Nachhaltige Produktsiegel für bewusste Radler

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Radfahren ist besonders ökologisch. Damit man weiß, ob es die Produkte, wie Bekleidung, auch sind, gibt es Siegel, die dies bezeugen. Foto: Shutterstock/ponsulak.

Im Radhosentest 4/16 (RADtouren 4/16 bestellen) haben wir sie zum ersten Mal in die Bewertung integriert: Zertifikate, die ökologische oder faire Produktionsbedingungen auszeichnen.

Erst Anfang des Jahres machte Greenpeace wieder auf das Thema aufmerksam: in Outdoorbekleidung und -ausrüstung finden sich (zu) häufig gefährliche Chemikalien. Dabei geht es vor allem um per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Untersuchungen haben ergeben, dass diese Stoffe sich in der Natur anreichern oder sogar krebserregend sein können.
Für die Outdoor-Branche keine gute Nachricht.
Greenpeace hat deshalb bereits 2011 zu einer Detox-Kampagne aufgerufen. Hersteller und Modemarken verpflichten sich damit bis 2020 Schadstoffe aus ihrer Produktionskette zu verbannen.
Deshalb soll in den Zubehörtest künftig positiv hervorgehoben werden, wenn Outdoor-Marken aktiv etwas für den Umweltschutz oder faire Arbeitsbedingungen tun.
Die Produktsiegel, die die Radhosen aus dem aktuellen Test tragen, werden hier kurz vorgestellt.

Produktsiegel
„Textiles Vertrauen“ auch Oeko-Tex Standard 100

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Logo „Textiles Vertrauen“. Foto: Oeko-Tex.

Wer prüft?
Unabhängige Prüfinstitute in Europa und Japan, die sich in der Oeko-Tex Gemeinschaft zusammengeschlossen haben.

Welche Produkte werden geprüft?
Der Oeko-Tex Standard bezieht sich auf Textilien. Diese werden noch unterschieden in vier Produktklassen. Produktklasse I: textile Artikel für Babys und Kleinkindern bis 3 Jahren; Produktklasse II: hautnah verwendete Textilien (z.B. Unterwäsche); Produktklasse III: hautferne Textilien (z.B. Jacken); Produktklasse IV: Ausstattungsmaterialien (z.B. Vorhänge, Polsterbezüge). Je nach Produktklasse gelten unterschiedliche Schadstoffregulationen.

Was wird geprüft?
Das Zertifizierungssystem gilt für alle verarbeiteten Roh-, Zwischen- und Endprodukte, also z.B. auch das verwendete Garn.
Die Schadstoffprüfung umfasst gesetzlich verbotene Substanzen, reglementierte Substanzen, gesundheitsbedenkliche Substanzen (auch wenn es für diese noch keine gesetzlichen Regelungen oder Verbote gibt) und Parameter zur Gesundheitsvorsorge (z.B. Farbechtheit oder pH-Wert).
Die Grenzwerte für die Substanzen werden jedes Jahr überprüft und aktualisiert.

Fair? Ökologisch? Schadstofffrei?
Das Zertifikat „Textiles Vertrauen“, auch Oeko-Tex Standard 100 bezieht sich auf schadstofffreie, bzw. schadstoffreduzierte Produktion. Faire Produktionsbedingungen werden mit dem STeP-Zertifikat von Oeko-Tex (früher Oeko-Tex Standard 1000) ausgezeichnet.

Informationen zum Zertifikat?
Auf oeko-tex.com gibt es ausführliche Informationen zum Oeko-Tex Standard, auch als PDF. In diesem sind noch einmal alle Prüfkriterien erklärt und sie enthält eine Liste mit allen für die Prüfung relevanten Richt- oder Grenzwerten chemischer Stoffe.

Kritik?
So weit verbreitet das Siegel auch ist, gibt es dennoch Kritik. Greenpeace kritisiert zum Beispiel im neuen Einkaufsratgeber, dass die Grenzwerte der Substanzen zu hoch liegen (im Vergleich mit anderen Siegeln).


