im Stand hielt das System die Luft genauso gut wie ein schlechter Schlauch. In drei Wochen entwichen rund 0,3 bar.

Bulls Sabre

Bulls Sabre 29er Laufradsatz. Preis: ca. 370 Euro. Bild: Partzsch

MTB-Laufradsatz, Tubeless Ready

Zul. Gewicht: Fahrer & Gepäck max. 100 kg

Größen*/ Felge außen: 29″, 27,5″ / 25 mm

Gewicht: 1.560 g

Bremstyp: Disc (Centerlock)

Speichen: v.+h. 28, gerade

Freilauf: Shimano, SRAM 8,9,10,11-fach

Einbau: 135/100mm Schnellspanner,
Steckachse bis 142mm und ø 10/15 mm

Besonderheiten: inkl. Schnellspanner,
gerade Speichen

Eindruck: Der leichteste Laufradsatz. Die sehr breite Felge stützt den Reifen sehr gut ab, dadurch gute Kurveneigenschaften und niedrige Drücke für viel Komfort möglich. Trotz geringer Speichenzahl wirkt Bulls Sabre Radsatz sehr steif, die geraden Speichen sind weniger anfällig für Speichenbruch, aber schwerer nachzukaufen. Für Reisen rechtzeitig an Ersatzspeichen denken! Tubeless-Umrüstung und Montage problemlos. Hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis. bulls.de

Superlight Bikeparts Tune Aileron Laufradsatz

Superlight Bikeparts Tune Aileron Disc-Laufradsatz. Preis: ab 669,00 Euro. Bild: Partzsch

Rennrad-Disc-Laufradsatz, Tubeless Ready

Zul. Gewicht: Fahrer & Gepäck max. 120 kg

Größen*/ Felge außen: 28″ / 25 mm

Gewicht: 1.610 g

Bremstyp: Disc (6-Loch)

Speichen / Kreuzung: v. 32 / 3-fach +
h. 32 / 3-fach

Freilauf: Campagnolo / Shimano, SRAM 8,9,10,11-fach

Einbau: 135/100 mm Schnellspanner, Umbau auf Steckachse optional

Besonderheiten: Aufbau nach Kundenwunsch, lebenslange Garantie gegen Speichenbruch, Tubeless-Felgenband vormontiert, differenzierte Speichen, Kreuzungen Carbon umwickelt, auch als Leichtbauversion ab 1.550 g, Aero-Felge

Eindruck: Belastbarster Laufradsatz, mit Rennradgenen. Hohe Felge und hohe Speichenzahl für hohe Seitensteifigkeit, die sich beim Fahren in hoher Lenkpräzision äußert. Die recht breite Felge führt den Reifen gut. Die leichten Tune-Naben sorgen dennoch für ein niedriges Gewicht. Sogar noch belastbarere Varianten sind laut Hersteller machbar. superlight-bikeparts.de

Stan's No Tubes, Grail

Stan’s NoTubes ZTR Grail Laufradsatz. Preis: ab ca. 699,00 Euro. Bild: Partzsch

Rennrad-Disc-Laufradsatz, Tubeless Ready

Zul. Gewicht: Fahrer & Gepäck max. 95 kg

Größen*/ Felge außen: 28″ / 25 mm

Gewicht: 1.630 g (Team)

Bremstyp: Disc (6-Loch)

Speichen / Kreuzung: v. 24 / 3-fach +
h. 28 / 3-fach

Freilauf: Campagnolo / Shimano, SRAM 8,9,10,11-fach

Einbau: 135/100 mm Schnellspanner, Umbau auf Steckachse optional

Besonderheiten: differenzierte Speichen, Tubeless-Felgenband vormontiert, günstigere Variante „Comp“ mit höherer Gewichtszulassung von 110 kg

Eindruck: Eher sportlich orientiert, besonders das von uns getestete Modell „Team“. Die leichte, mittelhohe Felge macht Spaß beim Beschleunigen. Trotz geringer Speichenzahl ist sie ausreichend seitensteif – eine gute Wahl für Pendler, die Tubeless fahren wollen. Für Touren würden wir die deutlich günstigere Version „Comp“ empfehlen. Sie ist bis 113 kg zugelassen. sportimport.de

Jan Gathmann

Über Jan Gathmann

Obwohl Jan Gathmann als Kind immer nur die Fahrräder seiner Cousins geerbt hat, entwickelte er schon damals eine Ader für das Radfahren – vielleicht lag es an der liebevollen Umgestaltung der Erbstücke durch den Vater. Als Chefredakteur gestaltet Jan Gathmann seit 2009 das RADtouren-Magazin mit. In dieser Zeit und in den Jahren zuvor als Technikredakteur saß er schon im Sattel von geschätzt über 600 Testrädern – bis jetzt ohne Verschleißerscheinungen. Am liebsten greift er (auch in der Freizeit) zum Rennlenker von Randonneuren.

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