Produktsiegel
Green Shape

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Logo „Green Shape“. Foto: Vaude.

Wer prüft?
Green Shape ist ein eigenes Bewertungssystem von Vaude.

Welche Produkte werden geprüft?
Dem Prüfsystem werden alle Vaude-Produkte unterzogen, ob Bekleidung, Zelt oder Tasche.

Was wird geprüft?
Geprüft wird, ob ein Produkt umweltfreundlich ist. Für Vaude gehört dazu z.B. die Nutzung nachhaltiger Materialien und die ressourcenschonende Herstellung. Betrachtet wird außerdem der gesamte Produktlebenszyklus:
Design (wie gut lässt sich ein Produkt reparieren, wie langlebig ist das Produkt)
Materialien (Materialhersteller werden nach ökologischen Kriterien ausgewählt; Einsatz von zertifizierten Materialien und umweltfreundlicher Naturmaterialien; Verzicht aufPTFE-Membrane, Gentechnik, PVC; Verzicht auf fluorcarbonhaltige Oberflächenbehandlung)
Produktion (in Produktionsstätten mit verifizierten Sozial-Standards, umweltfreundliche Druckverfahren)
Gebrauch und Pflege (Waschbarkeit bei niedrigen Temperaturen, ohne chemische Reinigung)
Recycling und Entsorgung (Einsatz recycelbarer Materialien, hochwertige Produktqualität für Secondhand-Nutzung).

Einsatz von zertifizierten Materialien bedeutet: Ein Produkt, das mit Green Shape ausgezeichnet ist, besteht aus Materialen, die das bluesign-Zertifikat oder das Oeko-Tex Standard 100 haben.

Fair? Ökologisch? Schadstofffrei? Oder alles?
Da der gesamte Produktlebenszyklus überprüft wird, wird sowohl auf ökologische, schadstofffreie und faire Produktion geachtet.

Informationen zum Zertifikat?

Neben diesem sehr informativen Film, gibt es auf der Vaude-Homepage und im Nachhaltigkeitsbericht von Vaude  mehr über das Siegel zu lesen.
Anpassungen des Green Shape Bewertungssystems gab es für die Kollektion Winter 2015/2016, zuvor wurde nur das Material bewertet, nun wird der gesamte Produktionsprozess kritisch betrachtet.

Kritik?
Keine.


Siegel
Fair Wear Foundation

Wer prüft?
Die Fear Wear Foundation, eine unabhängige, non-profit Organisation, die sich aus Herstellern/Marken zusammenschließt.

Welche Produkte werden geprüft?
Die Prüfung umfasst Bekleidung im weitesten Sinne, dazu gehören auch Taschen und andere entfernt verwandte Produkte, die aus Textilien bestehen.

Was wird geprüft?
Hersteller/Marken, die der Fair Wear Foundation beitreten, verpflichten sich, die eigenen Produktionsketten zu überwachen. Diese Arbeitsbedingungen müssen erfüllt sein: die Arbeit muss frei, einvernehmlich (geregelt durch einen Arbeitsvertrag) und gleich sein, es gibt keine Kinderarbeit, Arbeiter haben Versammlungsfreiheit, Arbeiter bekommen den Mindestlohn und haben festgelegte Arbeitszeiten, das Arbeitsumfeld ist sicher und gesund. Die Einhaltung wird von der FWF in sogenannten Brand Performance Checks überprüft.

Fair? Ökologisch? Schadstofffrei? Oder beides?
Fair. Allerdings ist das Fair Wear Foundation-Logo kein Zertifikat im engsten Sinne. Es zertifiziert keine fairen Produkte oder 100% faire Arbeitsbedingungen. Es zeigt (nur), dass die teilnehmenden Marken sich einer freiwilligen Selbstkontrolle unterziehen, ihre Produktionsbedingungen so fair wie möglich zu gestalten.

Informationen zum Zertifikat?
Gibt es auf der Homepage in englischer Sprache.

Kritik?
Nur in sofern, als dass das Logo eben kein Zertifikat für 100% fair ist, so aber manchmal von außen wahrgenommen wird.


Produktsiegel
Fair Sports Wear

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Logo „Fair Sports Wear“. Foto: Löffler.

Wer prüft?
Löfflers hauseigenes Logo zur Verbildlichung der Firmen-Philosophie.

Welche Produkte werden geprüft?
Alle Produkte von Löffler (heißt das auch, alle tragen das Siegel?)

Was wird geprüft?
Das Siegel ist eine Bekenntnis zum Produktionsstandort Europa/Österreich. Nach eigenen Angaben liegen 80% der Produktion in Österreich, dies beginnt bei Produktentwicklung und Design und reicht bis Marketing und Vertrieb.

Fair? Ökologisch? Schadstofffrei? Oder alles?
Fair und dazu auch regional, weil in Österreich/Europa.

Informationen?
Gibt es auf der Webseite von Löffler.

Kritik?
Keine.


Siegel
STeP-Zertifikat (Sustainable Textile Production)

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Logo STeP. Foto: Oeko-Tex.

Wer prüft?
Die Oeko-Tex-Gemeinschaft, siehe „Textiles Vertrauen“.

Welche Produkte werden geprüft?
Das Siegel zeichnet Hersteller, Marken und Handelsunternehmen entlang der textilen Kette aus, aber keine Produkte.

Was wird geprüft?
Umweltfreundliche Produktionsprozesse und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen. Überprüft werden Chemikalien und ihr Einsatz, Umweltleistungen des Unternehmens, Umweltmanagement, soziale Verantwortung, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement.

Informationen?
Auch zum STeP-Zertifikat gibt es auf der Oeko-Tex-Homepage ausführliche Informationen und PDF-Dokumente.

Kritik?
Keine.

Weitere Siegel: 

Produktsiegel
Bluesign

Web

Logo Bluesign. Foto: Bluesign Technologies AG.

Was wird geprüft?
Überprüft wird die gesamte textile Produktionskette von Lieferanten, Hersteller, Marken. Im Fokus steht dabei die nachhaltige Herstellung, eine umweltfreundliche und sichere Produktion. Umweltbelastende Substanzen werden aus dem Fertigungsprozess ausgeschlossen, bzw. stark begrenzt.
5 Prinzipien sind Grundlage von Bluesign:
Ressourcenproduktivität: geringer Ressourcenverbraucht, geringe Umweltbelastung, kleiner ökologischer Fußabdruck
Verbraucherschutz: Prüfung der Produktionskette auf Nachhaltigkeit; Bluesign gibt das Versprechen hochwertige Textilprodukte ohne Gesundheitsrisiken bereitzustellen.
Gewässerschutz: Wasserkreislauf sauber halten, nachhaltige Einsatzstoffe, optimierte Produktionsverfahren
Immissionsschutz: Reduktion der Cos-Emissionen, Reinigung der Abluft, Recyclebare Inhaltsstoffe
Arbeitsschutz: Schutz der Gesundheit von Mitarbeitern, Mitarbeiterschulung im Umgang mit Gefahrenstoffen

Fair? Ökologisch? Schadstofffrei? Oder alles?
Schadstofffrei, mit teilweise sehr starken Grenzwerten und vielen umweltbelastenden und gesundsgefährdenden Stoffen auf der schwarzen Liste.

Information?
Relativ ausführliche Information auf der Homepage (bluesign.com)

Kritik?
Eigentlich ein sehr strenger Standard. Langkettige Fluorverbindungen (C8, perfluorierende Stoffe) sind verboten, die Alternativen, kurzkettige Fluorverbindungen (C6) jedoch noch nicht, obwohl sie nach Greenpeace ebenso gesundheits- und umweltschädlich sind.

 

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